Anzeige:
Werbung

kirchensite.de | Online mit dem Bistum Münster: Nachrichten aus der Kirche, katholischer Glaube, Spiritualität, Heiligenlexikon, Veranstaltungen, Seelsorge, Fürbitte, Bibelarbeiten, Dossiers.

. . . . .
Seite: Aktuelles  >  Archivartikel
22.07.2017
Artikel drucken
Logo kirchensite.
Aus dem kirchensite.de-Archiv
Kopfreliquiar desheiligen Paulus.

Bibelarbeit im Februar

"Wer wird mich retten?"

Der Schrei nach Erlösung (Röm 7)

1. Hinführung

Die Hoffnung stirbt zuletzt, sagt der Volksmund. Es muss schon ganz schlimm kommen, bis der Lebenswille eines Menschen ganz gebrochen ist und nur noch der Tod die Erlösung verheißt. Aber eben doch "Erlösung": Ob nur die Qual aufhören und ewige Ruhe herrschen soll; ob in aller Ausweglosigkeit ein Notausgang gesucht wird – noch der Todeswunsch eines zerrissenen Herzens ist ein lauter oder stummer Schrei, die Not möge ein Ende haben. Zum Schrei der Hoffnung wird er dann, wenn dieses Ende nicht das Nichts ist, sondern etwas Neues, Lebendiges, Gutes, Schönes. Erst dann ist der Notschrei ganz ernstgenommen, weil ja sonst der Mensch nicht mehr wäre, der ihn ausstößt.

Viel stärker aber als der Wunsch zu sterben ist der Wunsch zu leben. Die Biologie würde sagen: Er steckt in den Genen. Die Psychologie weiß vom Selbsterhaltungstrieb. Die Theologie muss immer wieder gegen das Vorurteil ankämpfen, es sei irgendwie besonders fromm, nicht "Ich" zu sagen und das eigene Leben nicht wertzuschätzen. Aber es heißt im Alten wie im Neuen Testament: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst" (Lev 19,18).

Die Theologie weiß jedoch auch um die doppelte Versuchung der Starken: sich auf Kosten der Schwachen durchzusetzen und die eigene Schwäche nicht einzugestehen. Richtig stark wird ein Mensch im Dienst am Nächsten; richtig stark ist, wer Schwäche nicht verbirgt. Die Psychologie weiß kein anderes Rezept für Mensch, die gesund an Leib und Seele sind. Die Biologie wüsste sogar, welche Evolutionsvorteile Sozialverhalten verschafft und dass nur die Beachtung der eigenen Grenzen das Überleben einer Art und eines Exemplars sichert.

Die Theologie kann und muss all dies von den anderen Wissenschaften lernen; aber sie weiß noch etwas mehr: dass die Frage "Was dürfen wir hoffen?" erst dann ihre ganzes Gewicht gewinnt, wenn Gott ins Spiel kommt. Denn die Menschen sind nicht nur soziale Wesen, sondern auch spirituelle, religiöse Wesen. Jede innerweltliche, jede zwischenmenschliche Hoffnung stößt an die unüberwindliche Grenze des Todes – und nichts ist brutaler als ein Handeln nach der Parole, das Blut, der gegenwärtig vergossen werden müsse, lasse den Samen des Fortschritts keimen und wachsen.

Freilich ist die Hoffnung nur dann echt, wenn sie keine Illusion ist. Dazu gehört, dass sie den gegenwärtigen Schmerz, den Menschen erleiden, nicht betäubt, sondern ernstnimmt – und ertragen lässt. Die Hoffnung auf Gott wird desto größer und glaubwürdiger, je mehr sie die Augen für die Realität menschlichen Lebens und Leidens öffnet. An der Hoffnung entscheidet sich, ob Schmerz und Leid nur als böser Schein gelten, der das wahre Menschsein nicht berührt – weshalb es am besten sei, sich in stoischer Ruhe zu üben. Oder ob sie echte Empfindungen sind, an denen sich ebenso zeigt, was der Mensch ist, wie an Triumphen und Glücksgefühlen.

Nur wer in der Hoffnung ganz stark ist, hat auch die Kraft, ohne falsche Selbstquälerei nach der eigenen Verstrickung ins Unglück zu fragen. Nicht nach der Parole "Selber schuld!", aber auch nicht nach dem infantilen Schema, die eigene Schuld nicht wahrhaben zu wollen, sondern immer bei anderen zu suchen: bei der Familie, bei der Gesellschaft, beim Staat, am Ende bei Gott. Ohne die Erfahrung, ohne die Perspektive Gottes bleiben die Gefühle und Gedanken über Schuld und Leid, Not und Hoffnung an der Oberfläche. In der Erfahrung, in der Perspektive Gottes erhalten sie einzigartigen Tiefgang.

Einer, der in der Hoffnung, im Glauben, in der Liebe ganz stark war, ist der Apostel Paulus. Er ist in der Geschichte der Menschheit einer der ersten, der mit Inbrunst, mit Leidenschaft und Nachdenklichkeit, mit Selbstkritik und voller Hoffnung "Ich" gesagt hat – und auf die Suche gegangen ist, wie andere Menschen ihr wahres "Ich" entdecken und zu ihm stehen können: ohne Maske, ohne Selbsttäuschung, ohne Narzissmus.

2. Der Text

Zu den intensivsten Reflexionen des Apostels Paulus über den Menschen gehört Röm 7. Wenige Texte haben das christliche Menschenbild so stark geprägt wie dieser. Wenige sind so oft – und so kontrovers – ausgelegt worden. Paulus formuliert sehr dicht. Man muss den Text wohl zwei-, dreimal lesen, um hinter seinen Sinn zu kommen. Viele Worte sind schwer verständlich. Sie werden leicht missdeutet. Doch sie haben Gewicht.

5Da wir im Fleisch waren, wirkten die Leidenschaften der Sünden selbst durch das Gesetz in unseren Gliedern, um dem Tod Frucht bringen. 6Jetzt aber wurden wir gelöst vom Gesetz, insofern wir gestorben sind, worin wir festgehalten wurden, auf dass wir dienen in der Neuheit des Geistes nicht im Alten des Buchstabens.

7Was also sollen wir sagen? Ist das Gesetz Sünde? Nie und nimmer! Sondern ich hätte die Sünde nicht erkannt ohne das Gesetz. Denn vom Begehren hätte ich nicht gewusst, sagte das Gesetz nicht: "Du sollst nicht begehren!" (Ex 20,17, Dtn 5,21).

8Aber einen Stützpunkt eroberte sich die Sünde durch das Gesetz, indem sie in mir jedes Begehren erregte. Ohne Gesetz nämlich wäre die Sünde tot. 9Ich aber lebte einst ohne Gesetz; als aber das Gebot kam, lebte die Sünde auf. 10Ich aber starb, und erfunden wurde in mir das Gesetz zum Leben als Gesetz zum Tode. 11Denn die Sünde eroberte den Stützpunkt durch das Gebot und täuschte mich und tötete mich durch es.

12Also: Das Gesetz ist heilig, und das Gebot ist heilig und gerecht und gut. 13Ist dann das Gute mein Tod geworden? Nie und nimmer. Sondern die Sünde, damit sie als Sünde erscheine, arbeitete durch das Gute an meinem Tod, damit die Sünde im Übermaß sündig werde durch das Gebot.

14Wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist, ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft. 15Denn was ich wirke, weiß ich nicht; denn nicht was ich will, tue ich, sondern was ich hasse, das mache ich. 16Wenn ich aber gerade das tue, was ich nicht will, stimme ich dem Gesetz zu, dass es gut ist. 17Nun aber wirke nicht ich, sondern die in mir wohnende Sünde. 18Denn ich weiß, dass in mir, heißt: in meinem Fleisch das Gute nicht wohnt; denn das Wollen liegt mir, nicht aber, das Schöne zu vollbringen. 19Denn nicht was ich will, mache ich, das Gute, sondern was ich nicht will, das Böse, das tue ich. 20Wenn ich aber das, was ich nicht will, mache, wirke nicht ich, sondern die in mir wohnende Sünde.

21Also finde ich das Gesetz, dass mir, der ich das Schöne tun will, das Böse liegt. 22Ich stimme dem Gesetz Gottes zu, gemäß dem inneren Menschen. 23Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern dem Gesetz meiner Vernunft widerstreiten und mich gefangennehmen im Gesetz der Sünde, die in meinen Gliedern ist.

24Ich erbarmungswürdiger Mensch, wer wir mich retten aus diesem Leib des Todes?

25Dank sei Gott durch Jesus Christus, unseren Herren. 

3. Zum Kontext

Der Römerbrief gehört zu den gewichtigsten Texten des Neuen Testaments. Er ist nicht leicht geschrieben. Paulus entschuldigt sich am Ende bei den Römern, vielleicht etwas "kühn" gewesen zu sein (Röm 15,15). Für ihn steht viel auf dem Spiel. Er hat die Gemeinde nicht gegründet. Aber er braucht sie als Sprungbrett für die Spanienmission, die er plant (Röm 15,24). Die Römer kennen ihn nicht von Angesicht, aber wohl vom Hörensagen. Und es wird nicht nur positiv gewesen in, was über Paulus im Umlauf war. Im Brief setzt er sich mit populistischen Vorwürfen gegen seine Mission auseinander: Er sei nicht streng genug; er mache die Gnade billig; er missachte das Gesetz. Paulus muss in die Vollen gehen. Er kann nicht nur seine Visitenkarte abgeben, er muss sein theologisches Programm darstellen. Dazu hat er den Römerbrief geschrieben.

Sein großes Thema ist die Gerechtigkeit Gottes – und dass niemand vor dem unerbittlichen Richter Angst zu haben braucht, sondern dass Gott selbst die Rettung bringt: durch Jesus Christus, der für die Sünder eintritt, sodass alle Glaubenden und ganz Israel auf Rettung hoffen dürfen.

Paulus zeigt zuerst, dass alle Menschen, Jude wie Heiden, der Erlösung bedürfen, weil sie Schuld auf sich geladen haben und der Unheilsmacht der Sünde Tribut leisten: die einen, weil sie das Gesetz haben,  aber übertreten, die anderen, weil sie die Stimme ihres Gewissens hören und nicht befolgen (Röm 1,18 – 3,20). Paulus zeigt aber sodann, dass gleichwohl kein Grund zur Verzweiflung besteht, sondern zur Hoffnung, weil Gott durch seinen Sohn Jesus Christus Sühne leistet und auf diese Weise Gnaden walten lassen kann, ohne den Unterschied zwischen Gut und Böse einzuebnen (Röm 3,21-31).

Paulus geht daran, detailliert diese zentrale, aber umstrittene Botschaft zu begründen. Am Beispiel Abrahams zeigt er, dass es auch der alttestamentlichen Schrift zufolge der Glaube ist, der rechtfertigt (Röm4). An der Gegenüberstellung von Adam und Christus zeigt er, dass zwar alle Menschenkinder, die jenseits von Eden leben, im Unheilskreis der Sünden sterben müssen, dass aber Jesus Christus sie aus reiner Liebe als Gotteskinder annimmt und nicht nur notdürftig den Schaden ausgleicht, den die Sünder angerichtet haben, sondern Heil in Fülle und Überfülle schafft (Röm 5). Daran schließt sich das Argument an, dass die Taufe, in der die Gemeinschaft mit Jesus Christus zugeeignet wird, nicht ethische Gleichgültigkeit begründet, sondern im Gegenteil die Teilhabe an der Gerechtigkeit Jesu Christi (Röm 6).

Damit ist Paulus beim Thema von Röm 7. Es folgt in Röm 8 ein grandioser Ausblick auf die Erlösung der ganzen Schöpfung, ihr Ächzen, bevor in Röm 9-11 von der Hoffnung Israels die Rede ist und in Röm 12-15 Konsequenzen für das praktische Christsein gezogen werden.

Röm 7 ist ein wichtiger Baustein in der paulinischen Begründung seiner zentralen These, dass Gott die Menschen nicht aufgrund der Werke des Gesetzes, sondern Glaubens rechtfertigt (Röm 3,28). Die Gesetzeswerke sind jene, die getan werden, weil das Gesetz sie vorschreibt und weil aus der Befolgung der Gebote das Heil erwartet wird. Der Glaube ist das radikale Vertrauen auf Gott im Heiligen Geist, das durch das Bekenntnis zur Einzigkeit Gottes und zur Gottessohnschaft Jesu geklärt wird (Röm 10,9f.). Röm 7 zeigt, dass damit nicht nur das Gottes-, sondern auch das Menschenbild zur Debatte steht und dass nur eine realistische Analyse menschlichen Elends zu einer realistischen Heilsverkündigung führen kann.

4. "Ich"

Röm 7 heißt es emphatisch "Ich"; der Text ist eine schonungslose, leidenschaftliche, verzweifelte und hoffnungsvolle Selbstanalyse. Aber wer redet? Von wem ist die Rede? Die Antwort ist umstritten, auch zwischen den Konfessionen. Es würde naheliegen, im "Ich" von Röm 7 Paulus selbst zu erkennen. Denn kaum ein anderer hat eine solch dramatische Biographie wie er unmittelbar in seinem Glauben durchleuchtet und widergespiegelt. Aber in Röm 7 ein tiefes Lebensproblem speziell des Apostels zu erkennen, griff zu kurz. Der ganze Römerbrief ist grundsätzlich angelegt. Nach anderen Selbstzeugnissen, die eindeutig auf Paulus gemünzt sind, war er als Pharisäer und Christenverfolger gerade nicht innerlich zerrissen, sondern fest davon überzeugt, untadelig zu sein auf dem richtigen Weg (Phil 3,3-9; Gal 1,13-16). Und das "Ich" von Röm 7 lebte einst "ohne das Gesetz" (Röm 7,9), während Paulus vor Damaskus gerade die Gerechtigkeit im Gesetz suchte.

So gewiss in den Text von Röm 7 Selbstreflexionen und Selbsterfahrungen des Apostels eingegangen sind – das "Ich" ist nicht in erster Linie auf eine bestimmte Person, sondern einen bestimmten Typ zu deuten. Auf wen? Es ist eine klassisch lutherische, auf Augustinus zurückgehende Deutung, an den Christenmenschen zu denken. So sehr er, wenn er auf Christus schaue, schon als Gerechtfertigter sich wissen dürfe, so sehr müsse er doch, wenn er auf sich selbst schaue, immer noch die eigene Ungerechtigkeit bekennen. Doch könnte auch von einem Gläubigen gesagt werden, er sei "unter die Sünde verkauft" (Röm 7,14)?

Eine Alternative ist, dass Paulus an das "Ich" Adams denkt. Von ihm gilt, dass er das "Gebot", nämlich nicht vom Baum des Lebens zu essen, zuerst nicht kannte, aber gerade durch das Verbot verleitet wurde, es zu übertreten (Röm 7,9). Von ihm gilt, dass er aus dem Paradies gestoßen wurde und sterben musste (Röm 7,10 – Gen 3,3). Vom ihm gilt, dass die Schlange ihn betrogen hat (Röm 7,11). So erklären sich auch der Zusammenhang mit dem Kontext und der Gedankengang von Röm 7. In Röm 7,5f. wird der Gegensatz zwischen Alt und Neu benannt. In Röm 7,7-11 wird die Geschichte des Sündenfalls aus Gen 3 nacherzählt (ohne dass Eva erwähnt würde). In Röm 7,12-24 wird der erbarmungswürdige Mensch portraitiert, der jenseits von Eden leben muss. In Vers 25 sagt der Christ dank, dass sein Erlösungsschrei nicht ungehört verfallt, sondern erhört worden ist.

Paulus versetzt sich in die Lage Adams, also eines jeden Menschen. Freilich hätte Adam nie selbst schreiben können, was Paulus über ihn schreibt. Zum Unheil der Sünde gehört ja, dass es den Sünder betrügt (Röm 7,11) und ihm vorgaukelt, sein Leben wäre im wesentlichen in Ordnung. Seine Perspektive ist die des Glaubens. Paulus betrachtet Adam von Christus her. Nur von diesem Standpunkt aus schärft sich sein Blick für die Strategie des Bösen; nur von ihm aus weiß er, dass der Schrei nach Erlösung nicht verzweifelt, sondern hoffnungsvoll ist.

Damit bleibt jeder Mensch im Spiel. Denn jeder Mensch ist Adamskind. In Röm 7,7-11 wird die Geschichte des Sündenfalls erzählt, Paulus denkt, wenn er getauften Kirchenmitgliedern schreibt, an überzeugte Christen, die sich gegen viele Schwierigkeiten zum Glauben bekannt haben. Ihnen hilft Röm 7, auf ihre Vergangenheit zurückzuschauen, die ihnen bei allen Brüchen der Biographie immer insofern gegenwärtig bleibt, als es ihre Vergangenheit ist. Im heutigen Milieu des Volkskirchlichen, auch wenn es vielerorts zu Ende zu gehen scheint, sind es nicht selten – als Säuglinge – Getaufte, die erst noch ihren Glauben entdecken  müssen und dann zuweilen Geschichten ähnlich wie jene erzählen können, die Paulus entdecken lässt. Und wer ohne persönliche Krise in den eigenen Glauben, den Glauben der Kirche hineingewachsen ist, kann in Adam doch sein alter ego entdecken, sein anderes Ich, das er wäre, wäre ihm nicht die Gnade der Gotteserfahrung und Christusgemeinschaft zuteil geworden.

5. Entfremdung

Röm 7 zeigt in großer Eindringlichkeit einen innerlich zerrissenen Menschen. Das macht die Dramatik des Textes aus. Der Mensch, den Paulus portraitiert, ist nicht schizophren. Er ist keine gespaltene Persönlichkeit. Er hat ein "Ich". Ohne dass Paulus es auszuführen brauchte: Er ist Geschöpf Gottes.

Aber er ist hin- und gerissen. Der größte Zwiespalt ist der zwischen Wille und Tat. Der Wille des Menschen ist auf das Gute aus, auch auf das Schöne; denn das Schöne ist für Griechen – auch für griechischen Juden und Christen – die Kehrseite des Guten. Wiederum nennt Paulus nicht die Voraussetzung des guten Willens, sondern sieht sie mit der Heiligen Schrift als gegeben an: Die Schöpfung ist nach der Genesis "gut". Es ist gut, sehr gut sogar, dass es Menschen gibt. Das kann es nur sein, wenn und weil die Menschen auf das Gute aus sind. Sie täuschen sich oft, was für sie – und für andere – gut ist. Aber es ist dem Menschen in die Wiege gelegt, nicht das Böse, sondern das Gute zu wollen. Ohne dieses positive Menschenbild, das einer positiven Schöpfungstheologie entspricht, hinge die ganze Erlösung in der Luft.

Paulus sagt auch, wo der gute Wille seinen Ort hat: im Verstand des Menschen (Röm 7,22). Er weiß, dass Menschen ihre Intelligenz missbrauchen können, um ihre – vermeintlichen – Eigeninteressen zu verwirklichen und anderen zum schaden. Aber er würde immer sagen, das sei besonders unvernünftig. Die biologische und medizinische Forschung zeigt heute, dass das Gehirn nicht nur ein Denk-, sondern auch ein Sozialorgan ist. Die klassische Philosophie ordnet die Vernunft dem Wesen des Menschen zu, der einer Bestimmung gemäß handeln soll. Für Jesus ist der Verstand ein Organ der Gottesliebe, aus der sich die Nächstenliebe ergibt (Mk 12,28-34). Paulus hat ähnlich gedacht: Es ist gut, wenn Menschen bei Verstand sind, weil sie dann auf das Gute aus sind. Das gilt nicht nur für die Glaubenden, sondern für alle Menschen: Sonst könnten sie nicht – wenigstens theoretisch – aus der Betrachtung der Welt auf den Schöpfer schließen. (Dass er dies den Adamskindern nicht recht zutraute, ist auch ein Grund für Luthers Deutung von Röm 7 auf den Christenmenschen.)

Menschen guten Willens mit Verstand gibt es natürlich auch außerhalb des Judentums und Christentums. Es gibt sie von Anbeginn der Menschheit. Paulus würde sagen: Es gibt sie von Adam und Eva an. Es sind Menschen mit einem intensiven Innenleben. Das ist der "innere" Mensch, von dem Röm 7,22 spricht. Gemeint ist kein introvertierter Typ, sondern ein Mensch mit Herz, ein Menschen mit einer Seele.

So weit, so gut. Wären die Menschen nicht so, wären sie Monster – und Gott wäre ein Tyrann oder ein Pfuscher. Er ist aber der Schöpfer des Himmels und der Erde, der Vater aller Menschen. Der "innere Mensch" ist es, der "Ich" sagen kann. Aber "Ich" muss auch sehen, dass dies nur die halbe Wahrheit ist. Denn "Ich", derselbe Mensch, der ich das Gute und Schöne will, tue – oft genug, immer wieder – das Böse, das Schlechte.

Wer wollte leugnen, dass es so ist? "Der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach", sagt Jesus seinen Jüngern in Gethsemane, da sie schlafen, während er einsam wacht (Mk 14,38). Paulus denkt ganz ähnlich. Der Geist öffnet den Menschen für Gott; er ist der Resonanzboden des Heiligen Geistes, der den menschlichen Geist anspricht, weitet, erhebt, inspiriert. Aber der Mensch hat nicht nur eine Innen-, sondern auch eine Außenseite. Dort ist er angreifbar. Es sind die "Glieder", wo sich seine Schwäche zeigt (Röm 7,5.23). Paulus kann auch sagen. Es ist das "Fleisch", das den Menschen schwächt (Röm 7,5.18). Mit den Augen der Bibel sieht Paulus, dass der Mensch nicht nur – mehr oder – Fleisch auf seinen Knochen hat, sondern durch und durch Fleisch ist. Die Fleischlichkeit ist durchaus ein wesentlicher Aspekt der Geschöpflichkeit des Menschen aber auch seiner Hinfälligkeit, seiner Sterblichkeit, seiner Angewiesenheit auf andere, seiner Empfänglichkeit für Umwelt-Reize.

Bei allem Körperkult, der gegenwärtig gefeiert wird, bei aller Fleischeslist, die öffentlich zur Schau gestellt wird: Meistens merkt man am Körper oft zuerst das Altern, die Schwäche, die Vorboten des Todes. Die heutige Biologie und Medizin kann – bis hinein ins Denken und Fühlen, ins Hören und Sprechen, ins Sehen und Erblinden – die untrennbaren Zusammenhänge zwischen Materiellem und Spirituellem, zwischen Körperlichem und Geistigem aufweisen. Und dass das Begehren tief im Fleisch des Menschen sitzt – Sigmund Freud ist vielleicht nicht ganz unbeeinflusst von Paulus (leider nur nicht genug, sonst wäre er nie auf die Idee verfallen, Religiosität sei eine seelische Neurose).

Aber Paulus denkt weiter, als Biologie und Psychologie denken können. Zum einen hält er mit der ganzen Bibel daran fest, dass das Fleisch nicht nur äußere Hülle ist, ein Kleid, das man ablegen könnte, sondern Teil des menschlichen Wesens. Menschen sind Menschen von Fleisch und Blut. Zum anderen aber hält er mit derselben Bibel, mit der Weisheit Israels und Jesu fest, dass im "Fleisch" auch die "Leidenschaften" brennen (Röm 7,5. Paulus denkt nicht nur an die Sexualität. Er denkt schon gar nicht an die großen Gefühle der Liebe, der Trauer, des Glücks, des Mitleids. Er denkt an das Haben- und Besitzenwollen. Die "Leidenschaften" sind die Begierden, von denen die Zehn Gebote gleich zweimal sagen: "Du sollst nicht begehren!" (Röm 7,7: Ex 20,17; Dtn 5,21). Diesen Begierden folgt der Mensch allzu gerne, weil er sich eine Steigerung seines Lebens erhofft.

Aber das Begehren wird im Alten und im Neuen Testament verboten, weil ihm der Egoismus innewohnt. Er ist das Gegenteil von Ichstärke. Er ist vielmehr ein Zeichen von Ichschwäche – weil durch eigene Anstrengungen kompensiert werden soll, was an Anerkennung und Zuwendung fehlt oder zu fehlen zeigt. Das Begehren, das Sünde ist, geht auf Kosten anderer.

Sicher gibt es in unserer Sprache auch ein anderes Begehren als das sündige: das Hingerissensein vom Wahren, Schönen und Guten; den Wunsch, geliebt zu sein  und lieben zu können. Dieses Begehren ist eines der großen Antriebe für Wissenschaft und Solidarität. Aber es kann immer auch ins Gegenteil verkehrt werden; in Selbstsucht. Das hat Paulus mit seiner biblischen Sprache im Sinn.

Das Ergebnis solchen Begehrens ist katastrophal, zugespitzt: es ist tödlich. Sowohl für andere Menschen, die Mittel zum Zweck der Bedürfnisbefriedigung werden, als auch für den Täter. Es zerreißt ihn. Das analysiert Paulus in Röm 7 messerscharf. Er wählt die 1. Person Singular, um klarzustellen, dass jeder Mensch erkennen soll, nicht von anderen sei die Rede, sondern von ihm selbst. Jeder muss gestehen: Was ich begehre, ist nicht das, was ich eigentlich will, nämlich das Gute, sondern immer wieder das, was schlecht ist. Mein Begehren führt mich vielmehr in Konflikt mit dem Guten, wenn und weil es nur mein Begehren ist, das nur meinen Eigennutz, nicht aber das Leben meiner Mitmenschen vor Augen hat. In diesem Zwiespalt siegt – noch und noch – nicht das Gute und Schöne, sondern das Böse. "Ich" verliere meinen Verstand, indem ich "meinen" bösen Leidenschaften nachgebe, die mich die anderen Menschen nicht als Partner, sondern als Konkurrenten sehen lassen. Umgekehrt würde mein Verstand kalt, wenn er nicht vom guten Willen belebt würde. Doch das Problem ist: Meine Taten widerstreiten meinem guten Willen. Es sind aber Taten, an denen sich die Menschen messen lassen müssen. Denn durch ihr Tun und Lassen beeinflussen sie das Leben anderer Menschen und machen sie, wenn es schlecht läuft, zum Objekt ihrer Begierde.

Paulus sagt: Wenn es mir so ergeht, muss ich anerkennen, dass ich es bin, der versagt. Aber gleichzeitig bin dann ich mir selbst entfremdet. Die Sünde hat von mir Besitz ergriffen. Das entlastet mich nicht von meiner Verantwortung. Aber ich verstehe mich selbst nicht mehr. Ich bin nicht mehr Herr meiner selbst. Ich bin nicht mehr ich selbst. Ich weiß auch im stärksten Strudel der Leidenschaften, dass "ich" das Gute wollen soll und, wenn ich bei "mir" selbst bin, auch eigentlich will; die Stimme des Gewissens lässt sich nicht so leicht übertönen (wenn jemand nicht psychisch krank ist). Aber ich handle gegen das mein Gewissen, gegen das Gute. Das gerade ist mein Problem, aus dem ich mich nicht  herausreden kann, aber auch selbst keinen Ausweg finde. Ich kann mir nicht einreden, nicht selbst für meine Taten verantwortlich zu sein, auch wenn "ich" eigentlich sie gar nicht tun will. Ich muss zu meinen Taten stehen. Ich bin aber im Grunde meines Herzens unglücklich, wenn ich nicht das mache, was ich eigentlich tun will. Ich liege mit mir selbst im Streit. Ich werde mir selbst fremd.

6. Sünde

Paulus analysiert in Röm 7 nicht nur die Entfremdung des Menschen, er diagnostiziert sie auch. Er fragt nach den Ursachen, und er findet eine Erklärung. Paulus spricht von der Sünde. Im Gegensatz zu unserem modernen Wortgebrauch meint er nicht nur persönliches Fehlerhalten, sondern eine Unheilsmacht, die durch immer neues Fehlverhalten immer neue Nahrung erhält, aber auch eine Belastung für weiteres Denken und Handeln darstellt. Niemand ist gezwungen, der Macht der Sünde nachzugeben, aber niemand ist frei von  ihr. Und jeder, der ihr nachgibt, macht sie stark. Die Sünde, schreibt Paulus, ist nicht immer schon Herrin über den Menschen, sondern sucht einen Brückenkopf, einen Anknüpfungs-, einen Stützpunkt – und findet ihn in der Fleischlichkeit des Menschen: in seiner Empfänglichkeit für die Reize seiner Umgebung, auch seiner Hinfälligkeit, seiner Angewiesenheit auf andere, seiner Sterblichkeit.

Inwiefern das im einzelnen Menschen der Fall ist, erklärt Paulus im Rückgang auf das 9. und 10. Gebot, das Verbot des Begehrens. In diesem Gebot sind alle anderen insofern zusammengefasst, als es den heimlich-unheimlichen Antrieb nennt, der zum Lügen, Morden, Stehlen und zur Zerstörung der Familien führt. Gerade wenn der Bezug zu Adam gesehen wird, kommen die vollen Dimensionen des Begehrens zum Ausdruck. Denn dann ist deutlich, dass Paulus beim "Gebot" und Gesetz zunächst nicht an die Tora vom Sinai denkt – bzw. an den Zusammenhang zwischen dem Verbot, vom Baum der Erkenntnis zu essen, und den Zehn Geboten. Beidemale geht es darum, Gott als Gott anzuerkennen, weil nur dann Menschen ihren Frieden finden können. Umgekehrt ist dann Adams Wunsch, vom Baum der Erkenntnis zu essen, als sein Begehren entlarvt, sein zu wollen wie Gott (Gen 3,5). Und es ist aufgeklärt: In den vielen kleinen Sünden, die sich Menschen zuschulden kommen lassen, zeigt sich die eine große Sünde, Gott nicht als Gott anzuerkennen, sondern die eigenen Begierden als Richtschnur des Handelns zu sehen und damit sich selbst zu Gott zu machen.

7. Gesetz

Was kann der Macht der Sünde widerstehen? Vor Damaskus hätte Paulus gesagt: Das Gesetz, die Tora, ist ein Damm gegen die Flut der Sünde und ein Weg durch die Wüste des Bösen zur Quelle des Lebens. Aber das hat er "in Christus" als falsch anerkannt. Das Gesetz kann nicht retten – obwohl es "zum Leben" gegeben ist (Röm 7,10 – Lev 18,5) und befolgt werden muss; obwohl es nicht nur Vorschriften enthält, über deren Sinn man streiten kann, sondern im Kern die Zehn Gebote stehen hat, deren Sinn bis heute unbestritten ist; obwohl es nicht nur Forderungen enthält, sondern die grundlegenden Geschichten über die Entstehung der Welt, die Berufung Abrahams, die Erwählung Israels, seine Befreiung aus Ägypten und die Verheißung des Gelobten Landes wie des Segens für alle Bewohner der Erde. Das Gesetz gibt genaue Anweisungen, wie durch Opfer und Gebet, durch Gottes-  Nächstenliebe Schuld gebüßt und Sünde vergeben werden kann. Doch es kann den Menschen nicht retten, sagt Paulus; retten kann nur Jesus Christus – das ist die Glaubenseinsicht, die ihm vor Damaskus geoffenbart worden ist.

Dennoch verwirft er das Gesetz nicht, wie einige ihm vorgeworfen haben. Die schärfste Kritik spießt er selbst in der geradezu blasphemischen Frage auf, ob denn das "Gesetz Sünde" sei (Röm 7,10), wenn es ihr letztlich nichts entgegensetzen habe und sogar von ihr missbraucht werde. Paulus aber hält gut jüdisch und christlich fest, ganz mit Mose und mit Jesus: "Das Gebot ist heilig und gerecht und gut" (Röm 7,12). Wie sollte es anders sein, da doch kein anderer als Gott das Gebot erlassen hat: schon im Paradies und dann auf der Höhe des Sinai. Paulus geht sogar noch weiter als die jüdische Theologie seiner Zeit und sagt: "Das Gesetz ist geistlich" (Röm 7,14). Die Antithese von "Geist" und "Buchstabe", die er in Röm 7,6 aufgreift (vgl. 2Kor 3,6), hat mit einer Abwertung des Gesetzes nichts zu tun. Sie deckt vielmehr auf, dass nicht die Erfüllung der Gebote, sondern nur der geistgewirkte Glaube rettet.

Obwohl das Gesetz "geistlich" ist, kann es nicht retten. Es hat, so Paulus, eine andere Aufgabe, als er selbst früher gedacht hat: Es soll die Sünde als Sünde kenntlich machen. Es hält den Menschen den Spiegel vor. Es gibt dem Gewissen eine grundlegende Orientierung: Es sagt, was gut und böse ist, richtig und falsch, wichtig und unwichtig. Es unterscheidet zwischen Täter und Opfer. Es verurteilt die Sünde. Das alles ist wichtig, notwendig, unverzichtbar. Aber es reicht nicht, dem Ansturm der Sünde zu trotzen.

Für einen Juden, der Paulus war und geblieben ist, ist es äußert schmerzlich, nachzuvollziehen, was Paulus entdeckt hat: dass die Sünde so viel Macht hat, das Gesetz in ihren Bann zu ziehen und sich zu Diensten zu machen. Wie das geschieht, hat Paulus im Anschluss an das Sprichwort, vom Verbotenen gehe ein besonderer Reiz aus: Indem Gott – im Paradies, auf dem Sinai – sein Gebot aufstellt und damit sich dem Menschen als Gott erweist, löst er, obgleich das Gesetz ihm gut tut, den Protest des Menschen aus und stachelt den Widerspruchsgeist an. Die Schlange der Genesis gaukelt dem Menschen vor, wie Gott sein zu können, wenn sie von der verbotenen Frucht äßen – aber nur, um sie ins Unglück zu stürzen. Darauf fällt Adam rein – nicht ohne eigene Schuld, aber mit so einschneidenden Konsequenzen, dass er sie nie beherrschen kann. Dieses Verhalten Adams aber vollzieht sich permanent neu; es wiederholt sich in jeder großen und kleinen Sünde. Wer das nicht wahrhaben will, ist um so schlimmer dran.

Das Gesetz behält sein Gutes. Es ist nicht nur das Beste, was Gott seinem Volk und damit der ganzen Menschheit geschenkt hat, bevor Jesus Christus auf die Welt gekommen ist. Es deckt auch die Machart des Bösen auf: dass es sich des Guten bedient, um den Menschen vorzutäuschen, durch die Absage an Gott, durch den Verstoß gegen das Gebot und die Missachtung des Nächsten den eigenen Interessen zu dienen.

Damit lässt sich die Stimme des Gewissens nicht – immer – mundtot machen. Es bleibt der gute Wille. Aber er setzt sich nicht durch. Weder helfen Gebote, Wegweisungen, Vorschriften, gute Ratschläge. Noch können die Opfer im Tempel, die persönliche Reue, die Wiedergutmachung ein für allemal das Böse aus der Welt schaffen. Es bleibt das Elend eines innerlich zerrissenen Menschen.

8. Dank sei Gott

Adam schreit nach Erlösung. So stark ist die Sünde nicht, dass sie die Hoffnung auf Rettung, die Sehnsucht nach Heilung aus dem Herz des Menschen risse. Unausweichlich ist der Tod. Jeder Mensch wird sterben. Niemand kann sich selbst erlösen. Niemand aber braucht sich damit abzufinden. Denn Gottes Möglichkeiten sind unendlich größer als alle Allmachtsphantasien und Wunschvorstellungen von Menschen. Paulus hat, das ist sein Glaube, erfahren, dass Gott den Menschen Jesus Christus als Retter erkannt hat. Niemand hatte darauf einen Anspruch; das es so gekommen ist, sprengt alle Grenzen menschlicher Vorstellungskraft. Aber da es so gekommen ist, öffnet sich neu der Blick für Elend und Glanz des Menschen, für die Realität seines angefochtenen, zerrissenen, aber von Gott geschenkten und erlösten Lebens. Der Mensch ist elend, aber er ist in all seinem Elend erbarmungswürdig. Er ist es viel zu selten n den Augen anderer Menschen. Er ist es immer in den Augen Gottes.

Deshalb endet Röm 7 mit dem Schrei nach Erlösung – und dem Dank an Gott, den aus vollem Herzen sprechen darf, wer wie Paulus die Erfahrung des Glaubens gemacht hat. Alle anderen sind nicht vergessen. Ihre Geschichte – die die der eigenen Geschichte der Glaubenden nicht fremd ist – wird in Röm 7 besprochen: nicht höhnisch, nicht besserwisserisch, aber nüchtern und klar, sodass Gott den Platz bekommen kann, der ihn im menschlichen Leben gebührt.

Wer von Christus her auf Adam zurückblickt, entdeckt die eigene Geschichte neu. In Röm 6 hatte Paulus gesagt, dass, wer getauft ist, mit Christus gestorben ist, um mit ihm als neuer Mensch zu leben: jetzt und in alle Ewigkeit. Das wendet er in Röm 7,5f. an: Wer getauft ist, ist mit Christus den Tod des Sünders gestorben, weil Jesus Christus stellvertretend diesen Tod auf sich genommen hat: für dich – für euch – für uns – für viele – für alle. Paulus markiert aber auch den Ort dieses Sterbens: Er ist dort, wo ein Mensch, der sich nur ans Gesetz halten kann, sterben muss, weil es den Sünder verurteilt. Getötet wird also der Tod, den sich die Sünder in ihrem Leben selbst zugesprochen haben. Und genau dieses Leben wird in Christus neu erschaffen. Deshalb: "Dank sei Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn" (Röm 7,25).

9. Vorschlag zu einer Bibelarbeit

Röm 7 ist keine leichte Kost. Es ist nahrhafte Theologie und Spiritualität. Wer keine Zeit hat, soll den Text sich für später aufheben. Wer sich aber Zeit nimmt, kann mit Röm 7 das eigene Gottes- und Menschenbild auf den Prüfstand stellen und ganz neue Seiten entdecken.

Ankommen

GL 163: "Aus tiefer Not schrei ich zu Dir" (nach Ps 130)
oder GL 7,1

Wahrnehmen

Den Text Röm 7 einmal langsam, sorgfältig lesen

Klären

Fragen sammeln (auf Zetteln): Was verstehe ich nicht? Was sehe ich anders?
Fragen beantworten (mit Hilfe der exegetischen Hinweise oben)

Vertiefen

  • Wie geht es uns mit dem Gesetz? Woran denken wir heute bei diesem Wort? Wie gehen wir mit diesem Gesetz um? Wie wirkt es auf uns? Wie verhält es sich zum Gesetz Gottes?
  • Wie geht es uns mit der Sünde? Was sehen wir als leichte, was als schwere Sünde an? Wie sehen wir die paulinische Analyse, dass es eine Unheilsmacht der Sünde gibt, nicht nur persönliches Fehlverhalten? Wo sehen wir sie am Werk? Wie verhalten wir uns dazu?
  • Machen wir selbst die Erfahrung innerer Zerrissenheit? Wann ist sie besonders schlimm? Was hilft uns dann?
  • Was gibt uns die Kraft, zu unserer Schwäche, zu unserem Sterbenmüssen, zu unserer Angewiesenheit auf Gott zu stehen?

Verinnerlichen

Alle halten sich für sich selbst den Gewissensspiegel vor: GL 63,3

Beten

GL 190,2 (Ps 51)

Literatur:

  • Zum neutestamentlichen Menschbild
    Eckart Reinmuth, Anthropologie im Neuen Testament, Tübingen 2006
  • Zur Exegese von Röm 7:
    Eduard Lohse, Der Brief an die Römer, Göttingen 2005

Thomas Söding, Februar 2007
Katholisches Bibelwerk im Bistum Münster (www.bibelwerk.de)

in Kooperation mit
kirchensite - online mit dem Bistum Münster (www.kirchensite.de)

Die Bibelarbeit zum Download...

(Zum Anzeigen der Texte ist der Acrobat-Reader erforderlich. Falls Sie diesen nicht haben, können Sie ihn hier kostenlos runterladen: Der Acrobat-Reader zum Download…)

Weitere Bibelarbeiten im Internet:
www.kirchensite.de/bibelarbeiten

Das Evangelium hören

Service für Sie

Facebook

RSS-Feed Topnews

Öffnet internen Link im aktuellen FensterNewsticker für Ihr Web


Anzeigen-Sonderthema


Heiligenlexikon in "kirchensite.de"

im Heiligenkalender können Sie nach Monaten blättern. Oder wählen Sie hier nach Buchstaben aus:

 

Kontakt

  kirchensite-Redaktion:
  redaktionkirchensite.de

  Technik:
  technikdialogverlag.de

Dialogversand