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26.06.2016
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Leidgeprüfter (M. Hellmuth)

Du wirst geprüft

Sich von Gott unterbrechen lassen

"Mama, bist du tot, wenn ich in die Schule komme?", fragt ein Fünfjähriger. – Krebs – Das Leben wurde in voller Fahrt ausgebremst. Nach zwei Jahren hatte Gott "wie ein Weber ihr Leben zu Ende gewoben." (Jes 38,12). So glauben wir. "Nein, die Natur nimmt ihren Lauf", sagen andere. "Warum gerade ich", fragt die Betroffene.

Er erfüllt nicht alle unsere Wünsche

"In der Röhre habe ich alle Osterlieder gesungen, die mir einfielen." Ein Psalmbeter: "In meiner Bedrängnis rief ich zum Herrn: der Herr hat mich erhört und mich frei gemacht." (118,5). – "Nein, hat er nicht, hat meine Krankheit nicht in Kraft verwandelt!" (Ps 41,4) erwidert die Kranke kurz vor dem Zerfall ihres Bewusstseins: "Der Herr hat meine Kraft auf dem Weg gebrochen, er hat meine Tage verkürzt." (Ps 102,24)

"Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt" (Röm 8,28). Alles? Der Theologieprofessor Dietrich Bonhoeffer ist gläubig überzeugt: "Gott erfüllt nicht alle unsere Bitten, aber alle seine Verheißungen."

Der Mensch – die kleinste Elendszelle und zugleich der größte Hoffnungsbiotop!

Bei einem Glaubensgespräch unter Lebenserfahrenen ging es um den Sinn von Bittgebeten. Erhört Gott? Greift er ein? Wie? Das Gespräch nahm einen unerwarteten Verlauf und verdichtete sich in dem Hinweis: Gott prüft auch unseren Glauben und stellt unser Vertrauen auf die Probe: "Gute Zeiten – schlechte Zeiten!"

Und: "Dein Wille geschehe!" – Was du in guten Zeiten erkannt hast, dazu musst du auch in schlechten Zeiten stehen – Kein bloßer "Schönwetterglaube" –. In Gott Verankerte singen: Was Gott tut, das ist wohlgetan. – So der so: "Er wird den Menschen geben, was er braucht: Den Heiligen Geist (Lk 11,13) oder das Gute (Mt 11,13)."

"Der Herr gebe uns, was er will, sei es Wasser oder Dürre. Er weiß, was gut für uns ist." (Teresa von Avila)

Jede Freundschaft, jede Beziehung, jede Liebe, – auch die Gottesbeziehung muss irgendwann Bewährungsproben bestehen. Sie führen tiefer zueinander.

Wenn unsere Lebenskreise gestört werden

"Jetzt, da sich alle Verlässlichkeiten auflösen, ist keine Zeit mehr für Sinnfragen... Nicht reden. Machen! Bringt Leistung, seid Elite für die eigene Zukunft!" – so ein christlicher Politiker im Jahre 2004.

Wo Jugendlichkeit und Leistungskraft als oberste Werte gelten, trifft diese Botschaft auf Gleichgesinnte. Da alle Verlässlichkeit vorbei zu sein scheint, spielt auch der Glaube als inneres Gerüst, als Halt in Krisenzeiten oder als Planke von Lebensglück keine Rolle mehr. Besinnung bedeutet dann auch nur noch: "Mach" mal Pause! Gönn dir etwas! Have a Break! Fittness und Wellness.

Wenn aber in der bisherigen Biografie nicht jede Spur von Gott fehlt, wird es immer wieder Momente geben, in denen uns auffällt, "wie lange wir nicht mehr nach dem Himmel gefragt haben". (R. M. Rilke)

Die Aura der Gedächtnisorte ruft gute Erinnerungen wach. Da ist noch ein Resonanzboden in der Seele, ein Nachschmecken religiöser Erlebnisse. In unserer Gesellschaft braucht sich niemand viel Mühe zu geben, um Gott zu entkommen. Das Umfeld bietet ständig Hilfen zur Gottes-Flucht.

Wo jedoch nach dem Himmel gefragt wird, wird das Gottvergessen unterbrochen.

Plötzliches oder leises Gewahrwerden einer anderen Dimension kann dem Fragen vorausgehen. Noch kein Stop im vollen Lauf, aber doch wie ein Klopfen an unserm Lebensgehäuse: "Siehe, ich stehe vor der Tür ... Wer meine Stimme hört, bei dem werde ich eintreten." (Offb 3,20)

Religion ist Unterbrechung, sagen Theologen (J.B. Metz) und wissen die Frommen, die sich ausdrücklich Gott zuwenden. Räume, Gebete, Lieder, heilige Texte nehmen uns kurzzeitig aus unserm Alltagsdreh und erheben uns zu Gott. Kleine, Bedrohte und Verletzte "stören" wohlige Selbstumkreisung.

Zunächst liegt es bei uns, darauf zu reagieren und uns für den Anspruch von oben oder unten zu öffnen. Das leise Anklopfen zwingt niemanden. Es liegt auch an uns, wie wir unser Leben religiös grundieren, damit wir fähig werden, Seine Stimme zu hören. An unserer spirituellen Grundversorgung zu "arbeiten", bedeutet immer Innehalten und Unterbrechung der laufenden Ereignisse, des Lebensdrehs, der Selbstverfangenheit und Alltagsroutine. Alle Übung (Askese) dient der Bereitschaft, Gott an uns wirken zu lassen, "der Bereitung von Gnade". Gläubige wissen, es liegt nicht nur an uns – Gott selbst stört unsere Kreise: "Wir müssen bereit sein, uns von Gott unterbrechen zu lassen." (Dietrich Bonhoeffer)

Gekreuzigter

Gekreuzigter (H.-J. Silberberg)

 

Der Himmel übt an dir Zerbrechen

Dieser Satz der jüdischen Dichterin Nelly Sachs wäre kaum zu ertragen, wäre da nicht der Nachsatz: "Du bist in der Gnade!"

Christen und Juden haben ihr Leben und Sterben, ihr Glück und ihr Unglück stets mit Gott verbunden.

Die Wüstenzeit Israels gilt als die große Erprobungszeit, als Schule des Glaubens, als Erziehungszeit des noch unmündigen Gottesvolkes, aber auch als Brautzeit – ein Beziehungstest der Auserwählten.

Herausforderungen, Bedrohungen und Versuchungen – Hiob und Jesus stehen in der Tradition ihres Volkes: Schmerzensmänner, Geschundene, Leidensgestalten.

Die Kirche betet in einem Hymnus: "Du Leben, du Licht, wirst Mensch, der zerbricht." Die zerbrochenen Herzen sind ein Thema der Psalmen.

Propheten deuten die Leidenszeiten im Sinne göttlicher Pädagogik und ihrem Ziel: "Dann wirst du den Herrn erkennen!" Du wirst IHN erkennen und dass du "In der Gnade bist".

Ein von Schmerzen Gezeichneter, ein gebrochenes Herz – die kleinste Elendszelle Mensch – kann das nur erhoffen, was andere stellvertretend für sie aussprechen.

Die Bibel hat viele Bilder für das Leben am Nullpunkt. Am Ende kristallisiert sich alle Not in dem "mit Christus Gekreuzigtsein" – durchs Nadelöhr, ins Erdreich, durchs Feuer müssen. Die Bilder beschreiben den "Brennprozess", in dem und durch den Gott seine Auserwählten formt und umformt, verwandelt und "zukunftsfest" macht.

Wer die Probe besteht – jetzt schon – und "durch" ist, "wird den Herrn erkennen", vielleicht auch "abfallen" und nicht mehr "mit ihm gehen".

Du weißt nicht, was Krankheit mit dir macht

Gläubige wissen, dass sie nicht über ihre Kräfte hinaus versucht werden. Was uns der Himmel zumutet, entzieht sich unseren Schmerzvermeidungskünsten. Du weißt nicht, was Krankheit mit dir macht, wenn Schmerzen dich auffressen oder, wenn du im Alter die Selbstkontrolle verlierst.

Vielleicht erscheint uns unser gegenwärtiger Glaubens- und Gehorsamsweg viel kleinformatiger und weniger dramatisch. Auch die Versuchung zum Abfall vollzieht sich kaum spürbar, fast lautlos. Wir brauchen ja nur zu leben "wie alle" neben uns.

Die große Entscheidung für Christus, die 2. Bekehrung, steht in der Regel noch aus.

Als "Umgeformte" würden wir anders leben, "aus der Art schlagen", – nach Gottes Art sein. Wir hoffen auf die große Wandlung im Moment der letzten "Unterbrechung" bei der Christusbegegnung im Tode, der "Endentscheidung" in der letzten Nacht der Bewährung, wenn die Probezeit "Leben" abbricht und der Ernstfall des Glaubens eintritt. Wir hoffen auf die Gnade des Nullpunktes – "jetzt und in der Stunde unseres Todes".

"Wir gingen durch Feuer und Wasser. Doch du hast uns in die Freiheit geführt" (Ps 66,12)

"Ja, Gott zerbrach mir das Herz beim Tode meiner Mutter, aber alles, was Gott tut, ist richtig. Manchmal zerbricht Gott einem das Herz, um in das Herz zu gelangen." (Spiegelinterview: Julien Green)

 

Der Autor

Dr. Hermann-Josef Silberberg wurde 1939 in Köln geboren. Nach der Priesterweihe 1965 in Münster war er bis zum Herbst 1968 Kaplan sowie Religionslehrer und Mitarbeiter am Landeskrankenhaus in Lengerich. Danach wurde er Subsidiar in Recklinghausen St. Pius sowie Religionslehrer am Gymnasium. Von 1975 bis 2002 war er Fachleiter für Katholische Religion am Studienseminar in Bochum; zudem war er von 1995 bis 2002 Seelsorger im Benediktinerinnenkloster Maria Hamicolt in Dülmen-Rorup. - Silberberg ist Theologischer Berater des Online-Magazins "kirchensite".

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