
- Anna Katharina Emmerick hatte eine große spirituelle Begabung.
Anna Katharina Emmerick
Mystikerin des Münsterlandes
Als ältestes Mädchen der Familie stand sie in der Verpflichtung, intensiv bei der Hausarbeit mitzuhelfen. So war sie nur wenige Wochen in der Schule, lernte aber dabei Lesen und Schreiben. Auf Drängen der Mutter blieb sie in der Zeit von 1786 bis 1788 als Magd auf dem elterlichen Kotten. Von 1791 bis 1793 war sie als Lehrmädchen bei einer Näherin in Coesfeld und von 1794 bis 1798 arbeitete sie als Näherin und Hausschneiderin in den umliegenden Bauernschaften.
Nach mehreren vergeblichen Versuchen, in ein Kloster aufgenommen zu werden, arbeitete sie 1799 bis 1802 bei dem Küster und Kantor Söntgen in Coesfeld, um bei ihm das Orgelspiel zu lernen.
Anna Katharina Emmerick hatte eine große spirituelle Begabung. Schon früh meditierte und betete sie stundenlang. Ihre besondere Verehrung galt dem so genannten "Coesfelder Kreuz". Einer Darstellung, die besonders das Leiden Jesu zum Ausdruck bringt. Bei der Meditation des Gekreuzigten empfing sie zunächst auf eine ganz innerliche Weise die Wundmale Jesu.
1802 konnte Anna Katharina Emmerick gemeinsam mit der Tochter des Küsters Söntgen in das Augustinerinnen-Kloster Agnetenberg in Dülmen eintreten. Klara Söntgen hatte sich sehr dafür eingesetzt, dass Anna Katharina Emmerick mit ihr in das Kloster aufgenommen wurde. Denn diese hatte auf Grund der extremen Arbeitsbelastung im Haus Söntgen das Orgelspiel nicht erlernen können. Auch ihr gesamter Besitz war beim Ausgleich der desolaten Finanzen der Familie Söntgen dahingeschmolzen.
Betrug nicht nachweisbar
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Emmerick verehrte vor allem das |
Das geistliche Leben im Kloster Agnetenberg war in vieler Hinsicht zum Erliegen gekommen. Anna Katharina Emmerick wurde von ihren Mitschwestern praktisch wie eine Magd behandelt. Durch die sozialen und gesellschaftlichen Umwälzungen im Zuge der napoleonischen Kriege wurde 1809 in einem Teil des Klosters ein - wie man es damals nannte - "Tollhaus" eingerichtet, das eine der frühesten psychiatrischen Einrichtungen dieser Art in Deutschland war.
Nach der Auflösung des Klosters im Jahre 1811 verließ Anna Katharina Emmerick ihre "Klosterheimat" als letzte der Schwestern und zog nach Dülmen, wo sie im Hause eines französischen Priesters, Abbé Lambert, als Wirtschafterin und Haushälterin bis 1813 beschäftigt war.
1812 wurden die Stigmatisationswunden auch äußerlich sichtbar. Zunächst zeigte sich auf der Brust ein Doppelkreuz, dass große Ähnlichkeit mit dem "Coesfelder Kreuz" hatte. Dann zeigten sich die Wunden auf der Stirn und schließlich an den Händen.
Im Jahre 1813, Anna Katharina Emmerick war krank und bettlägerig geworden und konnte mit extrem wenig Nahrung leben, wurden kirchliche Untersuchungen durch den Generalvikar von Münster angeordnet und durchgeführt. 1819 folgte eine staatliche Untersuchung. Diese Aktionen waren für Emmerick in vielerlei Hinsicht bedrückend und entwürdigend. Einen Betrug konnte man ihr weder bezüglich der Stigmatisation noch bezüglich der Nahrungslosigkeit nachweisen.
Darstellung in dichterischer Form
Im Jahre 1819 kam der damals berühmte Dichter Clemens Brentano nach Dülmen, wo er mit kleineren Unterbrechungen bis 1824 blieb. Er war von der Frömmigkeit und den Visionsbildern der Emmerick tief beeindruckt. Ihre Erfahrungen und Visionen legte er schriftlich nieder und gestaltete sie in dichterischer Form.
Nach bekannt werden der Stigmatisation und der Nahrungslosigkeit kamen viele religiös interessierte Menschen nach Dülmen. Die Besucher und Besucherinnen stammten aus allen Kreisen der Kirche und Gesellschaft.
Am 9. Februar 1824 starb Anna Katharina Emmerick in Dülmen, wo sie als Heilige verehrt wurde. 67 Jahre nach ihrem Tod begann ein Informationsprozess zu ihrer Seligsprechung, dieses Verfahren wurde jedoch 1927 eingestellt. Auf Veranlassung des münsterischen Bischofs Heinrich Tenhumberg wurde dieser Prozess 1973 neu eröffnet.
Seit 1975 befindet sich ihr Grab in der Krypta der Heilig-Kreuz-Kirche in Dülmen.
Quelle: "Seitenwunde - oder die Kunst Anna Katharina Emmerick zu verstehen - Portrait in Comicform", dialogverlag Münster 2000
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