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24.05.2017
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Aus dem kirchensite.de-Archiv

Bibelarbeit Oktober 2004

Von der Güte Gottes

1. Einführung

"Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!" – so eine Gewerkschaftsforderung aus unserer Zeit. Wer gute Arbeit leistet und zur Stelle ist, wenn man ihn braucht, bekommt dafür auch gutes Geld. Im Umkehrschluss gilt: Wem eine gute Belohnung winkt, der strengt sich offensichtlich mehr an – eine vielfach gemachte Erfahrung. "Leistung muss sich wieder lohnen!". Diese Forderung mag in der gegenwärtigen Wirtschafts- und Sozialordnung sein begrenztes Recht haben. Für diejenigen, die nach der elften Stunde immer noch in den Fluren der Arbeitsämter stehen, ist das Hohn! Wir leben in einer Zeit, in der jeder sehen muss, dass er seinen Platz erkämpft und behauptet. Viele spüren es im eigenen Leben, dass die Maßstäbe und Denkmuster, die vom Konkurrenzkampf um die Arbeit bestimmt werden, auch in andere Bereiche des eigenen Denkens und Fühlens hineinreichen: "Das ist ungerecht!" – ein (fast) alltäglicher Ausruf. Die Kategorie der Gerechtigkeit prägt unser Denken und Handeln. Doch was empfinden wir als ungerecht? Was als gerecht?  Der Mensch ist ein bedürftiges Wesen. Er ist damit beschäftigt, seine Bedürfnisse zu befriedigen. Er will einen bestimmten Zustand verändern oder erhalten bzw. einen anderen Zustand erreichen oder vermeiden. Wenn es ihm gelingt, seinen Willen zu realisieren, empfindet er dies als gerecht. Gelingt es ihm nicht, empfindet er dies als ungerecht.

Wie ein wenig kritischer Mensch mit einer gewissen Selbstverständlichkeit davon ausgeht, dass die Welt so ist, wie er sie sich denkt, so geht er auch davon aus, dass seine Gerechtigkeitsauffassungen mit einer objektiv existierenden Gerechtigkeit übereinstimmen. Die meisten Menschen sind sich nicht bewusst, dass ihre Gerechtigkeitsauffassungen zu einem großen Teil das Produkt ihrer subjektiven Interessenslage sind. Ob es wohl überhaupt eine Gerechtigkeit unabhängig von wertenden Subjekten gibt? Was ist gerecht? Eine nicht leicht zu beantwortende Frage!

Matthäus konfrontiert uns mit einem Gleichnis, das die Prinzipien der menschlichen Gerechtigkeit sprengt: Alle Arbeiter im Weinberg erhalten denselben Lohn, ob sie einen Tag oder eine Stunde gearbeitet haben! Was für eine Provokation in unseren täglichen Diskussionen um die Reform des Sozialstaates, aber auch in unserem ganz persönlichen Ringen um gerechtes Handeln!

Bibelarbeit

Ist das Weinbergsgleichnis eine Geschichte von Ungerechtigkeit?

2. Bibeltext:
Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Mt 20,1-16)

1 Denn das Himmelreich gleicht einem Menschen, einem Hausherrn, der in der Frühe gleich herauskam, um für seinen Weinberg Arbeiter anzustellen.

2 Nachdem er aber mit den Arbeitern über einen Denar für den Tag übereingekommen war, schickte er sie in seinen Weinberg.

3 Und als er um die dritte Stunde herausging, sah er andere untätig auf dem Markt stehen

4 und sagte zu jenen: Geht auch ihr in den Weinberg, und was gerecht ist, werde ich euch geben.

5 Sie aber gingen hin. Als er um die sechste und die neunte Stunde herausging, machte er es genauso.

6 Als er aber um die elfte Stunde herausging, fand er andere stehen und sagt ihnen: Was seid ihr hier den ganzen Tag untätig gestanden?

7 Sie sagen ihm: Niemand hat uns angestellt. Er sagt ihnen: Geht auch ihr in den Weinberg.

8 Als es aber Abend geworden war, sagt der Herr des Weinbergs seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und gib ihnen ihren Lohn. Beginne bei den Letzten bis zu den Ersten.

9 Und als die von der elften Stunde kamen, erhielten sie einen Denar.

10 Und als die Ersten kamen, meinten sie mehr zu erhalten, aber auch sie erhielten je einen Denar.

11 Als sie ihn erhalten hatten, murrten sie gegen den Hausherrn

12 und sagten: Diese letzten da haben nur eine Stunde gearbeitet, du hast sie uns gleichgestellt, die wir die Last des Tages und die Hitze ausgehalten haben.

13 Er aber antwortete und sagte zu einem von ihnen: Freund, ich tue dir kein Unrecht. Bist du nicht über einen Denar mit mir übereingekommen?

14 Nimm, was dir gehört, und geh. Ich werde diesem Letzten geben wie auch dir.

15 Darf ich von meinem nicht tun, was ich möchte, oder ist dein Auge böse, weil ich gut bin?

16 So werden die Letzten die Ersten sein und die Ersten die Letzten.


3. Gleichnisse im Neuen Testament
Das Gleichnis im engeren Sinn bezieht sich auf alltägliche Vorgänge, die jeder beobachten kann: die Zugabe von Sauerteig ins Mehl, die Entwicklung eines Senfkorns, ein überraschender Fund u.ä. Gleichnisse sind Bilder, die nicht einfach abbilden, sondern den Hörern und Lesern Neues erschließen. Gegenstand ihrer Betrachtung ist das Reich Gottes, das sie mit unterschiedlichen Metaphern beschreiben. Gleichnisse konfrontieren die Hörer in ihrer eigenen vordergründigen Welt mit einer hintergründigen Welt und neuen Lebensmöglichkeiten. Daher sind die Gleichnisse unabgeschlossen und fordern jeden einzelnen heraus Stellung zu beziehen und sich zu entscheiden.

Das Reden in Gleichnissen war für Jesus bezeichnend. In den Gleichnissen erzählt er letztlich sich selbst. Jesu Handeln wird vorausgesetzt. Denn erst das Verhalten Jesu wirft die Fragen auf, auf die das Gleichnis antwortet. In den Gleichnissen kommt Jesu Glaube zum Ausdruck, sein Vertrauen in die Möglichkeiten Gottes. Die Hörer sind aufgerufen sich seinem Glauben anzuschließen. Die Gleichnisse setzen Jesu Anspruch voraus, den Anbruch des Reiches Gottes in seiner Person und seinem Wirken.

Doch ist Jesus nicht der erste Gleichniserzähler. Gleichnisse begegnen in vielen Kulturen und sind im Orient besonders beliebt. Sie begegnen auch im Alten Testament und in der jüdischen Kultur und Lehrtradition der Zeit Jesu. Es war die Art, wie die Rabbinen zu lehren pflegten. Sie sagten: "Nicht sei das Gleichnis gering in deinen Augen; denn durch das Gleichnis kann der Mensch zum Verständnis der Toraworte gelangen. Gleich einem König, dem ein Goldstück im Hause oder eine kostbare Perle verlorengegangen ist. Kann er sie nicht durch einen Docht im Werte eines Asses wiederfinden? So kann auch der Mensch durch ein Gleichnis zum Verständnis der Tora gelangen."

Bibelarbeit

Arbeiter im Weinberg.

4. Hintergrund
Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg lässt sich gleichsam wie ein Drama lesen, unterteilt in drei Akte. Der erste Akt hat die Anwerbung und Einstellung der Arbeiter zum Thema. Es ist gewissermaßen die Eröffnung der Situation. Im Zentrum des zweiten Aktes steht die Entlohnung – die Zuspitzung der Krise. Der dritte Akt erzählt den Schlussdisput und die Lösung.

Matthäus erzählt die Geschichte eines Weinbergbesitzers. Die Szene ist der matthäischen Zuhörerschaft durchaus vertraut. Viele Felder und Bauerngüter wurden in der damaligen Zeit mit Tagelöhnern bewirtschaftet. Für den Arbeitgeber waren sie billiger als Sklaven, da er für die Tagelöhner bei Krankheit rechtlich nicht aufkommen musste. Ihr Tod bedeutete für ihn keinen Verlust. Für Inhaber mittlerer Betriebe war es durchaus nicht unüblich auf den Markt zu gehen und Arbeiter zu suchen. Es finden sich in der außerbiblischen Literatur zwar nur wenige Belege für direkte Arbeitslosigkeit, doch die Tatsache, dass noch am frühen Abend Arbeiter untätig herumstehen und offenbar keine Anstellung gefunden haben, setzt Arbeitslosigkeit fast voraus.

Der vereinbarte Lohn von einem Denar entsprach der regulären Ordnung. Zuweilen gab es Verköstigung zusätzlich, denn ein Denar war der Preis für ca. 10 kleine Fladenbrote, 12l Weizen kosteten ca. 4 Denare, ein Sklavenkleid ca. 30 Denare und ein Ochse ca. 100 Denare. Der Lohn war also vergleichsweise gering.

Üblicherweise begann der Arbeitstag frühmorgens bei Sonnenaufgang. Vor diesem Hintergrund drückt die viermalige Anwerbung von Arbeitern bis zum frühen Abend (die elfte Stunde entspricht ca. 17 Uhr) im Gleichnis eine ungewöhnliche Steigerung aus, wohl dramaturgischer Stilisierungswille, der der erzählerischen Intention dient und nicht die Frage nach der Wahrscheinlichkeit im Blick hat.

Auffällig an der Lohnvereinbarung ist, dass der genaue Tageslohn nur für die zuerst eingestellten Arbeiter genannt wird. Die zweite Gruppe bekommt zugesichert, "was gerecht ist", für die dritte Gruppe heißt es nur, dass es der Gutsbesitzer "genauso macht", bei den Arbeitern der letzten Stunde wird der Lohn gar nicht mehr genannt. Dies lässt schon einen Konflikt erahnen, der sich in der Auseinandersetzung zwischen dem Gutsherrn und den beiden Randgruppen der Tagelöhner manifestiert.

Am Abend wird nach biblischer Tradition der Lohn ausgezahlt (vgl. Lev 19,13; Dtn 24,14f). Nun spitzt sich der Konflikt in der Aufforderung an den Verwalter zu, mit der Lohnauszahlung bei den zuletzt eingestellten Arbeitern zu beginnen (V.8), eine bewusste Umkehrung der Reihenfolge! Die Erwartungshaltung richtet sich darauf, eine entsprechend höhere Summe zu bekommen als diejenigen, die erst am Abend dazugekommen sind. Dass dies nicht der Fall ist, sorgt für Empörung und Enttäuschung. Eine Lohnauszahlung, die sich nicht an der erbrachten Leistung orientiert, sondern der Großzügigkeit des Gutsbesitzers entspricht, untergräbt die Leistungshonorierung des Wirtschaftslebens! Dabei ist nicht die Großzügigkeit Ursache des Konfliktes, sondern ihre Folgenlosigkeit für die Arbeiter der ersten Stunde.

Auch dem heutigen Hörer dieses Gleichnis dürfte dieses Handeln zunächst provokant, ja willkürlich erscheinen und die eigene Erwartung, aber auch Erfahrung durchkreuzen. In seiner Argumentation nennt der Weinbergbesitzer zwei Gründe für eine gerechte Vorgehensweise: zum einen die getroffene und erfüllte Vereinbarung – das entspricht der formalen Gerechtigkeit, zum anderen seinen Willen und sein Verfügen über eigenen Besitz – das entspricht dem Besitzrecht des Eigentümers.

5. Auslegung
Das Gleichnis steht in einem größeren Redegang (vgl. Mt 19,23ff.) und wendet sich an die Jünger Jesu. Ziel dieses Gleichnisses ist die unmittelbar vorangegangene Aussage: Aber viele Erste werden Letzte und Letzte Erste sein (Mt 19,30). Die ganze Aussagekraft des Gleichnisses konzentriert sich auf die Botschaft von der Güte Gottes, die sich im Leben Jesu signifikant zum Ausdruck kommt. Der Weinbergbesitzer wird nicht zuletzt aufgrund alttestamentlicher Tradition (vgl. Jes 5,1-7; Ps 80,9-15) mit Gott selbst in Verbindung gebracht. So beschreibt das Gleichnis das Verhältnis Gottes zu seinem Volk (vgl. die Einleitungsformel: Denn das Himmelreich gleicht...).

Analog zum Weinbergbesitzer wendet sich Gott denen zu, die in einer großen Toraferne leben. Das Gleichnis wendet sich gegen starres Leistungs- und Anspruchsdenken und zielt auf die Begrenztheit der Werkgerechtigkeit im Angesicht der Güte Gottes. Damit zeigt es eine große Nähe zu paulinischem Denken und paulinischer Vorstellung von der Gerechtigkeit Gottes, die den Sünder nach Röm 3 nicht verurteilt, sondern ihn aus zuvorkommender göttlicher Initiative rettet, indem sie ihn aus Gnade und Liebe gerecht macht.

Der matthäische Gerechtigkeitsbegriff betont jedoch stärker den Aspekt der mitmenschlichen Gerechtigkeit, der jedoch für das Gottesverhältnis immense Bedeutung erhält. Die Güte Gottes durchkreuzt nicht selten menschliches Gerechtigkeitsdenken und -empfinden, indem sie ein ganz eigenes, von Gottes Liebe geprägtes Gerechtigkeitsprinzip aufstellt, das die engen Grenzen menschlicher Gerechtigkeitsvorstellungen sprengt. Das im wirtschaftlichen Leben häufig vorherrschende Leistungsprinzip hingegen führt nicht selten zu Arroganz, Neid und Missgunst. Der Lohn bemisst sich an der Leistung – ein Denken, das sich nicht nur auf das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben erstreckt, sondern weit in die je persönlichen Lebenskonstellationen hineinwirkt.

Nicht selten mangelt es jedoch diesem Gerechtigkeitsdenken an Objektivierbarkeit oder an Barmherzigkeit und Güte. Man fragt sich schlechthin, wo göttliche Güte und Barmherzigkeit im menschlichen Gerechtigkeitsdenken ihren Platz finden, ob göttliche Güte unter strengen menschlichen Gesichtspunkten überhaupt denkbar ist. Oder anders gefragt: Umfasst die Güte Gottes auch die "Ersten" im Gleichnis? Kommen sie nicht zu kurz? Widerfährt ihnen, die wesentlich mehr gearbeitet haben als die Arbeiter der letzten Stunde, jedoch denselben Lohn erhalten, nicht Unrecht? Das Verhältnis von Güte und Gerechtigkeit bleibt äußerst spannungsreich.

Die aufgeworfene Frage bleibt der Freiheit der Gerechtigkeit Gottes überlassen. Die "Ersten" erhalten das, was "gerecht" ist, die "Letzten" das, was "gut" ist. Gut ist der alttestamentlichen Tradition nach allerdings das, was dem Leben dient. Gottes Zuwendung gewährt Leben (vgl. Ps 100,5; 136,1). Der abgemachte Lohn von einem Denar steht für das, was jeder zum Leben braucht. So kommt auch der zuerst angeworbene Arbeiter nicht zu kurz, im Gegenteil: er erhält, was er zum Leben braucht, in gleicher Weise wie die anderen Arbeiter auch. Diese Gerechtigkeitsvorstellung kommt insbesondere denen zugute, die weniger Chancen haben im Leben und unter Benachteiligung zu leiden haben. Dass hier eine gewisse Missbrauchsanfälligkeit gegeben ist, ist augenfällig. Aus Sicht der "Ersten" bleibt eine solche Gerechtigkeitsvorstellung jedoch eine Provokation, die wohl nur im Horizont einer größeren Gerechtigkeit, im Licht des Glaubens zu fassen ist!

Im Zusammenhang des Gleichnisses und gemäß der matthäischen Botschaft heißt das: Der Ruf des Weinbergbesitzers zur Arbeit im Weinberg ist der Ruf Jesu in seine Nachfolge, der Lohn Gottes ist das Leben, vorbehaltlos, jenseits des sich Verdienens, Erarbeitens, jenseits von Leistung, Arroganz und Missgunst, jenseits von Versagen und Angst, aber nicht ohne die Arbeit im Weinberg –  welch ein großartiger Zuspruch!

6. Bibelarbeit

  • Sich einfinden
    GL 299: Manchmal kennen wir Gottes Willen
    In der Komödie "Einladung ins Schloss" des französischen Dramatikers Jean Anouilh beginnt der dritte Akt mit einer Unterhaltung zwischen der liebenswürdigen alten Dame Madame Desmermortes, die an einen Rollstuhl gefesselt ist, und ihrer humorlosen, vertrockneten und hässlichen Gesellschafterin Mademoiselle Capulat. Während das Fest in vollem Gange ist und Mademoiselle mit einem Seufzer bedauert, in solchen Nächten nicht mit von der Partie sein zu können, schaut die alte Dame den Tanzenden gelangweilt zu und tröstet ihre Gesellschafterin mit dem Hinweis: "Ihnen bleibt immer noch der liebe Gott... Sie werden in einem bequemen Sessel zu seiner Rechten sitzen, während ich zunächst einmal zwei oder drei Jahre auf kleinem Feuer geröstet werde." Capulat entgegnet ihr: "Gottes Barmherzigkeit ist ohne Grenzen, Madame." Davon ist auch die alte Dame überzeugt: "Das versteht sich von selbst, dass er seine Versprechungen hält", sagt sie, "sonst wären ja die Gerechten, die sich auf ihn verlassen haben, verraten und verkauft." Lächelnd fährt sie fort: "Ich habe oft vom Tag des Jüngsten Gerichts geträumt und das empörte Geschrei der Glückseligen gehört: Unerhört! Er verzeiht ja den anderen auch! Das trieb ihnen derart die Galle heraus, brachte sie so in Wut, dass sie nicht mehr an sich halten konnten. Sie stießen schreckliche Verwünschungen aus. Und was war die Folge? Sie kamen selber in die Hölle. Es war zu hübsch!"
    (aus: Jean Anouilh, Einladung ins Schloss, in: ders., Meisterdramen, München-Wien 1967, 202)
    GL 301: Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist

  • Die Heilige Schrift lesen
    Mt 20, 1-16: Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg

  • Über den Bibeltext sprechen:
    Warum spricht Jesus in Gleichnissen? Worin liegen die Chancen in Gleichnissen zu sprechen? Wie ist das vorliegende Gleichnis aufgebaut? Worin besteht der dargestellte Konflikt? In welcher Stimmung kommen die Arbeiter, die nur eine Stunde gearbeitet haben, zur abendlichen Lohnauszahlung? Was verändert sich in ihrem Lebensgefühl durch die unverdiente Belohnung? Wie erleben die Arbeiter, die den halben Tag gearbeitet haben, die Lohnauszahlung, die allen den gleichen Tageslohn bringt? Welche Lebenshaltung veranlasst die Arbeiter, die den ganzen Tag gearbeitet haben zu murren? Wie geht der Weinbergbesitzer mit ihnen um? Was bedeutet letztlich die Rede von den Letzten, die die Ersten sein werden und den Ersten, die die Letzten sein werden? Worauf zielt das Gleichnis? Welches Gottesbild scheint hier durch? In welche Situation hinein könnte ein solches Gleichnis gesprochen sein?

  • Den Bibeltext ins eigene Leben übersetzen:
    Das Gleichnis zeigt Muster auf, die der Lebenseinstellungen heutiger Menschen ebenso entsprechen wie den Grundeinstellungen der Menschen zur Zeit Jesu. Der Mensch lebt in den Kategorien des Anspruchs, des rechtlich Zustehenden und einer einklagbaren Billigkeit. Wo sehe ich solches Denken und Empfinden in meinem Alltag? Was heißt für mich Gerechtigkeit? (Die Vorstellung konkreter Situationen hilft dabei die Problematik des Begriffs zu diskutieren). Das Gleichnis hilft Strukturen menschlicher Gerechtigkeit zu hinterfragen: Berührt das Gottesbild dieses Gleichnisses mein Menschenbild, mein Denken und Handeln?

  • Meditation:
    credo und pierrot-le-suisse
    ich glaube an gott den allmächtigen vater den schöpfer des himmels und der erde
    aber pierrot-le-suisse, der ein waisenkind war, lustknabe dann bei einem sektierer und später im zuchthaus, pierrot sagt: ich denke mir einen, der keinen verachtet
    und an jesus christus seinen einzigen sohn unseren herrn der empfangen ist vom heiligen geist geboren aus maria der jungfrau
    aber pierrot-le-suisse, dem sumpf seiner kindheit entronnen, pendelnd zwischen polen, palermo, paris, erpresst von erpressern, erpresser geworden, pierre sagt: ich denke mir einen, der keinen erpresst
    gelitten unter pontius pilatus gekreuzigt gestorben und begraben niedergefahren zur hölle
    aber pierrot-le-suisse, agent mit falschen pässen und koks, zuhälter, tellerwäscher und clown, spion oder butler, in welchem job auch immer, pierre sagt: vergebung der sünden – gott watet in unserem dreck
    am dritten tage auferstanden von den toten aufgefahren in den himmel wo er sitzet zur rechten gottes des allmächtigen vaters von dannen er kommen wird zu richten die lebendigen und die toten
    aber pierre-le-suisse, von einem tausenderlappen (in der zeitung geschlagen) und morphiumkapseln (ins nastuch gewickelt), geht erst in sein zimmer und spritzt sich aquadest zur betäubung der gier und dann befreit zu erklären: nein, nicht, ich bin fertig damit
    ich glaube an den heiligen geist an eine heilige allgemeine kirche die gemeinschaft der heiligen vergebung der sünden auferstehung des leibes und ein ewiges leben
    aber pierre-le-suisse, lustig im suff und nüchtern ein wrack, bestrebt nun bieder zu leben, in frauen vernarrt und kindlich spielend mit kindern, pierre sagt: ich hoffe auf einen, der mich nicht reinlegt

(Kurt Marti, aus: Kurz, P. K., Psalmen vom Expressionismus
bis zur Gegenwart, Freiburg 1978, 258f.)

GL 644: Sonne der Gerechtigkeit

7. Weiterführende Literatur:
Erlemann, K., Das Bild Gottes in den synoptischen Gleichnissen (BWANT 126), Stuttgart u.a. 1988
Jeremias, J., Die Gleichnisse Jesu, Göttingen 1998
Limbeck, M., Matthäus-Evangelium, Stuttgart 1998
Limbeck, M., Wie Glauben heute möglich ist – Eine Hinführung, Stuttgart 2004
Münch, Ch., Die Gleichnisse Jesu im Matthäusevangelium – eine Studie zu ihrer Form und Funktion, (WMANT 104), Neukirchen-Vluyn 2004
Söding, Th., Das Matthäus-Evangelium – Anregungen zum Lesejahr A, Würzburg 2001
Söding, Th., Die Gleichnisse Jesu als metaphorische Erzählungen, in: Janowski, B./N. Zchomelidse (Hgg.), Die Sichtbarkeit des Unsichtbaren. Zur Korrelation von Text und Bild im Wirkungskreis der Bibel (Arbeiten zur Geschichte und Wirkung der Bibel 3), Stuttgart 2003, 81-118
Theobald, M., Die Arbeiter im Weinberg (Mt 20,1-16). Wahrnehmung sozialer Wirklichkeit und Rede von Gott, in: Mieth, D. (Hg.), Christliche Sozialethik im Anspruch der Zukunft, Freiburg 1992, 107-127
Zeitschrift "Bibel heute 4/2000": Jesus und seine Gleichnisse, bestellbar unter: Katholisches Bibelwerk Stuttgart, Silberburgstr. 121, 70176 Stuttgart, 0711/61920-50, E-Mail: bibelinfo@bibelwerk.de

Dipl.-Theol. Esther Brünenberg, Oktober 2004
Katholisches Bibelwerk im Bistum Münster in Kooperation mit
kirchensite – online mit dem Bistum Münster (www.kirchensite.de)

Die Bibelarbeit im Oktober zum Download...

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