
- Durch Übung ist Lektor Ulrich Xanten mit seiner Aufgabe am Ambo vertraut.
Regelmäßige Lektorenschulungen im Jugendkloster
Den richtigen Ton finden
Bottrop-Kirchhellen. Bei manchen Nachrichten bleibt einem die Luft weg. Dagegen will es gelernt sein, mit der eingeatmeten Luft so umzugehen, dass man anderen etwas verständlich mitteilen kann. Genau dies wollen die Teilnehmer der "Schulung für Lektoren" in Bottrop-Kirchhellen erreichen.
Dass Lesen nicht gleich Lesen ist, wissen alle. Wie man mit seinem Vortrag andere erreichen und sogar wirklich ansprechen kann, erlernen Mitglieder verschiedener Gemeinden im Jugend-Kloster. Einer von ihnen ist Ulrich Xanten. Der Kirchhellener nimmt bereits zum vierten Mal an diesem Angebot teil. Die Freude an der Fortbildung hat er nicht verloren: "Ich merke bei jedem Kursabend, dass mich die Wiederholung voranbringt." Wenn Kursleiterin Monika Boguslawski ihre Teilnehmer zum vorlesenden Vortrag an den Ambo bittet, hören sie gern "dem Ulli" zu, weil er viel Erfahrung gesammelt habe, eine Lesung stimmlich zu gestalten. Sich selber sieht Xanten als jemanden, der seine Vortragsfähigkeit verbessern möchte.
Nachlässigkeiten aus dem gewohnten alltäglichen Artikulieren können nur fortgelassen werden, wenn sie zuvor bewusst gemacht worden sind. "Es ist ein mühsames Lernen", bestätigt Boguslawski. Die Lektorenausbilderin hat wegen anhaltender Nachfrage schon mehrere Lektorenkurse im Jugend-Kloster Kirchhellen durchgeführt. Es seien ganz praktische Gründe gewesen, berichtet Xanten, warum er sich entschieden hat, seine Stimme zu schulen: "Wenn ein guter Text schlecht vorgetragen wird, verliert er viel von seiner Qualität." Für ihn ist es klar: "Die guten Ideen der Bibeltexte dürfen nicht unbeachtet bleiben." Mit entsprechender Vorbereitung lasse sich ein Text so vortragen, dass er bei den Gottesdienstbesuchern ankomme, denn "der Weg des Wortes zum Hörer ist mehr als der Schall". Es gehe darum, mit der eigenen Stimme den Textinhalt zu formen. Dadurch solle jeder Einzelne in der Gemeinde die Inhalte der Texte gleichsam vor seinem inneren Auge sehen können.
Dafür kommt es wesentlich auf das Training der "Sprechwerkzeuge" an. Ulrich Xanten ist seine Fertigkeit schon in der Übungsphase anzuhören, als er aus breit geformten Mund die Vokale ausatmend spricht. Manche der Übungen wirken heiter, andere klingen ernst, als würden silbenweise Töne gregorianischer Gesänge einstudiert. Immer geht es um deutliche Aussprache als Grundlage des Verstandenwerdens. Obwohl Xanten beruflich in der Informationstechnologie zu Hause ist, bezeichnet er sich als "Wortmensch" und sieht "einen besonderen Reiz im Transport von Inhalten und Gefühlen durch Worte. Das ist ein Grund, warum ich an mir als Lektor feile." Zudem empfinde er die Atem- und Entspannungsübungen auch als ein ganz persönliches Freiwerden von Alltagssituationen.
Wie im guten Theater lasse ein ausgewogener Vortrag einen Dialog mit den Hörern allein durch deren Zuhören entstehen. Wenn Texte sinngestaltend vorgetragen werden, haben die Kursteilnehmer erkannt, kann man sie neu entdecken, auch wenn sie zum bekannten Kanon gehören. Eine Bestätigung für sein Lesen bekam Xanten kürzlich von seinem Sohn: "Da war ich viel aufmerksamer."
Text und Foto: Peter Noçon in in "Kirche+Leben", 22.02.2007
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