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27.03.2017
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Aus dem kirchensite.de-Archiv

Bibelarbeit im August 2005

Nur der Tod wird scheiden zwischen Dir und mir ...

6Und sie stand auf, sie und ihre Schwiegertöchter, um aus den Feldern Moabs zurückzukehren. Denn sie hatte im Feld Moabs gehört, dass sich JHWH seines Volkes angenommen hatte, indem er ihnen Brot gab. 7Da zog sie weg von dem Ort, an dem sie war, und ihre zwei Schwiegertöchter mit ihr. Und sie gingen auf dem Weg, um zurückzukehren in das Land Juda.
8Da sagte Noomi zu ihren zwei Schwiegertöchtern:
"Geht, kehrt zurück, jede in das Haus ihrer Mutter! JHWH tue an euch Güte, wie ihr sie an den Toten und an mir getan habt. 9Es gebe euch JHWH, dass ihr Ruhe findet, jede im Hause ihres Mannes!"
Und sie küsste sie.
Sie aber erhoben ihre Stimmen und weinten. 10Und sie sagten zu ihr:
"Nein, mit dir wollen wir zurückkehren zu deinem Volk!"
11Da sagte Noomi:
"Kehrt zurück, meine Töchter! Warum wollt ihr mit mir gehen? Gibt es für mich noch Söhne in meinem Innern, die für euch zu Männern werden könnten? 12Kehrt zurück, meine Töchter, geht! Denn ich bin zu alt, um für einen Mann dazusein! Denn selbst, wenn ich sagte. ‘Es gibt für mich noch Hoffnung!’ - auch wenn ich noch in dieser Nacht für einen Man da wäre und auch noch Söhne gebären würde, 13würdet ihr deswegen warten, bis sie groß geworden sind? Würdet ihr euch deswegen verschließen, um nicht für einen Mann dazusein? Nicht doch, meine Töchter! Denn überaus bitter ist es mir um euch! Denn gegen mich ist die Hand JHWHs ausgezogen!"
14Da erhoben sie ihre Stimmen und weinten nochmals.
Aber Orpa küsste daraufhin ihre Schwiegermutter.
Rut hingegen hing an ihr.
15Da sagte sie:
"Siehe, deine Schwägerin kehrt zurück zu ihrem Volk und zu ihrem Gott (zu ihren Gottheiten). Kehre zurück, deiner Schwägerin hinterher!"
16Aber Rut sagte:
"Bedränge mich nicht, dich zu verlassen, um zurückzukehren vom Dir-Hinterher(gehen)! Denn wo auch immer du hingehst, da gehe ich hin, und wo auch immer du übernachtest, da übernachte auch ich! Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott! 17Wo auch immer du stirbst, da sterbe auch ich, und dort werde auch ich begraben. Dieses tue JHWH an mir, und jenes füge er hinzu: Nur der Tod wird scheiden zwischen mir und dir!"
18Da sah sie: Sie war fest entschlossen, mit ihr zu gehen. Und sie ließ ab davon, zu ihr zu reden.

(Rut 1,6-18/Übersetzung: Irmtraud Fischer)

Erzählt wird von zwei Frauen ...

Die Geschichte des Buches Rut ist neben der Geschichte der Rut auch die Geschichte der Noomi, die einer Hungersnot wegen als ‚Wirtschaftflüchtlinge’ aus Bethlehem (aus dem "Haus des Brotes", so deutet die Erzählung diesen Namen) nach Moab zieht, wo ihr Mann und ihre beiden mit Moabiterinnen verheirateten Söhne sterben. Mit ihrer Schwiegertochter Rut kehrt sie nach Bethlehem zurück, das ihr zum "Haus des Brotes" erst wieder werden muss. Zwei biblische Rechtsbräuche stehen im Hintergrund dessen, was weiter geschieht. Nach dem Rechtsbrauch des ‚Levirat’ heiratet eine kinderlose Witwe den Bruder ihres verstorbenen Mannes. Der erste Sohn gilt als Sohn des Verstorbenen, damit dessen Erblinie nicht erlischt und sein Name nicht in Vergessenheit gerät. Der Rechtsbrauch der ‚Lösung’ räumt nahen Verwandten im Falle einer Verschuldung Vorkaufsrecht und Vorkaufspflicht ein. Das Land bleibt in der Sippe und die Versorgung der verarmten Familie gesichert. Beide Rechtsbräuche, haben den Erhalt der patriarchal sich konstituierenden Familie im Blick. Beide Rechtsbräuche werden von Rut und Noomi jedoch in einer Weise kombiniert und ausgelegt, dass sie die Versorgung und gesellschaftliche Re-Integration der beiden Frauen gewährleisten. Rut heiratet den entfernteren Verwandten Boas, der kein Bruder ihres Mannes ist, sichert so ihre eigene Zukunft, und bindet die Heirat an den Kauf eines Feldes durch Boas, das Noomi veräußert. Der erstgeborene Sohn der Rut, die für Noomi mehr wert sei als sieben Söhne, wie die Frauen des Dorfes abschließend konstatieren, gilt als Nachkomme der Noomi und stellt deren Altersversorgung sicher. Das Neugeborene, das den sprechenden Namen ‚Obed’ (Diener) trägt, wird zum eigentlichen ‚Löser’ und zur ‚Lösung’ für die Überlebensfragen der beiden Frauen.

In die Genealogie des David eingeschrieben wird die Geschichte einer Moabiterin, einer Ausländerin, die nach Neh 13,1-3 für eine Heirat mit einem Israeliten nicht in Frage kommt. Über Rut jedoch wird am Ende des Buches gesagt: "Es gebe Gott, dass die Frau, die in dein Haus kommt, wie Rahel und wie Lea werde, die zwei, die das Haus Israel auferbaut haben."

Zwei Lesarten des Buches Rut

Das Buch Rut ist ein Buch, dass sich auf zweierlei Arten lesen lässt: als in sich geschlossene Erzählung und als Knotenpunkt eines Netzwerkes, das von sich aus auf zahlreiche andere biblische Bücher, Texte, Gestalten und Ereignisse verweist. Rut ist nicht nur die Frau, die mit ihrer Schwiegermutter in deren Heimat zurückkehrt und dort eine für beide Frauen überaus nützliche Partie macht, sie ist wie Abraham, wie Rebekka, die ihrerseits innerbiblisch miteinander parallelisierten Erzelterngestalten, die aus ihrem Land und aus ihren Elternhäusern auszogen und deren Auszug zu einer Heilsgeschichte für sie und das gesamte Volk Gottes wird. Noomi ist wie Ijob, der alles verliert und verbittert Gott anklagt, aber am Ende der Erzählung neues Leben zugesprochen bekommt - dank der tatkräftigen Unterstützung ihrer Schwiegertochter, dank ihrer eigenen Lebensklugheit und dank der wechselseitigen Solidarität beider Frauen. Verknüpfungen wie diese werden durch Leit- und Stichworte unterstützt. Die zweite der erwähnten Lesarten ist ohne die erste nicht zu leisten. Sie verlangt aber ein Maß der Vertrautheit mit biblischen Texten, die uns weniger selbstverständlich ist als dem ‚idealen’, dem intendierten Leser eines solchen Textes.

Der Weg

Orpa
Auf der Ebene der Erzählung scheinen Noomis Schwiegertöchter zunächst nur mit ihr aufzubrechen, um wieder zurückgeschickt werden zu können. Die Bedeutung des Namens "Orpa" ist "die den Rücken Kehrende", die "Zurückkehrende". Der Name der Orpa unterstreicht, dass Orpa in dieser Erzählung um dieser ihrer Rolle willen von Bedeutung ist.

Orpa wird für ihre Rückkehr nicht kritisiert. Sie tut das nahe liegende, und noch dazu das, wozu ihre Schwiegermutter selbst ihr nachdrücklich geraten hat. Drei Anläufe braucht es, bis Noomi Orpa von der größeren Sinnhaftigkeit ihrer Rückkehr nach Moab überzeugt. Orpa ist eine, die "Güte getan hat" am Verstorbenen und an Noomi, ihrer Schwiegermutter und die Noomi nun mit ihrem Segen entlässt. Gerade in ihrer positiven Darstellung wird Orpa zum Gegenhorizont der Darstellung der Rut. Ruts Handeln geht über ein angebrachtes und lobenswertes Maß familiärer Solidarität weit hinaus.

Ein weiteres Mal unterstreicht, was Orpa tut, das Tun der Rut und zeichnet es in allen seinen Konsequenzen deutlich. In der Chronologie der Erzählung ist Orpa bereits zurückgekehrt. Sie ist nunmehr präsent in der Rede der Noomi. Orpas Rückkehr gilt nicht nur dem Haus ihrer Mutter, sondern auch ihrem Volk und seinen Göttern. Die Selbstbindung der Rut an Noomi impliziert die Selbstbindung an deren Volk und Religion. Die weitergehende Solidarität mit der Schwiegermutter hat einschneidende Konsequenzen und lässt Ruts Identität nicht unberührt.

Die Rede der Noomi

Während Noomi nach Bethlehem zurückkehrt, weil Gott sich seines Volkes angenommen hat, indem er ihnen Brot gibt, fordert sie ihre Schwiegertöchter auf, ihrerseits nach Moab zurückzukehren. Der gemeinsame Weg ist auch ein literarischer Kniff, der die zweierlei Arten Rückweg ermöglicht. Während Noomi auf das Brothaus hofft, das sie einst verließ, soll JHWH ihren Schwiegertöchtern in ihren Mutterhäusern Güte, in den Häusern ihrer zukünftigen Ehepartnern Ruhe geben. Beide Heilsperspektiven, die der Schwiegermutter und die ihrer Schwiegertöchter, sind im Dialogteil formal aufeinander bezogen. Nichts spricht dafür, dass Orpas Weg ein unheilvollerer wäre. Noomi wird jedoch in einer Weise Brot erhalten und Rut in einer Weise Ruhe finden, in der beider Heilsperspektiven sich wechselseitig ermöglichen und inhaltlich aufeinander angewiesen sind.

In der Rede der Noomi deutet sich - ad absurdum geführt - die Möglichkeit der kreativen Aneignung patriarchal ausgerichteten Rechts zu Gunsten ihrer Schwiegertöchter bereits an. Noomi kann ihre Schwiegertöchter nicht versorgen. Real umsetzbar wird diese kreative Aneignung patriarchalen Rechts erst im gemeinschaftlichen Handeln Noomis und Ruts.

Der Schwur der Rut

Mit der Vokabel "anhängen" (V. 14) beschreibt Gen 2,24 die Beziehung des Mannes zu seiner Frau, derentwegen er Vater und Mutter verlässt. Teile des Bekenntnisses der Rut ("Denn wo auch immer du hingehst, dahin gehe ich … Nur der Tod wird scheiden zwischen dir und mir") hat eine Wirkungsgeschichte im Kontext des Eheversprechens. Tatsächlich lohnt der Schwur der Rut einen genauen Blick. Es wirft seine Schatten auf die gesamte Erzählung voraus.

Die Redeeinleitung der Rut ist schärfer als es, selbst in der Übersetzung Fischers, zunächst den Anschein hat. "Bedränge mich nicht" kann an anderer Stelle mit "falle nicht über mich her", "belästige mich nicht" oder "greife mich nicht an" treffend wiedergegeben werden. Es handelt sich um den gleichen Begriff, der in Ruth 2,22 die - sexuelle - Belästigung, der die erntenden Frauen auf den Feldern ausgesetzt sind, beschreibt. Es ist das Wort, das Simson nach dem Buch der Richter gebraucht (15,12), als er fürchtet, überfallen und den Philistern ausgeliefert zu werden.

Deutlicher als später der Verbindung von Rut und Boas gibt das Rutbuch der solidarischen Beziehung Ruts zu ihrer Schwiegermutter, an deren Leben sie ihr eigenes bindet, einen emotionalen Anstrich. Dabei richtet sich Ruts Schwur zunächst gegen Noomis in der vorangegangenen Rede formulierten ausdrücklichen Wunsch. Anfangs zeichnet sich die solidarische Beziehung von Rut und Noomi durch Asymmetrie aus. Später jedoch wird auch Noomi solidarisch an ihrer Schwiegertochter handeln. Auf Noomis Rat hin, den Rut Schritt um Schritt in die Tat umsetzt, wird sie Boas schließlich vom Schluss einer Ehe mit ihr und vom Kauf des Feldes ihrer Schwiegermutter überzeugen. Nach dem ersten Kapitel aber reagiert Noomi mit purer Resignation. "Und sie ließ ab davon, zu ihr zu reden."

Das Bekenntnis der Rut zu Noomi ist umfassend, es begreift Schlafen und Wachen, Leben und sogar den Tod mit ein. Rut bindet sich nicht nur an Noomi selbst, sondern an deren gesamten Lebenskontext. Ruts Bekenntnis ist auch ein Bekenntnis zu Noomis Gott und zu Noomis Volk. Hinter der Vorstellung des gemeinsamen Begräbnisses steht die Vorstellung der gemeinsamen Grabstätte der Sippe. (Vgl. Gen 25,8; 35,29; 49,29) Menschen sind im Rutbuch immer Teil einer größeren Gemeinschaft. In Gemeinschaft integriert zu sein, ist lebensnotwendig. Aber erst die ungewöhnliche solidarische Gemeinschaft von Rut und Noomi schafft unkonventionell die Voraussetzung ihrer neuerlichen lebensermöglichenden Integration. Die Bindung der Rut an Naomi hat - auch das beinhaltet Ruts Schwur - Vorrang vor jeder anderen Beziehung. Gerade darin, dass sie eine Beziehung sein soll, die nur der Tod beendet, unterscheidet sich die Bindung von Rut an Noomi übrigens nachhaltig vom alttestamentlichen Verständnis einer Ehe.

Die Heirat der Rut steht als solche denn auch nicht im Mittelpunkt der Erzählung, sondern im Dienst der Einlösung des im Schwur der Rut zu Anfang gegebenen programmatischen Versprechens. Durch die Bindung der Ehe an den Kauf des Feldes und der Deutung der Nachkommenschaft der Rut und des Boas als der Nachkommenschaft Noomis (nicht etwa ihres Sohnes, des verstorbenen Mannes der Rut) hängt das Wohlergehen der einen Frau schließlich wirklich am Wohlergehen der anderen.

Gottesrede

Gott kommt eigenartigerweise als Handelnder im Buch Rut kaum vor. Es ist Rut, die der Noomi "Brot" verschaffen wird und Noomi, die der Rut schließlich dazu verhilft, dass sie "Ruhe" findet im Haus ihres Mannes, eine Vorstellung, die mit romantischer Liebe wenig zu tun hat, sondern zunächst eine gesicherte Lebensgrundlage meint. Ein Begriff, der an anderer Stelle etwas bezeichnet, das Gabe Gottes an den Menschen ist. So verspricht JHWH seinem Volk "Ruhe" im verheißenen Land (Dtn 12,9; Ps 95,11). Ihr solidarisches Füreinandereintreten wird für Noomi, Rut, und schließlich auch Boas, zum rettenden Handeln des rettenden Gottes selbst.

Sprechende Sprache

Das Buch Rut ist ein Buch, bei dem es sich lohnt, sehr genau auf den Wortlaut zu achten und bei dem die Bedeutung der Namen die großen Linien der Erzählung ein weiteres Mal unterstreichen. Die Namen Orpa und Obed standen dafür bereits beispielhaft. Der Name der Rut, die zur Ernährerin ihrer Schwiegermutter wird, ist ableitbar von der hebräischen Wurzel rwh ("satt sein", "satt machen"). Bethlehem, dessen Bedeutung ursprünglich wahrscheinlich "Haus (Beth) des - Kriegsgottes - Lacham" ist, wird zum Haus (Beth) des Brotes (Lächäm). Tatsächlich ist das die Rolle, die der Ort in der Erzählung spielt. Als Noomi mit ihrer Familie Bethlehem zu Beginn der Erzählung einer Hungernot wegen verlässt, ist der Name des Ortes ein nicht eingelöstes Versprechen. Aber auch als Noomi mit Ruth dorthin zurückkehrt, weil sie gehört hat, "dass sich JHWH seines Volkes angenommen hatte, indem er ihnen Brot gab", wird er der Noomi ein solcher Ort erst vermittels der Solidarität der Rut, erst durch das Sammeln des Getreides auf dem Feld des Boas, dann durch die Heirat mit ihm, den damit verbundenen Kauf des Feldes und die Geburt ihres zukünftigen Versorgers.

Bezüge zu anderen alttestamentlichen Texten

Außer auf Rechtsbräuchen wie die Leviratsehe (die Heirat der Frau des verstorbenen Bruders, um dessen Namen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen) oder die Lösung (Aufkauf des Landbesitzes eines verschuldeten Verwandten zu dessen Gunsten), die aufgegriffen und zugunsten der weiblichen Protagonistinnen der Erzählung von diesen kreativ selbst neu gedeutet werden, bezieht sich das Buch Rut auf zahlreiche andere biblische Traditionen und Texte.

Noomi "zieht weg" von dem Ort an dem sie war. Das im Hebräischen verwendete Wort (jzh) beschreibt den Auszug Israels aus Ägypten. (Ex 14,8) So wie JHWH Israel aus Ägypten führt (Ex 6,7; 16,32; hier eine andere grammatische Form von jzh), führt er letztlich auch Noomi in eine heilvollere Zukunft. Im Auszug aus Ägypten offenbart sich der Gott Israels als rettend und Leben stiftend. Moab, das der Noomi ein Land der Zuflucht war, ist ihr auch zum Land des Todes geworden, Israel, das Land, in dem JHWH sich seines Volkes wieder angenommen hat, indem er ihm Brot gibt (V.6), zum noch nicht eingelösten Versprechen. Wenn der Erzähler hier die Formulierung vom "Auszug" gebraucht, verweist er auf die zukünftige Einlösung dieses Versprechens. Auf der anderen Seite deutet er den beginnenden Weg der Noomi als einen Weg auf dem Gott sich ihr als rettender und Leben stiftender Gott offenbart. Dabei ist von Gottes Handeln nur am Rande, vom solidarischen Handeln der beiden Frauen - auf ihre Initiative hin handelt auch Boas solidarisch - umso ausführlicher die Rede.

Im scharfen Kontrast zur verhaltenen Ankündigung des rettenden Handeln Gottes im solidarischen Handeln der Rut, der Noomi und des Boas, steht die Sprache, in der die Erzählung von der Verzweiflung der Noomi spricht. Gegen Noomi ist "die Hand Gottes ausgezogen". Wie Ijob macht auch sie Gott selbst für ihr vom Leben abgeschnittenes Dasein verantwortlich. Der Leser ahnt bereits, dass Noomi Gottes rettendes Handeln erfahren wird, denn sie "zog hinaus" (jzh), Noomi und Rut wissen es noch nicht. Ijob, der exemplarisch für den schuldlos Leidenden steht, spricht davon, dass "die Hand Gottes" ihn "getroffen hat" (Ijob 19,21). In dem mit der Thematik des Ijobbuches eng verwandten Ps 88 spricht der Beter davon, dass die Toten "von deiner (Gottes) Hand abgeschnitten sind". Wenn Gottes Hand gegen Noomi ausgezogen ist, ist sie gleichsam schon jetzt mit dem Bereich des Todes in Berührung gekommen.

Während Noomi "auszieht" und in ihrem Auszug das rettende Handeln Gottes erfährt, verlässt Rut ihr Land und ihre Familie, wie in der biblischen Chronologie vor ihr bereits Abraham und Rebekka. Ähnlich ihrem Auszug erwächst auch aus dem Auszug der Rut Segen nicht nur für sie allein.

Calderon, Ruth und Naomi, Orpa, sich verabschiedend

Ein Bild von Philip Hermogenes Calderon (1833-1898) "Rut und Naomi, Orpah, sich verabschiedend" stellt üblichere Assoziationen mit der Rut-Erzählung gekonnt provokativ auf den Kopf. Links zwei Gestalten, sich umarmend, wobei nur die eine, die für den Betrachter sichtbar zu ihrem Gegenüber aufschaut, deutlich als Frau erkennbar ist. Die sie umarmt ist nur knapp im Profil zu sehen. Kennt der Betrachter den Titel nicht, vermutet er ein Liebespaar. Rechts eine dritte Gestalt, mutmaßlich ebenfalls eine Frau, die die beiden beobachtet, ihr Gepäck in der Hand, den Körper - schon - halb abgewendet.

Das besprochene Bild finden Sie unter www.wcg.org/images/b3/ (Schwarz-Weiß-Druck) oder www.jhom.com/arts/gallery/ruth2.htm. Unter dem letzten Link verbergen sich eine breite Auswahl weiterer künstlerische Darstellungen zu Rut und Noomi.

Bibelarbeit

3 Minuten Stille

1. Phase:

1. Variante:

  • Den Text des Rutbuches lesen.
  • Welche Szene halten die Gruppenmitglieder für besonders signifikant? Welche würden sie in einem Bild darstellen?
  • Bild: Calderon, Rut und Naomi, Orpah, sich verabschiedend.
  • Welche Szene stellt der Maler da?
  • Was berührt? Was irritiert? Welchen Blick auf das Buch Rut verrät das Gemälde?

2. Variante:

  • Bild: Calderon, Rut und Naomi, Orpah, sich verabschiedend.
  • Das Bild beschreiben. Wie stehen die Figuren zueinander? Welche Beziehungen zwischen den abgebildeten Personen lassen sich vermuten?
  • Der Titel

2. Phase:

  • Rut 1,6-18 austeilen. In Kleingruppen mit verteilten Rollen lesen. Alternative Betonungen testen.
  • Wie stehen die drei Frauen zueinander?
  • Wie gestaltete sich die Identifikation der Sprecher?

3. Phase:

  • Parallelen in und Bezüge zu anderen alttestamentlichen Texten: Beispieltexte austeilen und/oder über parallele Gestalten und Motive informieren.
  • Welche Aussagen trifft das Buch Rut vor dem Hintergrund dieser Texte?

4. Phase:

  • Bild: Calderon, Rut und Naomi, Orpah, sich verabschiedend.
  • Hat sich in der Wahrnehmung des Bildes nach der Beschäftigung mit dem Text etwas verändert?
  • Welche Aspekte werden angespielt? Welche werden überzeichnet? Welche Erwartungen an das Buch Rut stellt das Bild auf den Kopf?

  • Lied: "Herr unser Herr, wie bist Du zugegen ..." (GL 298)

Literatur:
- Irmtraud Fischer, Rut (Herders Theologischer Kommentar zum Alten Testament), Freiburg i.Br. u.a. 2001.
- Erich Zenger, Das Buch Rut, in: Erich Zenger (Hg.), Stuttgarter Altes Testament. Einheitsübersetzung mit Kommentar und Lexikon, Stuttgart 2004, 452-460.

Johanna Erzberger, August 2005
Katholisches Bibelwerk im Bistum Münster (www.bibelwerk.de)

in Kooperation mit
kirchensite - online mit dem Bistum Münster (www.kirchensite.de)

Die Bibelarbeit zum Download...

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Weitere Bibelarbeiten im Internet:
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