
Pfarrer Karl Jasbinschek mit Kindern seiner Gemeinde vor der Patenwand in der Warendorfer St.-Josef-Kirche.
Vorbereitung auf die Erstkommunion
Gebets-Paten begleiten Kommunionkinder
Warendorf. Mit einer pfiffigen Idee machen die drei Warendorfer Gemeinden St.
Josef, St. Johannes (Milte) und St. Bartholomäus (Einen) ihren rund 90 Kommunionkindern in diesem Jahr offenbar eine Riesenfreude: Sie haben erstmals so genannte Gebetspatenschaften eingeführt.
Mitglieder aus der Gemeinde schreiben den Kindern alle 14 Tage einen kleinen Brief mit einem Gruß, einem Gebet und anderen persönlichen Worten. Die Texte werden in eine so genannte Patenwand gesteckt. Das ist ein großes, selbst genähtes Tuch mit vielen kleinen aufgesetzten und durchnummerierten Taschen - für jedes Kind eine. Die Patenwände hängen in den Pfarrkirchen. Dort sind sie derzeit für die Kommunionkinder Anziehungspunkt Nummer eins: Die Jungen und Mädchen sind neugierig, was in ihrem Fach steckt. Ein neuer Brief? Eine Karte? Ein Bild?
Freude an Überraschungen
Das Projekt nutzt die kindliche Freude an kleinen Überraschungen und macht den Weg zur Erstkommunion noch spannender. Hinter der Aktion steckt der Gedanke, dass nicht nur Eltern und Großeltern die Jungen und Mädchen in dieser besonderen Zeit begleiten sollen, sondern die gesamte Gemeinde. "Viele Erwachsene trauen sich heute nicht mehr zu, andere Menschen im Glauben zu ermutigen", hat Pastor Karl Jasbinschek die Erfahrung gemacht. Die Gebetspatenschaften sollen dabei helfen, das zu ändern. "Vorbild sind wir alle", sagt der Geistliche.
Gleichzeitig soll die Verbundenheit unter den Gemeindemitgliedern gestärkt und den Kindern das Gefühl vermittelt werden, dass andere Menschen an sie denken, sich für sie interessieren und sie auf ihrem Weg begleiten. "Kinder brauchen Haltepunkte, um sich zu orientieren", bringt es Pastor Jasbinschek auf den Punkt. Die Gebetspaten leisteten dazu einen Beitrag.
Kleiner Aufwand, große Wirkung: "Ich freue mich darüber. Die Texte treffen genau meinen Geschmack." So und so ähnlich kommentieren Kinder aus den drei Gemeinden die Idee.
Paten bleiben zunächst anonym
Aber Julia, Jan, Lukas, Carolin und ihre Altersgenossen rätseln auch, wer die Absender sind. Um den Spannungsfaktor zu erhöhen, bleiben die Gebetspaten bis kurz vor der Erstkommunion anonym.
Im wahrsten Sinne des Wortes "angezettelt" wurde die Aktion vor einigen Wochen im Gottesdienst. Wer Interesse hatte, eine solche Patenschaft zu übernehmen, konnte ein Los mit einer Nummer ziehen. Diese Zahlen entsprechen den Nummern auf den Fächern der Patenwand. Daneben hängt eine Liste mit den entsprechenden Namen. So können die Paten sehen, wen sie betreuen. Viele kennen "ihre" Kinder nicht persönlich.
Manche erhalten sogar Post zurück. Dafür stecken die Drittklässler ihre Nachrichten in die Fächer auf der Patenwand und adressieren sie "An meinen Paten". Nicht nur Erwachsene, sondern auch ältere Kinder engagieren sich bei der Aktion. "Wichtig ist uns, dass keine Geschenke gemacht werden und die Eltern nicht den Eindruck haben, sie seien den Paten zu besonderem Dank verpflichtet", erklärt Pastor Jasbinschek. Dass er mit dem Projekt ins Schwarze getroffen hat, freut ihn. 2010 plant er eine Neuauflage.
Stichwort: Weißer Sonntag
In der jungen Kirche war die Osternacht der einzige Tauftermin. Bei der Taufe erhielten die Täuflinge (meist Erwachsene) weiße Kleider als Zeichen für die Reinigung von aller Schuld und das neue Leben mit Christus, das in der Taufe begonnen hat. Diese Gewänder trugen die neuen Christen bis zum Sonntag nach Ostern, der daher den Namen "Weißer Sonntag" erhielt. Seit dem 18. Jahrhundert wurde dieser Tag weithin als Tag der Erstkommunion genutzt. Zum Teil geschieht dies noch heute in einigen Gemeinden. Weitere Erstkommunion-Termine sind das Hochfest Christi Himmelfahrt und der Sonntag davor und danach.
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Text: Marita Galka | Foto: Marita Galka in
Kirche+Leben
20.03.2009
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