
Das Wappenschild der Norder Küsten-Wallfahrt mit der Gottesmutter als Stella Maris, gemalt von Martin Willing.
Neue Pilgergruppe in der Diaspora
Starkes Gefühl, Teil der Weltkirche zu sein
Kevelaer. In der norddeutschen Diaspora hat sich eine neue Pilgergemeinschaft gegründet, die im September nach Kevelaer pilgert. Kirche+Leben sprach mit Pilgerleiterin Hildegard Soerjanta (68) von St. Ludgerus Norden, die die Gruppe aus dem Nordwesten Deutschlands in diesem Jahr zum zweiten Mal in den Marienwallfahrtsort geleitet.
Kirche+Leben: Frau Soerjanta, Sie sind früher schon nach Kevelaer gepilgert?
Hildegard Soerjanta: Meine Eltern, Heinrich Otto und Marianne Schröder, waren in St. Augustin zu Hause und sind viele Jahre mit der traditionsreichen und mittlerweile 310 Jahre alten Bonner Kevelaer-Bruderschaft an den Niederrhein gepilgert. Von 1984 bis 1989, da wohnte ich mit meiner eigenen Familie längst in Norden, zog ich sechsmal mit.
Kirche+Leben: Das Pilgern – war das eine Liebe auf den ersten Blick?
Soerjanta: Nein, mit dem Gedanken, acht Tage bei Wind und Wetter auf den eigenen Füßen zu sein, musste ich erst warm werden. Zu Beginn der 1980er Jahre durchlebte ich eine schwere Zeit. Damals entschloss ich mich, nach Kevelaer zu pilgern. Mir half die Gewissheit, dass die Muttergottes zu allem, was ihr damals geschah, aus freiem Willen ihr uneingeschränktes Ja" gesprochen hatte, keine Prüfung hatte sie davon abbringen können, nicht einmal die Erfahrung unter dem Kreuz. Schon durch ihr Beispiel ist sie den Betrübten Trösterin, Mittlerin, Helferin in allen Nöten und Mutter des guten Rates.
Kirche+Leben: Zur Gottesmutter pilgern jetzt auch Norder Gläubige. Wie kam es, dass in der Diaspora eine Wallfahrtsgruppe entstand?
Soerjanta: Bei einer Feier unserer Gemeinde unterhielt ich mich mit zwei neuen Pfarrangehörigen. Sie waren aus Kevelaer zugezogen und erzählten anschaulich von den Besonderheiten dieses Gnadenortes; ich berichtete von unseren Wallfahrten mit den Bonnern, und bald darauf war die Idee geboren, eine Wallfahrt nach Kevelaer ins Leben zu rufen. Wir Drei haben sie organisiert. Und gleich beim ersten Mal waren zwei Dutzend Gläubige dabei und kehrten bereichert aus Kevelaer zurück. Von ihnen haben sich jetzt schon einige für die zweite Wallfahrt im September angemeldet.
Kirche+Leben: Was reizt Sie am Pilgern?
Soerjanta: Ich durfte auf meinen Fußwanderungen erleben, wie beruhigend der Rhythmus des Laufens ist, wie tief das Beten mit den Füßen geht und wie gut die Einsicht tut, unterwegs zu Gott zu sein. Alles löst sich – Alltagssorgen, Anspannung – und öffnet sich zu freier Sicht auf das Wesentliche.
Kirche+Leben: Aber Sie gehen von Norden aus nicht zu Fuß nach Kevelaer?
Soerjanta: Nein, sicher nicht. Zwar gehen rund 150 Bonner jährlich 240 Kilometer, aber 320 Kilometer, das wäre ein bisschen viel, besonders für unsere älteren Mitpilger. Wir fahren mit dem Bus. Dennoch sind die Erfahrungen vergleichbar. Es kommt letztendlich nicht auf die Art der Fortbewegung an, sondern auf das gemeinsame Glaubenszeugnis, auf die Intensität des Betens und auch des Schweigens. Still werden vor Gott, zur Ruhe kommen vor Gott – das kann in der Not sehr erleichtern.
Kirche+Leben: Dann gehen Ihre Erfahrungen über den bekannten Spruch hinaus: Der Weg ist das Ziel. Zwar geschieht auf dem Weg viel Zielführendes, aber das Ziel ist Christus.
Soerjanta: So haben wir es erlebt. Die Muttergottes ist unsere Mittlerin vor ihm. Wir tragen unsere Anliegen pilgernd und vertrauensvoll zu ihr hin.
Kirche+Leben: Und Maria hilft?
Soerjanta: Sie hilft, das habe ich selbst erfahren. Nur dürfen wir nicht davon ausgehen, dass sie alles regelt, wie wir es erwarten. Oft spüren wir erst viel später, dass sie den besseren Weg für uns gesehen hat. Darauf dürfen wir vertrauen. Vorweg geht bei jeder Prozession das Kreuz. Menschen sind, wie Maria damals an Karfreitag, mit seinem Kreuz und dem eigenen Kreuz unterwegs.
Kirche+Leben: Wie haben Sie und Ihre Mitpilger die erste Norder Küsten-Wallfahrt erlebt?
Soerjanta: Während der vierstündigen Anreise haben wir uns mit Hilfe eines Text- und Lied-Heftchens, das ich für alle zusammengestellt hatte, dem Gnadenort betend und singend genähert. Natürlich blieb auch viel Zeit für Gespräche. Aber wir wollten schon deutlich machen, dass wir nicht zu einem touristischen Ereignis fahren. Wohl alle aus unserer Gruppe waren mit persönlichen Anliegen gekommen und fühlten sich im Gnadenort durch unsere Gemeinschaft, durch die in der Diaspora ungewohnte Fülle der Liturgie und durch die Eucharistie mitgetragen. Bei der Lichterprozession fühlten wir uns mit den vielen fremden Menschen als große Gemeinschaft, in der alle für dieselben Werte stehen. Es war ein starkes und stärkendes Gefühl, Teil der Weltkirche zu sein.
Kirche+Leben: Jede Idee braucht ihre äußeren Zeichen.
Soerjanta: Unsere Pfarrangehörige Tatjana Tjaden hat eine wunderschöne Wallfahrtskerze gestaltet. Sie zeigt unsere Norder Ludgerus-Kirche über Wellen. Und Martin Willing, Mitgründer unserer Wallfahrt, hat einen Wappenschild auf mehr als 100 Jahre alte Eiche gemalt – die Stella Maris durchschreitet die Welt. Beide Zeichen haben im vergangenen Jahr in der Kerzenkapelle ihren Platz gefunden.
Kirche+Leben: Was zeichnet Kevelaer aus?
Soerjanta: Auch wenn die Straßen voll sind, gibt es überall Orte, wo ein Pilger zur Ruhe kommen kann. Ich bin früh morgens zum Gnadenbild gegangen, um ganz für mich zur Andacht zu kommen. Da war ich wieder berührt von dem kleinen unscheinbaren Bild, das so sehr für das Leben der Gottesmutter steht. Sie hat nie Aufhebens von sich gemacht. Das verblasste Papier passt ganz zu dem, was Maria auszeichnet. Nicht sie steht im Mittelpunkt, sondern der, dem sie uns vorstellt.
Mehr zum Thema in kirchensite.de:
Interview: Delia Evers | Foto: Delia Evers in
Kirche+Leben
04.05.2009
Hildegard von Bingen
Die Benediktinerin Hildegard von Bingen ist von Papst Benedikt XVI. zur Heiligen der Universalkirche erhoben worden.
Bistumspartnerschaft
Der Grundstein für eine Partnerschaft zwischen den Diözesen Tula in Mexiko und Münster wurde auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil in Rom gelegt.
Service für Sie
Spruch des Tages
Reden, Fragen, Antworten finden
Seelsorger/-innen
Heiligenlexikon in "kirchensite.de"
im
Heiligenkalender können Sie nach Monaten blättern. Oder wählen Sie hier nach Buchstaben aus:
Kontakt
kirchensite-Redaktion:
redaktion
kirchensite.de
Lebenshilfe+Seelsorge:
Martin Weber
weber
kirchensite.de
Technik:
technik
dialogverlag.de












Newsticker für Ihr Web