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30.05.2016
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Kardinal Joseph Ratzinger.

Ratzingers Feminismus-Kritik

Das Vatikanpapier und die Bild-Zeitung

Von KNA-Redakteur Ludwig Ring-Eifel
Vatikanstadt. Als Kampfansage des Papstes "gegen den weltweiten Feminismus" hat die "Bild"-Zeitung das jüngste Vatikanpapier über die Rolle der Frau in Kirche und Gesellschaft bereits am Freitag (30.07.2004) verkauft. Die weltweit von Nachrichtenagenturen aufgegriffene Schlagzeile sorgte dafür, dass das Dokument der Glaubenskongregation schon vor seiner Veröffentlichung am Samstagmittag pauschal in Misskredit geriet.

Hilflos musste der Vatikan zusehen, wie ein Text, der sich gegen eine bestimmte Fraktion von feministischen Denkerinnen richtete, nach den Wahrnehmungsmustern des Boulevard-Journalismus zurechtgehackt wurde. Die Bild-Zeitung, die als einzige ausländische Zeitung in Rom die Sperrfrist für die Berichterstattung über den Text gebrochen hatte, hatte dabei ein fast weltweites Monopol.

Von Australien bis in die USA berichteten Agenturen und Zeitungen ausschließlich das, was der Vatikan laut dem Springerblatt gesagt haben soll. Am Ende blieb der Eindruck hängen, als habe der Papst eine frauenfeindliche Attacke gegen die Gleichberechtigung geritten.

Der verkannte Ratzinger

Dass Kardinal Joseph Ratzinger in dem Text dazu aufrief, "jegliche ungerechte geschlechtliche Diskriminierung zu bekämpfen" und die "gleiche Würde" von Mann und Frau zu verteidigen, blieb ebenso unerwähnt wie der eigentlich unmissverständliche Satz: "Diese Anmerkungen wollen eine Sichtweise korrigieren, in der die Männer als Feinde betrachtet werden."

Doch "Bild" bot andere Leckerbissen. Der Vatikan werfe dem Feminismus vor, "die biologischen Unterschiede zwischen Mann und Frau abzuschaffen". Dass selbst konservativste Kurienkardinäle "dem Feminismus" nicht im Ernst solche Absichten unterstellen, liegt eigentlich auf der Hand. In Wahrheit wird in dem Papier eine Tendenz beklagt, welche "die leibliche Verschiedenheit auf ein Minimum reduziert".

Biologische Unterschiede

Angriffsziel dieser Attacke ist, und das geht aus dem Text klar hervor, eine bestimmte Denkschule im Feminismus, die behauptet, dass die Unterscheidung männlich-weiblich nicht biologisch vorgegeben sei, sondern kulturell "konstruiert" werde. Für die Theologie und auch für die Morallehre bringt dieser auch im Feminismus nicht unumstrittene Ansatz erhebliche Konsequenzen mit sich, und mit denen setzt sich das Papier auseinander.

Es arbeitet vor allem die Sicht der Bibel heraus, wonach der Unterschied der Geschlechter eine unaufhebbare Vorgabe ist. "Mann und Frau sind von Beginn der Schöpfung an unterschieden und bleiben es in alle Ewigkeit", heißt es in dem Text. Diese Verschiedenheit beinhalte aber gerade die "Möglichkeit zur Zusammenarbeit in gegenseitiger Achtung der Verschiedenheit".

"Völlig falsch"

Da es der Vatikan versäumte, eine begleitende Pressekonferenz zu dem anspruchsvollen Text zu organisieren, hatte er kaum Korrekturmöglichkeiten zu den Medien-Verzerrungen. Der Leiter der deutschsprachigen Abteilung von Radio Vatikan, Pater Eberhard Gemmingen, war über die inhaltliche Verdrehung so erbost, dass er dem deutschen Boulevardblatt in einer Pressemitteilung eine Einstweilige Verfügung an den Hals wünschte, weil es den Text "völlig falsch" wiedergegeben habe.

Das Dokument selbst, an dem mehrere Experten, darunter auch eine Frau, lange gearbeitet haben, entpuppte sich auf den zweiten Blick sich als durchaus interessanter Text, der mehr enthält als nur die Wiederholung bekannter Positionen. Seine Stärke liegt darin, dass er die Realität von Machtmissbrauch und Unterdrückung im Verhältnis von Mann und Frau ausdrücklich anerkennt und den Weg zur Versöhnung der Geschlechter theologisch zum Thema macht.

Anregung zur Diskussion

So heißt es in dem Papier unter Hinweis auf eine Aussage des Apostels Paulus: "In Christus können die Rivalität, die Feindschaft und die Gewalt, welche die Beziehungen von Mann und Frau entstellt haben, überwunden werden." Für die künftige theologische Diskussion bietet das Dokument etliche Ansatzpunkte.

Text: KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH, 01.08.2004

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- Vatikan warnt vor feministischen Verirrungen

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