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10.12.2016
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Aus dem kirchensite.de-Archiv

Fall Riekofen:

Bischof Müller kritisiert die Justiz

Regensburg. Nach der Verurteilung des ehemaligen Riekofener Pfarrers wegen Kindesmissbrauchs hat der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller das frühere Verhalten der Justiz kritisiert.

Das Gericht hätte das Bistum am Ende der Bewährungsfrist nach der ersten Tat des Priesters warnen müssen, sagte Müller am Samstag (15.03.2008) dem Bayerischen Rundfunk. Jedoch sei die Strafe 2003 aufgehoben worden, ohne Einschränkungen für einen erneuten Einsatz in der Seelsorge auszusprechen, erklärte Müller. Die Diözese habe damals "nach bestem Wissen und Gewissen" gehandelt.

"Offengebliebene Fragen"

Auch der Regensburger Generalvikar Michael Fuchs sprach nach dem Abschluss des Strafprozesses von "offengebliebenen Fragen". In einer am Samstag auf der Internetseite des Bistums veröffentlichten Erklärung monierte er, dass nach dem Strafbefehl im Jahr 2000, mit dem der erste Kindesmissbrauch des Priesters geahndet worden war, kein Bewährungshelfer bestellt worden sei.

Außerdem hätte die Justiz dem von ihr akzeptierten Therapeuten des Geistlichen das der Strafe zugrundeliegende Gutachten zuleiten müssen, meinte Fuchs. Darin hatte ein Psychiater dem Täter bereits eine pädophile Veranlagung bescheinigt. Dessen Therapeut war nach seiner Behandlung zu einem anderen Ergebnis gekommen. Er bewertete die Tat als einmalige Regression und schloss eine Wiederholungsgefahr aus. Daraufhin setzte das Ordinariat den Priester wieder in der Gemeindeseelsorge ein, wo es zu den neuen Übergriffen auf einen Messdiener kam.

Kontakt zur Rechtsanwältin der Familie

Der Generalvikar hat nach eigenen Angaben inzwischen brieflich Kontakt zur Rechtsanwältin der Familie des Opfers aufgenommen. Dies habe man bewusst erst nach der Gerichtsverhandlung getan, erklärte Fuchs. Das Ordinariat habe sich nicht dem Vorwurf einer Verfahrensbeeinflussung aussetzen wollen.

Der suspendierte Pfarrer von Riekofen war am Donnerstag wegen eines erneuten Kindesmissbrauchs in 22 Fällen zu drei Jahren Haft und einer zeitlich offenen Unterbringung in der Psychiatrie verurteilt worden. In der Urteilsbegründung hatte der Richter kritisiert, dass die Bistumsleitung dem Täter nach dem Verbüßen der ersten Strafe einen erneuten Seelsorgeauftrag gegeben habe. Dadurch sei der einschlägig vorbestrafte Mann regelrecht in Versuchung geführt worden.

Text: KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH, 17.03.2008

Lesen Sie außerdem in "kirchensite.de":
- Riekhofener Ex-Pfarrer verurteilt (13.03.2008)
- Anklage gegen Priester erhoben (31.01.2008)
- Anwalt kündigt Geständnis an (28.01.2008)
- Übersicht zum Thema Kindesmissbrauch

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