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28.05.2016
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Aus dem kirchensite.de-Archiv
"Maria ist ein Vorbild im Glauben."

Prof. Söding im Interview

Maria: eine freie und gebildete Frau

Keiner kann ihr das Wasser reichen unter den vielen Heiligen, die die Kirche verehrt. Mehr als alle anderen genießt Maria, die Mutter Jesu, Wertschätzung und einen reichhaltigen Kult. Vieles von dem hat sich in den Jahrhunderten entwickelt. Was aber stand am Anfang? Was sagt die Bibel über die Frau aus Nazaret? - "kirchensite" sprach mit dem Vorsitzenden des Katholischen Bibelwerkes im Bistum Münster und Neutestamentler an der Universität Wuppertal, Prof. Dr. Thomas Söding.

"kirchensite": "Gut, Blut und Leben will ich dir geben", heißt es in einem Lied, das von inniger Liebe zu Maria spricht. Gibt es in der Bibel Belege für eine Verehrung bereits in der Urkirche?

Prof. Dr. Thomas Söding: Maria ist die Mutter Jesu. Deshalb spielt sie in den Evangelien eine große Rolle. Lukas hat ihr im Kindheitsevangelium besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Maria hört das Wort des Engels Gabriel, sie geht durchs Gebirge zu Elisabeth, sie singt das "Magnifikat", sie bringt Jesus zur Welt. Das alles ist mit großer Dankbarkeit für Maria erzählt. "Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter" (Lk 1,48) - das beginnt bereits im Neuen Testament.

"kirchensite": Wer war Maria? Welche Rolle kommt Maria nach den Schriften der Bibel zu?

Söding: Die Marienlegenden der Alten Kirche haben eine fromme jüdische Biographie der Maria konstruiert, die auf vielen Marienbildern dargestellt wird: Als Tochter von Anna und Joachim wird sie am Tempel erzogen und auf ihren heiligen Dienst vorbereitet. In diesen Marienlegenden begegnen uns nicht historische Überlieferungen, sondern Zeugnisse früher christlicher Frömmigkeit, die übrigens das bemerkenswerte Bild einer Frau zeichnen, die frei und gebildet ist und ganz der Berufung treu ist, die ihr aufgeht.
Das Neue Testament kennt keine Ausschmückungen des Marienbildes. Als seine Mutter steht Maria ihrem Sohn besonders nahe, in guten und in schlechten Zeiten. Markus verschweigt nicht, dass Maria dabei war, als Jesu Familie ausgezogen ist, um den "verrückten" Jesus wieder nach Hause zu holen (Mk 3). Lukas erwähnt das Wort des Simeon: "Dir wird ein Schwert durch die Seele dringen" (Lk 2,35). Für die kirchliche Frömmigkeit sind zwei Szenen aus dem Johannesevangelium entscheidend: die Hochzeit zu Kana und die Kreuzigung. In Kana ist Maria diejenige, die stellvertretend für die anderen bei Jesus Fürbitte einlegt: "Sie haben keinen Wein"(Joh 2,3), und zugleich diejenige, die alle anderen an Jesu Wort weist: "Was er sagt, das tut" (Joh 2,5). Auf Golgota steht sie nach Joh 19 zusammen mit dem Lieblingsjünger unter dem Kreuz: "Sieh, dein Sohn … sieh, deine Mutter" (19,26). Die Kirche, die auf Jesus schaut und hört und von Jesus angesprochen wird, findet ihr Urbild in Maria.

Evangelist Lukas

Der Evangelist Lukas zeichnet die Madonna, wie es die Legende will.

"kirchensite": In der Bibel wird von den Brüdern und Schwestern Jesu gesprochen. Gleichzeitig sagt die katholische Kirche, dass Maria Jungfrau war. Können Sie diesen Widerspruch erklären?

Söding: Nicht nur die katholische Kirche sagt, dass Maria Jungfrau war, sondern alle Kirchen sagen es, indem sie dasselbe Glaubensbekenntnis sprechen: "Geboren von der Jungfrau Maria". Im Glaubensbekenntnis steht dieser Satz, weil er im Neuen Testament steht: bei Matthäus und bei Lukas. Das Bekenntnis zur Jungfräulichkeit Mariens ist das Bekenntnis zur Schöpferkraft und Gnadenmacht Gottes, der rein von sich aus einen neuen Anfang macht, indem er den Menschen zu ihrem Besten diesen Menschen Jesus schenkt, der Gottes Sohn ist von Anfang an. Dieselben Evangelien, die von der Geburt Jesu aus der Jungfrau Maria sprechen, reden auch von "Brüdern" und "Schwestern" Jesu. Sie denken dabei offenbar nicht an leibliche Geschwister ersten Grades, sondern verwenden das Wort in einem weiteren Sinn für "Verwandte". Das war in der damaligen Sprache nicht unüblich. Diese Klarstellung wird diejenigen nicht überzeugen, die an die Jungfrauengeburt nicht glauben (können), aber diejenigen, die glauben (wollen), brauchen nicht den Verdacht zu haben, angesichts der Rede von "Brüdern" und "Schwestern" Jesu im Neuen Testament sei ihr Glaube absurd.

"kirchensite": Was können Gläubige von der biblischen Maria lernen?

Söding: Maria ist ein Vorbild im Glauben. Dass auch sie diesen Glauben nicht einfach "gehabt", sondern in allen Schwierigkeiten gelebt hat, sagen die Evangelien deutlich. Der Glaube Marias besteht darin, auf Gottes Wort zu setzen und das Leben in Gott festzumachen. Das ist nicht leicht. Aber Maria zeigt, dass es möglich ist. Und Johannes zeigt, dass dann ein langer Weg beginnt, der keinen Bogen um Golgota schlägt und gerade deshalb zum Osterjubel führt.

"kirchensite": Wie sieht sich nach Ihrer Meinung eine biblisch fundierte Marienverehrung aus?

Söding: Eine biblisch fundierte Marienverehrung müsste vor allem versuchen, wahrzunehmen, zu verstehen, zu meditieren, zu bejahen, was im Neuen Testament über Maria gesagt ist und was nach dem Neuen Testament Maria gesagt hat. Mit dem Neuen Testament muss - auch im Interesse der Ökumene - scharf unterschieden werden: Angebetet wird allein der eine Gott mit dem einen Herrn Jesus Christus. Maria selig zu preisen, ist Zustimmung zu der Erwählung, die Gott ihr als Mutter Jesu Christi hat zuteil werden lassen. Diese Zustimmung zeigt sich vielleicht am intensivsten, wenn das "Magnifikat" gebetet wird. Im "Magnifikat" wird das Geheimnis der Erlösung angesprochen, in dem Maria eine einzigartige Rolle zukommt: weil das christliche Evangelium nicht eine schöne Idee mitteilt, sondern eine wahre Geschichte erzählt - die Geschichte des menschgewordenen Gottessohnes Jesus von Nazareth.
Eine biblische fundierte Marienverehrung kann Maria als Frau ins Spiel bringen und damit auf die vielfach verschütteten Spuren weiblicher Spiritualität und Lebenspraxis führen; sie kann sie als Jüdin erkennen und damit zu den jüdischen Wurzeln des Christentums lenken, sie kann sie als Mutter ehren und damit an die wahre Geschichte des Menschen Jesus erinnern, sie kann sie als Jungfrau glauben und damit zu den messianischen Hoffnungen Israels auf Gottes Verheißungstreue geleiten; und sie kann Maria als Begnadete verehren (Lk 1,28) und damit das Staunen erregen, wie viel ein Mensch in Gottes Augen wert sein kann. Genau darum - und letztlich um nichts anders - geht es in der Verehrung Marias als Gottesmutter, wie sie seit der Zeit der Alten Kirche bis heute besonders in der orthodoxen und katholischen Kirche geübt wird.

"kirchensite": Wie politisch darf man das "Magnificat" Mariens verstehen?

Söding

Prof. Dr. Thomas Söding.

Söding: Das "Magnifikat" ist z.B. von der Theologie der Befreiung neu entdeckt worden. Sie hat stark gemacht, dass Maria nicht nur im eigenen Namen spricht, sondern stellvertretend für alle, die klein und schwach sind - nicht weil sie in Gottes Augen nicht viel wert wären, sondern weil "Große" und "Starke" sie klein und schwach gemacht haben. Auch die feministische Theologie hat das "Magnifikat" neu gelesen: als Gebet einer jüdischen Frau, in dem all die vielen jüdischen und christlichen Frauen Stimme bekommen, die sonst in der Bibel nicht zu hören sind. Im Magnifikat kommt die alttestamentliche Tradition der Armen, die Psalmen beten, mitten ins Neue Testament. Das reicht viel tiefer, als alle Politik reichen kann. Aber es nimmt die Kirche in die Pflicht, ein Ort zu sein, an dem gerade die Kleinen und Schwachen den Vorgeschmack des Reiches Gottes spüren können, von dem das "Magnifikat" Zeugnis ablegt.

"kirchensite": Was empfindet ein Bibelwissenschaftler bei Verehrungsformen wie in Marpingen oder Medjugorje?

Söding: Ich komme aus Norddeutschland. Da ist man in der Frömmigkeit ziemlich nüchtern. Ich studiere das Neue Testament. Was dort über Maria steht, gibt mir genug zu denken und zu beten. Mir sind viele Erscheinungsformen jener neuen Marienfrömmigkeit fremd. Schon Papst Paul VI. hat vor Auswüchsen "katholischer" Marienfrömmigkeit gewarnt. Ich finde es richtig, dass die vielgescholtene "Amtskirche" sehr kritisch ist, was "Erscheinungen" und ihre Begleitumstände anbelangt. Aber ich frage mich auch, wie stark die Sehnsucht nach Heiligkeit, nach Begegnung mit dem Göttlichen, nach Nähe zur Mutter Jesu bei den Menschen ist, die zu diesen Orten pilgern. Und ich wünsche mir, dass es möglich wäre, in ein Gespräch zu kommen, in dem deutlich werden könnte, wie viel reicher das biblische Zeugnis Marias ist und wie viel tiefer die Wurzeln einer biblischen Marienfrömmigkeit reichen.

Das Interview führte Norbert Göckener, 12.05.03 / Fotos: KNA, göc

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