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24.05.2016
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Aus dem kirchensite.de-Archiv
So wie Renate Wiegner und Pater George Vadakkekara müssen viele Gläubige Abschied nehmen von der St.-Clemens-Kirche in Berlin.

Kardinal von Galen finanzierte den Bau von St. Clemens mit seinem Erbe

Berliner Kirche wird Kulturzentrum

Bistum/Berlin. In seiner Berliner Zeit als Kaplan und später als Pfarrer der St.-Matthias-Gemeinde ließ Kardinal von Galen von seinem Geld die St.-Clemens-Kirche erbauen. Jetzt hat das Erzbistum Berlin die Kirche an einen Investor verkauft.

Die St.-Clemens-Kirche versteckt sich, wie viele katholische Kirchen in Berlin. An der Straße gegenüber des berühmten Anhalter Bahnhofs unweit der ehemaligen Mauer gibt es nur eine schlichte Fassade mit einer Tordurchfahrt. Im ersten Hof hat eine Caritas-Beratungsstelle für Migranten ihre Räume, im dritten Hof ist inzwischen eine Art Jugendhotel für Berlin-Touristen untergebracht. Dazwischen, im zweiten Hof, befindet sich der Eingang in die Backsteinkirche, die ohne sichtbaren Turm und ohne Prunk einfach in den Seitenflügel eingebaut wurde.

100 Jahre alt wird die St.-Clemens-Kirche in drei Jahren, doch dann wird das Haus keine Kirche mehr sein. Ein britischer Investor hat den Kaufvertrag bereits unterschrieben. Ein Kulturzentrum soll entstehen, die "St.-Clemens-Höfe".

Kardinal Clemens Graf von Galen hat die Kirche während seiner Berliner Zeit als Kaplan und später als Pfarrer der St.-Matthias-Kirche erbauen lassen. Der seit 2005 selig gesprochene gab mit 30 Jahren für das neue Gotteshaus sein Erbe her. Die Nationalsozialisten beschlagnahmten die Kirche und missbrauchten sie als Lagerraum. Nach dem Krieg wurde St. Clemens wieder zur Kirche.

Am letzten Tag, kurz vor dem letzten regulären Gottesdienst, kniet Renate Wiegner in der zweiten Reihe in der Bank. Viel geweint habe sie in den zurückliegenden Wochen, sagt die Berlinerin, und viel gebetet. Sie hofft auf eine Wende, "dass wir doch bleiben dürfen".

Jeden Tag kommt sie nach St. Clemens, jeden Tag seit dem 3. Juli vergangenen Jahres. Seit dem ist die Vinzentinische Gemeinschaft mit drei Priestern aus dem indischen Kerala in der Hinterhofkirche zuhause. Renate Wiegner ist Laiensprecherin der Charismatischen Erneuerung in Berlin. In ihren Augen haben die Inder das geistige Leben in der Hauptstadt belebt: Zwei Gottesdienste, Anbetung und Beichte gibt es jeden Tag.

Rückzug des Christentums

"In der Woche kommen um die 50 Gläubige täglich, am Wochenende sind es 300", sagt Pater George Vadakkekara. "Wir gehen dahin, wo Gott uns hinbestellt, aber natürlich sind wir auch traurig, dass wir St. Clemens verlassen müssen." Das neue Zuhause ist im Osten der Stadt, Greifswalder Straße, da, wo der Szene-Kiez des Prenzlauer Bergs beginnt.

Es seien nicht die Vinzentiner, es ist das Schicksal der Kirche, das auch ihn berühre, sagt der Inder, der in Amerika Theologie studiert und gelehrt hat. Ein Symbol für den Rückzug des Christentums in Mitteleuropa.

Hier an der verlängerten Wilhelmstraße, unweit des alten kaiserlichen und auch republikanischen Regierungsviertels, lernte auch der aus Dinklage stammende Clemens Graf von Galen die säkulare Großstadt kennen – und damals schon einen Rückzug des Glaubens. Das war ein Grund, warum er Geld für den Kirchbau stiftete. 1906 kam er nach Berlin und blieb 23 Jahre lang. 1917 holte er die Jesuiten in seine Kirche, nachdem das Verbot des Ordens aufgehoben worden war. Sie blieben – mit Unterbrechung – bis 1973. Danach zog die kroatischen Mission ein und konnte bis 2005 St. Clemens nutzen.

Sie mussten ausziehen, weil die Eigentümerin, die Gemeinde der St-Hedwigs-Kathedrale, verkaufen wollte. Der Grund: Der Bischofssitz in Berlin-Mitte muss renoviert werden. Doch es fand sich zunächst kein Interessent. Deswegen durften die Vinzentiner vorübergehend in St. Clemens einziehen. Bis im Herbst plötzlich doch ein Investor auftauchte.

"St.-Clemens-Höfe", der Name gefällt Renate Wiegner nicht, es höre sich an, als ob die Kirche bleibt. Im Ordinariat hingegen findet man den Namen des neuen Kulturzentrums gut. So könne wenigstens die Erinnerung wach gehalten werden.

Text und Foto: Volker Resing in "Kirche+Leben", 20.05.2007

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