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29.07.2016
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Eine Treppe ins himmlische Jerusalem: Der Verstorbene träumte zu Lebzeiten von der Stadt, die heute auf seiner Grabstelle steht.

Steinmetz Pinsdorf in Havixbeck:

"Grabsteine sind ein Buch über den Verstorbenen"

Havixbeck. Sie kommen und wollen, was alle wollen: Eine "Rose" oder die "betenden Hände" auf einem Stein, der steht – und stumm ist. Doch diese Wünsche, oft geboren aus der "Hilflosigkeit" Trauernder, erfüllt Wilfried Pinsdorf nicht. Seine Steine sollen sprechen.

Vom Leben des Verstorbenen, seiner Persönlichkeit, auch seinem Glauben. Und sie sollen helfen. Den Angehörigen, deren Trauer eine Ausdrucksform sucht. In den Grabmalen des Havixbecker Bildhauers und Steinmetz´ kann diese steinerne Hoffnungsgestalt annehmen.

"Die Leute fragen meist zuerst: Was kostet so ein Grabmal?" So ein Stein, der zum Sechswochen-Seelenamt auf dem Friedhof stehen muss, damit die Nachbarn nicht reden. Da bekommt Pinsdorf "Magenschmerzen", versucht, ein Bewusstsein für den Wert einer individuellen Skulptur zu schaffen, mit subtilen Fragen die Trauernden zum Erzählen zu animieren, ihnen zu zeigen, dass die ideelle Mit-Gestaltung, die für mindestens 25 Jahre unwiderruflich zu Stein wird, auch Trauerarbeit sein kann.

"Keine Massenware aufs Grab"

Und er baut das Vorurteil ab, ein eigens entworfenes Mal müsse um einiges teurer sein. "Der Mensch ist für mich nie eine Massenware gewesen, daher mache ich ihm auch keine Massenware aufs Grab." Der 42-Jährige spricht von den "seriell gefertigten Flagschiffe" der Industrie, die billig aus Indien oder China eingeführt, dort aber mit der Gesundheit arbeitender Kinder teuer bezahlt würden. Und eben auch nicht unbedingt weniger kosteten, weil sie in Deutschland mit enormen Gewinnspannen verkauft würden.

Es sind lange Gespräche, in denen sich der Havixbecker Bildhauer mit seinen Kunden, meist die engsten Angehörigen der Verstorbenen, zusammensetzt, zuhört – und zeichnet. Sie reden, erzählen von dem Menschen, seinem Leben, seinen Freunden und Freuden. Sie weinen. Und er skizziert – scheinbar nebenbei, Kritzeleien mit dem Bleistift. "Ich reagiere bildhaft auf das, was ich höre."

Grabstein

Steinmetz Wilfried Pinsdorf meißelt die Geschichte des Verstorbenen ins harte Material. Seine Steine sind nicht stumm.

Vorstellungen der Trauernden

Irgendwann fragten die meisten: "Was machen sie da?" Er sieht sich als Medium, das die Vorstellungen der Trauernden erst in zwei, dann drei Dimensionen formt. So entsteht ein Stein. Durch Zuhören. Dabei spielt auch das "Wie" des Erzählens eine Rolle. "Sprechen die Leute bildhaft? Dann würde ich ihnen keine nicht-gegenständlichen Zeichen anbieten." Wenn Menschen jedoch – meist unbewusst – abstrakt schilderten, oft gar wiederholt, dann wird Pinsdorf hellhörig.

Eine Frau habe beispielsweise häufig das Wort "Spirale" benutzt – als solche könne dann ein Stein Gestalt annehmen. Ein Mann hingegen träumte stets davon, nach Israel zu reisen und zeichnete selbst vor seinem Tod ein "himmlisches Jerusalem". So steht heute auf seiner letzten Ruhestätte eine Stele, auf der Treppen in eine Stadt weit hinaufführen.

Höhe und Zukunft

Pinsdorf liebt vor allem die "Aufrechte", jene Form, die in Höhe und Zukunft gleichermaßen weist, wenn der Betrachter sich vor sie und sich ihr auch emotional stellt. So richte sie ihn auf in seiner "gedrückten Stimmung". Doch immer gelte: "Ich mache nur das aufs Grab, was das Leben des Menschen vorgibt." Und dies kann manchmal etwas sehr Konkretes sein. So wie bei seinem handwerklichen Vorgänger, dem Havixbecker Steinmetz, auf dessen Skulptur heute und für lange Zeit sein aus dem harten Material gemeißelter Hammer liegt.

Ein Buch, in dem man über den Verstorbenen lesen kann – dies sind für Pinsdorf Grabmale, die mehr sagen als die standardisierten Skulpturen, die einzig verraten: "Och, der ist ja alt geworden." Oder eben auch nicht. Viele Menschen seien daher nach der Beratung froh, dass sie sich nicht für ein Industrieprodukt entschieden haben. "Die Steine sind so ehrlicher und wahrhaftiger, weil sie gewachsen sind wie das Leben."

Selber machen

Andere griffen überdies gar selbst zum Hammer und meißelten. In seinem Havixbecker Atelier bietet der studierte Bildhauer auch Kurse an, Hilfe bei der eigenhändigen Herstellung eines Grabsteins für den Verstorbenen. Eine Frau habe im vergangenen Jahr das Mal für ihren Mann gefertigt und selbst aufgestellt. Andere kommen zu Pinsdorf, um für sich selbst vorzusorgen. So ein älterer Herr: "Meine Kinder haben keinen Geschmack. Die stellen uns irgendwas drauf, so dass wir uns noch im Grabe rumdrehen." Sein Stein steht heute schon in der Werkstatt, ein anderes Ehepaar schmückt derzeit den eigenen Garten damit.

Für Pinsdorf ist der Friedhof ein Spiegel der Gesellschaft. Ein Blick in diesen ist derzeit düster. "Je weniger intensiv die sozialen Beziehungen gepflegt werden, desto mehr gleicht die Bestattung einer Leichenentsorgung", unterstreicht er den Niedergang der Friedhofskultur. Die Auseinandersetzung mit den Grabmalen, die der Bildhauer "Zeichen gegen das Vergessen nennt", sei nicht gegeben, jeder wolle halt "vom Erbe soviel behalten wie möglich". So wird ein Stein gekauft, wie es ihn hundertfach gibt – ein Stein, der stumm bleibt.

Text und Fotos: Kerstin Heil, 05.11.2004

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