
- Domkapitular Hegge auf dem Katholikentag im Gespräch mit "kirchensite"-Redaktionsleiter Norbert Göckener.
Domkapitular Heggeauf dem Katholikentag:
Gemeinden geistlich erneuern
Ulm. Für eine stärkere Begleitung der ehrenamtlichen Katechetinnen und Katecheten hat sich der stellvertretende Generalvikar, Domkapitular Dr. Christoph Hegge, ausgesprochen. Während einer Diskussion auf dem Katholikentag sagte Hegge: "Um den Prozess der geistlichen Erneuerung in den Pfarrgemeinden zu unterstützen, brauchen die Katecheten eine intensive Begleitung und Unterstützung." Das Bistum plane, Zentren für die spirituelle und katechetische Ausbildung einzurichten.
Vor dem Hintergrund der derzeit im Bistum Münster breit diskutierten Gemeindestruktur-Debatte warnte Hegge davor, nicht immer nur die organisatorischen Belange in den Blick zu nehmen. Vielmehr gelte es, auch die Gemeindemitglieder aufzuspüren, die über den Glauben sprechen und ihn leben wollen.
Wer den Prozess der geistlichen Gemeinde-Erneuerung einleiten wolle, brauche "Visionäre". Und die gebe es in den Gemeinden: "Jugendliche fahren nach Taizé, junge Menschen sammeln sich in geistlichen Gemeinschaften, andere Gruppen treffen sich regelmäßig zum Gebet – all das sind positive Signale."
Die Kirche brauche Visionäre, die vom Glauben überzeugt seien. Die Gemeinden müssten diese aber auch aufspüren und dürften sich nicht allein mit organisatorischen Dingen beschäftigen. Der intensiveren Begleitung der Katecheten müsse daher mehr Raum gegeben werden. Denn sie seien es, die vorbildlich ihr Glaubenszeugnis weitertrügen.
Die Gefahr, die Kirche könne im Prozess der geistlichen Erneuerung die "weltliche Dimension" vernachlässigen, sieht Hegge nicht. Im Gegenteil: "Die Bibel kennt viele Beispiele, wie der Einsatz der Christen in der Welt gefordert ist." Die Bergpredigt sei dafür ein eindrucksvolles Beispiel: "Barmherzigkeit üben, Frieden stiften, Gerechtigkeit schaffen – das ist immer auch hochpolitisch." Diesen Auftrag nähmen die Christen ernst. Einen Rückzug ins Schneckenhaus werde es nicht geben.
Text: Johannes Bernard, "Kirche+Leben", Foto: Ralf Thier-Hinse, 17.06.2004
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