
- Andreas Fritsch, Münster.
Interview mit Andreas Fritsch
Gespräch über das Profil des Pfarrgemeinderats
Bistum. Im Gespräch äußert sich der Leiter der Fachstelle Gemeindeberatung im Bistum Münster, Andreas Fritsch, über die anstehende Pfarrgemeinderatswahl.
Kirche+Leben: Bei der Vorbereitung der Pfarrgemeinderatswahl haben Sie den Gemeinden den Ratschlag gegeben, die Kandidaten sollten das Talent eines "Strategen" mitbringen. Was meinen Sie damit?
Andreas Fritsch: Der Begriff Stratege ist nicht misszuverstehen im Sinn von hinterhältig oder als jemand, der mit verdeckten Karten spielt. Gemeint sind diejenigen, die ein Talent haben und die Lust haben, sich mit den grundlegenden Perspektiven der Gemeindeentwicklung auseinander zu setzen. Strategische Kompetenz als Fähigkeit, längerfristig zu denken und zu planen, wird eine der Kernaufgaben der künftigen gewählten Gremien sein.
Kirche+Leben: Sie plädieren dafür, die Pfarrgemeinderatsarbeit längerfristig auszurichten. Wie soll sich Arbeit dieses Gremiums ändern?
Fritsch: Die Pfarrgemeinderatsarbeit längerfristig auszurichten, hat mehrere Vorteile. Eine längerfristige Perspektive ermöglicht letztlich die Festlegung von Prioritäten. Wenn ich mich zum einen mit den Stärken und Schwächen meiner Gemeinde, den Zeichen der Zeit sowie mit der Frage, in welche Zukunft uns Gott an unserem jeweiligen Ort mit seiner Kirche führen will, auseinander setze, können grundsätzliche Entscheidungen reifen, welche Schwerpunkte eine Gemeinde für die kommenden Jahre entwickelt und in welchen Bereichen sie künftig nicht mehr soviel Energie investiert. Ziel muss es sein, zu bewussten Entscheidungen zu kommen.
Kirche+Leben: Viele Gemeinden haben durch Fusionen einen größeren pastoralen Raum in den Blick zu nehmen. Wie können Pfarrgemeinderäte das Zusammenwachsen der Gemeindeteile unterstützen?
Fritsch: Der Pfarrgemeinderat muss sehr genau darauf achten, wie das Zusammenwachsen der neuen Gemeinde gelingen kann, ohne die Lebendigkeit in den Gemeindeteilen aus dem Blick zu verlieren. Hilfreich ist das alte Prinzip der Subsidiarität. All das, was vor Ort gut geleistet werden kann, sollte vor Ort möglich bleiben. Allerdings mit einer Einschränkung: Bei all dem, was in den einzelnen Gemeindeteilen geschieht, gilt es, auch von dort aus immer das gemeinsame Ganze im Blick zu behalten. Das ausschließliche Schauen auf nur einen Gemeindeteil ist zu vermeiden. Es gilt aber deutlich festzuhalten: Die Lebendigkeit einzelner Gemeinden oder Gemeindeteile steht und fällt nicht ausschließlich mit dem Pfarrgemeinderat. Gemeinden und Gemeindeteile werden dort lebendig bleiben, wo es Menschen gibt, die miteinander ihren Glauben feiern und bekennen, sei es nun auf Ebene der Pfarrei oder einer Filialgemeinde.
Kirche+Leben: Wie lässt sich in einem Pfarrgemeinderat, der viele organisatorische Dinge zu bewältigen hat, ein geistlicher Prozess für die ganze Gemeinde in Gang setzen?
Fritsch: Ein Pfarrgemeinderat kann nur dann unterstützend für einen geistlichen Prozess in der Gemeinde tätig werden, wenn seine Mitglieder selbst ihr Amt stärker als Berufung ihres Christseins verstehen. Dort, wo es nicht mehr darum geht, möglichst alle Gruppierungen der Kerngemeinde im Pfarrgemeinderat abzubilden, sondern nach Christinnen und Christen Ausschau zu halten, die dieses Engagement als ihr Charisma ansehen, entsteht im Pfarrgemeinderat eine neue innere Kraft für dieses Amt. Unerlässlich ist dann im Pfarrgemeinderat eine eigene geistliche Kultur, die nicht nur darauf setzt, zu Beginn einen kurzen Moment der Besinnung zu halten, sondern die deutlich macht, dass dieses ehrenamtliche Engagement gleichsam durchtränkt ist von einer gemeinsamen Spiritualität.
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Interview: Johannes Bernard | Foto: Archiv in
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