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02.09.2010
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Weihbischof Grave.

Klare Position bezogen

Bistum Essen suspendierte Priester wegen Missbrauchs

Von KNA-Redakteur Klaus Behne
Essen. Der Fall liegt 22 Jahre zurück. Der Direktor des Franz-Sales-Hauses in Essen, einer Behinderteneinrichtung mit 1.200 Plätzen, verübte an einem Jugendlichen sexuellen Missbrauch. Diözesanadministrator Weihbischof Franz Grave hat den Täter, auch auf dessen Wunsch, von seinen priesterlichen Aufgaben entpflichtet und in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Grave betonte am Montag (22.07.02) bei einem Pressegespräch in Essen: "Es ist mir ein persönliches Anliegen, zu einer gerechten und offensiven Behandlung von Pädophilie-Fällen vorzustoßen und jegliches Zögern bei der Einleitung der notwendigen Schritte zu vermeiden."

Der verantwortliche Personalleiter für die Geistlichen des Ruhrbistums, Prälat Martin Pischel, berichtete vor der Presse, dass der missbrauchte Jugendliche von damals selbst Priester geworden ist. Er fühlte sich in seiner pastoralen Tätigkeit überfordert und suchte deshalb das Gespräch mit Pischel. In diesem Zusammenhang sei das Vergehen erneut zur Sprache gekommen.

1993 habe es Gespräche mit den damals Verantwortlichen der Diözese gegeben, die aber zu keinen Konsequenzen geführt hätten. Zwischen dem 13. und 18. Lebensjahr des Opfers habe sich aus einem Betreuungs- ein freundschaftliches und dann ein sexuelles Verhältnis entwickelt, das dann aber durch das Opfer abgebrochen wurde.

Pischel und Günter Oelschner aus der Geschäftsleitung des Franz-Sales-Hauses erklärten, es gebe keine Anzeichen, "dass in der Zeit seiner Tätigkeit im Haus etwas geschehen ist". Auf Nachfrage räumte Pischel ein, dass es im Bistum Essen vor drei und zehn Jahren Fälle gegeben habe. So sei ein junger Pfarrer zu einer Bewährungsstrafe von 15 Monaten Gefängnis und 2.500 Mark Geldstrafe verurteilt worden. 1988 sei einem damals 68-jährigen Seelsorger ein Strafbefehl und eine Geldstrafe von 10.000 Mark erteilt worden. Opfer und Täter dieses letzten Falles seien inzwischen gestorben.

Bitte um Vergebung

Weihbischof Grave verdeutlichte, dass er sich in "schwieriger Situation und Stunde" zur Rechenschaft gegenüber der Öffentlichkeit verpflichtet fühle. Er bedauerte, dass der Fall nicht schon beim ersten Bekanntwerden 1993 von der Bistumsleitung aufgegriffen wurde. Die Deutsche Bischofskonferenz werde bei der Herbstvollversammlung vom 21. bis 25. September in Fulda über Verfahrensweise und Konsequenzen bei Missbrauchsfällen beraten. Er hoffe, dass es zu einer gemeinsamen Grundordnung komme.

Zentrale Punkte seien dabei die Betreuung der Opfer und Möglichkeiten der Wiedergutmachung und der Umgang mit den Tätern. "Priester, Ordensleute, Diakone und Laien die schuldig wurden, dürfen in der Kinder- und Jugendseelsorge keinen Platz haben." Der Diözesanadministator hob hervor, er sei persönlich überzeugt, dass es notwendig ist, bei dieser heiklen Thematik offensiv mit Medien und Öffentlichkeit umzugehen. Grave teilte mit, dass das Bistum Essen Thomas Behler vom Diözesancaritasverband als Kontaktmann für Opfer benannt habe. Er sei unter der Rufnummer (0201) 8 10 28 13 zu erreichen.

In einer gemeinsamen Erklärung von Bistum und Franz-Sales-Haus wird darauf verwiesen, dass der beschuldigte Priester den ihm vorgeworfenen Sachverhalt sofort eingeräumt und bestätigt habe, dass er "vor 22 Jahren eine Beziehung zu dem damaligen Jugendlichen unterhalten und damit schwere Schuld auf sich geladen hat". In einem Brief an den Diözesanadministrator vom 18. Juli 2002 schrieb er: "Ich bitte in aller Öffentlichkeit mein Opfer um Vergebung, wenngleich ich weiß, dass ich den von mir angerichteten Schaden nicht wieder gut machen kann."

Er versicherte außerdem, dass "seit dem damaligen Vorfall keine weiteren Missbrauchsfälle durch mich geschehen sind". Nach interner und externer juristischer Prüfung steht fest, dass die vor 22 Jahren geschehene Missbrauchshandlung strafrechtlich verjährt ist, was aber die Schwere der Tat nicht mindert, geschweige denn ungeschehen machen kann, heißt es in der Erklärung.

Text: KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH, 22.07.02 /
Foto: Martin Engelbrecht (Bistum Essen)

Dokumentiert: Statement von
Weihbischof Grave zum Essener Fall

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