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25.06.2016
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Dokumentiert:

Erster Bischofsbrief zur Gemeindekooperation

Bistum. Am 14. Juni 1999 hat Bischof Dr. Reinhard Lettmann in einem Brief an die seinerzeit 689 Gemeinden der Diözese Münster Gläubige, Gremien und Seelsorger und Seelsorgerinnen dazu aufgefordert, sich an Überlegungen zu einer neuen Gestaltung der Seelsorgestrukturen zu beteiligen. In seinem Schreiben verweist er auf die Notwendigkeit einer anderen Organisation der Arbeit in den Gemeinden und Einrichtungen. "kirchensite" dokumentiert diesen Bischofsbrief:

- I -

Wir alle spüren, wie sich auch in unserem Bistum das kirchliche Leben ändert. Wir dürfen dankbar sein, dass viele Christen ihre Verantwortung für das Evangelium in vielfältiger Gestalt wahrnehmen. Wir dürfen uns freuen, dass es bei uns ein reiches kirchliches Leben mit lebendigen Traditionen und guten Aufbrüchen gibt. Es gibt allerdings auch Entwicklungen, die Sorgen machen:

In vielen Gemeinden ist nicht nur ein zahlenmäßiger Rückgang, sondern auch eine Überalterung der Gottesdienstbesucher zu beobachten. Nicht jede Gemeinde findet genügend Frauen und Männer, um Kinder und Jugendliche auf den Empfang der Sakramente vorzubereiten. Andere Gemeinden fragen besorgt, ob sie in Zukunft einen Pastor bekommen werden. Und nicht zuletzt zwingen die geringer werdenden Einnahmen aus der Kirchensteuer zu schmerzhaften Sparmaßnahmen.

Angesichts dieser Entwicklungen stellt sich die Frage: Wie kann es weitergehen? Was können wir tun, um in dieser Situation unserer Verantwortung für das Evangelium gerecht zu werden? Was ist wesentlich und unaufgebbar?

- II -

Wesentlich und unaufgebbar ist der Glaube an Gottes Treue. In der Sendung seines Sohnes hat Gott seine Treue bewiesen. Jesus Christus ist nicht als Ja und Nein zugleich gekommen; in ihm ist das Ja verwirklicht. Er ist das Ja zu allem, was Gott verheißen hat (2 Kor 1, 19f). Dieser Glaube lässt uns sagen: Wir sind mit einer Hoffnung unterwegs. Wir dürfen gewiss sein, dass uns nichts von der Liebe Gottes in Christus Jesus scheiden kann, weder Gegenwärtiges noch irgendeine Macht der Zukunft (vgl. Röm 8,38f). Mit all unseren Überlegungen über die zukünftige Gestalt der Seelsorge in unserem Bistum bauen wir auf Sand, wenn dieses Vertrauen nicht das Fundament ist. Vor diesem Hintergrund möchte ich in fünf Punkten zeigen, was für unser Bistum angesichts aller Veränderungen wesentlich bleibt.

  1. Wesentlich ist, dass das Evangelium von der Treue Gottes verkündet und gelebt wird, dass sich Menschen unter dem Evangelium versammeln, um Gott zu danken, sich seinem Wort zu öffnen und seine Gemeinschaft anzunehmen, die er in den Sakramenten schenkt. Wir alle, die wir heute in der Kirche leben, tragen Verantwortung dafür, dass das Evangelium auch im dritten Jahrtausend nach Christi Geburt die Menschen erreicht und das Gotteslob in unseren Gemeinden nicht verstummt.

  2. Wesentlich ist der missionarische Auftrag der Christen. Dazu gehört es, Kinder und Jugendliche in den Geist des Evangeliums einzuführen. Dazu gehört es aber auch, sich der größer werdenden Zahl von nicht getauften Erwachsenen zu öffnen, die den Kontakt zur Kirche suchen. Nicht zuletzt verpflichtet uns der Auftrag Jesu, das Evangelium allen Völkern zu verkünden. Nicht in jeder Gemeinde finden sich für diese Aufgaben genügend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Daher ist es notwendig, dass benachbarte Gemeinden bei diesen Aufgaben zusammenarbeiten.

  3. Unaufgebbar ist der Auftrag Jesu, das Evangelium zu den Armen zu bringen. Diese Verantwortung nimmt Gestalt an in der Sorge für arme, kranke, einsame, verlassene, vernachlässigte und behinderte Menschen. Wir dürfen dankbar sein, dass es in vielen Gemeinden eine lebendige Caritasarbeit und eine gute Kooperation mit den Fachstellen der Caritas gibt. Es zeigt sich aber auch, dass es zunehmend schwieriger wird, Ehrenamtliche für die Gemeindecaritas zu gewinnen. Auch dies ist ein Grund, dass benachbarte Gemeinden zusammenarbeiten.

  4. Unverzichtbar ist unsere gesellschaftliche Verantwortung. Um des Evangeliums und der Menschen willen dürfen wir die Gestaltung des menschlichen Zusammenlebens in Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Kultur nicht aus dem Auge verlieren. Hier wird deutlich, welche Bedeutung unsere Schulen und Weiterbildungseinrichtungen auch in Zukunft haben werden. Die Frage, wie es in unserem Bistum weitergeht, darf nicht einseitig auf Kosten dieser Einrichtungen gelöst werden.

  5. Bei all diesen Überlegungen spielt das Verhältnis der einzelnen Gemeinden zum Bistum und zur Weltkirche eine wesentliche Rolle. So habe ich als Bischof dafür Sorge zu tragen, dass das Evangelium die Menschen dort erreicht, wo sie leben. So sollte es auch in Zukunft möglich sein, dass alle, die es wollen, in der Regel in ihrer Gemeinde die sonntägliche Eucharistie feiern, wenn auch nicht immer zu den bisher gewohnten Zeiten. Nicht möglich ist es mir, Sonderwege zuzulassen, die von der Gemeinschaft der Bischöfe und vom Heiligen Vater nicht mitgetragen werden.

- III -

Wie können wir in unserem Bistum der Verantwortung für das Evangelium gerecht werden? Wie kann es angesichts der Änderungen im gesellschaftlichen und kirchlichen Leben weitergehen?

  1. An mehr Kooperation führt kein Weg vorbei nicht nur in den Gemeinden, sondern über die Gemeindegrenzen hinaus. Der Gedanke der Kooperation nimmt das Wort des Apostels Paulus ernst, dass die Kirche und die Gemeinden in ihr "Gemeinschaft im Einsatz für das Evangelium" (Phil 1,35) sind.


    Meine vorangehenden Überlegungen haben bereits deutlich gemacht, wie wichtig es schon jetzt für viele Gemeinden ist, in der Sakramentenvorbereitung, in der Jugendarbeit, bei der Caritas und auf anderen Feldern zusammenzuarbeiten.


    Eine gute Kooperation kann entlasten und die Kräfte bündeln; sie kann zu einem besseren Miteinander der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Seelsorge führen. Nur im Geist einer guten Kooperation läßt sich die schwierige Frage lösen, wie wir die knapper werdenden Einnahmen aus der Kirchensteuer einsetzen sollen, ob es zum Beispiel in jedem Fall sinnvoll ist, alle kirchlichen Gebäude in unseren Gemeinden zu unterhalten.

  2. Dem Diözesanforum verdanken wir wertvolle Anregungen zur Verwirklichung der Kooperation. Das Forum favorisiert das Modell der Pfarreiengemeinschaft: Pfarreien, die weiterhin selbständig bleiben, entschließen sich zu verbindlichen Formen der Zusammenarbeit.


    Ein anderes Modell der Kooperation könnte die "Seelsorgeeinheit" sein: Ein Team von hauptamtlich in der Seelsorge tätigen Personen ist für eine Einheit von mehreren Gemeinden zuständig.


    Darüber hinaus sollten wir keine Angst haben, an die Zusammenlegung von Gemeinden zu denken. Manche Gemeinden sind sehr klein geworden und fühlen sich allein überfordert, vor Ort der Verantwortung für das Evangelium gerecht zu werden. Ich weiß, wie schmerzlich es sein kann, sich von Dingen zu trennen, in die viel Liebe, aber auch Arbeitszeit und finanzielle Mittel investiert wurden. Ich kenne aber auch die Sorge jener, die fragen, wie es angesichts der kleinen Zahlen in Zukunft weitergehen könne.

  3. Ich möchte nicht ausschließen, dass es andere Modelle der Kooperation gibt, die besser geeignet sind, der jeweiligen Situation gerecht zu werden. Zunächst kommt es jedoch darauf an, in den Gremien der Gemeinden und des Dekanats Überlegungen zur Situation vor Ort anzustellen und nach Wegen zu suchen, die gemeinsame Verantwortung für das Evangelium in der Zukunft wahrnehmen zu können. In vielen Gemeinden wird es dabei unumgänglich sein, über den Horizont der eigenen Pfarrei hinauszuschauen.

- IV -

Liebe Schwestern und Brüder! Ich lade Sie und die Gremien aller Gemeinden und Dekanate ein, sich im Vertrauen auf die Treue Gottes diesen Aufgaben zu stellen. Dabei ist es wichtig, die Augen zu öffnen für das viele Gute, das unter uns gewirkt wird und auf dem wir aufbauen dürfen.

Ich danke jenen Gemeinden und Dekanaten, die bereits in der Vergangenheit Wege der Kooperation gesucht und praktiziert haben. Ich danke dem Diözesanrat für seine Bereitschaft, die Gemeinden auf diesem Weg mit seinen Anregungen zu begleiten. Ich bin mir bewusst, wie viel Bereitschaft zum Umdenken und wie viel Geduld auf diesem Weg notwendig sind, und ich möchte betonen, dass es zu gegebener Zeit nötig sein wird, Entscheidungen zu treffen, wenn wir uns nicht endlos verzetteln wollen.

Lasst uns miteinander um Gottes Geist für unsere Bemühungen beten und ihn vor allem bitten, dass er in unseren Gemeinden ein gutes und aufbauendes Klima bewirke. Ein solches Klima ermutigt, sich in Gemeinschaft für das Evangelium einzusetzen.

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