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04.12.2016
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Aus dem kirchensite.de-Archiv

"Zu Bethlehem geboren"

Sehnsucht nach dem Kind

"Zu Bethlehem geboren" ist eines der schönsten und innigsten Weihnachtslieder überhaupt. Es entstand aber zu einer Zeit, die alles andere als schön und innig war – während des 30-jährigen Krieges, der halb Europa entvölkerte. Umso stärker wirkt seine Sehnsucht nach Frieden und Gerechtigkeit, nach Erlösung.

Sein Schöpfer wurde weltberühmt, weil er sich gegen den schlimmsten Wahn seiner Zeit stellte, gegen den Hexenwahn. Friedrich Spee von Langenfeld (1591-1635), kurz Friedrich von Spee genannt, Jesuit, Moraltheologe und Schriftsteller, wandte sich in seiner berühmtesten Schrift "Cautio criminalis" von 1631 gegen die Unrechtsprozesse. Er verlangte von der Obrigkeit faire Bedingungen für die als Hexen angeklagten Frauen, bekämpfte die Folter und stellte zweifelhafte Zeugenaussagen als Beweismittel in Frage.

Dass nur ein Jahr später eine zweite, weitaus schärfere Auflage dieser Schrift erschien, wird als Hinweis gedeutet, dass die Oberen seines Ordens sein Wirken zumindest wohlwollend zur Kenntnis nahmen.

Als die "Cautio criminalis" erschien, wirkte Spee als Professor für Moraltheologie in Paderborn. Und hier in Westfalen schuf er auch einige seiner berühmtesten Lieder, die zum großen Teil noch immer in Kirchen beider Konfessionen gesungen werden: "O Heiland, reiß die Himmel auf", "In stiller Nacht" oder "O Haupt voll Blut und Wunden". Sein letztes Weihnachtslied überhaupt ist das ebenso bekannte "Zu Bethlehem geboren", das er auf eine Melodie schrieb, die er einem französischen Liederbuch von 1599 entnommen hatte.

Text und Melodie erschienen drei Jahre nach seinem Tod im "Kölner Psälterlein" – die Melodie wurde im 19. Jahrhundert von Anton Wilhelm Florentin von Zuccalmaglio mit dem neuen weltlichen Text "Die Blümelein, sie schlafen" unterlegt und in dieser Form von Johannes Brahms bearbeitet.

In Spees Text, im Psälterlein auch als "Hertzopffer" bezeichnet, drückt sich die Sehnsucht nach dem Kind in der Krippe in einer inbrünstigen, herzlichen Sprache aus. Am Ende jeder Strophe erklingt der berühmte "Eia, Eia"-Ruf, der lange Zeit als Ausdruck der Zärtlichkeit für das Christkind verstanden wurde. Der münstersche Liedforscher Heribert Limberg gibt seiner Ausgabe im "Rheinisch-westfälischen Weihnachtspsalter" die Form "Eja, eja" und sieht darin einen aus dem Griechischen übernommenen Freudenruf.

Doch selbst wenn "Zu Bethlehem geboren" demnach kein Wiegenlied ist – es ist ein poetisches Meisterstück, das seinen Autor als einen der bedeutendsten Dichter seiner Zeit ausweist. Friedrich von Spee war in Trier tätig, als spanische Truppen die Stadt überfielen. Er beteiligte sich an der Pflege der Verwundeten und Kranken und infizierte sich dabei mit der Pest. Er starb am 7. August 1635 im Alter von 44 Jahren.

Text: Lukas Speckmann/Foto: Michael Bönte, 17.12.04

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