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25.05.2016
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Aus dem kirchensite.de-Archiv
Viele Tausend Besucher füllten den Domplatz am Samstagabend bei der "Nacht der Stars".

Samstagabend beim Bistumstag

"Silbermond" und der wahre Star

Bistum. Müde? – Na ja, die Füße schmerzen schon ein wenig vom vielen Rumlaufen. Es ist kurz vor acht Uhr am Abend in der Bistumsstadt. Der Tag hat sich geneigt. Es wird Nacht. Doch keiner geht.

Die Stadt ist voll und dennoch liegt eine Ruhe über ihr. Müde Gesicht blicken in müde Gesichter beim langsamen Geschiebe durch die Menschenmengen über Prinzipalmarkt und Domplatz. Aber keines ist genervt. Denn die Gelassenheit, die allein der Abend nach einem ausgefüllten Tag kennt, prägt die Atmosphäre.

Hit auf Hit

Jetzt hat das Gerenne ein Ende. Die Foren sind besucht, die Stände besichtigt, die Konzerte gehört, die Prominenten aus Politik und Unterhaltung sind abgereist. Keiner schaut mehr suchend in das kleine Programmheft. Wer jetzt hier ist, weiß warum. Und worauf er wartet. Die Rhythm und Blues-Klänge von "Orange Blue" sind bereits verklungen auf der Bühne vor der Bischofskathedrale. Leslie Mandoki, der große Mann des Rock, wirft mit seinen "Soulmates" gerade grandios Hit nach Hit unters Volk. Noch ist der Himmel hell über Münster und doch strahlt das Designer-Kreuz des Bistumstages schon grell-orange in die Menge.

Müde? "Nein", sagt Carola-Marlen Gabriel aus Goch. Mit ihren Pfadfinderkollegen sitzt die 15-Jährige im hinteren Teil des Platzes - auf dem Boden, wie alle dort. Eltern mit Kindern, Ältere, Jugendliche im Kreis, Jüngere auf ihren Jacken, den Verpflegungsrucksack in der Mitte, die Chipstüte in der Hand. Es herrscht Zeltlager-, es herrscht Happening-Stimmung. Alle warten - auf "Silbermond natürlich".

Ein internationaler Star

Da wird die vom vielen Reden und Singen und dem wenigen Schlaf der vergangenen Tage doch angeraute Stimme der Schülerin des bischöflichen Gaesdonck-Gymnasiums ein wenig aufgekratzter. Aber der Auftritt der unkonventionellen Live-Rocker, deren Titel gerade die Charts stürmen, ist schon vor deren Erscheinen für diese Jugendlichen nicht der "Top-Act" des Bistumsfestes. Ihr Star ist ein internationaler. "Das Weltjugendtagskreuz!" Einfach "eindrucksvoll" sei es gewesen als sie daneben gestanden hätten, sagen die jungen Leute und vergessen ihren üblichen Sprachjargon.

"Eindrucksvoll" wiederholt auch Adrian Gullickson. "Wenn man bedenkt, dass das neben dem Papst stand. Und nun steht man selbst daneben." Wie schon so viele junge Christen auf der Welt, überall. Der 17-Jährige nimmt einen Schluck aus seiner braunen Flasche. Ach ja, auch sonst sei wirklich alles toll gewesen. Der Zeltplatz am Aasee, das Essen "gut, na zumindest okay", gar die Toiletten akzeptabel. Und deshalb bleiben sie auch noch, die 30 Pfadfinder aus Goch. "Wir wollen doch noch morgen zum Gottesdienst." – Und jetzt zu "Silbermond".

Müde – und begeistert

Dahin will Johannes Jacobs nicht. Des Neunjährigen Augen unter der blauen Pfadfinderkappe sind klein nach langem, aufregendem Tag mit Kinderprogramm und Erlebnispfad. Schon dem zweiten. Mit Papa, Mama und seinen drei jüngeren Geschwistern hat der kleine Mann aus Kleve in der Hansa-Schule übernachtet. Und da trottet er nun auch anstandslos wieder hin zurück. In den Schlafsack. "Das ist schon stressig mit Kindern", lacht Lioba Jacobi, die – selbst im blau-grauen Pfadfinderdress – genau diese gerade mal wieder nicht in der Menge zu verlieren sucht. Am liebsten hätte sie jetzt "einen Stuhl, einen Tisch, etwas Leckeres zu Essen darauf". Doch ansonsten ist sie begeistert vom Bistumstag, der auch für ihre Familie erst mit dem Sonntagsgottesdienst enden werde.

Silbermond

Silbermond machte Stimmung auf dem Domplatz, vor allem das überwiegend junge Publikum war begeistert.


Die Mülleimer sind übervoll, die Schlange vorm WC lang, der Strom vom Prinzipalmarkt zum Domplatz wird stärker. Vorbei am ersten Holzhäuschen am Platze, dem Info-Stand. Maria Bröcker steht hier wieder, ihre zweite Schicht. Fragen muss sie nur noch wenige beantworten. Die Menschen kaufen jetzt. Andenken, Mitbringsel, vor allem die grauen Bänder mit buntem Logo sind beliebt – als Erinnerung. Die Mitarbeiterin lächelt, doch ihre Augen sind klein. Und wirklich: Als sie vorhin mal im Dom gesessen habe, da sei ihr die Ruhe schon wohltuend vorgekommen. Sagt sie – doch ihr gelassenes Lächeln spricht auch dabei von der "mitreißenden Begeisterung" der Stimmung. "Sehr relaxed" fühlt sich hingegen Manfred Schüholz. Noch hat er das grüne Band um den Hals. Aber seine Schicht im Helfer-Zelt ist vorbei. Jetzt zieht es auch ihn zu den Getränkeständen. "Ein wenig rumlaufen, was trinken", die Atmosphäre genießen.

Sitzen, plaudern, schweigen

Es ist dunkel geworden. Der Platz ist voll. Doch nicht allein das Publikum einer Teenie-Band bevölkert die mehreren Tausend Quadratmeter unterm Plexiglas-Kreuz, das nun umso greller in die Nacht strahlt. Erwachsene und Junge halten sich in den Armen und ein Getränk in der Hand. Warmer Regen liegt in der Luft. Doch es regnet nicht. Und "Silbermond" wird schon kommen, darauf warten alle – doch "Zeit" hat gerade keine Bedeutung. Sitzen, plaudern, schweigen, zusammen sein – ein Warten ist dies nicht. Doch dann geht auf der Bühne blitzartig das Licht an. Sie sind da, sie singen, sie rocken! – Und die Menge macht mit. Auch der Bischof ist noch da. Die Arme in die Luft – los!

Hier auf dem Domplatz – wie auch einige Meter weiter! Denn der jungen deutschen Stars – sie haben Konkurrenz. Noch an so manchem Ort regiert am Abend Rock und Blues. Vor St. Lamberti muss etwa die Bigband der Marienschule Xanten um die Treue ihrer Fans nicht fürchten. Sie haben die Mädels mitgebracht, die da in ihren T-Shirts auf dem Prinzipalmarkt in der ersten Reihe stehen, während in der Menge hinter ihnen ein langer Tag nicht zu Ende gehen will.

Text: kirchensite / Fotos: M. Bönte, A. Thissen, 03.07.2005

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