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27.03.2017
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Aus dem kirchensite.de-Archiv
Detail aus dem Johannes-Altar des St.-Paulus-Domes in Münster:Johannes der Täufer (l.) weist aufChristus, das Lamm Gottes hin.

Bibelarbeit im Advent

"Bist du es, der da kommen soll?"

Die Frage des Täufers Johannes (Mt 11,2-6)

Im Gefängnis hörte Johannes von den Taten des Messias. Er schickte seine Jünger 3und fragte ihn: "Bist du es, der da kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?" Und es antwortete Jesus und sagte ihnen: "Geht, verkündet dem Johannes, was ihr hört und seht! Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören und Tote stehen auf und den Armen wird das Evangelium verkündet, und selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt."

1. Einordnung

Der Abschnitt Mt 11,2-6 hat eine Parallele im Lukasevangelium (Lk 7,18-18). Er geht auf eine frühe Überlieferung ("Logienquelle") zurück, deren Heimat Palästina ist. Vermutlich bewahrt sie geschichtliche Erinnerung auf. Sie wird allerdings nicht einfach im "Originalton" dokumentiert, sondern in stilisierter Form. Diese Form ist der Bedeutung angemessen, die der Szene im Nachhinein zuerkannt worden ist: Welche Fragen Jesus auslöst und welche Hoffnungen er weckt, wird kaum einmal sonst so klar wie hier.

Bei Matthäus findet sich das Stück an einer Stelle, da der Evangelist nach der Bergpredigt und den ersten Wundern Jesu verschiedene Eindrücke sammelt, die Menschen in Israel von Jesus gewonnen haben. Kein Eindruck ist so wichtig wie der des Johannes. Denn der Täufer ist so etwas wie der "Lehrer" Jesu gewesen; er hat Jesus im Jordan getauft; er hat auf den "Stärkeren" hingewiesen, der "nach" ihm "kommen" soll und dem "die Schuhriemen zu lösen", er nicht "würdig" sei (Mt 3,11 mit der Parallele Mk 1,7). Nach christlicher Lesart kündigt Johannes den Messias, den Christus an, den Retter Israels. Das ganze Neue Testament sieht ihn als den Vorläufer Jesus. Viele glauben, er sei der neue Elija, der, wie es beim Propheten Maleachi zum Schluss des Alten Testaments in patriarchalischer Redeweise heißt, "das Herz der Väter wieder ihren Söhnen und das Herz der Söhne wieder ihren Väter zuwenden wird" (Mal 3,24): die Lösung des Generationenkonfliktes als Friedenshoffnung für Israel.

Aber die Überlieferung der Logienquelle hält auch fest, dass Johannes keineswegs von vornherein sicher war, dass Jesus der Messias sei. Nach dem Johannesevangelium muss er bekennen: "Auch ich erkannte ihn nicht" (Joh 1,31). Auch der Täufer, selbst er, weiß nicht von sich aus, dass Jesus der Messias ist; es muss ihm offenbart werden.

Johannes spielt im Neuen Testament eine wichtige Rolle als Prophet: "Unter allen von einer Frau Geborenen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer" (Mt 11,11). Denn Johannes, so sind die Christen überzeugt, ist als Vorbote des Messias gesandt worden. Groß ist er aber nicht nur als Prophet, sondern auch als Fragender. Er stellt – stellvertretend für das ganze Volk Israel – die entscheidende Frage nach der messianischen Identität Jesu. Für das Neue Testament ist wichtig, dass nicht nur die richtigen Antworten gegeben, sondern auch die wichtigen Fragen gestellt werden. Die Frage des Johannes hat an Aktualität nichts eingebüßt. Er sitzt im Gefängnis, weil er den König Herodes Antipas – Jesus hält ihn für einen "Fuchs" (Lk 13,32), einen gerissenen, skrupellosen Politiker, den er während seiner Passion keiner Antwort würdigt (Lk 23,6-12) – ob seines Sexualverhaltens angegriffen hat (Mk 6,17-29 parr.). Aus dem Gefängnis blickt er in die Zukunft – hin zu Jesus.

2. Auslegung

Die Frage nach dem Messias ist die Frage vieler Frommer in Israel zur Zeit Jesu. Zwar gab es starke Gruppen, die – an der Spitze die Jerusalemer Priester, die Sadduzäer – sie nicht hören wollten. Aber die einfachen Leute in Judäa und Galiläa wollen von der Hoffnung nicht lassen, dass Gott den Retter senden werde, der sein Volk befreit. Wie dies geschieht, darüber gehen die Meinungen stark auseinander. Nicht alle haben einen militanten Kämpfer erwartet, der die Römer aus dem Lande wirft. Viele denken viel tiefer: Der Messias soll jemand sein, der Gottes Wort verkündet, so dass es überzeugt; er soll das Gebot den Menschen so ins Herz schreiben, dass sie es verstehen können. Er soll auch die Armen, die Sünder, die Verlorenen nicht zurückweisen, sondern ins Reich Gottes führen.

Diesen Menschen hat Lukas in seinem "Kindheitsevangelium" Stimme verliehen (Lk 1-2). Elisabeth und Zacharias, Maria und Josef, Simeon und Hanna stehen für die Menschen, die ihre Hoffnung auf Gott nicht verloren geben. Simeon und Hanna müssen ein ganzes Leben warten, bis der Zeitpunkt gekommen ist, da sie danken dürfen, dass ihre Hoffnung erfüllt: "Ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel" (Lk 2,32).

Diese Hoffnung gründet sich auf die Prophetie und die Gebete Israels. Bei Jesaja heißt es, Gott selbst werde kommen und Israel erretten (35,5f): "Dann werden die Augen der Blinden geöffnet, auch die Ohren der Tauben sind wieder offen. Dann springt der Lahme wie ein Hirsch, die Zunge des Stummen jauchzt auf. In der Wüste brechen Quellen hervor, und Bäche fließen in der Steppe (vgl. Jes 19,18f; Ps 146,7). Das Adventslied "Kündet allen in der Not" (GL 106) ruft diese Verheißung in Erinnerung.

Sie spielt auch Mt 11,2-6 die entscheidende Rolle. Johannes fragt nach dem, der "kommen soll". D.h.: Er fragt nach dem Messias, den Gott als Retter seines Volkes senden wird.

Jesus antwortet, indem er Taten sprechen lässt. Dass er Kranke geheilt und Tote auferweckt hat, gehört zu den ältesten und sichersten Traditionen des Neuen Testaments. Jesus heilt die Kranken aus Mitleid; er preist die Armen selig (Mt 5,3-12), weil sie am dringendsten auf Gottes Hilfe angewiesen sind.

Von den Taten soll man auf den Täter schließen. Jesus ist der Sohn Gottes, der für Gottes Herrschaft eintritt. Er handelt in der Vollmacht Gottes. Er setzt seine charismatische Macht ein, um Gutes zu tun. Dieses Gute, das er nicht nur, aber besonders eindrucksvoll in den Wundern erweist, ist ein Vorzeichen dafür, dass am Ende, wenn Gottes Herrschaft vollendet sein wird, wahrhaftig und über alles Erwarten alles gut und mehr als gut sein wird.

Das muss man Jesus glauben. Deshalb ist nicht nur seine Botschaft, sondern auch seine Person im Spiel. Wer sich nicht davon abschrecken lässt, dass er als Mensch unter Menschen gelebt hat und am Ende den Kreuzestod gestorben ist, der ist auf dem besten Wege, die Gesten und Worte der Heilung als Wohltaten Gottes zu sehen.

Wenn im Jesajabuch von den Blinden, die sehen, und den Lahmen, die gehen, gesprochen wird, werden Bilder des Heiles gemalt. Es sind Metaphern, die viele symbolische Ausdeutungen zulassen. Bei Jesus ist es anderes: Die Wunder, de er tatsächlich getan hat (und die von vielen als Magie und Zauberei verteufelt worden sind), sollen zu Zeichen des Heiles werden. Wer auf die Wirkung schaut, kann ahnen, dass Gott seine Hand im Spiel hat. Wer auf Jesus schaut und auf ihn hört, kann glauben, dass seine Wunder die ganz große, die end-gültige Verwandlung des Todes ins Leben verheißen.

3. Vorschläge für die Gestaltung einer Bibelarbeit

Der Vorschlag nennt eine Möglichkeit, die locker an "Bibel teilen" orientiert ist. Ziel ist es, den Text zu verstehen, aber über ihn im Glauben voranzukommen.

  • Ankommen, zusammenfinden, beten
    GL 106 – Gemeinsam singen oder beten

  • Gottes Wort hören
    Mt 11,2-6
    Eine(r) liest den Text ganz langsam laut vor.
    Keine(r) liest mit, alle hören zu.

  • Still werden
    (mindestens 5, besser 10 – 15 Minuten – wenn es hilft: leise Musik)
    Alle haben den Text vor Augen und bedenken ihn.

    • Habe ich den Mut, so offen zu fragen, wie Johannes es getan hat?
      Auf wen warte ich?
      Welche Hilfe brauche ich?
      Wer kann mir helfen?
      Was erwarte ich von Gott?
      Auf wen warte ich?
      Wer wartet auf mich?
    • Sehe ich die Zeichen des Heils, die Jesus gesehen hat?
      Wer ist aus meinem Bekanntenkreis kürzlich gesund geworden?
      Wer hat kürzlich wieder Mut gefasst?
      Wer hat mir in der letzten Woche ein gutes Wort gesagt?
      Was ist mir letzthin gut gelungen?
      Wie rede ich über meine Erfolge?
      Wem schreibe ich meine Erfolge zu?
    • Welche Bedeutung hat Jesus für mich?
      Was ist mir von seinem Leben und Sterben wichtig?
      Kann ich glauben, dass er jetzt gegenwärtig ist?
      Hoffe ich darauf, ihm einmal zu begegnen?


  • Wiederholen
    Mt 11,2-6
    Jede(r) sagt ein Wort oder einen Satz, der sie und ihn besonders angesprochen hat.

  • Ins Gespräch kommen
    Es müssen nicht alle Fragen umfassend beantwortet werden. Sie sollen nur auf wichtige Aspekte aufmerksam machen, die auf der Basis der vorangestellten Exegese und mit Hilfe der angegebenen Schrifttexte beantwortet werden können.

    • Welche Verständnisfragen ergeben sich? Wer kann sie klären? Blockieren die offen bleibenden Fragen? Oder lässt sich der Text verstehen, wenn sie offen bleiben?
    • Welche Beziehung besteht zwischen Johannes dem Täufer und Jesus? (Vgl. Mk 1,9-11; Mt 11,7-19)
    • Weshalb sitzt Johannes im Gefängnis (Vgl. Mk 6,17-29)
    • Welche unsichere Hoffnung und erwartungsvolle Sehnsucht spricht aus der Frage des Johannes? (vgl. Jes 19,18f; 35,5f; Ps 146,7)
    • Weshalb hat Jesus Kranke geheilt? (Vgl. Lk 4,16-30)
    • Was bedeuten die Heilungen Jesu? (Vgl. Lk 11,20)
    • Weshalb ist es wichtig, Jesus als Messias zu sehen? (Vgl. Lk 12,8) Was verändert sich dann beim Blick auf Gott und die Welt?
    • Gibt es "Wunder immer wieder"? Kann man Heilungen, Gesundwerdern an Leib und Seele als Gnade deuten? Was verändert sich dann?
    • Lässt sich, anderen Gutes tun, als Nachfolge Jesu verstehen? Was verändert sich dann, wenn beim Dienst für andere Jesus und Gott ins Spiel kommen?

  • Gemeinsam lesen
    Mt 11,2-6 Alle lesen langsam den Text.

  • Gemeinsam beten und singen
    GL 261 Den Herren will ich loben …
    GL 568 Komm, Herr Jesu, komm …

4. Weiterführende Literatur:

Ulrich Wilckens, Theologie des Neuen Testaments I/1,
Neukirchen-Vluyn 2002

Prof. Dr. Thomas Söding, Katholisches Bibelwerk im Bistum Münster (Dezember 2003)
In Kooperation mit kirchensite – online mit dem Bistum Münster (www.kirchensite.de)

Bibelarbeit im Advent zum Download...

Weitere Bibelarbeiten im Internet:
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