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22.07.2017
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Aus dem kirchensite.de-Archiv
 

Bibelarbeit im April

Begegnung mit dem Auferstandenen

Der Text:
Am ersten Wochentag aber, früh - noch dunkel war es - kommt Maria aus Magdala zum Grab und erblickt den Stein vom Grab weggenommen. Maria aber stand weinend außen am Grab. Wie sie dahinweinte, bückte sie sich ins Grab hinein. Und sie schaut zwei Engel, in Weiß dasitzend - einen beim Kopf und einen zu Füßen, wo der Leib Jesu gelegen. Und sie sagen zu ihr: Frau, was weinst du?
Sagt sie zu ihnen: Meinen Herrn haben sie weggeholt, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben.
Sie sprach das und wandte sich zurück - da schaut sie: Jesus steht da. Sie wusste aber nicht, dass es Jesus war.
Sagt Jesus zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du? Da sie wähnt, es sei der Gärtner, sagt sie zu ihm:
Herr, wenn du ihn weggetragen hast, sprich zu mir, wo du ihn hingelegt hast, damit ich selber ihn weghole.
Sagt Jesus zu ihr: Maria! Die wendet sich um und sagt hebräisch zu ihm: Rabbuni! Das heißt: Lehrer!
Sagt Jesus zu ihr: Halte mich nicht fest! Denn noch bin ich nicht zum Vater aufgestiegen. Doch geh zu meinen Brüdern und sprich zu ihnen: Ich steige auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meine Gott und zu eurem Gott.

Maria aus Magdala geht und kündet den Jüngern an: Ich habe den Herrn gesehen! Und das habe er zu ihr gesprochen.

(Joh 20,11-18 - Übersetzung nach Friedolin Stier)

Bibelarbeit April 2004

Georg Meistermann: Jesus ist von den Toten auferweckt. 15. Station des Kreuzwegs, Ahaus St. Mariä Himmelfahrt, 1987. - Aus: W. Thissen, D. Lammerding - Licht und Kraft - Auferstehungsglaube. dialogverlag Münster 2002.

 

Nicht dass es so, aber dass es gewesen sei ...
Neutestamentliche Erscheinungserzählungen machen, nicht zuletzt durch ihre Vielzahl und Verschiedenheit deutlich, dass sie nicht als nackte Tastsachenbericht, sondern als Glaubenszeugnisse gelesen werden wollen. Sie sagen und sie malen aus, was sie immer schon voraussetzen. Sie illustrieren, was auch in den Verkündigungs- und Bekenntnisformeln der paulinischen Briefe gesagt, aber nicht greifbar wird: ER ist auferstanden. Die österlichen Widerfahrnisse sind das Ereignis, das - nach dem Zeugnis der Evangelien - dafür sorgt, dass die Jünger nach Hoffnungslosigkeit, gründlicher Verzagtheit und wider alle Offensichtlichkeit plötzlich lauthals verkünden, ihre auf die Jesus gesetzten Hoffnungen seien keineswegs gescheitert. Dieses Ereignis, das dafür sorgt, dass sie von seiner bleibenden Gegenwart erzählen, und dass es für die Menschheit schlechthin von Bedeutung sei, all das liegt hinter einem vielfachen Ringen um Worte wie hinter einem Schleier.

Ein Ringen um Worte
Die Evangelien gehen zurückhaltend mit dem schwer Verständlichen und auch kaum verständlich zu Machenden um. Was, wie auch bei Paulus (man lese Phil 3,7 in seiner drastischen Ausdrucksweise) zu einer radikalen Verhaltensänderung führt, ist in den Erzählungen der Evangelien Geschehnis, ist zaghafter Wandel.
So wie in unserem Beispiel. Das Nacheinander verschiedener Begegnungen mit dem Auferstandenen liest sich wie mehrere Anläufe, dem Leser das eine zu sagen: Jesus ist auferstanden. Und noch die alles verändernde Begegnung ist voll der Zweifel, des Nicht-Glauben-Könnens und des Nicht-Wiedererkennens, ihre Schilderung voll der Mehrdeutigkeiten. Die Zeichen der Auferstehung sind, wie sich zeigen wird, immer auch anders deutbar. Trotz der Botschaft der Maria sitzen die Jünger am Abend desselben Tages verängstigt hinter verschlossenen Türen. Letztlich geht es immer um den Leser. Der Leser sollte das nicht vergessen.

Jedem nach seiner Fasson ...
Bei alledem macht jede der Evangeliengestalten eine auf sie zugeschnittene Ostererfahrung: Die Emmaus-Jünger, die schon auf dem Rückweg sind, fort aus Jerusalem, dem Ort - scheinbar - enttäuschter Hoffnung, erfahren den Auferstandenen als einen, der ein Stück dieses (Rück-)Weges mitgeht und sie eben dadurch zur erneuten Umkehr bewegt (Lk 22,13-35). Thomas darf "anfassen" (Joh 20,24-29), Maria Magdalena, von der unmittelbar zuvor die Rede ist, darf es nicht.

Und immer auch Literatur ...
Auferstehungsberichte sind literarische Texte. Manches erschließt sich, wenn man sie, unabhängig von der Frage, wann sie entstanden und wer an ihnen schrieb, im Zusammenhang der Evangelien als literarische liest. Die Verwendung literarischer Mittel entspricht ihrem Gegenstand, weil sie behaupten, von etwas zu erzählen, von dem überhaupt nur andeutend erzählt und von dem niemals einfach nur "berichtet" werden kann. Dem Leser sagen sie die Botschaft von der Auferstehung auf zweifache Weise zu: Aus dem Munde der Maria von Magdala hört er, was diese den Jüngern sagt und was der Auferstandene ihr. Der Erzähler sagt es ihm durch die Anlage der gesamten Erzählung, durch die Art, wie er erzählt, auf die er gleich auch kommentiert. Durch die Augen und Ohren der Maria sieht und hört und weiß er mehr als sie. Wie er sieht und hört, sagt sich ihm mit den Worten des Autors.
Mithineingenommen in die Erzählung erfährt der Leser Auferstehung selbst. Und doch bleibt seine Situation ironisch gebrochen: Denn er weiß ja schon ...

Verdichtetes Leben
Die anderen Evangelien sprechen von der Absicht der Frauen, den Leichnam zu salben. Bei Johannes geht Maria aus ganz persönlichem Antrieb zum Grab. Vor Anbruch des Tages kommt sie dort an. Literarisches kreuzt sich mit Realität. Die Dunkelheit ist Zeichen der ganz persönlichen Verfasstheit der Maria. Im großen theologischen Spiel von Licht und Finsternis steht sie im Kontext von Stellen wie Joh 8,12; 9,4; 11,9f; 12,34f.46. Im Zwielicht des anbrechenden Morgens kündigt das Licht sich an, ohne dass Maria davon etwas zu ahnen scheint (1,5; 8,12). Der Leser aber mag sich erinnern. Gekreuzigte werden nur in Ausnahmefällen auf die übliche Weise bestattet. Öffentliches Zur-Schau-Stellen von Trauer ist gefährlich. Man liest es bei Tacitus:

Weder Verwandten noch Freunden war es vergönnt, heranzutreten, sie zu beweinen, ja nicht einmal, sie länger zu betrachten. Wachen waren ringsherum aufgestellt, die aufmerksam darauf achteten, ob irgendjemand irgendwelche Zeichen von Trauer verrate.

(Tacitus, Annalen)

Also kommt sie im Dunkeln – was das Gefahrvolle ihres Handelns gleich noch einmal unterstreicht. In dieser Hinsicht ist die Trauer Marias öffentlicher Ausdruck der Solidarität mit dem Gekreuzigten und auch in diesem Sinne Akt der Nachfolge.

Verlust
Maria, eingeschlossen in ihrer Trauer. Was sie sieht, benennt sie nach Vertrautem. Sie sieht nichts, was zu Erwartendes sprengt. Die Anwesenheit der Engel im leeren Grab scheint Marias Aufmerksamkeit zu entgehen, als sie schon mit ihnen spricht. Und so ist das leere Grab nicht Vorbote der Hoffnung, sondern Anlass abermals gesteigerter Trauer. Zum Kopfende und zu Füßen sitzend, vermessen die Gottesboten eine durch das Verschwinden selbst noch des Leichnams entstandene Leere. Sind selbst noch Zeichen seiner Abwesenheit. Der Leser muss sich wundern. So sehr er ihn die Szene durch die Augen der Maria von Magdala betrachten lässt, erzählt der Autor doch mit einem Augenzwinkern. Der Leser nämlich weiß, was er in einer Erzählung wie dieser von Engeln zu halten hat.

Maria von Magdala gibt ihnen die vor dem Hintergrund des Gewohnten wohl näherliegende Antwort. "Meinen Herrn haben sie weggeholt." Das ist er auch noch als Toter und diesen Verlust – den Verlust des Leichnams – überschattet noch die Anwesenheit der Gottesboten. Maria wendet sich ab vom Grab. Und der Akt der Resignation erweist sich als Schritt in die richtige Richtung. Der sie im Garten anspricht, den hält sie für den Gärtner. Vom Auferstandenen, dessen Leichnam sie wiederholen möchte, obwohl er als Lebender vor ihr steht, erbittet sie einen Hinweis, wohin er den Toten weggetragen und wo er ihn hingelegt habe.

Begegnung
Sie erkennt ihn, als er sie beim Namen nennt. Indem er sie beim Namen nennt, gibt er sich zu erkennen. Maria von Magdala erkennt ihr Gegenüber erst, als sie persönlich angesprochen und von persönlicher Ansprache betroffen ist. "Maria" – "Rabbuni".
Diese Redeweise ist in biblischem und rabbinischem Schrifttum sonst nur in Mk 10,51 bezeugt. Sie ist umgangssprachlich. Der jüdische Bibelwissenschaftler BenChorin möchte "Rabbuni" mit "mein lieber Rabbi", lieber noch (jiddisch) mit "mein Rebbele" übersetzt wissen, "mein kleiner, mein lieber Rabbiner". Vertrautes und wenig Spektakuläres. Kein Gehen durch verschlossene Türen, wie noch im selben Evangelium in der darauf folgenden Textstelle.
Maria erkennt nicht, weil sie sieht, sondern weil sie hört. Und wieder spiegelt sich in der Situation der Maria die Situation des Lesers, der "hört" und liest, der sich angesprochen fühlt und eingeladen ist, sich angesprochen zu fühlen, für den es aber nichts mehr zu "sehen" gibt.

Hinwendung
Und Maria, heißt es, wendet sich um. Sie tut es zum zweiten mal. Kaum verständlich scheint dieser Satz. Stand sie ihrem Gesprächspartner doch schon zugewandt, nachdem sie sich vom Grab weggewandt hatte. Vergaß der Autor, was er da schrieb? Eine Wendung weg vom Grab und eine hin zu dem, dessen Leichnam sie suchte, nachdem sie ihn als den Auferstandenen erkennt. Eine Wendung. Zwei Wendungen. Dem sie bereits zugewandt war, wendet sie sich zu, als sie ihren Namen sprechen hört – und ihn erkennt. Nicht mehr nur der, dem sie sich zuwendet, als sie sich abwendet vom Grab.

Nähe
Zunächst ist Nähe. Sie steigert sich bis zu der Stelle, wo der Dialog am kürzesten ist und die Redeteile nur noch in der Anrede des jeweils anderen bestehen: "Maria" – "Rabbuni". Der Leser ist eingeladen, diese Nähe der Maria und des Menschen Jesus von Nazareth, um den sie trauert und dessen Leichnam sie sucht, durchaus ernst zu nehmen. Ernstnehmen der Menschwerdung – des Mensch-Seins. Und Erahnen der Intensitäten, die sich berühren. Die Kunst hat sich wenig schwer damit getan, ein erotisches Moment in den Text hineinzulesen. Zum Fest der Maria aus Magdala ist als Lesung Hld 3,1–4a vorgesehen.

3,1 Auf meinem Lager habe ich in den Nächten nach dem verlangt (gesucht)
den ich leidenschaftlich liebe.
ich habe ihn gesucht und hab ihn nicht gefunden.
2 Ich will aufstehen und durch die Stadt patrouillieren,
durch die Gassen und über die Plätze.
Ich will den suchen, den ich leidenschaftlich liebe.
Ich habe den gesucht und hab ihn nicht gefunden.
3 Gefunden haben mich die Wächter,
die durch die Stadt patrouillieren.
Ihn, den ich leidenschaftlich liebe, habt ihr ihn gesehen?
4 Nur kurz war ich vor ihnen weg und weiter,
da hab ich den gefunden, den ich leidenschaftlich liebe.
Ich verhafte ihn, lass ihn nicht mehr los
Bis ich ihn zum Hause meiner Mutter gebracht,
in die Kammer derer, die mit mir schwanger geworden ist.
Das tridentinische Missale hatte gar Hld 3,2–5; 8,6–7.
5 Ich beschwöre euch, ihr Töchter Jerusalems,
bei den Gazellen oder (gar) den Hinden der Wildnis:
Weckt sie nicht, stört sie nicht, die Liebe, bis es ihr gefällt.
8,6 Mache mich zum Siegel auf deinem Herzen,
zum Siegel an deine Arm,
denn so stark wie der Tod (ist meine) Liebe,
so unerbittlich wie die Unterwelt (ist meine) Leidenschaft.
Ihre Pfeile (sind) Brandpfeile,
flammende Blitze.
7 Gewaltige Wasser können die Liebe nicht löschen
Und Ströme sie nicht überfluten.
Wenn jemand seine ganze Habe für die Liebe gäbe,
man würde ihn bloß verachten.

(Übersetzung nach Othmar Keel)

Suchen und Finden. Festhalten wollen und ins Vertraute zurücknehmen. Die Nähe der Todeserfahrung in ihrer Unbedingtheit. Die Botschaft entspringt vertrauter Begegnung und kommt nicht geradewegs vom Himmel.

Gebrochene Nähe
Dann jedoch weicht Jesus zurück: "Rühr mich nicht an". In der Vieldeutigkeit dieses "Rühr mich nicht an" (Elberfelder Bibel/Lutherübersetzung) oder "Halte mich nicht fest" (Einheitsübersetzung/Stier) – wie immer man es übersetzt, ist es schon gedeutet. Unterstrichen wird das Nicht-Festhalten wie das Nicht-zu-Fassen-Bekommen-Können. Bei aller Vertrautheit, deren In-Erinnerung-Rufen das Wiedererkennen erst ermöglicht hat, ist ihre Fortsetzung nicht möglich und das Fortfahren in vertrauten Bahnen findet hier seine Grenze. Was der Frau in altvertrautem Rahmen begegnete, sprengt diesen auch bereits. In 1Kor 7,1 steht das hier verwendete griechische Verb übrigens gar für die sexuelle Beziehung von Mann und Frau.

Zwischenwelten
Es folgt eine Begründung: "Ich bin noch nicht aufgestiegen zum Vater." In der Begegnung mit Maria ist – gesprochen in der Bildwelt des Evangeliums – die entscheidende Wende (Joh 16,28) noch nicht geschehen. Jesus hat die "Welt" noch nicht verlassen. Der irdische Mensch verlässt die Welt. Rückkehr zum Vater bedeutet jedoch nicht das Ende der Menschwerdung Gottes. Der Mensch Jesus wirkt weiter im Wirken der Jünger. Dabei ist der Auferstandene, davon ist der Text überzeugt, mehr als eine Projektion seiner Anhänger. Dass er derselbe ist und doch nicht derselbe ist, dass er es ist, der gegen die innere Disposition der Maria tatsächlich selbst die Initiative ergreift, das sagt all diese Rede vom Nicht-Erkennen und Wieder-Erkennen. Die Begegnung findet statt im Dazwischen. Diesseits des Jenseits. Und doch ist sie schon ein Stück Jenseits im Diesseits. Vertrautes und Verständliches und nicht mehr Verständliches stehen dicht beieinander. Überhaupt scheint der Text in all seinem Ringen um Worte weit eher geneigt, zu formulieren, was der Auferstandene – wider allen Schein – nicht ist, als was er ist. Diese Offenheit mag Mut machen, mit dem Ostergeheimnis umzugehen.

 

Bibelarbeit April

Der Maler Arnulf Rainer schafft in einer seiner für eine 1998 im Pattloch-Verlag erschienenen Bibelausgabe Übermalungen. Er greift ältere Traditionen, bekannter wie unbekannter, aber populärer Art, auf und führt sie in seinen Übermalungen auf schöpferische wie aneignende Weise fort. Für die vorliegende "Begegnung des Auferstandenen mit Maria von Magdala" wählt er eine Darstellung, die auf einem Teil eines Flügelaltares um 1460 erhalten geblieben ist. Der ursprüngliche Künstler ist unbekannt.

Weitergehen
Während bei Thomas die Erlaubnis zur Berührung dem Glauben vorausgeht und zum Glauben führt, ist der Wunsch nach Berührung der Maria von Magdala Resultat ihres Glaubens und Wiedererkennens. Was dem Erkennen dient, darf die Konsequenz aus dem Erkennen nicht sein. In dieser Hinsicht stehen diese beiden Erzählungen durchaus nicht in einem Widerspruch. Den Auferstandenen in vertrauter Geste zu umfassen, hieße, aufzuhalten – ihn und sich selbst. Erfahrungen wie diese sind flüchtig. In die Größe einer solchen Erfahrung lässt sich nicht einnisten. Zur Konsequenz hat sie die Hinwendung zum anderen. Die Begegnung Marias ist nicht Selbstzweck und dient nicht ihrer Zusammenkunft mit dem Lehrer. Sie macht sie zur Botin und Verkünderin. Zur apostola apostolorum. In ihrer literarischen Gestalt vollzieht die Geschichte diese Konsequenz der Hinwendung zum anderen in ihrer Hinwendung zum Leser, – die ihr die Notwendigkeit literarischer Gestaltung überhaupt erst gibt.

Es ist euch nützlich, dass ich weggehe...
Möglich ist diese Art verkündender Hinwendung zum anderen erst, wo von der persönlichen Nähe in der Begegnung mit dem Auferstandenen erst einmal Abschied genommen wird. Der Leser mag sich zurückerinnern an Joh 16,7, wo es hieß: "Doch ich sage euch die Wahrheit: Es ist euch nützlich, dass ich weggehe, denn wenn ich nicht weggehe, wird der Beistand nicht zu euch kommen; wenn ich aber hingehe, werde ich ihn zu euch senden." Nach Auferstehungserfahrungen muss weitergegangen werden. Greifbar werden sie erst in ihren Folgen. Eine solch greifbare Folge ist der Text von Joh 20,11–18. Ostern ist Wiedererkennen auf den zweiten Blick, der aber immer schon den erneuten Abschied in sich birgt. Ostern heißt, dass das Leben in veränderter Weise weitergeht, wie es hier und jetzt nur zu erahnen, nur hinter einem Schleier von Worten zu formulieren, aber keinesfalls festzuhalten ist.


Vorschläge zum Umgang mit dem Text

Das Evangelium als Drama – Beziehungsbilder
Das Johannesevangelium kann als Lesedrama verstanden und gelesen werden. Auch die vorliegende Szene lässt sich mit verteilten Rollen gut lesen. Begegnung, Nähe und Distanz kommen im Rollenspiel zum Ausdruck.

Einen anderen Weg wählt der Maler Arnulf Rainer in einer seiner für eine 1998 im Pattloch-Verlag erschienenen Bibelausgabe entstandenen Illustrationen. Arnulf Rainer schafft Übermalungen. Der Maler greift ältere Traditionen, bekannter wie unbekannter, aber populärer Art, auf und führt sie in seinen Übermalungen auf schöpferische wie aneignende Weise fort. Für die vorliegende "Begegnung des Auferstandenen mit Maria von Magdala" wählt er eine Darstellung, die auf einem Teil eines Flügelaltares um 1460 erhalten geblieben ist. Der ursprüngliche Künstler ist unbekannt.

Schwarze Strichbündel trennen die auf die Knie gesunkene Maria von Magdala und den vor ihr stehenden Auferstandenen. Die im Original angedeutete Bezüglichkeit ist durchbrochen. Über Maria und Jesus zeichnet sich in den roten Markierungen, die die Linie der schwarzen Markierungen nach oben fortsetzt, eine Flamme ab, die die Geistsendung schon in diese Szene hineinzunehmen scheint.

  • Den Text lesen – jeder für sich

    Stille

  • Den Text ein zweites mal lesen

  • Impulsfragen
    - Warum kommt Maria von Magdala zum Grab?
    - Was lassen Szenerie und Tageszeit über die Gemütsverfassung der Maria vermuten? In welcher Stimmung steht Maria vor dem Grab?
    - Nehmen Sie Joh 8,12; 9,4; 11,9f; 12,34f.46; 1,5; 8,12 zu Hilfe. 
    - Was sagen diese Stellen in Anbetracht dessen, was der Leser schon weiß? (Dass nämlich Jesus als der Christus von den Toten auferstanden sei.)
    - Wie bindet der Autor beides zusammen?

  • 20,14–18 mit verteilten Rollen lesen
    - Beschreiben Sie die Dynamik des Textes. Wo ist der Wendepunkt?
    - Was geschieht zwischen Maria und Jesus? Was sagt der Text? Was sagt der Text nicht? Wo muss die Phantasie des Lesers "helfend" einschreiten?

  • Abgesehen von einer summarischen Notiz in Lk 8,2, spielt Maria aus Magdala ausschließlich in den Passions- und Auferstehungserzählungen eine, dort aber eine bedeutende Rolle. Die Liturgie bringt die Erinnerung an diese Gestalt mit dem Hohelied in einen Zusammenhang. Lesen Sie Hld 3,1–4a (wie im entsprechenden Lesungstext) oder Hld 3,1–5 (so bildet der Text einen ursprünglichen in sich geschlossenen Textzusammenhang).
    - Unter welchen Stichworten lassen sich Verbindungslinien ziehen?

    Hinweis: Es geht nicht um die – müßige – Rekonstruktion einer historischen Beziehung. Lesen Sie den Hld-Text – selbst ein ausgesprochen literarischer Text – als Hintergrundfolie oder Illustration.

  • Den Dialogteil (20,14–18) ein weiteres mal –  mit verteilten Rollen oder in der Stille – lesen.
    - Wie endet eine unverhoffte Begegnung?
    - "Halte mich nicht fest" / "Rühr mich nicht an" – Welche Aspekte schwingen mit? Welche Bedeutung hat dieser Satz für den Dialog/ für die Szene?
    - Was hat sich – am Ende – verändert?

  • Das Bild Arnulf Rainers auf Folie ziehen und an die Wand projizieren, in einer kleineren Gruppe wahlweise in die Mitte legen
    - In welcher Beziehung stehen die Abgebildeten in den Augen des Malers zueinander?
    - Welchen Moment bringt Arnulf Rainer zum Ausdruck?
    - Was kommt nun? Wie geht es weiter?

  • Joh 20,11–18 will kein Tatsachenbericht sein. Mit literarischen und künstlerischen Mitteln bringen der oder die Autoren des Textes sein/ ihr "Wissen" um das Geheimnis der Auferstehung zum Ausdruck. Der Adressat der Auferstehungsbotschaft, wie sie der Text wiedergibt, ist nicht Maria aus Magdala, sondern der Leser.
    - Wie stehe ich den Figuren des Textes gegenüber?
    - Wie stehe ich dem im Text geschilderten Geschehen gegenüber?
    - Was ist "Auferstehung"?

  • Abschließendes Lied (z.B. GL 220)


Am Grab, Wilhelm Bruners

Mein Schmerz

Nirgendwo sicherer
als am Grab

Und darüber nachdenken
was hätte sein können

Im Rückblick
der Gärtner und
die Erinnerung an
die Zeit des Gesangs
unsterblich verliebter

Blumen

(aus: Wilhelm Bruners, Verabschiede die Nacht.
Gedichte – Erzählungen – Meditationen – Biblisches)


Literatur
- Ludger Schenke, Johanneskommentar, Düsseldorf 1998.
- Ders., Das Johannesevangelium, Suttgart 1992.
- Bultmann, Rudolf, Das Evangelium des Johannes, Göttingen 1985.
- Schalom Ben-Chorin, Bibelarbeit: Johannes 20,11–19. Jüdische Gedanken zur Auferstehung, in: Verena Lenzen (Hg.), Schalom Ben-Chorin. Theologia Judaica. Gesammelte Aufsätze. Bd. 2, 212–218.
- Alex Stock, Poetische Dogmatik. Christologie. Bd.3: Leib und Leben, Paderborn u.a. 1998.
- Othmar Keel, Das Hohelied (Zürcher Bibelkommentare AT 18), Zürich 1986.


Dipl. theol. Johanna Erzberger, April 2004
Katholisches Bibelwerk im Bistum Münster
in Kooperation mit
kirchensite – online mit dem Bistum Münster (www.kirchensite.de)


Bibelarbeit im April zum Download …

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