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25.09.2016
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Bibelarbeit Januar 2005

Im Anfang – eine Liebesgeschichte

1. Einführung

"Seit Adam und Eva..." – so unsere gängige Redeweise. Dies zeigt, wie sehr biblische Metaphorik Eingang gefunden hat in unsere Sprache. Zeigt es auch den theologischen Gehalt der Rede von Adam und Eva? Die Erzählung von der Menschwerdung des Menschen, des Adam, aus dem "isch" ("Mann") und "ischah" ("Frau") werden, macht vielen Mühe, nur selten unterbleibt eine triviale Deutung des Textes. Zuweilen wird die Bibel ganz allgemein in Frage gestellt: Ein Text aus einer lang zurückliegenden Zeit, hat er für uns heute noch Aussagegehalt, in einer Zeit der Partnerschaft und Gleichberechtigung? Ein Bild von Chagall zeigt das zwei-einige Menschenpaar: Nur Mann und Frau zusammen bilden den Menschen, verbunden und getrennt, gefallen und doch aufrecht, die eigene Welt bestimmend und vom Tode schon gezeichnet – ein Zeigerpaar auf der kosmischen Weltenuhr.

Adam und Eva – ihren Namenstag feiert die Kirche am 24. Dezember, einen Tag vor Weihnachten, das ist kein Zufall. Die erste Schöpfung mündet mit der Krippe in eine neue Schöpfung ein, der erste Adam wird durch den neuen Adam heimgeholt. Wenn die alte Kirche davon spricht, dass Jesus gekreuzigt wurde auf dem Grabe Adams, dann liegt hier eine tiefe Symbolik.

2. Bibeltext: Der 2. Schöpfungsbericht (Gen 2,4b-3,24)

Am Tag, da ER, Gott, Erde und Himmel machte, noch war aller Busch des Feldes nicht auf der Erde, noch war alles Kraut des Feldes nicht auf der Erde, noch war alles Kraut des Feldes nicht aufgeschossen, denn nicht hatte regnen lassen ER, Gott, über die Erde, und Mensch, Adam, war keiner, den Acker, Adama, zu bedienen: aus der Erde stieg da ein Dunst und netzte all das Antlitz des Ackers, und ER, Gott, bildete den Menschen, Staub vom Acker, er blies in seine Nasenlöcher Hauch des Lebens, und der Mensch wurde zum lebenden Wesen.

ER, Gott, pflanzte einen Garten in Eden, Üppigland, ostwärts, und legte darein den Menschen, den er gebildet hatte. ER, Gott, ließ aus dem Acker allerlei Bäume schießen, reizend zu sehn und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse.

Ein Strom aber fährt aus von Eden, den Garten zu netzen, und trennt sich von dort und wird zu vier Flussköpfen. Der Name des einen ist Pischon, der ists, der alles Land Chawila umkreist, wo das Gold ist, gut ist das Gold des Lands, dort ist das Edelharz und der Stein Karneol. Der Name des zweiten Stroms ist Gichon, der ists, der alles Land Kusch umkreist. Der Name des dritten Stromes ist Chiddekel, der ists, der im Osten von Assyrien hingeht. Der vierte Strom, das ist der Euphrat.

ER, Gott, nahm den Menschen und setzt ihn in den Garten von Eden, ihn zu bedienen und ihn zu hüten. ER, Gott, gebot über den Menschen, sprechend: Von allen Bäumen des Gartens magst essen du, essen, aber vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse, von dem sollst du nicht essen, denn am Tag, da du von ihm isst, musst sterben du, sterben.

ER, Gott, sprach: Nicht gut ist, dass der Mensch allein ist, ich will ihm eine Hilfe machen, ihm Gegenpart. ER, Gott, bildete aus dem Acker alles Lebendige des Feldes und allen Vogel des Himmels und brachte sie zum Menschen, zu sehn wie er ihn rufe, und wie alles der Mensch einem rufe, als einem lebenden Wesen, das sei sein Name. Der Mensch rief mit Namen allem Herdentier und dem Vogel des Himmels und allem Wildlebenden des Feldes. Aber für einen Menschen erfand sich keine Hilfe, ihm Gegenpart. ER senkte auf den Menschen Betäubung, dass er entschlief, und nahm von seinen Rippen eine und schloss Fleisch an ihre Stelle. ER, Gott, baute die Rippe, die er vom Menschen nahm, zu einem Weibe und brachte es zum Menschen. Der Mensch sprach: Diesmal ist sies! Bein von meinem Gebein, Fleisch von meinem Fleisch! Die sei gerufen Ischa, Weib, denn von Isch, vom Mann, ist sie genommen. Darum lässt ein Mann seinen Vater und seine Mutter und haftet seinem Weibe an, und sie werden zu Einem Fleisch.

Die beiden aber, der Mensch und sein Weib, waren nackt, und sie schämten sich nicht.

Die Schlange war listiger als alles Lebendige des Feldes, das ER, Gott, gemacht hatte. Sie sprach zum Weib: Ob schon Gott sprach: Esst nicht von allen Bäumen des Gartens...! Das Weib sprach zur Schlange: Von der Frucht der Bäume im Garten mögen wir essen, aber von der Frucht des Baums, der mitten im Garten ist, hat Gott gesprochen: Esst nicht davon und rührt nicht daran, sonst müsst ihr sterben. Die Schlange sprach zum Weib: Sterben, sterben werdet ihr nicht, sondern Gott ists bekannt, dass am Tag, da ihr davon esset, eure Augen sich klären und ihr werdet wie Gott, erkennend Gut und Böse. Das Weib sah, dass der Baum gut war zum Essen und dass er eine Wollust den Augen war und anreizend der Baum, zu begreifen. Sie nahm von seiner Frucht und aß und gab auch ihrem Mann bei ihr, und er aß. Die Augen klärten sich ihnen beiden, und sie erkannten, - dass sie nackt waren. Sie flochten Feigenlaub und machten sich Schurze.

Sie hörten Seinen Schall, Gottes, der sich beim Tageswind im Garten erging. Es versteckte sich der Mensch und sein Weib vor SEiNEM, Gottes, Antlitz mitten unter den Bäumen des Gartens. ER, Gott, rief den Menschen an und sprach zu ihm: Wo bist du? Er sprach: Deinen Schall habe ich im Garten gehört und fürchtete mich, weil ich nackt bin, und ich versteckte mich. ER sprach: Wer hat dir gemeldet, dass du nackt bist? Hast du vom Baum, von dem nicht zu essen ich dir gebot, gegessen? Der Mensch sprach: Das Weib, das du mir beigegeben hast, sie gab mir von dem Baum, und ich aß. ER, Gott, sprach zum Weib: Was hast du da getan! Das Weib sprach: Die Schlange verlockte mich, und ich aß. ER, Gott, sprach zur Schlange: Weil du das getan hast, sei verflucht vor allem Getier und vor allem Lebendigen des Feldes, auf deinem Bauch sollst du gehen und Staub sollst du fressen alle Tage deines Lebens, Feindschaft stelle ich zwischen dich und das Weib, zwischen deinen Samen und ihren Samen, er stößt dich auf das Haupt, du stößest ihm in die Ferse. Zum Weibe sprach er: Mehren, mehren will ich deine Beschwernis, deine Schwangerschaft, in Beschwer sollst du Kinder gebären. Nach deinem Manne sei deine Begier, er aber walte dir ob. Zu Adam sprach er: Weil du auf die Stimme deines Weibes gehört hast und von dem Baum gegessen hast, den ich dir verbot, sprechend: Iß nicht davon!, sei verflucht der Acker um deinetwillen, in Beschwer sollst du von ihm essen alle Tage deines Lebens, Dorn und Stechstrauch lässt er dir schießen, so iss denn das Kraut des Feldes! Im Schweiß deines Antlitzes magst du Brot essen, bis du zum Acker kehrst, denn aus ihm bist du genommen. Denn Staub bist du und zum Staub wirst du kehren.

Der Mensch rief den Namen seines Weibes: Chawwa, Leben! Denn sie wurde Mutter alles Lebendigen.

ER, Gott, sprach: Da, der Mensch ist geworden wie unser einer im Erkennen von Gut und Böse. Und nun könnte er gar seine Hand ausschicken und auch vom Baum des Lebens nehmen und essen und in Weltzeit leben! So schickte ER, Gott, ihn aus dem Garten von Eden, den Acker zu bedienen, daraus er genommen war. Er vertrieb den Menschen und ließ vor dem Garten von Eden ostwärts die Cheruben wohnen und das Lodern des kreisenden Schwerts, den Weg zum Baum des Lebens zu hüten.

(nach der Übersetzung von Martin Buber/Franz Rosenzweig, Die Schrift, Stuttgart 1992)

3. Auslegung

Die Erzählung von der Erschaffung des Menschen und dem sogenannten Sündenfall zählt sicher zu den bekanntesten Texten der Bibel – theologisch mit enormem Gewicht, bringt sie doch das Verhältnis des Menschen zu seinem Schöpfer, zur Schöpfung und sein Geschaffensein als zweigeschlechtlicher einer Mensch zum Ausdruck! Der Mensch – und das meint Adam in seinem Grundsinn, ohne geschlechtliche Spezifizierung – steht im Zentrum des Textes, freilich stets in Relation zu Jahwe, seinem Schöpfer. Wird zu Beginn in Form einer Negativliste die Nichtexistenz einer belebten Welt, d.h. die Schöpfung als unbewohnte und in diesem Zustand auch noch unbewohnbare Wüste, beschrieben (V. 2,4b-5) – lediglich die Existenz des Ackerbodens wird erwähnt und, das ist für das Gedeihen und Wachstum nicht unerheblich, die Feuchtigkeit, die den Ackerboden tränkt, verstanden wohl als Grundwasser, weniger wohl als Wasserschwall, wie das hebräische "ed" vermuten ließe (V. 6) –, begegnet der Mensch in V. 7 recht unvermittelt. Im Gegensatz zum ersten, priesterschriftlichen Schöpfungsbericht (Gen 1-2,4b), in dem der Mensch am Schluss erschaffen wird, wird hier im zweiten, vorpriesterschriftlichen Schöpfungsbericht alles auf den Menschen hin erschaffen. Der Mensch ist Erstschöpfung.

Die Erschaffung des Menschen

Die Religionsgeschichte unterscheidet zwei Arten von Schöpfungsaussagen: Menschenschöpfung und Weltschöpfung. Älter sind die Erzählungen von der Erschaffung des Menschen. Auch in der Bibel werden Welt- und Menschenschöpfung durchaus immer wieder identifiziert. Kulturgeschichtlich gesehen wurden die biblischen Schöpfungsaussagen jedoch verhältnismäßig spät formuliert, in einer Zeit, in der beide Arten der Schöpfungsüberlieferungen bereits existierten. Ein zeitlicher wie ein sachlicher Vorrang der Menschenschöpfungsüberlieferung ist in den biblischen Schriften nicht zu eruieren. Es fällt zwar auf, dass der zweite, vorpriesterschriftliche Schöpfungsbericht den Menschen ins Zentrum der Schöpfertätigkeit Jahwes stellt und damit genuin eine Menschenschöpfungserzählung darstellt, während der erste, priesterschriftliche Schöpfungsbericht eine Weltschöpfung erzählt und die vermutlich ursprünglich eigenständige Erzählung von der Menschenschöpfung (Gen 1,26-31) später eingefügt hat. Der Gesamtbefund biblischer Schöpfungsaussagen bestätigt jedoch nicht, dass die älteren Texte durchgehend die Menschenschöpfung in den Mittelpunkt rücken. Der "Sitz im Leben" der Menschenschöpfung ist das Klagegebet, dort als Kontrastmotiv: Beklagt wird der Widerspruch zwischen der einstmaligen Erschaffung des Menschen durch Gott und seiner jetzigen Bedrängnis, verbunden mit der Bitte, der Schöpfer möge den Menschen aus seiner Not retten (vgl. Ps 90). Der "Sitz im Leben" der Weltschöpfung ist ursprünglich im beschreibenden Lobgebet (vgl. Ps 104). Während der Exilszeit galt der Gedanke der Weltschöpfung als Erweis der Einzigkeit und Unvergleichlichkeit Jahwes, nicht ohne Götzenpolemik. Später trat die Größe Gottes hervor, eng verbunden mit der Hoffnung auf Heil.

Und dennoch, für Gen 2 gilt: Der Mensch ist Erstschöpfung. Seine Lebenskraft erhält er von Anfang an und ausschließlich von seinem Schöpfer. Sein Lebensatem ist göttlicher Atem, Ruach. Hier liegt sicher der theologische Kern des Textes. Der Mensch – hier noch ohne geschlechtliche Differenzierung – ist Geschöpf, von Gott her und auf Gott hin geschaffen. Das Bild macht es deutlich: Der Mensch wird nicht als Werk eines deus faber begriffen, der den Menschen im Mutterleib formt (vgl. Ps 139,13) – so gewichtig und eindrucksvoll das Zeugnis von Ps 139 ist, sondern als Werk eines Töpfers, der den Menschen – Staub vom Acker – formt.

Schon seit dem 3. vorchristlichen Jahrtausend ist das Töpferbild als Bild für den Schöpfungsvorgang aus mesopotamischen Texten bekannt. Ist aber in Gen 2 im ursprünglichen Sinne vom Töpfern die Rede? "...und ER, Gott, bildete den Menschen, Staub vom Acker, er blies in seine Nasenlöcher Hauch des Lebens, und der Mensch wurde zum lebenden Wesen", heißt es in der Übersetzung nach Buber/Rosenzweig. "Bilden" ist terminus technicus für das Töpfern. Die Rede vom Staub ist jedoch ungewöhnlich in diesem Zusammenhang. Eine textliche Beziehung zu Gen 3,19: "Denn Staub bist du, zum Staub muss du zurückkehren", ist wohl nicht zu leugnen. Der Mensch – Adam – ist genommen von der Erde – Adama –, dieses Wortspiel ist zentral, in Gen 2,5 wie in Gen 3,23. Was den Menschen lebendig macht, ist der Lebensatem seines Schöpfers. Dies zeichnet den Menschen aus und zeigt seine Nähe zum Schöpfer. Ohne ihn wäre der Mensch tot, eine Hülle, die in sich zusammenfällt (vgl. Ps 104, 29f). Das Geschaffensein des Menschen – und damit seine Gottesnähe – ist charakteristisches Merkmal des Menschen. Die Aussage in Sophokles´Antigone: "Vieles Gewaltige lebt, doch nichts ist gewaltiger als der Mensch", ist eine Sache – sicher eine Zuspitzung –, eine andere das biblische Zeugnis: Der Mensch ist geschaffenes und mit göttlichem Atem lebendiges Wesen. Er ist geschaffen, nicht zum Nutzen des Schöpfers, etwa um den Tragkorb der Götter zu tragen – wie es in altorientalischen Menschenschöpfungserzählungen anklingt –, im Gegenteil: dem Menschen gilt die Zuwendung seines Schöpfers.

Der Schöpfungsakt bringt nicht nur ein Vertrauensverhältnis zwischen Schöpfer und Geschöpf zum Ausdruck, sondern auch ein Fürsorgeverhältnis und eine besondere Verantwortung des Schöpfers seinem Geschöpf gegenüber: Ein Garten, Eden genannt, wird für ihn angelegt. Eden ist nach dem Zeugnis des Alten Testaments der Gottesgarten, der sich durch fruchtbares Wachstum an Bäumen auszeichnet (vgl. Jes 51,3; Ez 28,13), teils mit köstlichen Früchten. Das hebräische Wort "Eden" meint "Wonne" (vgl. Ps 36,9; Jer 51,34). Die griechische Übersetzung des Alten Testaments, die Septuaginta (LXX), übersetzt "eden" mit "paradeisos" – so der Ursprung unserer Rede vom Paradies. "Eden" ist also ein Sinnbild der Lebensfülle. Hiermit ist der Lebensraum des Menschen umschrieben. Seine Aufgabe war es diesen Lebensraum zu schützen (vgl. Gen 2, 15) und zu kultivieren (vgl. Gen 2,5.15). Bebauen und Bewachen, das sind die Grundformen menschlicher Tätigkeit, zumal schöpferische Tätigkeit, zunächst nicht mit Mühsal und Kampf verbunden. In engem Zusammenhang mit dieser Aufgabe steht ein Gebot: Die Früchte aller Bäume dienen dem Menschen als Nahrung. Ausnahme ist der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Hier ist eine deutliche und bei Übertretung folgenreiche Grenze gesetzt.

Mann und Frau

Bis hierhin ist Adam der Mensch, geschlechtsunspezifisch. Er ist aber angelegt als Gemeinschaftswesen. Er braucht ein Gegenüber, eine Hilfe, nicht missverstanden als Hilfskraft oder Dienerin, er braucht eine Partnerin. Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist – das ist keine Feststellung von Seiten des Menschen – Adam –, sondern von Seiten Gottes. Wer nun von der Erschaffung der Frau liest, wird kritische Fragen stellen:

  • Die Frau wird aus der Rippe Adams geschaffen – ist sie deshalb weniger wert als der Mann?
  • Sie ist vom Schöpfer als Hilfe gedacht – ist das ihr Existenzgrund? Wie ist ihr Selbstverständnis? Was meint Hilfe?
  • Ischah – Männin (Luther) wird sie genannt – Ist das eine eindeutig männlich Sichtweise? Wird die Frau durch diesen Namen zwingend in Abhängigkeitsposition gebracht?

Noch belasteter ist die Geschichte vom Sündenfall in Gen 3 – Adam schiebt Eva die Schuld in die Schuhe. Doch: "Weil du auf deine Frau gehört und von dem Baum gegessen hast.", so redet Gott. Bei wem liegt die Verantwortung? Welches Licht fällt auf Adam?

Der zweite Schöpfungsbericht zeigt eine lange, zuweilen problematische Auslegungsgeschichte mit zahlreichen Missverständnissen. Daher fragen wir heute neu: Müsste der Text nicht rückwärts gelesen werden? Von Gen 3 her? In Gen 3 ist davon die Rede, dass der Mann über die Frau herrschen und die Frau nach dem Mann Verlangen haben werde. Aber das ist die Folge des Sündenfalls. Ist Gen 3 nicht der vorfindliche Zustand, Gen 2 der anzustrebende? Gen 3 beschreibt die als widersprüchlich erfahrene Realität des Zusammenlebens von Mann und Frau, die Last der Arbeit und die Ambivalenz der Naturabhängigkeit des Menschen. Gen 2 dagegen ist eine Menschenschöpfungserzählung, die über den Ursprung von Mann und Frau erzählt. Was bedeutet Mensch-Sein und wozu sind die Menschen als Mann und Frau geschaffen? Die Perspektiven dürfen nicht vertauscht werden. Die Bibel unterscheidet sehr genau zwischen der Erschaffung des Menschen und seinem Leben jenseits von Eden.

Der Mensch ist adam aus adama. Sein Leben hängt unmittelbar an seinem Lebensraum, er kommt von Gott her und bleibt verwiesen auf Gott. Doch vollendet ist der Mensch noch nicht. Er braucht ein menschliches Gegenüber. Daher können weder die Tiere noch Gott ihm eine Hilfe sein. Die Menschwerdung vollendet sich nicht dadurch, dass adam verdoppelt oder vervielfacht wird, sondern dass Adams Menschsein geteilt wird. Aus der Seite Adams ist die Frau genommen. Vermutlich besteht hier ein Anklang an Lehmstatuetten, die um einen Kern aus Holz, Schilfrohr oder Knochenteilen gebildet wurden. Dieser eher technische Vorgang ist jedoch der anthropologischen Intention des Textes nicht fern, zeigt er doch die Zusammengehörigkeit von Mann und Frau und ihre in der Schöpfung grundgelegte Verwiesenheit aufeinander. Aus dem Menschen entsteht ein neuer Mensch. Einer neuen Beseelung bedarf es nicht: "Der Mensch sprach: Diesmal ist sies! Bein von meinem Gebein, Fleisch von meinem Fleisch! Die sei gerufen Ischa, Weib, denn von Isch, vom Mann, ist sie genommen. Darum lässt ein Mann seinen Vater und seine Mutter und haftet seinem Weibe an, und sie werden zu Einem Fleisch."

Diese sogenannte Verwandtschaftsformel zeigt in eindrucksvoller Weise die Partnerschaftlichkeit von Mann und Frau: 1. Erst durch die Frau wird der Mensch zum Mann. Erst als die Frau geschaffen ist, erkennt der Mann sich als Mann. 2. Die Rede von isch (=Mann) und ischah (=Männin/Frau) betont nicht die Abhängigkeit, sondern die Zusammengehörigkeit von Mann und Frau. Durch die drei Wendungen "Gebein von meinem Gebein", "Fleisch von meinem Fleisch", "ischah von isch" wird eine enge Wesensverwandtschaft zwischen Mann und Frau betont. Mann und Frau sind einander Partner. Zwar bleibt die Frau diejenige, die als zweites geschaffen wurde, sie ist die Gabe für den Mann – und die Gabe für sie? Sie soll dem Mann gefallen? – Und der Mann ihr? Sie wird die Bedürfnisse des Mannes befriedigen – und ihre Bedürfnisse? Darüber hinaus ist bekannt, dass im Alten Israel die Ehe nicht nur eine Sache der Liebe, sondern auch des Geschäfts war. So problematisch die Rede von der Erschaffung der Frau aus der Seite des Mannes bleibt – es besteht kein Zweifel daran, dass die Frau für den Mann ein Geschenk Gottes ist und darüber hinaus: zeigt sich nicht gerade in der körperlichen wie wesensmäßigen Zusammengehörigkeit die einmalige Liebe zwischen Mann und Frau? In Gen 2 im Gegensatz zu Gen 1 nicht allein aus Gründen der Fortpflanzung! Die beiden aber, der Mensch und sein Weib, waren nackt, und sie schämten sich nicht. – Soweit das Leben diesseits von Eden.

Die Geschichte zwischen Gott und den Menschen endet jedoch nicht hier. (Die Schlange) sprach zum Weib: Ob schon Gott sprach: Esst nicht von allen Bäumen des Gartens...! Das Weib sprach zur Schlange: Von der Frucht der Bäume im Garten mögen wir essen, aber von der Frucht des Baums, der mitten im Garten ist, hat Gott gesprochen: Esst nicht davon und rührt nicht daran, sonst müsst ihr sterben. Die Schlange sprach zum Weib: Sterben, sterben werdet ihr nicht, sondern Gott ists bekannt, dass am Tag, da ihr davon esset, eure Augen sich klären und ihr werdet wie Gott, erkennend Gut und Böse. Der umschlossene Garten Eden hat einen einzigen Punkt, wo er "offen" ist – der Punkt, wo die dem Menschen wesensmäßig geschenkte Freiheit angefragt wird. Der Mensch steht vor dem Gebot, das die bestehenden Verhältnisse – das Leben diesseits von Eden – garantieren. Die Schlange verspricht Veränderung: ihr werdet erkennen "gut" und "böse" und: ihr werdet nicht sterben – ihr werdet wie Gott. Das ist die entscheidende Herausforderung an das Menschenpaar. Um das Gebot und die Folgen einer Grenzüberschreitung wissend, hält Eva dieser Herausforderung nicht stand. Die Schlange ver-führt Eva. Eva lässt sich führen – und Adam? Auch er hält der Herausforderung nicht stand. Ein Leben jenseits von Eden beginnt. Die Augen klärten sich ihnen beiden, und sie erkannten, - dass sie nackt waren. Das Urvertrauen zwischen Mann und Frau ist zerbrochen. Nach deinem Manne sei deine Begier, er aber walte dir ob. Jedoch nicht nur die Beziehung der Menschen zueinander ist gefährdet, auch die Beziehung der Menschen zu Gott hat sich stark verändert. Die Nähe des Menschenpaares zu seinem Schöpfer – einzigartig in der Schöpfung – ist verloren gegangen. ER, Gott, rief den Menschen an und sprach zu ihm: Wo bist du? – Eine immerwährende Frage an den Menschen, bis heute. Immer neu steht der Mensch vor den Herausforderungen der Freiheit. Freiheit macht Entscheidung nötig, im Horizont von "gut" und "böse". Die Entscheidung von dem Baum zu essen hat Konsequenzen. Der Mensch verliert das Paradies. In diesem Verlust dürfte der größte Unterschied zwischen dem Menschen aus Gen 1 und dem Menschen aus Gen 2 liegen. Denn der Mensch aus Gen 1 wusste nicht um den Garten Eden, er kannte die Nähe zu Gott nicht und er wusste nicht um die geistige Erfahrung Gottes-Diener zu sein. Der Verlust des Paradieses lässt den Menschen immer wieder neu ringen um eine tiefe Bindung zu seinem Schöpfer und um die Gestaltung der zwischenmenschlichen Beziehungen, nicht zuletzt um gelingende Gestaltung von Partnerschaft und Ehe, im Bewusstsein um ihre Zerbrechlichkeit. Der Mensch muss das Leben jenseits von Eden gestalten und verantworten. "Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen" (Mk 10,9). Dieses Ethos bildet die Summe einer Auseinandersetzung zwischen Jesus und den Pharisäern um die Frage der Ehescheidung. Markus setzt die Hebräische Bibel in seinem Evangelium als bekannt voraus. Die Pharisäer argumentieren mit Dtn 24,1, der Möglichkeit einer Scheidungsurkunde, seitens des Mannes. Der markinische Jesus argumentiert mit dem Anfang der Schöpfung – ein gewichtiges Kombinationszitat aus beiden Schöpfungsberichten: "Am Anfang der Schöpfung aber hat Gott sie als Mann und Frau geschaffen. Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen, und die zwei werden ein Fleisch sein" (Gen 1,27.2,24 LXX) – diesseits von Eden. Im Horizont der Botschaft vom Reich Gottes wird das Paradies wieder eingeholt. Israel und das frühe Judentum hatten die Verbindung von Mann und Frau stets im Licht von Gen 2,18 gelesen, vgl. Spr 18,24: "Wer eine Frau gefunden hat, hat Glück gefunden und das Gefallen des Herrn erlangt" oder Sir 36,39-31: "Wer eine Frau gewinnt, macht den besten Gewinn: eine Hilfe, die ihm entspricht, eine stützende Säule. Fehlt die Mauer, so wird der Weinberg verwüstet, fehlt die Frau, ist einer rastlos und ruhelos. Wer traut einer Horde Soldaten, die dahinstürmt von Stadt zu Stadt? So steht es mit einem Mann, der kein Heim hat: Er geht zur Ruhe, wo es gerade Abend wird." Aber auch der Mann ist in der Ehe zum Dasein für seine Frau verpflichtet (vgl. Ex 21,7-11 und Dtn 20,7). Der Mann ist darüber hinaus für die Frau verantwortlich (vgl. Ex 22,15). Die Pharisäer fragen nach der Erlaubtheit der Ehescheidung und dem Gebot des Mose – dieses wird in Jesu Argumentation nicht bestritten. Es wird jedoch kontextualisiert – und es wird hineingesprochen in die Situation nach dem Verlust des Paradieses. Die Botschaft vom Reich Gottes setzt andere Akzente. Schöpfungstheologisch ist der Mensch ein Wesen in zweien. Der Mensch sprach: Diesmal ist sies! Bein von meinem Gebein, Fleisch von meinem Fleisch! Die sei gerufen Ischa, Weib, denn von Isch, vom Mann, ist sie genommen. Darum lässt ein Mann seinen Vater und seine Mutter und haftet seinem Weibe an, und sie werden zu Einem Fleisch. Die beiden aber, der Mensch und sein Weib, waren nackt, und sie schämten sich nicht.

Das Paradies hat der Mensch verloren, gewonnen hat er die Erde, als Geschöpf in der Schöpfung – "jenseits von Eden – diesseits des Himmels" – die Geschichte Gottes mit den Menschen hat kein Ende gefunden, auch und gerade mit dem Menschen, der eine Herausforderung bleibt - für Gott und die Menschen.

4. Bildbetrachtung

(Albrecht Dürer, Adam und Eva, 1507)

Der Blick wird gefangen von den hellen Körpern vor dem unbestimmten, dunklen Grund. Die innere Bewegtheit Adams ist spürbar, bei Eva scheint sich keine Entsprechung zu finden. Der erste Eindruck ist geprägt von der Konzentrierung auf die Körpergestaltung und den differenzierten psychisch-motorischen Zustand der Figuren, der vorwiegend durch Gestik und Mimik zum Ausdruck kommt.

Adam und Eva beanspruchen je eine Tafel für sich. Die Zuordnung Adam links und Eva rechts ergibt sich aus der Komposition und entspricht der Darstellungstradition. Adam und Eva erscheinen auf den ersten Blick dem Betrachter zugewandt, wenn sich auch die beiden Figuren in ihren Oberkörpern einander zuneigen. Auch die Köpfe folgen dieser Vorgabe und orientieren sich jeweils auf ihren Partner zu, jedoch nicht mit letzter Konsequenz, da sie nicht im Profil gezeigt sind und ihre Blicke sich nicht treffen können. Adam erscheint emotional ergriffen zu sein. Sein Kopf ist in den Nacken und seitlich gelegt, sein Mund ist halb geöffnet. Eva dagegen wirkt kühl und gelassen. Der Kopf ist selbstbewusst leicht zur Seite gedreht, den Mund umspielt ein zartes Lächeln. Beide stehen auf steinigem Grund, ca. 20% der Bildfläche sind dadurch bedeckt, den Rest des Hintergrundes bildet eine monochrome schwarz-braune Fläche. Beide Tafeln werden von einer gemeinsamen Lichtquelle ausgeleuchtet, ein von rechts kommender Windzug lässt die Haare des Paares nach links wehen. Die Körper werden in ihrer Ganzheit inszeniert – mit Ausnahme von Evas zurückgestelltem Bein überschneiden sich keine Glieder. Es scheint jedoch nicht so, als wäre der Körper flächig inszeniert. Die einzelnen Glieder sind differenziert gestaltet, voluminös modelliert. Adams Statur gleicht der eines Jugendlichen, sein Antlitz ist bartlos. Sein Körperbau entspricht nicht dem eines muskulösen Heroen, offenbart eher weibliche Züge, hervorgerufen allerdings insbesondere durch sein instabiles Standmotiv und die grazile Gestik. Mit der Hand seines gebeugten linken Armes hält Adam in kokett-zierliche Haltung einen Zweig, der zugleich das Gegenstück der verbotenen Frucht, die Eva bereits mit ihrer Hand ergriffen hat, trägt und der gleichzeitig mit den Blättern seine Scham bedeckt. Die Geste der Hand des gestreckten Armes ist jedoch nicht eindeutig. Im Gegensatz zu Eva, die mit beiden Händen das Holz bzw. die Frucht umfasst, hält Adam nur in seiner Linken den dünnen Zweig, durch den wiederum seine Scham verdeckt wird. Demgegenüber verdeutlicht die Rechte seine Haltlosigkeit. Auch sein Gesichtsausdruck ist uneindeutig: Den Kopf leicht seitlich in den Nacken gelegt, verrät sein geöffneter Mund und der unschlüssige Blick Unsicherheit, die sich in der gesamten Körperhaltung widerspiegelt. Außer dem Apfel ist Adam kein weiteres Symbol zugeordnet, das Rückschlüsse auf das Thema "Sündenfall" zulässt. Der Baum der Erkenntnis mit der Schlange und dem Apfel ist Eva zugeordnet. An seinem Stamm und Geäst windet sich die Schlange. Sie ist ein Phantasiegeschöpf mit Federn am Kopf. Eva entnimmt gerade von dieser den Apfel, ohne jedoch der schicksalhaften Handlung dabei besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Die Handhaltung lenkt die Aufmerksamkeit auf den Moment des Pflückens, Körper und Blick Evas wenden sich jedoch vom "Tatort" ab.

Dürer ging es in seiner Adam und Eva-Darstellung vornehmlich um zwei Aspekte: Er inszeniert die Erschaffung des ersten Menschenpaares als zweiten, künstlerischen Schöpfungsakt – Adam als idealen Mann und Eva als ideale Frau vor dem Sündenfall. Die Bilder antizipieren jedoch den Verlust der göttlichen Idealität und provozieren geradezu den Diskurs von Scham und Schuld.

5. Bibelarbeit

Sich einfinden

EG 499: Erd und Himmel sollen singen

Charles Robert Darwin (1809-1882) ist durch seine Theorie über die Entwicklung des Menschen aus "affenähnlichen Vorfahren" berühmt geworden. Wenn Kopernikus bewiesen hatte, dass die Erde sich um die Sonne dreht, und Newton das Gesetz der Schwerkraft entdeckt hatte, das die Bewegung der Gestirne erklärte und jede andere Hypothese überflüssig machte, so zeigte Darwin mit der Unwiderlegbarkeit des Naturwissenschaftlers, dass sich alles Lebendige nach eigenen, biologischen Gesetzen entwickelt hat. Sei Grundwerk "Von der Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl" wurde 1859 zum Bestseller. Er galt als "Newton der Biologie". Doch geistig-religiöse Gesichtspunkte schienen keinen rechten Platz mehr zu finden. Darwins Frau Emma gab in einem Brief folgendes zu bedenken: "... Ist es nicht möglich, dass es im Wesen der naturwissenschaftlichen Forschung liegt, nichts zu glauben, was sich nicht beweisen lässt, und dass dein Geist auch in anderen Dingen, die sich nicht beweisen lassen, sich durch die Gewohnheit wissenschaftlichen Denkens zu stark beeinflussen lässt? Ich möchte sogar soweit gehen zu sagen, dass es gefährlich ist, die Vorstellung von der Offenbarung aufzugeben, eine Gefahr, welche auf der anderen Seite (im rein naturwissenschaftlichen Denken) nicht existiert, nämlich die Furcht vor der Undankbarkeit, etwas von sich zu weisen, was für unser Wohl und auch für dasjenige der ganzen Welt getan wurde. Dies sollte dich vorsichtiger machen und dich sogar fürchten lassen, du habest dich nicht genug um Wahrheit bemüht..."(aus: Hemleben, Johannes, Darwin, Reinbek bei Hamburg 1968, 139f)

GL 263: Dein Lob, Herr, ruft der Himmel aus

Die Heilige Schrift lesen

Gen 2,4b-3,24: Der 2. Schöpfungsbericht

Über den Bibeltext sprechen:

Zu Beginn ein Gedicht:

Adam

Tiere,
zahm auch die wilden
Blumen Früchte
vom Geist erdacht
gewillt ihm zu dienen
Lebendige Luft
Vögel in Fülle
Alles
Aber
Adam
unwissend ewig
unwissend einsam
hatte noch nicht begonnen
da zu sein
bis die Gefährtin
aus seiner Rippe
sprang
um ihn zu lieben
und
sterblich zu machen

(Rose Ausländer)

Der Blick der Dichterin richtet sich ganz auf Adam, den Menschen. Assoziativ werden im ersten Teil Fragmente genannt, als Mosaik angedeutet: Tiere, Blumen, Früchte, Luft, Vögel – eine ideale Schöpfung. Alles ist vom Geist erdacht. Dass alles Geschaffene gewillt ist zu dienen, dürfte wohl eine Anspielung auf Gen 1,26 sein.

Aber – und hier setzt der zweite Teil des Gedichts ein. Der idealtypische, paradiesische Zustand war für Adam nicht so, wie man glauben mag. Es war für ihn noch kein Leben, er war unwissend und einsam. Das Leben begann für ihn erst, als er Eva, die liebende Gefährtin bekam. Dasein als Leben im Vollsinn beginnt erst mit der Liebe?! Liebe ist aber nicht zu denken ohne Sterblichkeit. Der Preis für die Vollendung des Lebens in der Liebe ist der Tod. So erfüllt sich das Leben.

Inwiefern greift das Gedicht Aspekte des biblischen Textes auf? Gibt es der Erschaffung des Menschen dieselbe Sinnrichtung? Wo könnte eine Umdeutung liegen? Wo liegt die Aussagekraft des biblischen Textes, wo die Intention des Gedichtes? Wird das Grundmerkmal des Menschen, sein Geschaffensein, seine Beziehung zu seinem Schöpfer, in dem Gedicht deutlich? Wir lesen das Gedicht heute vom biblischen Text her? Wie würde sich der Sinn ändern, wenn wir die biblische Erzählung als Hintergrund ausklammern? Was macht den Menschen zum Menschen, was macht ihn zu Mann und Frau?

Den Bibeltext ins eigene Leben übersetzen:

Das Bild des Adam aus Adama ist heute vielerorts fremd geworden. Wie sieht die Evolutionsbiologie die Erschaffung des Menschen? Welche unterscheidend anderen Akzente hat die Theologie beizutragen? Ein Streit über den Akt der Schöpfung zwischen dem biblischem Bericht und Darwins Evolutionstheorie gingt vermutlich zugunsten Darwins aus. Bietet der biblische Bericht in seiner literarischen Dichte jedoch nicht die brillantere Lösung für das Rätsel um die Erschaffung des Menschen? Ist hier ein konstruktives Gespräch denkbar? Wo könnte eine potentielle "Schnittmenge" liegen? Welches Ziel verfolgt ein solches Gespräch, wo liegt der Erkenntnisgewinn auf beiden Seiten?

Inkarnation

"Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel herabgestiegen", beten wir im großen Glaubensbekenntnis. Die Menschwerdung betrifft den Menschen und geht ihn ganz an. "Gottes Sehnsucht ist der Mensch" (Augustinus).

Am Südportal der Kathedrale von Santiago finden sich zwei Plastiken des frühen Mittelalters – sie bringen die Zugewandtheit und Zärtlichkeit Gottes zu uns Menschen schön zum Ausdruck. (Bilder befinden sich im Download der Bibelarbeit - siehe unten.)


Erschaffung der Eva

Der Herr legte seine rechte Hand auf das Herz der Frau. Mit der linken stützt er ihren Kopf. Sie schauen sich an – der Blick der Liebe weckt das Leben. Das Gesicht der Eva leuchtet im strahlenden Morgen der Schöpfung. Der Glanz der Freude und das Lachen liegen auf ihrem Gesicht. Der erste Blick der Liebe wird sich in ihrer Sehnsucht wiederspiegeln – Augenblicke des Glücks auf der Lebensreise, bis zur Heimkehr bei Gott.

Sendung des Adam

Gott ist an der Seite des Menschen, Freund und Begleiter auf dem Weg. Die linke Hand legt er um die Schulter des Menschen. Die rechte Hand Gottes auf seinem Herzen ist sein Schutz. So ist der Mensch geborgen zwischen den lebensschaffenden Händen Gottes. "Mein Herz hängt an dir, deine rechte Hand hält mich fest" (Ps 63,9). Adam wird gesendet. Gott behält ihn – uns – im Blick.

Meditation:

Psalm 8
Des Chormeisters, nach der Kelterweise, ein Harfenlied Dawids.

DU, unser Herr, wie herrlich ist dein Name in allem Erdreich!
Du, dessen Hehre der Wettgesang gilt
über den Himmel hin,
aus der Kinder, der Säuglinge Mund
hast du eine Macht gegründet,
um deiner Bedränger willen,
zu verabschieden Feind und Rachgierigen.
Wenn ich ansehe deinen Himmel,
das Werk deiner Finger,
Mond und Sterne, die du hast gefestet,
was ist das Menschlein, dass du sein gedenkst,
der Adamssohn, dass du zuordnest ihm!
Ließest ihm ein Geringes nur mangeln,
göttlich zu sein,
kröntest ihn mit Ehre und Glanz,
hießest ihn walten
der Werk deiner Hände.
Alles setztest du ihm zu Füßen,
Schafe und Rinder allesamt
und auch das Getier des Feldes,
den Vogel des Himmels
und die Fische des Meers,
was die Pfade der Meere durchwandert.
DU, unser Herr,
wie herrlich ist deine Name
in allem Erdland!

(nach der Übersetzung von Buber/Rosenzweig)

GL 300: Solang es Menschen gibt auf Erden

6. Weiterführende Literatur:

Benz, Arnold/Samuel Vollenweider, Würfelt Gott? – Ein außerirdisches Gespräch zwischen Theologie und Astrophysik, Düsseldorf 2000

Berg, Horst Klaus und Sigrid, Und siehe, es war sehr gut – Schöpfung und Weltverantwortung, München 1988

Dohmen, Christoph, Schöpfung und Tod – Die Entfaltung theologischer und anthropologischer Konzeptionen in Gen 2/3, SBB 35, Stuttgart 1996

Haag, Herbert u.a., Zur Liebe befreit – Sexualität in der Bibel und heute, Düsseldorf 1998

Schwienhorst-Schönberger, Ludger, Als Mann und Frau erschaffen. Aspekte biblischer Anthropologie, in: Fonk, Peter u.a. (Hgg.), Zum Aufbruch ermutigt. Kirche und Theologie in einer sich wandelnden Zeit, FS Franz Xaver Eder, Freiburg i. Br. 2000, 18-37

Zeitschrift "Bibel und Kirche" 1/1998: "Eva" und 1/2003: "Urgeschichten", bestellbar unter: Katholisches Bibelwerk Stuttgart, Silberburgstr. 121, 70176 Stuttgart, 0711/61920-50, bibelinfo@bibelwerk.de

Zeitschrift "Welt und Umwelt der Bibel" 2/1996: "Die Schöpfung", hrsg. von Helmut Merklein, bestellbar unter: Katholisches Bibelwerk Stuttgart, Silberburgstr. 121, 70176 Stuttgart, 0711/61920-50, bibelinfo@bibelwerk.de

Dipl.-Theol. Esther Brünenberg
Februar 2005

Katholisches Bibelwerk im Bistum Münster
In Kooperation mit
kirchensite – online mit dem Bistum Münster www.kirchensite.de

Die Bibelarbeit im Januar zum Herunterladen...

(Zum Anzeigen der Texte ist der Acrobat-Reader erforderlich. Falls Sie diesen nicht haben, können Sie ihn hier kostenlos runterladen: Der Acrobat-Reader zum Download… )

MEHR Bibelarbeiten zum Thema "Liebesgeschichte"...

Weitere Bibelarbeiten im Internet:
www.kirchensite.de/bibelarbeiten

Haus der Seelsorge

Die Klosterfürbitte, der Gruppen-Chat und die E-Mail-Seelsorge haben seit dem 1. Mai 2016 eine eigene Internetseite: www.haus-der-seelsorge.de.

VIDEO-Tipp ...

"Suche Frieden" - Katholikentag 2018 in Münster.

Glaubenswissen

Wiedereintritt: Wiederaufnahme in die katholische Kirche.

Jahr der Barmherzigkeit

Am 8. Dezember hat Papst Franziskus das Heilige Jahr der Barmherzigkeit eröffnet.

Reformations-Gedenken

Katholiken und Protestanten gehen vor dem Gedenken 500 Jahre nach Beginn der Reformation aufeinander zu.

Dossier Wallfahrt

Seit Jahrhunderten machen sich Christen auf den Weg, um unterwegs Gott ein Stück näher zu kommen.

Psalm 145

Gottes Größe und Güte.

Kirche an Uni und FH

Wer als Student ins Bistum Münster kommt, findet Informationen über studentisches Leben, Gottesdienste und Veranstaltungen bei der Katholischen Studierenden- und Hochschulgemeinde Münster sowie bei der Katholischen Hochschulgemeinde Oldenburg.

Heiliger des Bistums

Arnold Janssen – Gründer der Steyler Missionare.

Bibelarbeiten

Die Bibelarbeiten befassen sich mit Schriftstellen aus dem Alten und Neuen Testament und eignen sich für die Gemeindearbeit und für die persönliche Auseinandersetzung mit der Heiligen Schrift.

Sternsinger

Die Sternsinger haben Anfang 2016 im Bistum Münster 3,205 Millionen Euro für Kinder in Not gesammelt.

Erntedank

Dank für die Früchte der Erde und der menschlichen Arbeit.

Kirchenmusik

Musik gehört dazu, so lange es die Kirche gibt.

Wallfahrtsorte

Marienbaum: Maria – Zuflucht der Sünder.

Verbände

Bund katholischer deutscher Akademikerinnen.

Freiwilligenzentren

Freiwilligenzentren übernehmen die Vermittlung ehrenamtlicher Aufgaben.

Seniorenseelsorge

Die Seelsorge mit Senioren richtet den Blick auf Interessen und Möglichkeiten im Alter.

Regionen

Münster-Warendorf.

Kirche von A bis Z

Liturgische Bewegung: Beteiligung der Gläubigen am Gottesdienst.

Durch das Jahr

Das Erste Gebot – Bibelarbeit zu Deuteronomium 6, 4-9.

Geistlicher Impuls

Erfolg ist keiner der Namen Gottes.

Mit der Bibel leben

"Mit jubelnden Lippen soll mein Mund dich preisen"

Heiligenlexikon

30. September: Heiliger Hieronymus.

Glaubens-ABC

Opfermahl – Jesus ist am Kreuz zu einem sich Opfernden geworden.

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