
- Gespannt lauschen die Kommunion-kinder in Dülmen Ludger Hillermann.
Kommunionkinder lernen das Leben von Emmerick kennen
Spannender Ausflug
Dülmen. Ludger Hillermann bringt in Dülmen den Kommunionkindern der Pfarrei Heilig Kreuz das Leben der seligen Anna Katharina Emmerick näher.
An das Krankenbett von Anna Katharina Emmerick kamen viele Menschen von nah und fern. Doch für die Dülmener war ein Besuch in der kleinen Kammer der Augustinerin undenkbar. "Nur einmal im Jahr, das hat eine Zeitzeugin erzählt, waren die Kommunionkinder aus Dülmen eingeladen, sie in ihrem Zimmer zu besuchen. Dann hat Anna Katharina Emmerick ihnen einen Wunsch mit auf den Weg gegeben: 'Ihr seid jetzt wie eine Knospe. Möge aus euch eine schöne Blume werden.' Ob das wahr ist, kann ich euch nicht sagen, aber so ist es in den Akten aufgeschrieben worden", erzählt Ludger Hillermann. Der pensionierte Schulleiter schafft es, die 20 Kommunionkinder der Pfarrei Heilig Kreuz in Dülmen und ihre Mütter, die an dieser Führung teilnehmen, eine Stunde lang mit der Geschichte der 2005 selig gesprochenen Nonne zu fesseln. Seit acht Jahren führt Hillermann Erwachsene und Kinder zu den Orten der Erinnerung an die "Mystikerin des Münsterlandes".
Erzählungen aus alter Zeit
Die Führung, die am alten Grabstein vor der Heilig-Kreuz-Kirche beginnt, am neu gestalteten Grab in der Kirche fortgesetzt wird und in der Gedächtnisstätte im Keller endet, gehört in der fusionierten Gemeinde zur Vorbereitung auf die heilige Kommunion.
Hillermann hat alte Fotografien dabei und erzählt von früher, von der Zeit, in der Anna Katharina Emmerick gelebt hat. Am Grabstein lauschen die Drittklässler besonders aufmerksam, als der pensionierte Lehrer ihnen von Luise Hensel und ihrer Befürchtung erzählt, die verstorbene Anna Katharina Emmerick sei aus ihrem Grab gestohlen worden. Hillermann berichtet von der Umbettung vor 30 Jahren der bereits früh in der Region verehrten Nonne und schaut dabei in große Kinderaugen. Ein bisschen Krimi, ein bisschen Grusel, aber immer die Wahrheit. Sich über das Leben einer Seligen zu informieren, kann so spannend sein.
Menschen mit Sorgen
Immer wieder holt Hillermann die Kommunionkinder durch gezielte Fragen ins Geschehen hinein. Manches können die Neunjährigen beantworten, anderes ist ihnen fremd. Warum aber auf dem Grabstein Zettel liegen, erzählt Hillermann ihnen ebenso wie er auch einen Einblick in die Architektur der von Dominikus Böhm gebauten Kirche gibt. "Auf den Zetteln stehen Fürbitten von Menschen, die in Sorge sind. Wenn ihr nach oben schaut, seht ihr, wie hoch und lichtdurchflutet dieser Raum über dem Grab ist. 'So stelle ich mir den Himmel vor', hat der Architekt Dominikus Böhm gesagt, als er die Kirche entworfen hat."
In der Gedächtnisstätte erfahren die Kinder viel über das Leben von Anna-Katharina Emmerick. Von ihrem Elternhaus in Coesfeld und den ärmlichen Verhältnissen, in denen sie aufgewachsen ist. Von ihrem Wunsch, ins Kloster einzutreten, von ihrer Krankheit, die sie später ans Bett fesselte. Von Besuchern von nah und fern, vor allem von Clemens Brentano. "Viele Menschen kamen an ihr Bett, das ihr gerade in der kleinen Kammer gesehen habt", spricht Hillermann die Kinder an. "Anna Katharina Emmerick hat ihnen viel geschenkt, denn sie hat zugehört und konnte sich in die Situation der Menschen versetzen." Und dann berichtet der ehemalige Schulleiter von den Stigmata, kindgerecht, aber nicht verniedlichend. "Sie fing an den Händen an zu bluten, später auch an den Füßen. Das war etwas ganz Komisches, das sich auch die Ärzte nicht erklären konnten. Sie kamen zu ihr, untersuchten sie und meinten, das alles wäre Hokuspokus. Bis ein Arzt einen Artikel über sie in einer medizinischen Fachzeitschrift geschrieben hat."
Hillermann selbst hat erst nach seiner Pensionierung begonnen, sich mit Anna Katharina Emmerick zu beschäftigen. "Ich konnte das alles vorher gar nicht glauben. Aber ich habe angefangen, viel über sie zu lesen und fand ihre Geschichte immer interessanter. Anna Katharina Emmerick hat in einer Zeit der Wende gelebt, wie es heute auch wieder der Fall ist", zieht er Parallelen.
Die Stunde ist fast vorbei, und vor der Tür wartet bereits die nächste Gruppe. Kurz erzählt Hillermann noch über die Seligsprechung in Rom und über den Bischof, der Papst Johannes Paul II. etwas über Anna Katharina Emmerick erzählt hat. "Ich fand das interessant. Vor allem das Zimmer zu sehen, in dem sie gelegen hat, fand ich gut", erzählt ein Kind. Und ein anderes fügt hinzu: "Jetzt kann ich mir das alles viel besser vorstellen."
Und auch die Mütter, die sich während der Führung im Hintergrund gehalten haben, geben zu: "Manches habe ich nicht gewusst. Ich habe auch noch etwas dazugelernt. Ludger Hillermann hat sehr lebendig erzählt. Das hat den Kindern gut gefallen." Und für eine Mutter ist die Führung Ansporn, "dass ich mich mal wieder mit Anna Katharina Emmerick beschäftige". Von Hillermann holen sie sich noch ein paar Buchtipps, sowohl für die Kinder als auch für sich selbst.
Dann beginnt die Führung für die nächste Gruppe mit Kommunionkindern der Pfarrei Heilig Kreuz. Auf sein Erfolgsrezept angesprochen, winkt Hillermann ab: "Ich habe einfach viel Erfahrung, schließlich war ich lange genug Lehrer."
Text und Foto: Michaela Kiepe in "Kirche+Leben", 31.03.2008
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