Anzeige:
Werbung

kirchensite.de | Online mit dem Bistum Münster: Nachrichten aus der Kirche, katholischer Glaube, Spiritualität, Heiligenlexikon, Veranstaltungen, Seelsorge, Fürbitte, Bibelarbeiten, Dossiers.

. . . . .
Seite: Aktuelles  >  Archivartikel
26.05.2013
Artikel drucken
Logo kirchensite.
Aus dem kirchensite.de-Archiv
Glauben ist etwas für Erwachsene.

Geistlicher Impuls

Warum der Glaube zu groß sein muss - Kinder brauchen erwachsene Eltern

"Der Glaube an Jesus Christus ist nur etwas für Erwachsene." Wenn ich das in der Gemeinde sage, ernte ich heftigen Widerspruch. Denn das meiste in unseren Kirchen geschieht für Kinder und Jugendliche: Kindergarten, Religionsunterricht, Erstkommunion, Firmung. Ein gewaltiger Betrieb ist das, ein Riesenaufwand, und alles für Kinder! Also alles Kinderkram? In meiner Gemeinde sind die Familiengottesdienste bis zum Bersten voll. Die Erwachsenen beten scheinbar viel lieber, wenn sie dabei ihren Kindern zusehen können. Besonders den Müttern geht das Herz über, wenn sie ihre Kleinen am Altar herumlaufen sehen, wenn sie tanzen und klatschen und Spiele machen. Kinderbibeltage sind ein Renner, später ist Bibel eher etwas für Insider. Und da soll Glauben nur für Erwachsene sein?

Ich bleibe dabei: Glauben ist etwas für Erwachsene. Kinder können in diesen Glauben hinein wachsen, aber erfassen können sie ihn noch nicht. Brauchen sie auch nicht! Jesus hat die Kinder in den Arm genommen und gesegnet; er hat ihnen nicht gepredigt. Paulus hat Gemeinden gegründet, keine Kindergärten. Wenn der Glaube zu klein ist, wächst man heraus. Er muss zu groß sein, dann kann man hinein wachsen. Dieses Wort geht mir nicht mehr aus dem Sinn: Ein Glaube, der durch seine Größe und Weite fasziniert, in den man hineinwachsen kann: So ein Glaube wird einem niemals zu klein.

Seltsam, dass viele Eltern zwar noch für und mit ihren Kindern glauben, aber nicht für sich selbst; der Glaube ist Bestandteil ihrer Erziehung, nicht ihrer Überzeugung. Wie oft frage ich Eltern, die ihr Kind zur Taufe anmelden, ob sie gemeinsam beten. "Nein", sagen die meisten dann, "aber wenn die Kinder soweit sind, dann beten wir vielleicht wieder." "Schade", denke ich dann. "Was soll man von denen lernen?"

Eigentlich müsste es doch so sein: Nicht die Erwachsenen beten der Kinder wegen, sondern Kinder staunen über den Glauben der Erwachsenen. Weil sie ihn interessant finden und denken: "Das will ich auch haben."

Ich jedenfalls habe als Kind glauben gelernt – durch den Glauben der Erwachsenen. Das Vaterunser zum Beispiel kannte ich schon auswendig, als ich vom Inhalt noch gar nichts verstehen konnte. Ich habe es nicht aus der Bibel gelernt, sondern meinen Eltern von den Lippen abgelesen. Jedes Mal habe ich dabei gespürt: Das ist meinen Eltern heilig! Zunächst habe ich  einfach Laute nachgeahmt, die dann immer mehr zum Gebet wurden. Kindergottesdienste dagegen fand ich immer schon langweilig. Für mich war das meistens Schmalspurkost, spirituelle Babynahrung ohne Tiefgang und Geheimnis. So etwas wollte ich nicht haben, sondern eher loswerden. Aber Erwachsene, die richtig beten konnten, die sich dabei gar nicht stören ließen und deren Gottesdienst nicht bloß darin bestand, auf die Kinder aufzupassen – die fand ich klasse. Und Christen, die ich ernst nehmen konnte, weil sie keine pädagogischen Absichten hatten, sondern einfach authentisch waren!

Was beten unsere Kinder? Wie lernen sie glauben? Die Antwort ist ganz einfach: Unsere Kinder beten, was die Erwachsenen beten. Wenn die Erwachsenen nicht beten, tun es die Kinder auch nicht. Wenn Eltern und Lehrer keinen erwachsenen Glauben haben, hören die Kinder auf zu beten, wenn sie selber erwachsen sind. Sie denken dann: Glauben ist ja bloß Kinderkram, das lassen wir schnell bleiben, das ist ja kitschig und naiv. Tradition, die nur noch Erziehungsmittel ist, bricht ab; sie kann nicht mehr weitergegeben werden. Das merken auch schon Kinder.

Mit dem Beten ist es wie mit der Bibel: Kinder müssen die biblischen Geschichten kennen lernen, damit sie ihren Sinn entdecken können, wenn sie erwachsen sind. Was man als Kind gelernt hat, gewinnt erst im späteren Leben an Bedeutung. Spezielle Kinderpredigten bleiben meistens an Symbolen hängen; Spielen und Basteln ist ja schön und gut, aber man soll nicht denken, das wäre schon der Sinn des Ganzen. Und am Ende wird alles banal: furchtbar nett, aber auch erschreckend folgenlos.

Ob man das Vaterunser überhaupt mit Kindern beten dürfe, fragte eine Erzieherin; es sei für sie doch unverständlich. Meine Gegenfrage: "Haben Sie es denn schon verstanden?" – "Wenn der Glaube zu groß ist, kann man hinein wachsen."

Was beten unsere Kinder? Wenn sie keine vertrauten Menschen haben, die ihnen gleichsam den Glauben vorbeten, beten sie überhaupt nicht. Wenn sie Vorbeter haben, die selber noch religiös in den Kinderschuhen stecken, lassen sie es irgendwann bleiben. Nur wenn sie erwachsene Vorbeter haben, lernen sie beten: Zuerst durch Nachahmung, dann dadurch, dass sie selber nachdenken und Fragen stellen. Schließlich werden sie erwachsene Christen.

Mehr als alle Kinderbücher, mehr als alle Pädagogik brauchen unsere Kinder erwachsene Christen, über deren Glauben man zuerst staunen kann, den man dann nachahmt und der schließlich zu einem eigenen, selbst verantworteten Glauben führt. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg, ein Weg mit Krisen und Zweifeln, aber auch mit Vertrauen und Zuversicht.

Nach meiner Erfahrung steht es um das Gebet in Familien ungefähr so: Es gibt wenige Familien mit Gebetspraxis und Kirchenbindung. Es gibt viele Familien, in denen überhaupt nicht gebetet wird, und die kirchlich distanziert leben. Familien mit wenig Kirchenbindung haben häufig ein magisches Gottesbild, und das wird dann unreflektiert an die Kinder weitergegeben: Aberglaube, Sorgenpüppchen und Omas Schutzengelgebete landen in der Suppe einer gemischten Religiosität, die vor allem dazu dient, sich selber irgendwie beschützt zu fühlen.

Wenige fangen heute an, wieder bewusst zu beten. Die meisten Menschen tun es aber nicht – und wenn dann doch einmal, dann eher magisch, und nicht gläubig. In der Regel geht es dann darum, zu beten und zu betteln, wenn man selber Sorgen hat, an den Rändern des Lebens, in Krankheit, Angst und Trauer, nicht aber mitten im Alltagsleben. Wenn nur die Not das Beten lehrt, wird Gott zu einem Lückenbüßer, den man einen guten Mann sein lässt, wenn man zum Mann oder zur Frau geworden ist. Die wichtigsten Glaubensvermittler sind deshalb immer noch Eltern, die wissen, was sie wollen, und wer ihnen heilig ist; Eltern, die selber beten und den Glauben mit der Kirche leben. Alles andere geht schief.

Ein gläubiger Christ lebt aus der persönlichen Beziehung zu Jesus Christus. Das ist eine anspruchsvolle Angelegenheit und eigentlich nichts für Kinder. Die Familie darf ihre Kinder auf dem Weg dahin mitnehmen. Und versuchen, altersgemäß mit ihnen darüber zu sprechen.

Man darf das in kindgerechter Weise tun, wenn man selber weiß, was einem der Glaube bedeutet. Sonst kann es leicht geschehen, dass auch der Glaube der Eltern zu einer Kindersache wird, die im Alltag nicht trägt. Wenn ein Kind nicht wächst, bleibt es ja nicht für immer ein Kind; sehr bald ist es ein Zwerg, und der viel beschworene Kinderglaube ist wohl meistens nur ein Zwergenglaube. Viele Menschen bleiben zeitlebens solche Glaubenszwerge; ihr Glauben ist irgendwann so eng, dass es einfach nicht mehr passt. In ihrem Verhältnis zur Kirche bleiben sie lebenslang in einer Pubertät, die sich gegen alles und jeden auflehnt, die jede Autorität und jede Tradition unter Verdacht stellt – so lange, bis nichts mehr davon übrig ist.

Der Glaube von Kindern, Zwergen und Pubertierenden ist für heranwachsende Kinder aber überhaupt nicht interessant, weil er ziemlich mickrig aussieht und meistens nicht trägt; allein der erwachsene Glaube hat missionarische Kraft – auch in der Familie. Dabei sind die Eltern Vor-Beter im Doppelsinn des Wortes: Sie beten bereits vor den Kindern, sie beten ihnen vor – und dann erst mit ihnen!

Wenn aber die Vermittlung des christlichen Glaubens allein in der Kinderkatechese und im Religionsunterricht geschieht, dann ist der Glaube bald eine naive Sonderwelt; seinen Ort hat er dann meistens nur in der Kirche, in der frommen Ecke, am Rand … aber eben nicht mitten im Leben. Für das Kind kann der Eindruck entstehen: "Erwachsene brauchen keinen Gott. Wenn ich mal groß bin, brauche ich auch keinen mehr, denn Gott ist nur etwas für Kinder."

Wenn sich dann im Jugendalter die religiöse Welt der Kinder von den Eltern löst – die Glaubenstreue der Eltern bleibt lebenslang Vorbild. Wie schön, wenn die jungen Erwachsenen dann spüren: Unsere Eltern glauben und beten immer noch. Sie haben uns nicht um Gott betrogen.

Text: Stefan Jürgens, 13.05.2007

Weitere Impulse in "kirchensite.de"...

Wir beten für Sie!

KLOSTERFÜRBITTE im Monat Mai: Franziskusschwestern in Harsewinkel.

Das aktuelle VIDEO ...

Die Menschwerdung Gottes war Thema der siebten Jugendkatechese mit Bischof Felix Genn.

Heilige und Selige

Das Bistum Münster kann auf viele Frauen und Männer zurückblicken, die ein herausragendes Zeugnis für den christlichen Glauben abgelegt haben.

Gesprächsabend mit Genn

Was bewegt den Bischof in Zeiten wie diesen? Wie sieht er die Situation der Kirche in 20 Jahren? Fragen wie diese wurden im Bischofshaus gestellt.

Bibel-Teilen

Das "Bibel-Teilen" ist eine Form der gemeinsamen Schriftlesung. Es ermöglicht einen persönlichen Zugang zur Heiligen Schrift.

Wohnungsnotfallhilfe

In einer Wohnung oder einem Haus zu wohnen, ist für jeden selbstverständlich und lebensnotwendig.

Bibelarbeiten

Die Bibelarbeiten befassen sich mit Schriftstellen aus dem Alten und Neuen Testament und eignen sich für die Gemeindearbeit und für die persönliche Auseinandersetzung mit der Heiligen Schrift.

Durch das Jahr

Dreifaltigkeitssonntag: Ein Gott in drei Personen.

Reden über Gott und Welt

Am Mittwoch (29.05.2013) ist aus organisatorischen Gründen kein Gesprächspartner aus dem Haus der Seelsorge im Chat.

Bibelarbeit

Thomas und der Auferstandene.

WDR-Beiträge in kirchensite.de

Zwei Wochen vor dem Nationalen Eucharistischen Kongress in Köln sprechen fünf deutsche Bischöfe die Morgenandachten im WDR-Hörfunk. Nach der Ausstrahlung können sie täglich hier in kirchensite.de abgerufen werden.

Dossier: Maria

Maria ist die Mutter Jesu Christi - und hat daher eine besondere Stellung im christlichen Glauben.

Kirche von A bis Z

Marienerscheinung: Mittlerrolle der Mutter Jesu.

Mit der Bibel leben

Ich bin das A und O.

Freiwilliges Soziales Jahr

Im Freiwilligen Sozialen Jahr arbeiten junge Leute in einer sozialen Einrichtung mit.

Behindertenseelsorge

Respekt vor dem Handikap.

Glaubens-ABC

Marienverehrung: Magd des Herrn.

Maiandachten

Das Online-Magazin kirchensite.de hält einen besonderen Service für seine Nutzer bereit: Eine Reihe von Vorschlägen für Maiandachten stehen zum Herunterladen bereit.

Mariengebet

Gedenke, o gütigste Jungfrau Maria.

Heiligenlexikon

30. Mai: Heilige Johanna von Orléans.

Wallfahrtsorte

Haltern: Heilige Mutter Anna.

Regionen

Kleve / Wesel.

Verbände

Gemeinschaft Katholischer Soldaten.

Berufe der Kirche

Die Diözesanstelle "Berufe der Kirche" ist Ansprechpartner für Menschen, die Interesse an einem Beruf in der Kirche haben.

Das Evangelium hören

Service für Sie

RSS-Feed Topnews

Öffnet internen Link im aktuellen FensterNewsticker für Ihr Web


Reden, Fragen, Antworten finden

im "Haus der Seelsorge" hat man ein offenes Ohr für Sie

Seelsorger im Mai:
Ina Jahndel.

Seelsorger/-innen

Haus der SeelsorgeHaus der Seelsorge

Heiligenlexikon in "kirchensite.de"

im Heiligenkalender können Sie nach Monaten blättern. Oder wählen Sie hier nach Buchstaben aus:

 

Kontakt

  kirchensite-Redaktion:
  redaktionkirchensite.de

  Lebenshilfe+Seelsorge: 
  Ina Jahndel
  jahndelkirchensite.de

  Technik:
  technikdialogverlag.de

Dialogversand