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27.03.2017
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Aus dem kirchensite.de-Archiv
Der "Garten" im Hohelied erinnert an den Garten Eden im Buch Genesis.

Bibelarbeit im Mai 2005

Ich suchte ihn und fand ihn nicht

Hld 5,2–8

5,2 Ich schlafe
Und mein Herz wacht.
Die Stimme –
mein Liebster –
klopft –
Mach mir auf,
meine Schwester, meine Liebste,
meine Taube, meine Vollkommene.
Mein Kopf –
voller Tau,
meine Locken –
voll Tropfen der Nacht.

3 Ich habe mein Hemd ausgezogen.
Ja wie –
soll ichs anziehn?
Ich habe meine Füße gewaschen.
Ja wie –
Soll ich sie schmutzig machen?

4 Mein Liebster fuhr mit der Hand
Durch den Spalt
Und meine Herzgegend
Bebte ihm entgegen.

5 Auf stand ich
meinem Liebsten aufzutun
und meine Hände troffen von Myrrhe
und meine Finger –
Myrrhe,
die floss
über die Riegel des Schlosses.

6 Auf tat ich
meinem Liebsten
und mein Liebster
war fort und davon.
Meine Sinne schwanden,
da er sprach.
Ich suchte ihn
Und fand ihn nicht,
ich rief ihn
und er antwortete nicht.

7 Es fanden mich die Wächter,
die herumgehn in der Stadt,
sie schlugen mich,
sie verletzten mich,
sie rissen mir weg meinen Umhang,
die Wächter der Mauern

8 Ich beschwöre euch,
Töchter Jerushalajims,
wenn ihr ihn findet,
meinen Liebsten,
was sagt ihr ihm?
Wie
liebeskrank
ich bin.

(Übersetzung: Klaus Reichert)

Zum Hohelied
Beim so genannten Hohelied handelt es sich nicht um eine durchgehende dramatische Dichtung, sondern um eine planvoll arrangierte Sammlung von Liebesliedern. Ein Redaktor stellt sie unter die fiktive Autorschaft Salomos. Gilt Salomo doch als Verfasser zahlreicher Lieder (1 Kön 5,12), als Frauenliebhaber, vor allem aber als weise – und das Hohelied verzeichnet zahlreiche Anklänge an weisheitliche Literatur. Allerdings ironisiert der Text selbst seine Überschrift, wenn er sich an einer Stelle über den liebesunfähigen König Salomo lustig macht (Hld 3,7), der 60 Helden um sein Bett stehen hat – und vor der Liebe zittert. So wie wir es heute vor uns haben, fand das Hohelied mutmaßlich zu persischhellenistischer Zeit, also zwischen dem 4. und 2. Jahrhundert vor Beginn unserer Zeitrechnung, seinen redaktionellen Abschluss.

Im Text treten der Geliebte und die Geliebte in Monolog und Dialog. Nebenfiguren vertreten die Öffentlichkeit und bekommen in Chorstücken und Wechselgesprächen mit den Hauptfiguren etwas zu sagen. Umstritten ist, wo mehrere – männliche und weibliche – Sprecher zu Wort kommen, und wo die männliche Stimme nur im Zitat der weiblichen hörbar wird. Eine Antwort auf diese Frage berührt auch den Grad an Realität oder Fiktion, den das Geschehen auf der Ebene des Erzählten gewinnt. In einer Hörspielvertonung des Hoheliedes, von Anna Thalbach kongenial gelesen, wird das Hohelied zu durchgehenden Reden einer Frau.

Das Hohelied als Teil der Bibel
Vermutlich ist das Hohelied als Sammlung profaner Liebesgedichte nur deshalb in den Verbund der biblischen Schriften aufgenommen worden, weil man es früh in einem "übertragenen", einem allegorischen Sinn gelesen hat – als Bild für die Beziehung von Gott und Israel, Gott und Kirche, Gott und der Seele, Gott und dem Einzelnen. Doch soll das Hohelied zuerst als das gelesen werden, was es auf den ersten Blick ist: profane Liebeslyrik.

Das Hohelied und die Schöpfung

4,16 Reg dich, Nordwind,
und komm, Südwind,
durchweh meinen Garten,
dass sie strömen,
seine Gewürze,
Da komme mein Liebster, der zärtliche,
in seinen Garten
und esse seine köstliche Frucht.

Selbst wenn auf eine "allegorisierende" Auslegung zunächst verzichtet wird, gibt es innerbiblische Verbindungslinien. Das Hohelied ist vielfach mit der Sprach- und Bilderwelt biblischer Schriften verknüpft. So erinnert der "Garten" (Hld 4,12 – 5,1), in den die Geliebte ihren Geliebten einlädt, an den Garten Eden der Genesis. Der "Garten" steht für den intimen Raum ihrer Liebe wie für die Geliebte selbst. Anders als in Gen 3 führt die Einladung zum Genuss der Frucht jedoch nicht zur Katastrophe. In einem Wort der Liebenden

7,11 Ich
bin meines Liebsten,
und nach mir
ist seine Sehnsucht.

klingt Gen 3,16 an. Gen 3,16 wird in sein Gegenteil verkehrt. Die bilderreich geschilderte Welt des Hohenliedes – der Liebesakt im Besonderen – ist, vergleichbar dem verlorenen Paradies aus Gen 3, die Welt, wie sie sein soll. Und doch hat dieses Idyll deutliche Brüche: Das patriarchalische Gebaren der Wächter (1,7–8; 3,1–5; 5,6–7) zeigt sich gewaltsam gegenüber einer frei durch die Gassen der Stadt streifenden Frau. Die Brüder der Frau schränken die Handlungsfreiheit der Liebenden weiter ein (1,5–6; 8,8–10).

Im Hohelied wird nicht die zwischenmenschliche Liebe sakralisiert, sondern das Sakrale profaniert, und es werden so Erfahrungsräume erschlossen, in die das Sakrale wieder eingetragen werden kann.

Realität und Fiktion
Das Verhältnis der Liebenden zueinander, die Lieder des Hohenliedes hindurch, ganz besonders aber in Hld 5,2–8, changiert zwischen Sehnsucht und Erfüllung, aber auch zwischen Realität und Fiktion. Es gibt Hindernisse, die es zu überwinden gilt – und nicht immer ist – gerade in ihrem Zusammenhang – ganz klar, wo die Dichtung in der Dichtung beginnt: Glauben die Töchter Jerusalems an die Existenz des Geliebten, den zu suchen die Geliebte sie auffordert? Hat der Geliebte sie – immer auf der Ebene des Textes – tatsächlich des Nachts in aller Heimlichkeit besucht und ist er weggegangen? Hat sie ihn daraufhin wirklich auf den nächtlichen Straßen der Stadt gesucht? Und ist sie statt seiner den Wächtern begegnet, die sie behandeln wie eine, mit der man sich des Nachts auf der Straße alles erlauben kann?

Der Zustand zwischen Realität und Fiktion spiegelt sich auf der Textebene im Zustand der Frau zwischen Wachen und Träumen. Sie schläft. Ihr "Herz" aber wacht. "Herz" meint in der Hebräischen Denk- und Vorstellungswelt nicht den Ort des Gefühls, sondern des Intellekts. Wo aber enden Traum und Phantasie?

Dass der Text als Ganzer einen fiktiven Rahmen setzt, zeigt sich in Details: Es ist im kulturellen Kontext des Hohenliedes im höchsten Grade unwahrscheinlich, dass eine Frau allein in einem Zimmer mit Tür zur Straße schläft.

Räume
Räume haben im Lied eine Funktion, die über ihre offensichtliche hinausgeht. Innen(-räume) und Außen(-räume) stehen für Intimität und Öffentlichkeit. Intimität und Öffentlichkeit stehen in einer gewissen Spannung. Mit dieser Spannung spielt der Text. Der Geliebte klopft an die Tür der Geliebten und verschwindet. Sie sucht ihn in den dunklen Gassen der Stadt und fordert die Töchter Jerusalems auf, ihr bei der Suche zu helfen – nur um auf ihr bohrendes Nachfragen schließlich zu antworten, dass sie längst wisse, wo er sei. Der Garten steht, erinnern wir uns, immer wieder auch für die Geliebte selbst.

6,1 Wohin ist er gegangen,
dein Liebster, du
Allerschönste unter den Frauen,
wohin hat er sich gewandt,
dein Liebster,
dass wir ihn suchen
mit dir.

2 Mein Liebster
ist hinabgegangen
in seinen Garten
zu den Gewürzbeeten –
er weidet in den Gärten
und pflückt sich
Hyazinthen.

3 Ich bin sein,
meines Liebsten,
und mein ist
mein Liebster,
der unter Hyazinthen weidet,
den dunkelblauen

Ankunft
Unter einer Flut drängender Anreden bittet der Mann seine Geliebte, ihm die Tür zu öffnen. Insofern als die Taube das Tier der Göttin ist, verweisen die beiden letzten der Bezeichnungen – verbunden mit dem Possessivpronomen ("meine") auf die Ebene einer Beziehung zwischen Göttin und Mensch. Die Geliebte wird auf die Stufe einer Göttin gehoben. Die beiden ersten Bezeichnungen sind dagegen Ausdruck der Intimität der Beziehung. Die Vorstellung von dem bei widrigem Wetter vor der Tür der Geliebten um Einlass bittenden jungen Mannes, einmal gar in Gestalt des personifizierten Eros/Liebe,

Dereinst zu mitternächtlicher Stunde (...),
als alle Sterblichen, durch
die Müdigkeit besiegt, ruhten,
da stand plötzlich Eros an meiner
Tür und schlug an die Regel. (...)
Öffne, sagte er, ich bin ein kleines Kind,
ich bin ganz nass und habe mich
in dieser mondlosen Nacht verirrt.

ist ein fester Topos in zeitgenössischer Liebeslyrik. Das tut einer textnahen Lesart keinen Abbruch.

Nacht
Die Szene spielt in der Nacht. Darauf deutet neben dem Schlaf der Frau und dem Tau auf dem Haar des vor der Tür wartenden Mannes auch die Antwortrede der Geliebten. Sie hat alle Vorbereitungen für die Nachtruhe getroffen. Ihre Füße sind gewaschen. Im Entstehungskontext des Hohenliedes läuft man barfuss oder in Sandalen und wäscht sich vor dem Zubettgehen die naturgemäß staubigen Füße. Als David den Urija dazu bewegen will, nach Hause zu gehen, um mit seiner, von David schwangeren Frau ehelichen Verkehr zu pflegen, um so den königlichen Fehltritt zu kaschieren, sagt er zu Urija:

Steig hinab zu deinem Haus und lass dir die Füße baden. (2 Sam 11,8)

Verweist also die Geliebte auf den bereits vollzogenen Geschlechtsakt – mit einem anderen? Mag dies nun mitzuhören sein oder nicht, die Fortsetzung führt ihre Rede auf ihre vordergründige Bedeutung zurück. Neckt sie ihren Freund?

Ihrer Kleider hat sie sich entledigt. Dieser Hinweis ist über seine vordergründige Bedeutung hinaus doppelte Botschaft an den Geliebten vor der Tür wie an den (männlichen?) Leser. Die Geliebte liegt nackt und mit gewaschenen Füßen in ihrem Bett.

Zögern
So zögerlich gibt sich die Geliebte, dass der Geliebte verschwunden ist, als sie sich endlich entschließt, ihm zu öffnen. Oder spielt er ihr Spiel zu ihrem Nachteil mit? Ist die Rede, wie ein Ausleger es sieht, von der Ungleichzeitigkeit ihrer Gefühle: "Wenn er will, will sie nicht; wenn sie will, will er nicht (mehr)"?

Das Bild der Frau durch die Lieder der biblischen Sammlung hindurch ist, über ein einzuberechnendes hin und her ihrer Gefühle hinaus, nicht einheitlich. Auch hierin zeigt sich, dass es sich um eine Sammlung handelt. An anderer Stelle ist es ja durchaus die Geliebte, die ihren Liebhaber bedrängt und leidenschaftlich umwirbt:

3,4...
da fand ich,
den mein Atem liebt,
ich packte ihn
und ließ ihn nicht los
...

Offenes und Verschlossenes
Der Spalt, durch den die Hand des Geliebten fährt, meint – zunächst – wohl eine Art Guckloch, das es ermöglicht, zu einem Außenstehenden Kontakt aufzunehmen, ohne die Türe zu öffnen. Der Geliebte unternimmt einen Versuch, die Tür nun selbst – gewaltsam – zu öffnen. Andere Konnotationen schwingen aber mit: So wird das hebräische Wort für "Hand" gelegentlich als Umschreibung für das männliche Geschlecht gebraucht.

Denn von mir abgewendet
hast du dein Lager aufgedeckt,
hast es bestiegen und breit gemacht
und du hast dir Hurenlohn von ihnen ausgehandelt;
du liebtest ihr Lager,
sahst ihre Blöße ("Hand").
(Jes 57,9)

Die "Türöffnung" oder das "Loch" sind entsprechend konnotiert. Was mit "Herzgegend" wiedergegeben ist, lässt sich weniger poetisch mit "Eingeweide" übersetzen, meint manchmal aber auch Phallus – oder Vagina. Das Erste Testament beschreibt Emotionen und psychische Empfindungen immer als Regungen bestimmter Körperteile. Das Spiel um Realität und Phantasie, eigentlicher oder uneigentlicher Ausdrucksweise, verdoppelt sich, nimmt man die beiden Bedeutungsebenen des hier Geschilderten wahr.

Die Geliebte steht auf, um ihrem Geliebten, ganz entsprechend seinem Wunsch, die Tür zu öffnen. Die von Myrrhe (Duftöl aus geschmolzenem Harz) triefenden Hände signalisieren die Bereitschaft der Frau. Sie hat sich schön gemacht. Statt über die Hand des Geliebten fließt die Myrrhe über die Griffe des Riegels des Schlosses (wörtlich: über die Hände des Riegels).

Sich Verlieren
Als sie öffnet, steht ihr Geliebter nicht mehr vor der Tür. Er ist fort – auf und davon. Im Hebräischen bedeutet das Wort, das hier Verwendung findet, nicht einfach "fort sein", sondern: "unstet sein", "schwanken". Auch um die Beschreibung der Reaktion der Frau in all ihrer Dramatik richtig einzuschätzen, hilft das Wissen um die Bedeutung eines hebräischen Wortes. Ihre Näfäsch, d.h. ihr Atem, ihr Leben, ihr Lebenswille, ihre Lebensgier hat sie – seiner Worte wegen – verlassen. Wessen Näfäsch in Gefahr ist, der kommt mit dem Bereich des Todes in Berührung. Die extremen Gefühlsregungen der Frau haben etwas Bedrohliches. Hier ist es etwas freier übersetzt – ein Teil der Dramatik geht dadurch verloren.

5,6Auf tat ich
meinem Liebsten
und mein Liebster
war fort und davon.
Meine Sinne schwanden.
(Mein Leben ging aus)

Sich Suchen

5,6Ich suchte ihn
Und fand ihn nicht,
ich rief ihn
und er antwortete nicht.

Sie ruft und sie geht und sie sucht: Sie sieht ihn nicht. Sie hört ihn nicht. Sie spürt ihn nicht. In jeder nur möglichen Hinsicht – visuell wie akustisch: Der Kontakt ist gebrochen. Im Hebräischen entsteht ein Wortspiel zwischen dem "ausgehen" der Näfäsch und dem (Nicht-)Finden des Geliebten. In der deutschen Übersetzung wäre der enge Bezug beider Verse mindestens in diesem Sinne nachzuvollziehen: Wie ihre Lebenskraft "ausgeht" und sie in die Nähe des Todes bringt, geht sie aus, den Geliebten zu suchen.

Störungen
In der Stadt schlagen sie die Wächter. Sie nehmen ihr den Umhang. Manche Interpreten schließen aus assyrischen Rechtstexten, dass die Wächter die in der Stadt umherirrende Frau für eine Prostituierte halten. Eine solche Frau darf ihr Gesicht nach diesen Texten nicht verhüllen. Andere sehen in dem erwähnten Umhang gerade den Gesichtsschleier oder ein anderes Kleidungsstück, dass eine Prostituierte nach Gen 38,15 als solche kennzeichnet. In jedem Fall bedeutet die Entkleidung Beschämung. Ein gewaltsamer Übergriff, eine Grenzüberschreitung. Die Angegriffene erfährt nicht die Behandlung einer als ehrbar betrachteten Frau. Ein ehrbare Frau aber ist – mancherorts bis heute – bei Nacht nicht alleine auf der Straße unterwegs. Auch das Erste Testament spiegelt andernorts diesen Blick.

15… geschiehts Tyrus
wie im Gesänglein von der Hure:
16 "Nimm die Leier,
durchschweife die Stadt,
vergessene Hure!
spiele schön,
singe viel,
dass man sich deiner erinnre!"
(Jes 23,15f)

So verstößt die Geliebte im Hohelied gegen Sitte und Anstand – im Zeichen ihrer Unabhängigkeit, die das Hohelied an anderer Stelle in den Kontext des wieder gefundenen Paradies(-Gartens) stellt. Statt ihren Geliebten zu finden, wird sie von den Wächtern gefunden, die ihr übel mitspielen.

Auf dem Höhepunkt der vergeblichen nächtlichen Suche tritt die Sprecherin aus dem Bild heraus und wendet sich an die Töchter Jerusalems. War alles Fiktion?

Und Gott?
Von Gott ist im Hohelied an keiner Stelle die Rede. Wo es um Zwischenmenschliches geht, wo die Welt beschrieben wird, wie sie ist, nicht immer aber, wie sie sein soll, wo Entwürfe anderer Welten literarische Gestalt finden, da geht es um das erzählerische Ausprobieren und Austarieren dessen, was als gottgemäß vorgestellt wird. Die bereits erwähnten Rückbezüge auf die Schöpfung wollen in diesem Sinne gelesen sein.

Darüber hinaus ist – innerbiblisch – das Verhältnis von Gott und Mensch immer schon nach dem Muster zwischenmenschlicher Beziehungen gedacht. Das Buch der Sprüche beschreibt das leidenschaftliche Suchen des Menschen nach der Weisheit, die unmittelbar von Gott kommt, mit den bereits zitierten Worten des Hohenliedes.

Ich suchte ihn
Und fand ihn nicht,
ich rief ihn
und er antwortete nicht.
(vgl. Spr 1,28)

So wäre denn nicht das Hohelied Ausdruck der Beziehung von Gott und Mensch, sondern Ausdruck der Beziehung von Mensch und Mensch, die dann ihrerseits auf die Beziehung von Gott und Mensch verweist – weil der Mensch diese Bilder braucht, um etwas von erfahrener Gottesbeziehung zum Ausdruck zu bringen. Nicht umgekehrt. Und mit allen daraus resultierenden Schwierigkeiten, die sich daraus ergeben, dass zwischenmenschliche Verhältnisse eben sehr selten als gottgemäß bezeichnet werden können.

Zu den Übersetzungen
Die in dieser Bibelarbeit verwendete Übersetzung des Hohenliedes von Klaus Reichert bemüht sich um größtmögliche Textnähe. Die Zeilenbrechung orientiert sich jedoch – um der besseren Vor-Lesbarkeit willen – an – gesprochenem – Deutsch.

Für alle übrigen Zitate wurde die Buber-Übersetzung gewählt. Mit einer Ausnahme: Der ohnehin schwer verständliche Vers Jes 57,9 wird nach der etwas weniger poetischen Übersetzung der Elberfelder Bibel zitiert.

Bibelarbeit

  • Lied: "Suchen und fragen ..." (GL 883,1)

  • Die Teilnehmer der Gruppe lesen den Text je still für sich.

  • Teilgruppen werden gebildet. Der Text wird unter Vorgabe unterschiedlicher Stimmungen und mit wechselnder Betonung gelesen.
    (Ist der männliche Sprecher in V.2 fordernd, verärgert, ist er enttäuscht?; Gibt sich die weibliche Sprecherin in V.3 verärgert, belustigt, werbend, neckt sie ihn?; Welche Gefühle lassen sich in der Rede der Frau über die Wächter "hineinlesen"?; Was kommt – bei Unterschiedlicher Betonung – über die Beziehungen und Interaktionen der Protagonisten zum Ausdruck?)
    Der Text wird abwechselnd einmal mit verteilten Rollen, einmal als durchgehende Rede der Frau gelesen – etwa an die Töchter Jerusalems. Was verändert sich?
  • Austausch in der Teilgruppe

  • Die Teilgruppen stellen ihre Ergebnisse in "Lebenden Bildern", die bestimmte Szenen oder Konstellationen nachstellen, der Gruppe vor.

  • Austausch in der Gruppe: Wenn der "Ausgang" des vorliegenden Liedes (6,1–3) vorgegeben wird, welches Licht wirft er zurück auf 5,2–8? (Alternativ kann dieses Textstück von Anfang an mit 5,2–8 Textgrundlage sein.)

  • Impuls: Menschen brauchen Bilder zwischenmenschlicher Beziehungen, um etwas von erfahrener Gottesbeziehung zum Ausdruck zu bringen. Auch das Hohelied ist immer wieder in diesem Sinne allegorisch ausgelegt worden. (S.o.)
  • Austausch in der Großgruppe:
  • Bezogen auf Hld 5,2–8.6,1–3: Welche Bilder zwischenmenschlicher Beziehungen werden entworfen. Wo sind sie Gegenbilder unvollkommener Wirklichkeit? Wo bringen sie diese unvollkommene Wirklichkeit selbst zum Ausdruck? Wie lassen sich diese Bilder zwischenmenschlicher Wirklichkeit zu Gottesbildern, die Gott immer in seiner Beziehung zum Menschen beschreiben, in Beziehung setzen?
  • Über Hld 5,2–8.6,1–3 hinaus: Welche Chancen und Gefahren liegen in diesem Zusammenspiel von Bildern zwischenmenschlicher und gott-menschlicher Beziehung?

  • Lied: "Herr unser Herr, wie bist Du zugegen ..." (GL 298)

Literatur:
- Othmar Keel, Das Hohelied (Zürcher Bibelkommentare/AT 18), Zürich 1986.
- Klaus Reichert, Das Hohelied Salomos, München 1998. (Übersetzung)
- dazu: Hör-CD: Anna Thalbach, Das Hohelied Salomos (Verlag Audiobuch).
- Yair Zakovitch, Das Hohelied (Herders Theologischer Kommentar zum Alten Testa-ment), Freiburg i.Br. u.a. 2004.

Johanna Erzberger, Mai 2005
Katholisches Bibelwerk im Bistum Münster (www.bibelwerk.de)

in Kooperation mit
kirchensite – online mit dem Bistum Münster (www.kirchensite.de)

Die Bibelarbeit zum Download...

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