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27.06.2016
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Aus dem kirchensite.de-Archiv
Der erste Bischof von Münster:Liudger

Die Anfänge des Bistums Münster:

Vita desheiligen Liudgers

Bistum. "Er säte das Gotteswort", schreibt Altfrid über den Apostel des Münsterlandes, den heiligen Ludger. Der münstersche Kirchengeschichtler Alois Schröer stellt seine Vita im "Handbuch des Bistums Münster" vor, die "kirchensite" dokumentiert.

Der erste Bischof von Münster entstammte einer vornehmen friesischen Familie. Liudgers Vater hieß Thiadgrim, seine Mutter Liafburg. Die Eltern gehörten christlichen Familien an. Der Großvater väterlicherseits, Wursing, wird uns als markanter, aufrechter Friese gezeichnet. Als der Friesenherzog Radbod († 719) in seinem Eifer für die völkische Unabhängigkeit des Landes die Christen hart verfolgte, war Wursing noch Heide. In dieser Notlage seiner Landsleute erwies er sich jedoch als ein "Helfer der Armen, Verteidiger der Unterdrückten und gerechter Richter." Mit Freimut erhob er vor dem Herzog Einspruch gegen die Vergewaltigung der Gewissen, sah sich indes kurz darauf gezwungen, mit seiner Familie vor den Nachstellungen Radbods in das Frankenreich zu fliehen, wo er bei Grimoald II. († 714), dem Sohne Pippins II., gütige Aufnahme fand. Unterdessen wurden seine väterlichen Güter von Radbod eingezogen. Am Hofe Grimoalds trat Wursing mit seinen Angehörigen zum christlichen Glauben über. Erst nach Radbods Tod (719) kehrte er in seine friesische Heimat zurück, wo ihm Karl Martell zu Suabsna (Zwesen bei Utrecht?) ein Lehen zuwies.

Liafburg, Liudgers Mutter, war die Tochter Nothrads und Adelburgs. Ihre Familie stand dem heiligen Willibrord nahe und nahm an der Missionierung Frieslands tätigen Anteil. Die beiden Brüder ihrer Mutter, Willibraht und Thiadbraht, waren die ersten geistlichen Gefährten Willibrords aus dem Friesenland. Nothrad war der Sohn einer fanatischen Heidin, die der kleinen Liafburg schon in der Wiege nach dem Leben trachtete. Nothrad selbst scheint Christ gewesen zu sein.

Liudger wurde 742 oder kurz vorher geboren. Nach Altfrid machten sich bei ihm schon in früher Jugend Anzeichen seines künftigen Berufes bemerkbar. Die alten Biographen rühmten den Ernst des Kindes sowie seine Vorliebe für geistige Beschäftigung. Er sammelte angeblich Pergamentblättchen und Baumrinde, die man als Kienspäne verwendete, fügte sie nach Art von Büchern zusammen und beschrieb sie mit Holzstäbchen. Die Neigung zum Studium nahm mit den Jahren bestimmtere Formen an. Als der Knabe eines Tages seine Eltern bat, ihn einem "Gottesmanne" zur Ausbildung zu übergeben, war das gleichbedeutend mit der Bitte, Priester werden zu dürfen.

Außer der christlichen Luft im elterlichen Hause hatte ohne Zweifel eine Begegnung des empfänglichen Knaben mit dem heiligen Bonifatius, dem Apostel der Deutschen und gefeierten päpstlichen Legaten, auf diese Berufswahl einen nachhaltigen Einfluss ausgeübt. "Es war mir vergönnt", so schreibt Liudger nach langen Jahren, "ihn mit eigenen Augen zu sehen, einen Greis in schneeweißem Haar , hinfällig vor Alter, aber mit Tugenden und Verdiensten geschmückt." Dieser tiefe Eindruck wird sich nur verstärkt haben, als im Juni 754 die Nachricht von dem blutigen und heldenhaften Tod des großen Apostels eintraf, und Liudger, wie wir annehmen dürfen, zu Utrecht an der Bahre des heiligen Blutzeugen stand.

"Die Eltern aber freuten sich und lobten Gott ", sagt Altfrid, "als sie den Wunsch ihres Sohnes vernahmen, und übergaben ihn dem ehrwürdigen Abt Gregor von Utrecht, dem Schüler und Nachfolger des heiligen Märtyrers Bonifatius, damit er ihn für Gott erziehe." Die Utrechter Stiftsschule, deren Schüler Liudger nun wurde, genoss damals wegen der hervorragenden Lehrtätigkeit ihres Leiters einen ausgezeichneten Ruf. Liudger widmete in späteren Jahren (790/91) seinem Lehrer und Erzieher ein Lebensbild, das zwar als Geschichtsquelle unbedeutend ist, aber durch die Wärme der Darstellung den Leser fesselt. Das pastoral geprägte Erinnerungsbändchen ist, wie Karl Hauck mit Recht feststellt, trotz seiner Grenzen als eine Kostbarkeit aus der Frühgeschichte Münsters zu würdigen. "Nicht einem Volksstamme allein", schreibt Liudger, "gehörten die Schüler an, die bei ihm zusammenströmten; nein, die Blüte aller benachbarten Nationen hatte sich hierher vereint. In allen aber herrschte ein solch freundlicher, familienhafter und freudiger Geist, dass man sie als Söhne eines geistlichen Vaters und einer Mutter, der heiligen Liebe, erkannte... Unter allen Zöglingen", fügte er hinzu, "war ich der mindeste, der ärmste und schwächste."

Der Unterrichtsgang, dem sich Liudger in Utrecht unterzog, diente dem Ziel, nach dem althergebrachten Lehrplan der sieben "freien Künste" – Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Musik, Geometrie, Astronomie - die Grundlagen der humanistischen Bildung zu vermitteln. Daneben pflegte man den Choral und betrieb das Studium der Heiligen Schrift und der Väter.

Nach etwa zwölfjährigem Aufenthalt in Utrecht begab sich Liudger 767 zur alten Bischofsstadt York in England, empfing die Diakonsweihe und setzte seine Studien an der dortigen Domschule fort. Hier saß er zu Füßen Alkuins, des berühmten Gelehrten, mit dem ihn später enge Freundschaft verband. So teuer Liudger die Utrechter Stiftsschule gewesen sein mochte, hier in York wurde er gar bald des Unterschiedes inne, der zwischen beiden Schule bestand. Während Gregor seine Kleriker schulte, pflegte man in England wirkliche Bildung. Der Gesichtskreis war weiter, das Eindringen tiefer. In der reichhaltigen Bibliothek fand Liudger nach einem Wort von Alkuins "die Denkmäler aus der Zeit der Väter, alles, was Römerweisheit auf dem Boden Italien geschrieben, was Griechenland und Lateinern hatte bieten können, und was dem Hebräervolk durch des Himmels Gunst war eingegeben worden." Hier fand Liudger eine Welt, die ihn fesselte. Er reiste daher 769 zum zweiten Male nach England, nachdem ihm sein väterlicher Freund in Utrecht, der ihn zunächst mit liebevollen Worten von seinem Vorhaben abzubringen suchte, die Erlaubnis erteilt hatte. Er blieb nun dreieinhalb Jahre in York und vertiefte sich unter Alkuins Leitung in die Geheimnisse der Heiligen Schrift. Gründlich ausgebildet in geistlicher und weltlicher Wissenschaft und, wie Altfrid nicht unterlässt zu bemerken, wohl versehen mit einem guten Vorrat an Büchern, kehrte er in seine friesische Heimat zurück.

Nicht lange nach Liudgers Rückkehr starb Gregor von Utrecht. Sein Nachfolger in der Leitung der Friesenmission und der Stiftsschule wurde Alberich († 784). Für Liudger war nun die Zeit gekommen, in der die von Gregor und Alkuin ausgestreute Saat ihre Früchte bringen sollte. Noch Diakon, erfüllte er im Jahre 776 einen ersten Missionsauftrag in Deventer und im fränkischen Friesland. Nicht viel später begaben sich Alberich und Liudger nach Köln, wo der Missionsabt die Bischofsweihe, der Diakon die Priesterweihe empfing. Der Zeitpunkt der Weihe lässt sich nur annähernd bestimmen; sicher ist, dass Liudger sie nach dem 7. Juli 777 empfing. Es ist uns ein poetischer Glückwunsch aus der Feder eines jungen Schotten erhalten, der mit Liudger die Schule Alkuins besuchte. Die Verse bedeuten mehr als einen Ausdruck der Höflichkeit. Sie spiegeln die liebenswürdigen Anlagen, Tugend und Wissen des Heiligen wider:

Bruder, der du mit Recht aus Liebe Gottes mir teurer
bist als selbst die mit mir aus einem Blute Entspross´nen,
teurer Liudger, den die Gnade Christi beschütze,
lebe, ein leuchtender Stern du deines friesischen Volkes;
du ein Priester des Herrn an des Meeres westlicher Küste,
hochgelehrt im Wort, von großer Tiefe des Geistes:
Zierst du ja doch dein Amt durch Tugend und treffliche Sitten,
leitest den Älteren Dienst voll großer Demut des Herzens
und verkehrst wie ein Bruder mit jenem, die gleich dir im Alter,
während väterlich du der Jugend Worte des Lebens
spendest. Gedenke meiner, du, der im Guten stets zunimmt,
gütig im deinem Gebet...

Bald nach seiner Rückkehr aus Köln öffnete sich dem Neupriester ein Wirkungsfeld im westfriesischen Ostergau. Den Mittelpunkt dieses Missionsgebietes bildete Dokkum, wo Bonifatius den Martertod erlitten hatte. Seit dem Anfang der siebziger Jahre war hier der heilige Willehad mit großem Erfolg tätig gewesen, bis ihn Karl d. Gr. 780 nach Ostsachsen abberief. Liudger setzte "mit hoher Weisheit und unermüdlichem Eifer" das Werk seines Vorgängers fort, wobei ihm sehr zu statten kam, dass er kein Fremdling, sondern ein Sohn des Landes war. Alkuin begrüßte seinen Freund und einstigen Schüler mit sinnreichen Versen: "Beuge zur Erde dich hin und küsse den heiligen Boden! Hier glänzt noch ihr Blut, überstrahlend den Glanz selbst des Goldes... Es helfen euch hier Sankt Paul und Sankt Bonifaz milde, flehend für euch zu dem Herrn in dem Tempel, der ihnen geweiht ist." Das Christentum fasste im Ostergau rasch Wurzeln. Schon glaubte man seinen Bestand gesichert, als plötzlich der Sturm ausbrach. Der Sachsenaufstand, der sich gerade damals in seinem blutigsten Stadium befand, trieb seine Wellen nach Friesland hinüber und zwang Liudger 784, vor den aufständischen Friesen nach Utrecht zu fliehen.

Wie seine Vorgänger im Apostelamte, Willebrord und Bonifatius, unternahm nunmehr auch Liudger eine Reise nach Rom, wo ihm Papst Hadrian I. (772 - 795) in seinem Kummer um die zerstörte Friesenmission wohl Trost zusprach. Darauf begab er sich in das Benediktinerkloster Monte Cassino, um Anregungen für eineKlostergründung, die er schon im Sinne hatte, aufzunehmen. Er trug das Ordensgewand des heiligen Benedikt und führte das Leben eines Mönches. Die Gelübde auf die Ordensregel legte er jedoch nicht ab.

Im Anfang des Jahres 787 kehrte auch Karl der Große auf seinen Italienzug in Monte Cassino ein. Er hatte inzwischen in seinem Reich die Ruhe wiederhergestellt und hielt Ausschau nach tüchtigen Missionaren. So betraute er Liudger, vielleicht auf Alkuins Vorschlag, mit den fünf friesischen Gauen: Hummerke, Hunsegau, Fivelgau, Emsgau Und Federgau, die im Osten durch das Missionsfeld Willehads begrenzt wurden. Auch die heute längst verschwundene Insel Bant südlich von Juist, die offenbar örtliche  Beziehung zu diesen Gauen hatte, wurde ihm übertragen. Liudger kannte seine Landsleute, und gewiss wusste er sie da zu fassen, wo die nationale Eigentümlichkeit eine Anknüpfung für die Gnade bot. So blieb ihm der Erfolg nicht versagt. Nur eine letzte Hochburg des Heidentums war noch zu nehmen: Helgoland. Der Heilige setzte um 791 zur Insel über, und kurz darauf erhob sich auch hier das erste christliche Gotteshaus.

Ein neuer Aufstand der Sachsen gegen die fränkische Herrschaft im Jahre 792, der auch die Friesen wieder mit sich fortriss, zwang Liudger abermals zur Flucht. Aber jetzt konnte er auf die Treue vieler Landsleute bauen. Vor allem wurde ein allgemeiner Abfall durch das Laienapostolat des Sängers Bernlef verhütet, den Liudger von der Blindheit geheilt hatte. Bernlef zog mit seiner Harfe von Hof zu Hof und spendete, der Weisung seines Meisters folgend, 18 Kindern die Nottaufe. Er gehörte offenbar dem weithin verbreiteten Sängerstand der Skopen an, die die germanischen Heldensagen zur Harfe vortrugen.

Unterdessen fanden die Sachsenkriege mit der endgültigen Bekehrung des Volkes ihr Ende. Karl d. Gr. trug damals dem Heiligen den erledigten bischöflichen Stuhl zu Trier an. Liudger aber schlug diese hohe Ehre aus, indem er darauf hinwies, dass ein solches Bistum seiner als Bischof nicht bedürfe. Die Kirche habe Männer genug, die ihm an Bildung und Wissen überlegen seien. Er wolle lieber den Armen und Ungebildeten das Wort Gottes verkünden. Wenn es dem König gefalle, sei er gern bereit, die Missionsarbeit unter den Sachsen anzutreten. Karl erfüllte seine Bitte und übertrug ihm 792 zu den fünf friesischen Gauen das westliche Sachsenland, das spätere Bistum Münster. Hier hatte seit 785 der Abt Bernrad als Missionsleiter gewirkt.

Die Sachsen hatten bereits, wie wir sahen, das Christentum angenommen, als Liudger zu ihnen kam. Aber der innere Widerstand des Volkes gegen die christliche Lehre war noch nicht überwunden. Nachdem die kirchlichen Verhältnisse in Friesland sich wieder gefestigt hatten, wandte sich der Heilige mit großem Eifer den Sachsen zu. Um diese auch innerlich für das Christentum zu gewinnen, schien es ihm notwendig, eine geordnete Seelsorge einzurichten.

Da es im Münsterland noch keine Stadt gab, in der Liudger der kirchlichen Vorschrift gemäß den künftigen Bischofssitz hätte aufschlagen können, bezeichnete er als Mittelpunkt seines Missionsfeldes die Stelle an der Aa, wo die Heerstraße nach Köln mit der Straße nach Friesland sich kreuzte und wo die umwohnenden Marktgenossen sich zu versammeln pflegten. Der Ort hieß Mimigernaford. Hier baute Liudger, im Jahre 793 beginnend, am rechten Ufer der Aa auf einem Hügel, dem Horsteberg, eine Kirche und eine Wohnung für sich, seine Mitbrüder und seine Schüler. Das war das monasterium, von Mauer und Graben umschlossen, das später dem Ort einen neuen Namen geben sollte.

Das von Liudger errichtete Gotteshaus war die Hauptkirche des westsächsischen Missionssprengels und nach der Bischofsweihe des Missionars 805 die Kathedrale des Bistums Münster. Nach dem gegenwärtigen Kenntnisstand der Archäologen des Westfälischen Museums für Archäologie, Münster, lag dieses bisher noch durch keine Grabung erfasste Gotteshaus unter dem heutigen Dom. Die Kirche ist offenbar identisch mit jener "ecclesia sanctea Mariae" in Mimigernaford, in welcher der Leichnam Liudgers nach Altfrid cap. 32 dreißig Tage aufgebahrt war, bevor er nach Werden überführt und außerhalb der dortigen Klosterkirche beigesetzt wurde. Die Wohngebäude für den Klerus und die Scholaren befanden sich nach den Grabungsergebnissen von 1962/64 vermutlich in dem Bereich nördlich des Kreuzganges. Rings um den Dom erstreckte sich der Friedhof, auf dem die Toten der jungen christlichen Gemeinde beigesetzt wurden.

Auf dem Friedhofsgelände nördlich der Hauptkirche, dem heutigen Domherrenfriedhof, wurde von den Archäologen in den 1980er Jahren eine kleine einschiffige, der Hauptkirche zugeordnete jüngere Annexkirche ausgegraben, deren Chor mit einer Apsis schloss. Nach den Feststellungen der Archäologen – es wurden in einem der Gräber innerhalb es Kirchenraumes zwei karolingische Münzen gefunden – ist die Kirche in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts errichtet worden. Es erscheint fraglich, ob der Kirchenbau, der nie den Charakter einer Kathedrale trug, noch zur Zeit Liudgers begonnen wurde. Die in jüngster Zeit vertretene Annahme einer Doppelkathedrale nach Utechter Vorbild ist nach dem Grabungsbefund nicht haltbar.

In dem monasterium lebte Liudger mit seinen Klerikern, wie Altfrid cap. 23 feststellt, "sub regula canonica", d.h. in Übereinstimmung mit den kanonischen Vorschriften. Diese Feststellung bedarf der Erläuterung. Der begriffliche Gegensatz zu "canonice vivere" ist "regulariter vivere", d. h. wie ein Mönch nach einer Mönchsregel leben. Neuere Forschungen ziehen auch die Möglichkeit in Betracht, dass der in Utrecht, York und Monte Cassino gebildete Liudger das monasterium als Benediktinerkloster gegründet habe, ein Gedanke, den man u. a. durch den Hinweis auf die in dem ältesten Münsterer Domnekrolog aufgeführten monachi zu erhärten suchte. In der Tat war Liudger seit 785, wie unten näher ausgeführt, unausgesetzt bemüht, ein Benediktinerkloster zu gründen. Der Plan gelangte um 800 zur Ausführung, aber aus Gründen der Sicherheit vor den immer wieder zum Aufstand neigenden Sachsen nicht in dem ungeschützten Missionszentrum zu Mimigernaford, sondern in dem auf fränkischen Boden gelegenen Werden an der Ruhr.

Im Mimigernaford lebte, wie Altfrid berichtet, die Brüdergemeinschaft des monasterium nach einer kanonischen Regel. Bei dieser handelte es sich jedoch offenbar nicht, wie man vielfach angenommen hat, um die allgemeine Form der Metzer Chrodegangregel, sondern um eine eigene, an keine vorgebebene geistliche Lebensform gebundene, auf Konsens der Brüdergemeinschaft beruhende Verfassung. Eine allgemein verbindliche Kanonikerregel wurde auf der Aachener Reichssynode von 816/17 beschlossen.

Die Gründung Liudgers in Mimigernaford war nie ein monasterium im Sinne von coenobium monachorum, ein benediktinisches Domkloster, sondern stets eine monasterium canonicorum bzw. seit 805 ein Domstift.

Sollte mit der inneren Bekehrung der Sachsen Ernst gemacht werden, musste es Liudgers wichtigste Sorge sein, in seinem Sprengel Kirchen zu gründen und mit würdigen Priestern zu versehen. Leider berichten die alten Biographen über diese Wirksamkeit des Friesen nur in allgemeinen Wendungen. "In einem Ort nach dem anderen", schreibt Altfrid, "rottete er das Dornengestrüpp des Götzendienstes aus und säte das Gotteswort. Er errichtete Kirchen und weihte für sie Priester, die er selbst zu würdigen Mitarbeitern im Weinberg des Herren herangezogen hatte." Außer dem monasterium, das Karl d. Gr. mit den vier Urhöfen Bispinghof, Brockhof, Jüdefelderhof und Kampwordesbeke ausgestattet hatte, können wir quellenmäßig nur die Kirchen zu Billerbeck, Coesfeld, Nottuln und Herzfeld als Gründungen aus Liudgers Zeit nachweisen. Das Schweigen der Quellen berechtigt jedoch nicht zu der Annahme, dass die Kirchen die einzigen gewesen sind, die Liudger gründete bzw. als Eigenkirche gründen ließ. Die erwähnte Bemerkung Altfrids weist vielmehr darauf hin, dass der Heilige in dem weiten Bistum soviel Kirchen errichtete, als notwendig waren, um den Gläubigen die Möglichkeit der regelmäßigen Teilnahme an der Christenlehre, dem Gottesdienst und dem Sakramentenempfang zu bieten.

Bei seiner Gründungstätigkeit war Liudger, wie bemerkt, an das damalige Eigenkirchenrecht gebunden, das seinen Ursprung im römischen und germanischen Rechtsdenken hatte. Gründer der Kirche war der Grundherr, der kraft seiner Herrschaft über den Kirchengrund nicht nur ein Verfügungs- und Nutzungsrecht an Vermögen und Einkünften der Eigenkirche, sondern auch die öffentlich-rechtliche Befugnis der Ernennung und Absetzung der Geistlichen hatte. Grundherr war häufig ein Adeliger. Aber auch der Bischof, das Domkapitel oder ein Kloster konnten in späterer Zeit als Eigentümer von Grund und Boden Eigenkirchen errichten. Das Eigenkirchenrecht wurde von der karolingischen Gesetzgebung eingehend geregelt. Auch Reichsbistümer und Reichsabteien wurden als Eigenkirchen des Königs gegründet.

Der Grundherr hatte, wie erwähnt, aus den ihm zustehenden Einkünften der Kirche einen Geistlichen zu berufen und zu besolden, für die Unterhaltung des Gebäudes zu sorgen, die Kultkosten zu tragen und christliche Liebestätigkeit zu ermöglichen. Der noch verbleibende Überschuss war ihm vorbehalten. Diese Rechtsgrundlage ermöglichte es Liudger und seinen Nachfolgern mit Hilfe begüterter Geschlechter, wie derer Widukinds und v. Cappenberg, zahlreiche Pfarreien zu errichten.

Hilfreich in der Frage der Entstehung der mittelalterlichen Kirchenorganisation im Münsterland sind die von Albert Hömberg zu diesem Thema durchgeführten Untersuchungen. Hömberg geht von der Voraussetzung aus, dass die im westlichen Sachsen wirkenden Missionare außer dem friesischen Missionsbezirk des hl. Liudger im sächsischen Münsterland fünf selbstständige Missionsbezirke gründeten, die später zum Bistum Münster zusammenwuchsen. Drei dieser Teilsprengel wurden von Mimigernaford-Münster aus missioniert: der große Missionsbezirk von Münster im Drein- und Stevergau durch Abt Bernrad (nach dessen Tod durch Liudger pastoriert), der Missionsbezirk von Emsbüren durch Liudger und das sächsische Hamaland (westliches Münsterland) ebenfalls durch Liudger. Rheine und Borken bildeten dagegen selbstständige, von Mimigernaford unabhängige Missionsbezirke unbekannter Missionare. Diese beiden Sprengel erwiesen sich im Licht der frühen Besitzverhältnisse als Fremdkörper im Bistum Münster. Alte bischöfliche und domkapitularische Haupthöfe und Kirchenpatrone fehlten in ihnen fast ganz. Bezüglich der Datierung der einzelnen Kirchen in diesen Missionsbezirken sei auf die Geschichte der Pfarreien im Band 2 dieses Handbuchs verwiesen.

In den friesischen Gauen baute Liudger das Kirchenwesen in ähnlicher Weise auf wie im Münsterland. Er zerstörte die Götzentempel und richtete Missionsstationen und später Pfarreien ein. Um 803 gründete Liudger in Nottuln eine Kirche und stattete sie mit einem Reichtum an Reliquien aus. An dieser Kirche errichtete Heriburg († 835), eine Schwester Liudgers, das erste Kanonissenstift des Bistums Münster mit hochadeliger Spitze. Eine "sanctimonialis de Nutlon" wird bereits für 860/62 am Grab der hl. Pusinna in Herford erwähnt.

Eine andere Klostergründung wird, wie bereits angedeutet, von Liudgers Biographen ausdrücklich bezeugt. Altfrid berichtet, der Heilige habe sich schon frühzeitig mit der Absicht getragen, ein Kloster zu gründen. Deutlichere Gestalt nahm der Gedanke in Monte Cassino an, wo Liudger die Regel des heiligen Benedikt näher kennenlernte. Zweieinhalb Jahre trug er die Mönchskutte und konnte sich von dem Segen überzeugen, den ein regeltreues Ordensleben verbreitet. Nun stand auch bei ihm der Entschluss fest. Er wollte ein Kloster gründen, das nicht eine Bilddungsstätte für Missionare sein sollte – eine solche besaß er bereits in seinem monasterium –, sondern eine Stätte des Gebetes und der Arbeit, wo er und seine Priester auch Zuflucht finden könnten, wenn es notwendig würde, die geistigen und körperlichen Kräfte zu erneuern. Bei der Wahl des Ortes dachte Liudger zunächst an die Stammgüter seiner Familie in Wierum nördlich von Dokkum. Allein die Furcht vor den Normannen bewog ihn, den Gedanken aufzugeben.Seit 796 richtete er sein Augenmerk auf Werden a. d. Ruhr. Am 18.1. und 14.2.799 kam durch Schenkung und Tausch der Ort der späteren Benediktinerabtei in seinen Besitz. Sofort scheint man den Kirchenbau begonnen zu haben, der im Mai 801 bereits vollendet war. Außer diesen urkundlich gesicherten Nachrichten wissen die späteren Biographen ein Fülle von Einzelheiten zur Werdener Gründung, deren Glaubwürdigkeit jedoch fraglich ist. Wir vermeiden es daher, darauf einzugehen.

Der Besitzstand der Abtei wuchs rasch. Liudger betrachtete nach dem Eigenkirchenrecht die Güter als sein Eigentum, wie der spätere Familiencharakter der Stiftung zeigt. Zum Teil waren sie Erbgut seiner Familie oder persönliche Schenkungen, zum anderen Teil von ihm durch Kauf und Tausch erworben.) Dementsprechend übernahm Liudger - wie auch seine beiden blutsverwandten Nachfolger, die Liudgeriden Gerfrid und Altfrid - als Kommendatarabt die Verwaltung des Klosters. Mit den Werdener Mitbrüdern verband ihn und das monasterium ein warmes menschliches Verhältnis, das u. a. in einer Gebetsverbrüderung seinen Ausdruck fand. Wie der älteste Nekrolog der Domkirche von Münster ausweist, wurde das Gedächnis der verstorbenen Werdener monachi auch in Münsterer monasterium gefeiert. In Werden, nicht in Münster, wollte Liudger zur letzten Ruhe gebettet werden.

Liudger verband mit der Werdener Klostergründung möglicherweise weitergehende Pläne, als die Vita Liudgeri erkennen lässt. Nach neueren Untersuchungen verfolgte er im Zusmamenwirken mit Hildigrim d. J. von Halberstadt das Ziel, Werden zu einer rückwärtigen missionarischen "Operationsbasis" für die Gebiete des östlichen Sachsenlandes zu entwickeln. Jedoch konnte der Heilige diese weitgespannten Ziele nur im Ansatz verwirklichen.

Als sich die kirchlichen Verhältnisse im Sachsenland gefestigt hatten, scheint Karl des Großen verlangt zu haben, dass sich Liudger zum Bischof weihen lasse. Das Bedürfnis hierfür war unabweisbar, aber der Heilige hatte Bedenken, die Würde zu übernehmen. Er hielt daher unter seinen Priestern Ausschau nach einer geeigneten Persönlichkeit. Aber allen war klar, dass er allein berufen sei. Als auch der Kölner Erzbischof Hildibald (782 - 818), der Vertraute des Kaisers, in ihn drang, hielt ihm Liudger das Wort des Apostels entgegen: "Es muss der Bischof untadelig sein" (1. Tim. 3,2), das aber sei er gewiss nicht. Jedoch ließ er sich endlich überzeugen, dass ein längeres Weigern unklug sei. "Dem Rat so vieler gegenüber", sagt Altfrid, "wollte er nicht hartnäckig sein und erst recht nicht ungehorsam gegen den Willen Gottes."

Den Zeitpunkt der Bischofsweihe teilen die Biographen nicht mit, dieser kann jedoch nur innerhalb der Jahre 802 und 805 liegen; denn am 13.1.802 nennt sich Liudger noch Abt, d. h. Missionsleiter, am 23.4.805 erstmals Bischof. In diese Zeitspanne tritt nun ein Totenbuch der Ambrosianischen Bibliothek in Mailand, das vermutlich aus einem westfälischen Kloster stammt, mit der Eintragung: "III. Kal. Apr. (30. März) Ordinatio domni Liudgeri episcopi prefati". Die Liturgiegeschichte erbringt den Nachweis, dass zu Liudger Zeiten die Bischofsweihe grundsätzlich am Sonntag stattfand. Von 802 bis 805 fällt einzig im Jahr 805 der 30. März auf einen Sonntag, und zwar auf den Sonntag Laetare, der auch sonst als Tag der Bischofsweihe nachweisbar ist. Es unterliegt daher keinem Zweifel, dass Liudger am 30. März 805, vermutlich zu Köln durch Erzbischof Hildibald, die Bischofsweihe empfangen hat.

Wie einer späteren urkundlichen Nachricht aus dem Jahre 819 zu entnehmen, weihte Liudger seinen neuen münsterländischen Sprengel dem hl. Paulus, der bereits in Friesland das missionarische Vorbild des Heiligen gewesen war.

Eine wichtige Sorge des Bischofs war die Heranbildung eines tüchtigen Klerus. Diesem Ziel diente die von Liudger gegründete Domschule, an der er selbst als Lehrer und Erzieher täglich einige Stunden unterrichtete, wenn er im monasterium anwesend war. Wie sehr ihm neben der geistigen auch die religiös-sittliche Bildung seiner Schüler am Herzen lag, beweist die Lebensbeschreibung seines Utrechter Lehrers, des heiligen Gregor, die er für seine Schüler verfasste. "Wohlan denn, Soldaten Christi", so redet er diese an, "hört und versteht und greift die herrlichen Beispiele dieses Vaters auf. Wenn ihr zeit eures Lebens auf sie blickt und sie liebt, nimmt die Gnade Gottes in euch zu. Sie hat dem heiligen Gregor den Glanz so großer Tugenden verliehen; so wird sie auch ein Heilmittel für eure Wunden sein". Liudgers Lehrgeschick hatte schon in Utrecht Anerkennung gefunden. Alljährlich rief Bischof Alberich seinen Freund für drei Monate aus der friesischen Mission zurück, um ihm die Leitung der Utrechter Stiftsschule zu übertragen.Die gründliche Ausbildung in Utrecht und York, der Studienaufenthalt in Monte Cassino sowie der von Altfrid eigens hervorgehobene Wissensdurst berechtigen uns, in Liudger einen in der kirchlichen Wissenschaft auf der Höhe seiner Zeit stehenden Gebildeten zu erblicken. Wir hörten bereits, dass er in York einen guten Bestand an Büchern heimbrachte. In Italien dürfte die Ausbeute nicht geringer gewesen sein. Die Universitätsbibliothek zu Upsala hütet noch heute ein Buch, das auf Liudger als den einstigen Besitzer zurückgeht: den berühmten Codex argenteus mit der gotischen Evangelienübersetzung des Bischofs Wulfila; das älteste erhaltene germanische Buch, das um die Wende des 5. Jahrhunderts in Norditalien geschrieben wurde.

Das damalige kirchliche Recht verlangte, dass der Bischof einmal im Jahr sein Bistum visitierte. Liudger unterzog sich dieser Aufgabe mit hingebendem Eifer. Auf seinen Reisen begleitete ihn der diaconus, der spätere Archidiakon, der ihn bei den Sendgerichten über Seelsorger und Laien und bei der kirchlichen Vermögensverwaltung unterstützte. Die Visitation bot dem Bischof auch Gelegenheit zur Spendung der heiligen Firmung. Unermüdlich war der Heilige auf seinen Reisen in der Verkündigung des Wortes Gottes.Nichts ist in dieser Hinsicht für ihn bezeichnender, als dass er noch am Tage vor seinem Hinscheiden trotz seiner Todesschwäche zweimal predigte. Was Liudger mit seiner Wortverkündigung erreichen wollte, war nichts weniger als ein lebendiges, tatkräftiges Leben aus dem Glauben. Das hat auch sein ältester Biograph im Auge, wenn er die gesamte bischöfliche Tätigkeit des Heiligen in die Worte zusammenfasst: "Er versah die ihm anvertraute sächsische Herde in aller Klugheit und Bescheidenheit mit den Lehren des Heiles, bis er sie mit Gottes Hilfe zum vollkommenen Glauben geführt hatte."

Aus solcher apostolischen Arbeit wurde der erste Bischof von Münster im Jahre 809 von seinem höchsten Herrn und Meister abberufen. "Als der Beschluss des Herrn", so berichtet Altfrid, "ihm für seine frommen Mühen den ewigen Lohn zu geben, schon vor der Türe stand, da wurde er, bis der Tod kam, noch einige Zeit von körperlichen Beschwerden heimgesucht. In seinem Siechtum aber hörte er nicht auf, seinen Geist den heiligen Übungen liebevoll, wie er es gewohnt war, hinzugeben. Er hörte heilige Lesung an oder sang Psalmen oder beschäftigte sich mit anderen geistlichen Dingen, damit er nicht, der frommen Betrachtung entwöhnt, lau würde. Fast jeden Tag feierte er, schwach am Körper, aber ungebrochenen Geistes, das heilige Opfer. Am Sonntag aber vor der Nacht, in der er aus dieser Welt zum Herrn abberufen wurde, wollte er der ihm anvertrauten Herde Lebewohl sagen. So predigte er denn noch einmal öffentlich in seinen beiden Kirchen; am frühen Morgen in dem Ort, der Coesfeld heißt, wobei ein Priester die Messe sang, und um die dritte Stunde in Billerbeck, wobei er selber kranken Körpers, aber stark durch seine feurige Liebe das letzte Messopfer feierte. Darauf gab er in der folgenden Nacht unter dem Beistand seiner Brüder dem Herrn seine Seele zurück." Der Heilige starb am Montag in den ersten Morgenstunden des 26. März 809.

Wenn wir Leben und Werk des ersten Bischofs von Münster überblicken, so steht das echte Bild eines deutschen Heiligen aus der Frühzeit des sächsischen Christentums vor unseren Augen. Von dem Glanz der Großen dieser Welt und dem selbstbewußten Auftreten der späteren Fürstbischöfe hatte Liudger nichts an sich. Ein einziges Mal, auf der Heeresversammlung in Minden 798, sehen wir ihn an den politischen Ereignissen seiner Zeit beteiligt. Im übrigen "hütete er sich davor, sich einen eitlen Namen zu machen, und strebte daher dem Worte des Apostels gemäß in all seinem Tun nach weiser Mäßigung." Gerade dieses Maßhalten, in dem wir eine Spur benediktinischer Erziehung sehen dürfen, gibt seiner Lebensweise die besondere Note. So streng der Heilige gegen sich selbst war, er vermied alle unvernünftige Übertreibung. Keiner seiner Schüler sah je, dass er sich an Speise und Trank vollends gesättigt hätte, doch war er durchaus auf die nötige Stärkung der körperlichen Kräfte bedacht. Altfrid hebt eigens hervor, dass er auch Fleischspeise genoss. Liudger liebte Gesellschaft bei Tisch und machte dabei keinen Unterschied zwischen arm und reich Er suchte das Mahl mit nützlichen Gesprächen zu würzen. Die gleiche goldene Mitte zwischen weltabgewandter Strenge und falscher Nachgiebigkeit gegen menschliche Schwäche wahrte er in seiner Kleidung. "Eine Kutte wollte er nicht tragen, weil er das Mönchsgelübde nicht abgelegt hatte; aber ein Bußhemd, das leichter zu verbergen war, trug er auf dem bloßen Leib."

Liudger war ein Mann des Gebetes. Auch als Bischof erschien er täglich im Chor der Brüder zum gemeinsamen Gotteslob. Selbst auf seinen Reisen bemühte er sich, in gewohnter Weise zur nächtlichen Stunde mit den Seinen das kirchliche Offizium zu singen, wobei er sich durch nichts stören ließ. Waren die Psalmen verklungen, so oblag er noch eine Zeitlang der stillen Betrachtung, indes die anderen sich zur Ruhe begaben. Nach aufgehobener Mittagstafel suchte er mit seinen Schülern die Stille, um eine geistliche Lesung zu halten oder zu beten. In schwieriger Lage empfahl er sich dem Gebet der Seinen oder bat die Priester, das heilige Opfer in seiner Meinung darzubringen. So war sein ganzes Leben erfüllt von ernstem Frömmigkeitsstreben, da er wohl wusste, dass nur so sein seelsorgerisches Wirken erfolgreich sein konnte. "Was immer er in den heiligen Büchern an Geboten fand", sagt Altfrid, "das wollte er treulich erst selber erfüllen, dann andere lehren."

Nach Liudgers Tod entstand ein Wettstreit zwischen Mimigernaford und Werden, wo der Leichnam des Heiligen bestattet werden sollte. Liudger hatte zu Lebzeiten Werden als seine letzte Ruhestätte bestimmt. Trotzdem bestanden die Münsterländer darauf, dass ihr erster Bischof in ihrer Mitte begraben würde, zumal schon jetzt von wunderbaren Begebenheiten im Leben sowie bei und nach dem Tode des Heiligen gesprochen wurde. Während Liudgers Bruder Hildigrim, der Bischof von Chalons a. d. Marne, die Angelegenheit mit Karl d. Gr. beriet, war der Leichnam in der Domkirche zu Münster aufgebahrt. Der Kaiser entschied, dass der Bischof seinem Willen gemäß in Werden beigesetzt werde. Unter großer Anteilnahme von Klerus und Volk fand die Überführung Liudgers nach Werden statt, wo er am 26. April 809 außerhalb der Kirche zur letzten Ruhe bestattet wurde.

Die Werdener Mönche hüteten gewissenhaft das ihnen anvertraute Heiligtum. Nur einige wenige Reliquien gelangten im 9.-12. Jahrhundert in die Stephanskirche und in die Kathedrale in Halberstadt, in die Mauritzkirche zu Münster, in die Abteikirche zu Freckenhorst, in die Pfarrkirche zu Billerbeck, in das Kreuz von Elte, das später an die Liudgerikirche zu Münster kam und wahrscheinlich auch in den Dom zu Münster und die Liudgerikirche zu Helmstedt, die nach einer alten, aber unbegründeten Tradition eine Gründung Liudgers sein soll. Der schlichte Reisekelch des Heiligen ist als kostbare Erinnerung noch heute in der Werdener Abteikirche erhalten.

Ein besonderer Verehrer des Heiligen war der Fürstbischof Christoph Bernhard, der 1664 den Grundstein zu der Liudgerkapelle am Dom legte. Er glaubte, im Einverständnis mit dem Heiligen zu handeln, schreibt sein Biograph Johann v. Alpen, als er einige Reliquien von Werden nach Münster mitnahm. Unter lebhaftem Widerspruch des Konventes schenkte ihm der Werdener Abt zwei Partikel, die er einer kostbaren silbernen Tumba anvertraute und in den Dom bringen ließ. Leider sind sie seit der französischen Fremdherrschaft spurlos verschwunden. Bei der Öffnung des Werdener Reliquienschreines 1910 erhielten die Liudgerpfarre in Duisburg, die Benediktinerabtei Gerleve, der Erzbischof von Utrecht und der Abt von Maria Laach je eine kleine Reliquie. Im Jahre 1957 wurde die Domkirche von Münster anlässlich ihrer Wiedereröffnung nach der Zerstörung durch die Bomben des Zweiten Weltkrieges von dem Kölner Erzbischof Joseph Kardinal Frings mit der Armreliquie des Heiligen in einem Tragaltar beschenkt.

Hatte Liudger schon zu Lebzeiten den Ruf der Heiligkeit genossen - Altfrid führt mehrere Beispiele seiner Wunderkraft an -, so wurde die Verehrung nach seinem Tod, wie schon aus der Wertschätzung seiner Reliquien hervorgeht, noch allgemeiner. Die Biographen berichten über zahlreiche Wunderheilungen im Laufe des 9. Jahrhunderts. Auch die vielen Schenkungen und Güterübertragungen, über die seit 847 Urkunden vorliegen, zeigen, wie sehr man Liudger anhing, und wie weit der Ruf seiner Heiligkeit gedrungen war. Einen gewissen Höhepunkt erreichte die Liudgerverehrung im Bistum Münster während des 12. Jahrhunderts.

Da die alte, um 1170 genannte Liudgerkapelle auf dem Horsteberg, deren Existenz neuerdings grundlos bezweifelt wird, bei dem großen Stadtbrand von 1121 vernichtet worden war, errichtete Bischof Ludwig I. eine neue aus Holz ausgeführte Liudgerikirche, die später Bischof Hermann II. durch einen steinernen Bau ersetzte und mit einem Kollegiatkapitel versah. Den Mittelpunkt der Verehrung in dieser Kirche bildete das oben erwähnte Kreuz mit Reliquien des heiligen Liudger, das sich ursprünglich in Elte bei Rheine befand, wo es bei einer Feuersbrunst durch seine wunderbare Erhaltung auf einem Kornboden und seine nachfolgende wunderbare Kraft allgemeine Aufmerksamkeit erregt hatte. Bischof Ludwig ließ das Kruzifix nach Münster holen und schenkte es der Liudgerikirche, wo es sogleich als wundertätiges Kreuz höchste Verehrung erfuhr. Die zahlreichen Wunder, die sich hier zutrugen, zeichnete vermutlich der erste Priester der Kirche vor 1173 in einem besonderen Libellus Monatsteriensis de miraculis s. Liudgeri auf. Leider ist das Kreuz seit Jahrhunderten verschollen. Die Bürger Borkens bauten um 1200 ebenfalls eine Liudgerikapelle.

Im Gottesdienst des Bistums Münster werden Liudger seit altersher zwei Gedächnistage gewidmet: der Todestag und der Tag der Überführung nach Werden. Am 26. März ehrt die ganze Kirche sein Andenken im Martyrologium Romanum. Auch die Benediktiner führen ihn in ihrem Heiligenverzeichnis, offenbar im Hinblick auf seinen zweieinhalbjährigen Aufenthalt in Monte Cassino und seine Werdener Klostergründung.

Wie teuer der heilige Liudger seinem münsterländischen Volk war und ist, geht auch aus so mancher Sage hervor, die sich an seine Person knüpft. Eine der ältesten und bekanntesten ist die Geschichte von den wilden Gänsen auf dem Welderhofe bei Neuß, die bereits der Verfasser der Vita rhythmica s. Liudgeri im 12. Jahrhundert erzählt. Der Volksmund hat den Schauplatz der Sage später nach Billerbeck verlegt. Manche nehmen an, dass die Legende der Anlass wurde, dem Heiligen in der Kunst als Attribut Gänse zu geben. Diese Annahme erscheint jedoch unwahrscheinlich. Mit besserem Grund deuten andere die Vögel als Trappen, die Liudger als Begründer des Ackerbaues und der Kultur in die sächsische Gegenden gefolgt seien. Dieser Deutung würde auch die Tatsache entsprechen, dass auf einem Taler des Werdener Abtes Adolf Borcken (1667 - 1670) die drei Vögel zu den Füßen des Heiligen Ähren in den Schnäbeln tragen.

Dass das münsterländische Volk in den folgenden Jahrhunderten seinen heiligen Bischof nicht vergaß, beweisen die niederdeutschen Übertragungen seiner Vita im 15. und 16. Jahrhundert. Auch in Werden hielt der Mönch Johannes Kruyshaer (Cincinnius) das Andenken des Stifters wach, indem er dessen Leben 1515 im Druck veröffentlichte. Es ist das Verdienst des Nottulner Kaplans Albert Wilkens, dem Münsterland 1819 das erste Lebensbild in hochdeutscher Sprache geschenkt zu haben, Besondere Beachtung verdient ferner, dass eine Übersetzung der von Altfrid verfassten Vita bereits im 9. Jahrhundert als eines der ältesten Sprachdenkmäler in die friesische Literatur einging, ein Beweis, wie nahe der Bischof seinen Landsleuten stand.

Auch in der christlichen Kunst hat die Liudgerverehrung ihren Niederschlag gefunden. Die romanische Periode pflegte ihn idealistisch darzustellen. Der Bischof erscheint bartlos, mit hagerem Gesicht und allen Anzeichen einer strengen, weltflüchtigen Lebensweise. So zeigt ihn eine um 1100 entstandene Werdener Bilderhandschrift, die außer dem Titelbild 22 Szenen aus dem Leben des Heiligen enthält. Die Darstellung des 12. und 13. Jahrhunderts, wie sie sich in dem Corveyer Bruderschaftsbuch, auf dem Siegel der Liudgerikirche in Münster (1279) und des Magistrats von Helmstedt (1292) finden, zeigten ihn mit Bart und ausgestattet mit den bischöflichen Insignien.

Die Gotik des 14. und 15. Jahrhunderts brach gänzlich mit der idealistischen Darstellungsweise und suchte, wie die Bilder auf dem Werdener Passionskreuz und in den Hugenpoetschen Chorbüchern dartun, der dargestellten Person Leben und Eigenart zu geben. Dieses Streben tritt noch deutlicher hervor in der Kunst der neueren Zeit. Unter diesen Darstellungen verdienen Hervorhebung die vier Standbilder: im münsterischen Landesmuseum (16. Jh.), im Dom (1600), im Chor der Liudgerikirche zu Münster (1602) und in der Propsteikirche zu Billerbeck (1735); ferner das Relief Gröningers auf dem Domchor zu Münster (1705) sowie das Altargemälde von Mintrop in der Abteikirche zu Werden (19. Jh.).

Quellen: Die Vitae sancti Liudgeri, hg. von W. Diekamp = MGQ 4 (1881). Hauptquelle ist die zuverlässige Vita sancti Liudgeri auctore Altfrido (ebd. 1–53), die Liudgers Neffe Altfrid, dritter Bischof von Münster (839 – 849), auf Grund von Erkundigungen vor allem im Verwandtenkreis seinem Schreiber diktierte. Deutsch von B. Senger, Das Leben des heiligen Liudger von Altfrid: Liudger in seiner Zeit (1982) 21-46. Die Vita II (nach 850) und die Vita III (von den Werdener Mönchen nach 864) sind Bearbeitungen der ersten. Die zweite Vita (MGQ 4, 54-84) ist vollständiger, enthält aber manches Sagenhafte. Die dritte (ebd. 85-134) ist noch sagenhafter. Die um 1141 in Werden verfasste Vita rythmica (sic) (ebd. 135-220) ist nur noch für die Sagen- und Legendenbildung um Liudger interessant. Liudger, Vita Gregorii abbatis Traiectensis, ed. O. Holder-Egger: MG SS 15,1, 63 ff. Deutsch von B. Senger, Liudgers Erinnerungen an Bonifatius und Gregor von Utrecht: Liudger in seiner Zeit (1982) 49-76, Literatur: NDB 14 (1985) 716. LThK 6, 1104 f. Verfasser-Lexikon 5, 852-854. Lexikon des Mittelalters 5, 2038. Kl. Löffler, Der hl. Liudger: WL 1 (1930) 1-17. W. Stüwer, Die Verehrung des hl. Liudger: WS 1 (1948) 182-306. A. Schröer, Chronologische Untersuchungen zum Leben Liudgers: WS 1 (1948) 85-138. Ders., Das Datum der Bischofsweihe Liudgers von Münster: HJb 76 (1957) 106-117. Nachdruck: Die Eingliederung der Sachsen in das Frankenreich: Wege der Forschung 185 (1970) 347-364., Ders. Der heilige Liudger und der heilige Gregor von Utrecht: Festschrift des Gymnasium Paulinum in Münster. Zur Einweihung seines neuen Hauses im St. Liudger-Gedächnisjahr 1959 (1959) 16 ff. Ders., Das geistliche Bild Liudgers: Das Erste Jahrtausend, Kultur und Kunst im werdenden Abendland an Rhein und Ruhr 1 (21963) 194-215. H. Löwe, Liudger als Zeitkritiker: HJb 74 (1955) 79-91. B. Senger, Der heilige Liudger und der heilige Benedikt: Festschrift des Gymnasium Paulinum in Münster (1959) 4 ff. Ders., Liudger in der Utrechter Väter-Tradition: Studia Westfalica. Festschrift A. Schöer (1973) = WS 4 (1972) 341-353. Ders., Liudger – Leben und Werk (1984). V.H. Elbern, St. Liudger und die Abtei Werden: Gesammelte kunsthistorische Aufsätze, hg. v. B. Senger (1962). K. Hauck, Zu geschichtlichen Werken Münsterscher Bischöfe: Monasterium (1966) 397 ff. Ders., Apostolischer Geist im genus sacerdotale der Liudgeriden: Sprache und Recht. Festschrift R. Schmidt-Wiegand 1 (1986) 191-219. R. Schieffer, Zur Frühgeschichte des Domstifts von Münster: WF 28 (1976/77) 16-29. H. Janssen, Liudger – Erster Bischof von Münster. Religionspädagogische Arbeitshilfe (1980). E. Freise, Das Frühmittelalter bis zum Vertrag von Verdun (843): Westf. Geschichte 1 (1983) 275 ff. W. Kohl, Liudger. Wandlungen einer Biographie: Jb. für Westf. Kirchengeschichte 84 (1990) 17-29. H. Mussinghoff, St. Liudger und seine Bedeutung für das Bistum Münster: St. Liudger, Zeuge des Glaubens, Apostel der Friesen und Sachsen. Zur Erinnerung an die Geburt des Heiligen vor 1250 Jahren, 742-1992 (1992). G. Jászai, Die Reliquienstatue des hl. Liudger von 1880 = Kunstwerke des St. Paulus-Domes zu Münster 2 (1992). – Zum älteren Liudger-Schrifttum s. Quellen und Literatur im Handbuch des Bistums Münster(21946) 454 ff.
2) Zur Schreibweise des Namens "Liudger" s. Handbuch Münster (1946) 440 f.
3) Vita Liudgeri 6 ff. Zu "Zwesen": Freise, Lex. d. Mittelalters 5, 2038.
4) Vita Liudgeri 9 ff. Dass Nothrad noch Heide gewesen sei, wird nirgends erwähnt. Der betonte Hinweis Altfrids, dass seine Mutter Heidin war und mit aller Kraft dem christlichen Glauben widerstrebte, scheint vielmehr vorauszusetzen, dass er selbst christlich war (Vita Liudgeri 10). Auch seine Ehe mit der aus christlicher Familie stammenden Adelburg sowie die christliche Erziehung seiner Tochter Liafburg weisen in die gleiche Richtung.
5) Schöer, Chronologische Unterstützungen 85 ff.
6) Vita Liudgeri 12 f.
7) Vita Liudgeri 13. Die Beschäftigung mit den Wissenschaften war damals noch das ausschließliche Vorrecht des Klerus. Sich den höheren Studien widmen, hieß, Priester oder Mönch werden.
8) Vita Gregorii 75.
9) Vita Liudgeri 13.
10) K. Hauck, Zu geschichtl. Werken 340.
11) Vita Gregorii 75.
12) Versus de Patribus 203.
13) Vita Liudgeri 16 ff.
14) Vita Liudgeri 23.
15) Vita II 60.
16) Vita Liudgeri 24.
17) Vita Liudgeri 24 f.
18) Vita Liudgeri 25.
19) Vita Liudgeri 25, 36.
20) Vita Liudgeri 25.
21) Vita Liudgeri 26 f.
22) Vita Liudgeri 30 f. Vita II 65.
23) Vita Liudgeri 31 f.
24) Vita II 62.
25) Vita Liudgeri 27 ff.
26) Vita II 62.
27) Vita Liudgeri 27 f.
28) Das Wort "monasterium" ist im Frühmittelalter nicht unbedingt gleichbedeutend mit Kloster. Es schloss vielmehr unter dem Aspekt der Gemeinsamkeit eine Vielzahl geistlicher Lebensformen ein, die erst im Laufe der Zeit kirchenrechtlich gegeneinander abgegrenzt wurden. Schieffer, Domstifte 176.
29) U. Lobbedey, Die jüngsten Ausgrabungen zur Baugeschichte des Domes zu Münster: Der Paulus-Dom zu Münster. Eine Dokomentation zum Stand der neuen Grabungen und Forschungen, hg. von Thomas Sternberg (1990) 15-27. M. Schneider, Der St. Paulus-Dom in Münster. Vorbericht zu den Grabungen im Johanneschor und auf dem Domherrenfriedhof ("Alter Dom") = Ausgrabungen und Funde in Westfalen-Lippe (Münster) 6 B (1991) 33-78. Ders., Zur Entwicklung der Kirchenbauten im Dombereich Münster: Ecclesia Monasteriensis (1992) 49. W. Winkelmann, Ausgrabungen auf dem Domhof in Münster: Monasterium. Festschrift zum siebenhundertjährigen Weihegedächnis des Paulus-Domes zu Münster, hg. von A. Schröer (1966) 46 ff.
30) W. Kohl, Honestum monasterium 156 ff. Ders., Domstift 1 (1987).
31) Wilhelm Kohl deutet die nördliche Kirche in Münster als Kathedrale mit einem ursprünglichen Marienpatrozinium, die südlich als ältere Klosterkirche St. Paulus, die allmählich die Funktion der Bischofskirche angenommen habe. Der Komplex sei demnach als Doppelkathedrale anzusehen. Der Grabungsleiter Manfred Schneider: "Der archäologische Befund spricht gegen diese Interpretation: Die nördliche Kirche kann aufgrund ihrer Architekturformen in Zusammenhang mit ihrer beweisbaren Entstehungszeit im frühen 9. Jahrhundert nicht als Kathedrale angesprochen werden." Schneider, St. Paulus-Dom 76 Anm. 70. Lobbedey, Ausgrabungen 25 f.
32) R. Schieffer, Über Bischofssitz und Fiskalgut: HJ 95 (1975) 18-32. Ders., Zur Frühgeschichte des Domstifts zu Münster: WF 28 (1976/77) 19 ff. Ders., Domstifte 179 f. Zum Ganzen: Ders., Die Entstehung von Domkapiteln in Deutschland = Bonner Historische Forschungen 43 (1976).
33) W. Kohl, Honestum monasterium 177 ff. Ders., Domstift 1 (1987).
34) Schröer, Chronol. Untersuchungen 16 f.
35) A. Schröer, Die Vita Canonica und ihre Ausbreitung in Westfalen: St. Stephanus-Beckum. Stift und Kirche. Festschrift zum Gedenken an die Gründung des Kollegiatstiftes vor sieben Jahrhunderten, hg. von Fr. Helmert (1967) 22.
36) Auch Rudolf Schieffer stimmte dem in einem Brief an den Verfasser vom 25.10.1989 zu: "Auf einem benediktinischen Charakter des ursprünglichen monasterium würde ich nicht beharren."
37) Vita Liudgeri 28.
38) Die Kirchen zu Billerbeck und Coesfeld (Vita Liudgeri 37); Nottuln (Erhard,  Regg. Nr. 340); Herzfeld = Hirutfeld (Vita Idae 469 ff.).
39) U. Stutz, Die Eigenkirche als Element mittelalterlich-germanischen Kirchenrechts (Neuausgabe 1955. Nachdruck 1964). Ders., Die Geschichte des kirchlichen Benefizialwesens von seinen Anfängen bis auf die Zeit Alexanders III. (31972).
40) A. Hömberg, Studien zur Entstehung der mittelalterlichen Kirchenorganisation in Westfalen: WF 6 (1943/52) 78 ff.
41) A. Schröer, Die Gründung der Remigius-Kirche in Borken: 1200 Jahre St. Remigius-Borken, hg. von H. Kerst (1983) 33 ff.
42) Vita Liudgeri 26. Drei westfriesische Gaue wurden 1559/60 von Papst Paul IV. und seine Nachfolger Pius IV. vom Bistum abgetrennt. Damals wurde in Utrecht auf Antrag des Königs Philipp II. von Spanien zum Erzbistum erhoben. Gleichzeitig entstanden fünf neue Suffraganbistümer. Die westlichen Gebiete des friesichen Bistumanteils kamen zu dem neuen Bistum Groningen und wurden schon bald mit diesem dem Calvinismus überantwortet (vgl. 195). Die ostfriesischen Gaue waren schon vorher zur lutherischen Neulehre übergetreten.
43) Niesert, MUB 1, 317 (Fälschung). J. Prinz, Die Urkunde Bischof Gerfrieds von Münster für Nottuln von 834, eine Fälschung des Albert Wilkens: WZ 112 (1962) 1 ff. Kl. Honselmann, Berichte über Wunder am Grabe der hl. Pusinna in Herford: Dona Westfalica. Festschrift Georg Schreiber (1963) 135. P. Ilisch, Die Reliquien und Patrozinien des Stifts Nottuln: Ecclesia Monasteriensis (1992) 59.
44) Vita Liudgeri 25.
45) Ebd. 32 f.
46) Lacomblet 1 Nr. 6.
47) Ebd. 1 Nr. 11 und 12.
48) Ebd. 1 Nr. 19.
49) Die Schenkungsurkunden befinden sich in dem Cartularium Werthinense, das wahrscheinlich auf Veranlassung Bischof Altfrids zusammengestellt wurde. Hg. von Leibniz, Script. rer. Brunsvicen. 1, 101-120; danach von Migne, Pl. 99, 795-820; am besten von Lacomblet 1, 2-64.
50) das älteste Münsterer Domnekrologium.
51) K. Hauck, Zu geschichtlichen Werken Münsterscher Bischöfe: Monasterium (1966) 337 ff.
52) Vita Liudgeri 28 f.
53) Lacomblet 1 Nr. 23.
54) Ebd. 1 Nr. 27.
55) A. Schröer, Das Datum der Bischofsweihe Liudgers von Münster: Die Eingliederung der Sachsen in das Frankenreich, hg. von W. Lammers = Wege der Forschung 185 (1970) 347 ff.
56) S. u. 45.
57) Vita Liudgeri 35 f.
58) Vita Gregorii 78.
59) Vita Liudgeri 21.
60) Ebd. 16.
61) Vita II 67 f.
62) Vita Liudgeri.
63) Ebd. 29 f. 34.
64) Ebd. 36 f.
65) Ebd. 29.
66) Ebd. 36 f.
67) A. Schröer, Das geistliche Bild Liudgers. Das erste Jahrtausend. Kultur und Kunst im werdenden Abendland an Rhein und Ruhr 1 (1962) 194 ff.
68) Lacomblet 1 Nr. 10. Abel-Simson II 146.
69) Vita Liudgeri 36.
70) Ebd.
71) Ebd.
72) Ebd.; Vita II 78 f.
73) Vita Liudgeri.
74) Bezeichnend ist die Begebenheit Vita II 80 f.
75) Vita Liudgeri 21.
76) Vita II 79.
77) Vita Liudgeri ebd.
78) Ebd. 37 f.; Vita II 83.
79) Ebd.
80) W. Stüwer, Die Verehrung des hl. Liudger: WS 1 (1948) 183 ff.
81) WUB Additamenta Nr. 104.
82) Vita rhythmica 192.
83) Vita Liudgeri 268 ff.
84) Vita Liudgeri 256 ff.
85) Wilkens, Kurze Lebensgeschichte des hl. Ludger (1819).
86) Die Bilderhandschrift befindet sich in der Preußischen Staatsbibliothek in Berlin. K. Löffler 16.
87) Die Chorbücher befinden sich in der Dechanei Werden und der Landes- und Stadtbibliothek Düsseldorf. In der Hugenpoetschen Darstellung treten erstmals die Gänse auf.

Text: Alois Schröer in "Das Bistum Münster",
Band 1, Münster 1993 / Foto: Petra Eßmann

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