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26.07.2016
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Prälat Karl Jüsten vor der Kulisse des Berliner Reichstags.

Im Porträt: Prälat Karl Jüsten

"So gar nicht prälatenhaft"

Berlin. Mit rotem Helm und blauem Motorroller - so flitzt Prälat Karl Jüsten häufig zu Terminen. Im zähen Berliner Hauptstadtverkehr überholt der 45-Jährige dabei nicht selten die Dienstwagen der Politiker, die zur gleichen Veranstaltung eilen. Doch die für einen katholischen Geistlichen von Rang eher ungewöhnliche Fortbewegung ist nicht das einzige Unkonventionelle am Leiter des Katholischen Büros. Was Jüsten auszeichne, sei seine "burschikose Direktheit und Herzlichkeit, so gar nicht prälatenhaft - und das meine ich positiv". So das Urteil von Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse.

Seit nunmehr sieben Jahren leitet Jüsten das Katholische Büro in Berlin, die  Verbindungsstelle der Kirche bei Bundesregierung, Bundestag, den Parteien und in der Hauptstadt. In dieser Zeit hat sich der gebürtige Bad Honnefer als "Kirchen-Lobbyist" den Respekt aller Parteien erworben. Da gehen sogar Unions-Fraktionsvize Volker Kauder und seine Bündnisgrüne Amtskollegin Renate Künast eine Koalition ein, wenn sie Jüsten als kompetenten Ratgeber und angenehmen Gesprächspartner loben.

Für die katholische Sache streiten

Dabei übt dieser nicht nur leise, sondern mitunter auch mit lauter Stimme Kritik am Kurs der Parteien. Rüstungsexporte, die Praxis der Spätabtreibungen, Flüchtlingspolitik oder Armutsbekämpfung - kaum einer ergriff da deutlicher Partei als der parteibuchlose Vertreter der katholischen Kirche. Und er ist dabei im Vier-Augen-Gespräch mit den Fraktionsspitzen genauso souverän wie als Experte bei Ausschuss-Anhörungen. Vielleicht nicht zuletzt deshalb haben ihm einige Politiker den wohlmeinenden Spitznamen "der heilige Karl" verpasst.

Sein Stil, für die katholische Sache im politischen Berlin zu streiten, findet in jedem Fall die Zustimmung der Bischofskonferenz. Im vergangenen Herbst bestätigte sie Jüsten für eine zweite Amtszeit als ihren Mann in Berlin. Kardinal Karl Lehmann, Vorsitzender der Bischofskonferenz, weiß, was er an ihm hat: "eine rheinische Frohnatur mit einer soliden theologischen Ausbildung, eine wache seelsorgliche Erfahrung mit der Kunst der Menschenführung."

Seelsorger für alle, die in der Politik aktiv sind

Einst studierte Jüsten in Freiburg als Schüler Karl Lehmanns und promovierte schließlich 1998 mit einer Doktorarbeit über "Ethik und Ethos in der Demokratie". Darin richtete er den Blickpunkt auf die Voraussetzungen sittlich verantwortlichen Handelns in einer pluralistischen Gesellschaft. Akademisches Rüstzeug, das der Leiter des Katholischen Büros für seine politische Lobbyarbeit immer wieder gut brauchen kann.

Darüber hinaus ist Jüsten das Spirituelle wichtig. Den Politikern geistliche Begleitung anzubieten, zählt er zu seinen hervorgehoben Aufgaben. "Ich verstehe mich als Pfarrer, als Seelsorger für alle, die in der Politik aktiv sind", erklärt Jüsten, der jede Sitzungswoche als Priester mit Abgeordneten Gottesdienst feiert. Und als solcher ist er dann auch jenseits der politischen Themen ein gefragter Ratgeber und Gesprächspartner.

Text und Foto: Karin Wollschläger, 08.01.2007

Lesen Sie außerdem in "kirchensite.de":
- Interview mit Prälat Karl Jüsten

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