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24.05.2017
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Aus dem kirchensite.de-Archiv
Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Fruchtdeines Leibes.

Bibelarbeit im Mai

"Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig."

1. Hinführung

Der Mai ist der Marienmonat. Für viele ist Maria eine große Gestalt ihres Glaubens, andere schrecken zurück und sind unsicher. Die Marienfrömmigkeit in ihrer überbordenen liturgischen Fülle fasziniert, ist aber auch vielen schwer verständlich. Martin Luther hatte eine gute Marienfrömmigkeit, aber in der Ökumene ist die Mariologie ein heißes Eisen. Sie erscheint zuweilen selbst überzeugten Katholiken schwer verständlich. Freilich sind es nicht selten Vorurteile und mangelnde Kenntnisse, die einen Zugang erschweren. Trotz aller Differenzen wird zu oft übersehen, dass die Bibel selbst entscheidende Aspekte vorträgt, die eine gemeinsame Basis für die Sicht Mariens bieten. Eine Spitzenstellung nimmt hierbei die Erzählung vom Besuch Marias bei Elisabeth mit dem Magnificat ein. Man kennt es aus dem Advent. Aber es ist ein Grundgebet für das ganze Jahr.

2. Text: Der Besuch Marias bei Elisabeth und der Lobgesang Marias (Lk 1, 39-56)

In diesen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth. Als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind im Leib. Da wurde Elisabeth vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ. Da sagte Maria:

Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat großes an mir getan, und sein Name ist heilig.

Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten. Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und läßt die Reichen leer ausgehen. Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.

Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück.

3. Einordnung

Von allen Evangelisten schenkt Lukas Maria in seinem Evangelium (zwischen 80 und 90 entstanden) die größte Beachtung. Zwar verschweigt er nicht die Schwierigkeiten der ganzen Familie, Jesus zu verstehen (Lk 8,19ff). Aber er räumt Maria, die nach Ostern zur betenden Gemeinde zählt (Apg 1,14), eine Ehrenstellung ein: Er nennt sie "Begnadete" (1,28) und jungfräuliche "Magd des Herrn" (1,34.38); Elisabeth nennt sie "Mutter meines Herrn" (1,43).

Der Besuch Marias bei Elisabeth ist der Mittelpunkt des gesamten Kindheitsevangeliums. Lukas hat es so gestaltet, dass es zu einem erzählenden Christusbekenntnis wird. Er stellt immer Geschichten über den Täufer Johannes Geschichten über Jesus gegenüber. Zuerst wird die wunderbare Geburt des Täufers Johannes (Lk 1,5-25) angekündigt, dann die noch ungleich wunderbarere Geburt Jesu (Lk 1,26-38); sodann wird zuerst von der Geburt des Täufers (157-80), dann von der Geburt Jesu – im Weihnachtsevangelium – berichtet (Lk 2,1-20). Immer wird klar: So groß der Täufer ist – Jesus ist größer. So sehr der Täufer in Gottes Auftrag heilsam wird – der Heiland ist Jesus. Die Schnittstelle ist der Besuch Marias bei Elisabeth. Dass die Mutter Jesu sich auf den Weg macht, ist nicht nur Ausdruck des Respektes der Jugend vor dem Alter. Es ist schon ein Hinweis darauf, dass Jesus, der Sohn Gottes, nicht gekommen ist, sich bedienen zu lassen, sondern zu dienen: Er wartet nicht, bis die Menschen zu ihm kommen, sondern macht sich selbst auf den Weg, um den Menschen Gottes Heil zu verkünden.

Bibelarbeit

Was Maria widerfährt, gehört in den Zusammenhang der ganzen Heilsgeschichte. Das Marienlob ist das Lob des barmherzigen Gottes.

Im ganzen Kindheitsevangelium sind es Hymnen, die den theologischen Sinn der Geschichte entdecken lassen. Das wichtigste Lied ist das Gloria der Engel auf dem Hirtenfeld zu Bethlehem: "Ehre sei Gott in der Höhe …". Aber vom Benedictus des Zacharias (1,68-79: "Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels …") bis zum Nunc dimittis des greisen Simeon (2,29-32: "Nun lässt du, Herr, deinen Knecht in Frieden gehen …") gibt es ein starkes menschliches Echo dieses himmlischen Lobgesanges. Das Magnificat bildet den Mittelpunkt.

Die Erzählung vom Besuch Marias bei Elisabeth läuft auf dieses Danklied zu. Es ist tief in den Gebeten des Alten Testaments verwurzelt. Im Ganzen und in vielen Einzelheiten knüpft das Magnificat an das Danklied der Hanna (2 Sam 2,1-12) für Samuel. Das ist kein Zufall. Im ganzen Kindheitsevangelium schöpft Lukas aus den messianischen Traditionen Israels. Der heilige Samuel, Priester und Prophet, verweist auf Jesus, den endgültigen Propheten und endgültigen Retter.

4. Auslegung

Die Begegnung der Mutter Jesu mit der des Täufers Johannes ist vom Lobpreis der zwei Frauen geprägt. Die Verse 1,39-30 und 56 bilden den erzählerischen Rahmen.

In den Versen 42b bis 45 wird Maria in einer geisterfüllten Rede von Elisabeth gepriesen. Zugleich wird die Beziehung der Maria und ihres Sohnes zu Elisabeth (und dem Täufer) offengelegt (V 43: "Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?"). Maria antwortet hierauf mit einem Hymnus, der den Gedanken des Lobes weiterführt. Das Geheimnis der Geburt Jesu, das mit dem Geheimnis der Jungfräulichkeit Mariens verbunden ist, verweist auf das Geheimnis der Erwählung, der Führung und Rettung des Volkes Israel durch Gott. Maria antwortet auf die ihr entgegengebrachte Seligpreisung mit dem Verweis auf den Urheber allen Heils - Gott, der schlichtweg heilig ist (V. 49).

Dieser Hymnus selbst, der nach seinem lateinischen Anfang "Magnificat" ("Gepriesen") genannt wird, besteht aus zwei Hauptteilen. Der erste Teil ist ein persönlich gehaltener Lobpreis Marias für das, was ihr geschehen ist; in den Versen 46-49 finden sich immer wieder betonte Formen von "Ich"; der zweite Teil ordnet dies dankbar in das gnädige Handeln Gottes an seinem ganzen Volk ein (1,50-55). Hier kann man noch einmal einen kleinen Unterschied machen. Zuerst wird von Gottes Heilstaten an den Kleinen und Benachteiligten gesprochen (V. 51-53), dann in einem etwas allgemeineren Sinn von seiner barmherzigen Treue (V. 54-55). Beide Hauptteile sind miteinander verbunden. Die Verse 49-50 sowie 51-53 betonen Gottes Barmherzigkeit bzw. die Eigenarten seines Handelns. Die Verse 46b-48 und 54-55 entsprechen dann einander als Auf- und Abgesang des Lobpreises.

Deutlich wird auf alle Fälle, dass sich der Hymnus vom autobiographischen Lobpreis Gottes weg zu einem allgemeinen heilsgeschichtlichen Lobpreis hin entwickelt. Was Maria widerfährt, gehört in den Zusammenhang der ganzen Heilsgeschichte. Das Marienlob ist das Lob des barmherzigen Gottes. Wer Maria ehrt, wird von ihr selbst zur größeren Ehre Gottes geführt.

Das Magnificat ist in gebundener Rede formuliert. Es überwiegen kurze Hauptsätze, jedoch wird der Text hauptsächlich von parallelisierten (V. 46b.47) und antithetisch gegenübergestellten (V. 52a.b; 53a.b) Formulierungen geprägt. Sprachgestalt und Wortwahl orientieren sich an alttestamentlichen Vorbildern. Im griechischen Text wird die (im Deutschen unbekannte) Zeitform des Aoristes verwendet. Der Aorist ist eine Zeitform der Vergangenheit. Sie blickt zurück auf ein geschichtliches Ereignis. Beim Magnificat geht es im ersten Teil um die Berufung Marias und die Empfängnis Jesu. Deshalb formuliert die deutsche Übersetzung im Perfekt. Im zweiten Teil wechselt das Deutsche aber ins Präsens, während das Griechische beim Aorist bleibt. Das ist sachlich richtig. Denn der Aorist kann auch besagen, dass Gott so, wie er in der Vergangenheit – hier: in der Geschichte Israels – gehandelt hat, immer handeln wird, weil es seinem Wesen entspricht.

Maria ordnet, was ihr widerfahren ist und die Jesusgeschichte eröffnet, in die Heilsgeschichte Gottes mit Israel ein – als eine, die von Gottes Schauen betroffen ist (V. 48a). Sie hat die Eigenart Gottes erkannt, von dem sie Heil erfahren hat. Sie erkennt und erfährt ihn als "Retter" (V. 47), der sich mit seinem machvollen und rettenden Handeln (V. 51) den Kleinen und Unterdrückten zuwendet (V. 48). Diesen Gott durfte Israel in seiner gesamten Geschichte mit Jahwe erfahren, wie der Verweis auf Abraham betont (V. 55). Weil Gott den Menschen treu bleibt, ist er zu loben. Wie treu er ist und wie sehr er hilft, wird Jesus zeigen.

Der Evangelist reflektiert und deutet daher zum einen das Handeln Gottes an diesen Frauen, welches vom Engel verkündet wurde. Auf diese Weise schafft Lukas eine Brücke zwischen der Verkündigungs- und Geburtserzählung. Das Magnificat lädt ein, sich wie Maria der eigenen Existenz und des Ortes des Menschen vor Gott bewusst zu machen, Gottes rettendes Handeln in der Geschichte Jesu und in der eigenen Biographie wahrzunehmen und in den Lobpreis Gottes einzustimmen.

5. Vorschläge für die Gestaltung einer Bibelarbeit

Im gemeinsamen Singen und Beten zusammen und zu sich finden:

Lied: GL 258 oder GL 261
Gebet: GL 32,2

Gottes Wort hören:

Lk 1,39-56
Eine(r) liest den Text laut vor - deutlich, aber nicht zu langsam. Der Text soll als zusammengehörige Erzählung wahrnehmbar bleiben. Keine(r) liest mit, alle hören zu.

Still werden (5-10 Minuten, ggf. leise Musik im Hintergrund):

Die Teilnehmer sollen in dieser Zeit ihren ersten, spontanen Eindruck von Maria mit wenigen Worten auf Karteikarten formulieren. Nach Abschluß der Stillphase stellt jeder seinen Eindruck vor; die Karten werden an einer Tafel gut sichtbar befestigt.

Gottes Wort wahrnehmen:

Lk 1,46-55
Der Text sollte allen vorliegen.
Eine(r) liest den gesamten Text langsam laut vor.
Reihe um liest dann jede(r) einen Vers vor, der dann in gemeinsamer Diskussion betrachtet wird:

1. Schritt
Beinhaltet der Vers Verständnisfragen?
Ist die Aussage auf Maria bezogen oder auf Gott?
Was will der Vers aussagen über Gott, über Jesus und über Maria?

2. Schritt
Betrachtung des jeweiligen Verses in Lichte der atl. Parallelen
(dies kann kurz anhand der Parallele zum Danklied der Hanna 2 Sam 2,1-11 geschehen, aber auch umfangreicher unter Bezug auf folgende Verse durchgeführt werden):

46b: Meine Seele preist die Größe des Herrn - Ps. 34,4; 69,31
47: und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter - Jes 61,10; Hab 3,18; Hos 13,4; 2Sam 22,2; Ps 18,3; 62,3; 144,2; Weish 16,7; Jes 43,11; 49,26
48a: Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. - 1Sam 1,11; Dtn 26,7
48b: Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. - Mal 3,12
49a: Denn der Mächtige hat großes an mir getan, - Dtn 10,21
49b: und sein Name ist heilig. - Ps 111,9b
50: Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten. - Ps 103,13; Dtn 10,20; Ps 33,8; 86,11; 128,1-6; 47,11
51a: Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: - Ps 89,11; 118,16
51b: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; - Num 10,35; Ps 68,2; 89,11
52: er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. - Sir 10,14; Ijob 5,11; Spr 3,34; Ez 21,31
53: Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und läßt die Reichen leer ausgehen. - 1Sam 2,5; Ez 18,16
54: Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, - Ps 98,2f.; Jes 41,8
55: das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig. - 2Sam 22,51; Mi 7,20; Gen 22,16-18

Wiederholen:

Lk 1,46-55
Eine(r) liest den gesamten Text langsam laut vor.

Zweite Stillphase (ca. 5 Minuten, ggf. leise Musik im Hintergrund):

Den Text nachklingen lassen: Was sagt er mir jetzt Neues?

Ins Gespräch kommen:

Ausgangspunkt können die auf Karten fixierten Gedanken der ersten Phase sein.

  • Haben sich die ersten, spontanen Gedanken bestätigt?
  • Sehe ich den Text nun anders?
  • Welche Worte würde ich nun auf die Karte schreiben?

Weiterführende Überlegungen:

  • Wie ist das Verhältnis Marias zu Gott beschrieben?
  • Wie beschreibt sie sich selbst, wie Gott?
  • Welche Rückschlüsse auf die Mariologie des Lukas sind möglich?
  • Welche Rückschlüsse ziehe ich selber für meine Sicht der Maria?

Abschluß: gemeinsam beten und singen

Gebet: GL 783,8
Lied: GL 596 oder GL 584

6. Weiterführende Literatur

  • Jürgen Becker: Maria. Mutter Jesu und erwählte Jungfrau, Leipzig 2001. (kritische evangelische, aber gut lesbare und fundierte Aufarbeitung des biblischen und frühchristlichen Textmaterials)
  • Franz Courth: Mariologie, Graz -Wien Köln 1981. (aufschlußreiche Textsammlung zur Geschichte der Mariologie aus der Reihe Texte zur Theologie, Dogmatik, Bd. 6)
  • Walter Kirchschläger: Magnificat. I. Exegese, in: Marienlexikon, Bd. IV, St. Ottilien 1992, S. 235 ff.
  • Jürgen Lenssen: Maria zu Ehren. Predigten - Hinführungen - Andachten, Würzburg 1987. (viele Anregungen für die Gestaltung mariologischer Liturgie)

Dr. Marcus Sigismund
Universität Wuppertal
Mai 2004

Katholisches Bibelwerk im Bistum Münster
in Kooperation mit
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