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22.07.2017
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Aus dem kirchensite.de-Archiv
Die Bilder biblischer Gleichnisse be-ziehen sich häufig auf das Alltagslebender Menschen zur Zeit Jesus.

Bibelarbeit im Juli 2004

Erntezeit

1. Einführung
"Blickt umher und seht, dass die Felder weiß sind, reif zur Ernte" (Joh 4,35) – Jesus war ein Kind vom Lande. Er hatte einen Blick für die Natur. Er wusste viel von Ackerbau und Viehzucht. Er stammte zwar nicht aus einer Bauern- oder Hirten-, sondern aus einer Handwerkerfamilie. Aber er musste aus beruflichen Gründen – lange vor seinem öffentlichen Wirken für die Gottesherrschaft – viel im Lande Galiläa unterwegs sein und hat seine Augen aufgetan. So hat er die Menschen kennen gelernt, wie sie leben und arbeiten. Er hat auch ins Buch der Natur geschaut, das ihm das Buch der Schöpfung Gottes war. Die Bilder für seine Gleichnisse hat er hier gefunden; die Alltagsgeschichten von Müttern und Vätern, Eltern und Kindern, Arbeitern und Bauern, Tieren und Pflanzen hat er zu Geschichten vom Reich Gottes gemacht.

Häufig finden sich darunter Gleichnisse aus der Landwirtschaft. Jesus erzählt gerne von Hirten und Schafen, aber auch vom Säen und Ernten. Das ist kein Zufall. Der Stoff stammt unmittelbar aus der Erfahrungswelt der Menschen, denen Jesus das Evangelium Gottes bringt. Schon im Alten Testament, der Bibel Israels, wird das Verhältnis Gottes zu seinem Volk ins Bild des Hirten und seiner Herde gesetzt (Ps 23); Säen und Ernten sind Metaphern, die Gottes Wort auf seinem Weg zu den Menschen bezeichnen (Jes 40,7f). Vor allem aber wählt Jesus gerne Gleichnisse aus der Landwirtschaft, weil er ein Herz für die Menschen hat, die in der Natur und mit der Natur leben, die das Feld beackern, um ihm Brot und Wein abzugewinnen, die ganz elementar um die Bedeutung von Sonne, Regen, Wind und Erde wissen. An diesen Menschen und ihrer Lebensgeschichte kann er Zusammenhänge sichtbar machen kann, die für seine Gottesverkündigung wichtig sind: Das Leben in dieser Welt voller Mühe und Arbeit ist ein Geschenk, das auf das viel größere Geschenk der Erlösung verweist. Wo irdisches Leben gelingt, kann man einen Vorgeschmack des ewigen Lebens spüren. Eine Pflanze, die wächst und blüht, kann ein Zeichen der verheißenen Vollendung werden. Eine Arbeit, die mit Gottes Hilfe gelingt, gibt nicht nur Grund zur Dankbarkeit, sondern auch zur Hoffnung, dass am Ende doch alles gut wird.

2. Der Text: Das Gleichnis von Sämann (Mk 4,2-9)
2 Jesus lehrte die Menschen vieles in Gleichnissen und sagte ihnen in seiner Lehre: 3 "Hört! Siehe, der Sämann ging aus, um zu säen. 4 Und es geschah beim Säen, dass einiges auf den Weg fiel, und die Vögel kamen und fraßen es. 5 Und einiges fiel auf Stein, wo es nicht viel Erde gab, und ging sogleich auf, weil es keine tiefe Erde hatte; 6 und als die Sonne hochstieg, wurde es versengt, und weil es keine Wurzel hatte, verdorrte es. 7 Und einiges fiel in die Dornen, und die Dornen wuchsen hoch und erstickten es, und es brachte keine Frucht. 8 Und andere fielen auf den guten Boden und gaben Frucht, da sie aufgingen und aufwuchsen, und es trug einiges dreißigfach und einiges sechzigfach und einiges hundertfach." 9 Und Jesus sprach: "Wer Ohren hat zu hören, der höre!"

3. Der Hintergrund
Auf heutige Bauern wirkt der Sämann, von dem Jesus erzählt, ziemlich verrückt. Jeder Landwirt würde schnell bankrott machte, wenn er so viel Saatgut verlöre, wie das Gleichnis den Eindruck erweckt. Schon aus Kostengründen muss größte Vorsicht und Genauigkeit beim Pflügen und Säen herrschen. Wer die Landwirtschaft nicht nur als Geschäft betreibt, sondern als Berufung versteht, hat ein Verhältnis zum Boden, zum Samen und zu den Pflanzen, das von Respekt und Sorgfalt, von Kenntnis und Ehrfurcht geprägt ist. Schon deshalb kommt Verschwendung nicht in Betracht.

Doch auch damals mussten Bauern rechnen, und auch damals wussten sie sich in Gottes Hand. Jesus stellt in seinem Gleichnis keinen schludrigen Sämann vor Augen, sondern einen, der sein Handwerk versteht. Der Erfolg gibt ihm ja schließlich auch Recht. Doch zur Zeit Jesu war die Landwirtschaft lange nicht so durchrationalisiert wie heute. Der entscheidende Unterschied: Heute wird erst gepflügt, dann gesät. Diese Reihenfolge kann man sich leisten, weil man über hinreichend gute und immer weiter perfektionierte Geräte verfügt. In Palästina gab es damals nur primitive Pflüge; keineswegs alle Bauern konnten einen Ochsen ins Joch spannen. Es wurde erst gesät und dann gepflügt (vgl. Jes 28,24), damit der umgeworfene Boden die Saatkörner beim Anwachsen und ersten Austreiben ein wenig schütze. Das war noch die effektivste Methode.

Der Nachteil liegt auf der Hand. Jesus spricht in seinem Gleichnis davon. Manches Korn landet auf einem Trampelpfad, der quer übers Feld führt; im galiläischen Bergland ist die Erdkrume häufig recht dünn, ohne dass man alle Steine, die unter der Oberfläche verborgen sind, vor dem Pflügen sehen kann; Pestizide kennt man nicht, sodass an manchen Stellen ganze Dornennester entstehen, die alle Getreidepflanzen ersticken.

Aber obwohl das Gleichnis seinen Realitätsbezug nicht verliert, hat Jesus den Kontrast scharf gezeichnet, fast überzeichnet. Dreimal erzählt er von Misserfolgen Dadurch baut er eine starke Spannung auf, ob denn die ganze Aussaat vergeblich gewesen sein soll. Mehr noch: Jesus orientiert sich am Lauf der Zeit nach der Saat. In dieser Zeit zeigen sich tatsächlich zunächst nur die Misserfolge. Was (vor dem Umpflügen) auf den Weg fällt, kann von den Vögeln sogleich weggepickt werden. Was auf felsigen Grund mit wenig Erdreich fällt, kann zwar recht schnell emporschießen, aber keine tiefen Wurzeln schlagen und wird deshalb, wenn es ins Jahr geht und die Sonne höher steigt, versengen und verdorren. Was unter die Dornen fällt, wächst zwar auf; doch stellt sich dann heraus, dass das Getreide taub ist.

Erntezeit

Die "große Ernte" hängt nur davon ab, dass der Sämann ausgegangen ist, um zu säen.

So stark aber diese Misserfolge herausgestrichen werden, am Ende zeigt sich, dass dies nur um des Kontrastes zum Erfolg willen geschieht, von dem das Gleichnis zum Schluss erzählt. Dieser Erfolg ist übergroß, er ist schier unglaublich. Aber er ist nicht phantastisch. Mancher Bauer mag davon träumen, eine dreißig-, sechzig und hundertfache Rendite zu erzielen. Aber er weiß doch, dass dies ein Traum bleibt. Jesus weiß das auch. Wenn man sein Gleichnis ganz genau liest, wird deutlich, dass er keinem Illusionen macht, sondern sich in der Natur und der Landwirtschaft auskennt. Jeder Getreidehalm wächst aus einem Samenkorn. Jede Ähre hat – damals wie heute – ungefähr dreißig Getreidekörner. So erklärt sich das "dreißigfach": Aus einem Korn werden dreißig Körner. Aber mit Glück und Können geht es noch besser. Schon in der Antike kannte man eine Agrartechnik, durch gezieltes Anhäufeln der Erdkrume einen Halm, der noch kaum sich ausgebildet hatte, zur Spaltung zu bringen, sodass zwei, vielleicht so gar drei Halme sich bilden und je dreißig Körner tragen, dann kommt man aus einem Korn auf sechzig oder gar – mit leichter Übertreibung – auf hundert Körner.

Dreimal erzählt Jesus von Misserfolg. Dreifach gesteigert erzählt er vom schließlichen Erfolg. Man wird ihn erst am Ende sehen, bei der Ernte. Aber dann wird klar, dass er jeden Verlust mehr als ausgleicht. Ein wogendes Ährenmeer steht vor Augen – und eine prall gefüllt Kornscheune. Jesus sagt keineswegs, dass nur jedes vierte Samenkorn Frucht bringt. Mit einem kleinen Wechsel vom Singular in den Versen 4-7, die von den Misserfolgen handeln, zum Plural in Vers 8, der den Erfolg beschreibt, zeigt er an, dass keineswegs dreiviertel der Samen verderben, sondern dass mehr als genug aufgeht und dann auch noch einen überreichen Ertrag bringt.

4. Die Botschaft Jesu
Jesus erzählt seine Gleichnisse als Geschichten vom Reich Gottes. Seine Grundbotschaft lautet: "Erfüllt ist die Zeit, nahegekommen ist das Reich Gottes. Kehr um und glaubt an das Evangelium (Mk 1,15). Schon daraus ergibt sich, dass Gottes Herrschaft für Jesus in Verbindung steht mit dem Evangelium, der Frohen Botschaft, dem Wort Gottes, das er verkündet, und mit ihm selbst, dem Sohn Gottes (Mk 1,9ff), der die Vollmacht hat, in Wort und Tat dieses Evangelium zu verkünden. So müssen auch die Reich-Gottes-Gleichnisse Jesu nicht direkt vom Reich Gottes selbst handeln, sondern können mit ihm verbundene Themen behandelt. Das ist beim Sämanngleichnis der Fall.

a) Das Gleichnis als Spiegel der Verkündigung Jesu
Markus erzählt zu diesem Gleichnis eine Deutung Jesu. Ihr Kernsatz lautet: "Der Sämann sät das Wort" (Mk 4,14). Diese Deutung wird von der Bibelwissenschaft meist als "sekundär", als nicht ursprünglich angesehen. Ganz so sicher ist das nicht. Vermutlich trifft sie doch ins Schwarze. Der Same ist ein sprechendes Bild für das Wort Gottes. Dann legt sich eine Deutung nahe, die auch den Erzähler des Gleichnisses, Jesus, nicht aus dem Blick verliert. Zu sagen, er sei der Sämann, ist vielleicht eine Spur zu einfach. Aber dass sein Sämann-Gleichnis das Geschick seiner Verkündigung zum Thema hat, also die Wirkung des Evangeliums bei den Hörerinnen und Hörern, liegt doch nahe und entspricht dem breiten Strom der Auslegung seit der Zeit der Kirchenväter.

Jesus ist einer, der Gottes Wort verkündet. Er tut es in Israel – auf dem weiten Feld des Volkes Gottes, von dem er niemanden ausnimmt: Kranke und Unreine nicht, Sünder nicht, Kinder nicht und nicht die Armen, die – angeblich – verflucht sind, weil sie das Gesetz nicht kennen (Joh 7,49). Freilich: Dass er vielfach auf Ablehnung, Desinteresse, Unverständnis gestoßen ist, verschweigen die Evangelien nicht. Jesus selbst hat offen davon gesprochen, auch in seinen Gleichnissen. Das Gleichnis vom Festmahl (Lk 14,15-25 par. Mt 22,1-10) ist ein Beispiel. Alle eingeladenen Gäste habe etwas – scheinbar – Besseres vor: Geldverdienen, Arbeiten und Heiraten zum Beispiel. Dennoch findet das Fest statt; denn der Gastgeber schickt auf die Straßen an die Hecken und Zäune, um sein Haus voll zu bekommen. Jesus hat sich durch den Widerstand nicht davon abbringen lassen, die Einladung Gottes in sein Reich aussprechen. Es war aber nicht Starrsinn, der ihn konsequent sein ließ, sondern Treue zu seiner Sendung aus Liebe zu den Menschen.

Das Gleichnis vom Sämann setzt einen ähnlichen Akzent. Vielleicht arbeitet es vielerlei Enttäuschungen und Frustrationen seiner Jünger auf: Müssten nicht alle Herzen sich dem Evangelium öffnen? Stattdessen drängt sich die Frage auf, was sich denn ändert durch Jesu Verkündigung. Erntet man nicht nur Misserfolge, wenn man sich auf die Sache Jesu einlässt?

Jesus leugnet die vielen vergeblichen Versuche nicht. Am Ende wird er ja selbst einsam und verlassen sterben. Die Jünger, die ihn nach dem Sinn des Gleichnisses fragen (Mk 4,13), werden ihn verlassen und verraten. In dieser Situation hilft der Blick auf einen Bauern. Wenn er das Feld besät, weiß er im Grunde im Voraus, was geschehen wird: dass Vögel einigen Samen wegfressen, dass mancher Halm verdorrt und manche Ähre erstickt. Aber das hindert ihn nicht, auszuziehen, um zu säen. Denn er weiß: so Gott will, gibt es am Ende doch eine reiche Ernte.

Was sich in der Natur beobachten lässt, gilt um so mehr für das Reich Gottes, dessen Nähe den Raum für Jesu Reich-Gottes-Verkündigung öffnet. Denn Gott, der Schöpfer, ist auch der Erlöser; die Erlösung ist die Vollendung des ewigen Lebens durch den Tod hindurch. Das zeigt sich nicht nur am des Lebens, sondern auch mitten im Leben. Jesus setzt ganz und gar auf die Kraft Gottes. Er nimmt seinen Jüngern die Mutlosigkeit, indem er im Bild des Gleichnisses auf Gott verweist, bei dem nichts unmöglich ist (Mk 10,27). Im Vertrauen darauf, dass der Sieg Gott gehört und die Fülle des Lebens, die Fülle der Gnade, die Fülle des Segens bringt, beginnt Jesus sein Werk. Die große Ente hängt nur davon ab, dass der Sämann ausgegangen ist, um zu säen. Diese Aussaat führt zur Ernte. Wenn auch zunächst nur Misserfolge zu sehen sind und alles fruchtlos zu bleiben scheint, so wäre es doch eine optische Täuschung, daraus auf ein Scheitern der Reich-Gottes-Botschaft zu schließen. Es ist ja der Heilsplan Gottes. Gott aber bringt seinen Heilsplan zum Ziel. Dreißigfach, sechzigfach und hundertfach: unermesslich wird die Fülle der Vollendung sein.

b) Misserfolge und Erfolge
Die Jünger sollen an Jesus sehen, worauf zu hoffen ist. Freilich bleibt die Frage nach den Gründen des Misserfolges. Darauf antwortet die Deutung in Mk 4,13-20. Ob sie nun direkt von Jesus stammt oder nicht, macht sie die Missionssituation der Kirche transparent. Nach Jesu Tod und Auferstehung könnte man desto eher fragen, weshalb nicht alle, die das Wort hören, es begeistert annehmen und danach leben. Aber die Kirche ist in keiner besseren Situation als Jesus. Die Gründe, weshalb die Verkündigung nicht auf fruchtbaren Boden fällt, werden klar benannt. Sie sind gültig bis heute.

Jesus richtet im zweiten und dritten Fall den Blick nach innen. Er lädt die Seinen zur Selbstkritik ein. Wie sieht es im Kreis der Glaubenden aus? Zwei Problemfälle werden benannt.

Manche Christen sind "Augenblicksmenschen" (4,17). Sie sind schnell Feuer und Flamme. Sie lassen sich rasch begeistern. Aber ihr Engagement ist nur ein Strohfeuer. Schnell erlischt es. Sobald es schwierig wird, geben sie auf. Die Gleichnisdeutung spricht von "Drangsal oder Verfolgung wegen des Wortes" (4,17), weil Jesus genau weiß, dass seine Jüngerinnen und Jünger wie er um des Evangeliums willen Nachteile erleiden werden und gar ihr Leben verlieren können. Im Neuen Testament wird aber auch schon deutlich, dass auch die Mühen der Ebene zur Anfechtung werden können, die Unanschaulichkeit der Gnade, das Desinteresse der Umwelt, der Erfolg der Gegner. Wenn von den äußeren Umständen nichts mehr für die Wahrheit der Botschaft Jesu von Gottes Liebe zu sprechen scheint, kommt es darauf an, Wurzeln zu haben, die tief ins Erdreich der Welt Gottes reichen, bis zu den nie versiegenden Quellen der Spiritualität und der Nächstenliebe.

Erntezeit

Jesus erzählt gerne von Hirten und Schafen, aber auch vom Säen und Ernten.

Andere hingegen wollen sich durchaus auf den Weg der Nachfolge einlassen und geben nicht bei den ersten Schwierigkeiten auf. Aber sie sind Kinder dieser Welt. Sie ersticken an den "Sorgen dieser Welt", an der Faszination des Geldes und an dem Drang, ihren Bedürfnissen zu leben. Das ist, leider Gottes, die Wahrheit. Jesus hat in seinen Weisheitsworten über das rechte und falsche Sich-Sorgen (Mt 6,25-33 par. Lk 12,22-33), in seinem Gleichnis vom klugen Verwalter (Lk 16,1-8.9-13) und in seiner Sexualmoral (Mt 5,27-32) den Finger auf die Wunde gelegt und gleichzeitig gezeigt, wie in der Ge meinschaft mit ihm, der Gemeinschaft der Nachfolge, also der Gemeinschaft der Kirche die Kraft wachsen kann, die Versuchung zu bestehen.

Beide Beispiele, die nach innerkirchlich relevant sind, bringen menschliche Schuld ins Spiel. Sie wollen warnen, aufrütteln, zur Veränderung führen. Anders beim Blick nach draußen. Der erste Fall, den Jesus nach Mk 4,15 deutet, recht nicht von menschlicher Schuld. Vielmehr kommt der Satan ins Spiel, der Widersacher Gottes und der Menschen. Heute ist es schwer, vom Teufel zu reden. Die einen, vielfach psychisch angeschlagen, haben vor ihm Angst, weil sie in ihm einen Gegen-Gott sehen, dem sie verfallen könnten. Die anderen sehen in ihm eine Lachnummer, weil sie vielleicht an Wilhelm Busch denken. In der Moderne fällt der Gedanke nicht schwer, von dem Bösen zu reden, um Unheil zu benennen, das über den Horizont menschlicher Schuld hinausreicht, z.B. die ungerechte Verteilung der Güter auf dieser Erde. Die Moderne liebt die Abstraktion. Zur Zeit Jesu dachte und redete man anders. Der Teufel ist keine "Person", er ist, wie Josef Ratzinger einmal geschrieben hat, die Un-Person schlechthin, der Zerstörer alles Persönlichen, alles Guten, alles Lebendigen. Mit dieser Macht der Bösen müssen die Jünger Jesu rechnen. Häufig suchen sie die Schuld für Misserfolge in der Weitergabe des Glaubens bei sich selbst. Aber meist können sie gar nichts dafür. Es ist die Ungunst der Verhältnisse, es sich psychische, soziale, kulturelle Belastungen, es sind allgemeine Trends des Zeitgeistes oder Belastungen aus der Vergangenheit, die verhindern, dass die Verkündigung Erfolg hat. Wer realistisch ist, rechnet damit; aber wer realistisch ist, rechnet auch mit Gott – und der Vollendung seines Heilswillens.

Die Felder, die reif sind zur Ernte, sieht Jesus nach Joh 4 in Samarien. Er denkt an das Wirken der Propheten (Jes 9,2f; vgl. Ps 126,5f) und an seine eigene Sendung und über seinen Tod hinaus, wenn er dem Sämann-Gleichnis eine andere Wendung gibt und seinen Jüngern Mut macht, mit dem Pfund zu wuchern, das Jesus ihnen gegeben hat:

36 Schon empfängt der Schnitter seinen Lohn und sammelt Frucht für das ewige Leben, so dass sich der Sämann und der Schnitter gemeinsam freuen. 37 Denn hier hat das Sprichwort recht: Einer sät, und ein anderer erntet. 38 Ich habe euch gesandt, zu ernten, wofür ihr nicht gearbeitet habt; andere haben gearbeitet, und ihr erntet die Frucht ihrer Arbeit.

5. Vorschlag für eine Bibelstunde

  • Ankommen, sich einfinden und aufmerksam werden
    Gotteslob 980: Herr, wir hören auf dein Wort

  • Lesen und hören
    Eine(r) liest den Text langsam und laut vor –
    alle hören aktiv zu.

  • Stilles Nachdenken
    Wo komme ich im Gleichnis vor?
    Wo kommt unsere Gruppe, unsere Gemeinde vor?
    - Beim Sämann?
    - Beim Korn auf dem Weg? Bei den Vögeln?
    - Beim Korn auf Felsgrund?
    - Bei den Dornen?
    - Beim guten Boden?
    - Bei der dreißigfachen, sechzigfachen, hundertfachen Frucht?
    Wo sehe ich andere Menschen im Spiegel des Gleichnisses?
    Kann ich durch das Gleichnis Jesus erkennen?

  • Gemeinsames Lied: Gotteslob 882: Kleines Senfkorn Hoffnung

  • Ins Gespräch kommen
    Wo gibt es – uns selbst eingeschlossen – Mutlosigkeit und weshalb?
    Wo gibt es – uns eingeschlossen – Menschen, die Mut machen?
    Was sind heute die Gründe – bei uns selbst und bei anderen –
    - für die Fruchtlosigkeit der Katechese?
    - der Glaubensvermittlung?
    - der religiösen Erziehung?
    - der Mission?
    Welche Hoffnungszeichen gibt es heute
    - bei uns selbst?
    - in der Kirche?
    - in der Welt?
    Was können wir uns von Jesus abschauen?
    Was sagt uns die Frohe Botschaft Jesu?

  • Abschluss
    Gotteslob 19,6

6. Literatur
für exegetisch Interessierte:
Ulrich Luz, Das Evangelium nach Matthäus II (EKK I/2), Neukirchen-Vluyn 1990, 296-320 (zur Matthäusparallele)

für pastoral Engagierte:
Zeit zur Aussaat. Missionarisch Kirche sein (Die deutschen Bischofe 68), Bonn 2000

Prof. Dr. Thomas Söding, Juli 2004
Katholisches Bibelwerk im Bistum Münster
in Kooperation mit kirchensite – online mit dem Bistum Münster
(www.kirchensite.de)

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