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24.05.2017
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Aus dem kirchensite.de-Archiv
Thomas Söding

Professor Söding zum Menschenbild der Bibel

...so gut wie kein anderes Buch

Bistum. Um das Menschenbild der Heiligen Schrift geht es in der neuen Staffel der Bibelarbeiten im Online-Nachrichtenmagazin "kirchensite.de". Der Leiter der Katholischen Bibelwerkes im Bistum Münster, der Neutestamentler Prof. Thomas Söding, erläutert im Interview, wie das "Buch der Bücher" über den Menschen spricht.

"kirchensite.de": "Gott schuf den Menschen nach seinem Bild." So heißt ganz am Anfang der Bibel. – Der Mensch – das Ebenbild Gottes: Ist das das Menschenbild der Heiligen Schrift: der Mensch als die Krone der Schöpfung?

Thomas Söding: Die Bibel redet so gut vom Menschen wie kein anderes Buch der Menschheit. Ebenbild Gottes ist jeder Mensch, jung oder alt, krank oder gesund, Mann oder Frau, dumm oder gescheit. Unsere ganze Geschichte der Menschenrechte hinge ohne die biblische Schöpfungstheologie in der Luft.

"kirchensite.de": Die Menschheitsgeschichte fängt in der Bibel gut an: der Mensch im Paradies. Aber das bleibt nicht lange so. Denkt die Bibel letztlich doch nicht so gut über den Menschen?

Söding: Die Bibel macht sich nichts vor: Menschen sind keine kleinen Götter, sondern Wesen aus Fleisch und Blut. Aber sie wollen gerne ihr eigener Gott sein: Sie stehen in der Versuchung, auf Kosten anderer zu leben. Deshalb sind sie schwach. Aber Gott lässt sie nicht im Stich. Das ist die eigentliche Frohe Botschaft. Selbst Kain, der Brudermörder, wird von Gott vor der Rache der Menschen geschützt. Über der Arche Noah steht der Regenbogen - Zeichen der Hoffnung, dass Gott die Welt nicht vernichtet.

"kirchensite.de": Die Bibel zeigt, dass Gott ein unausrottbares Interesse am Menschen hat. Noah, Abraham, Isaak, Josef, Mose – immer wieder ergreift Gott die Initiative. Worauf fußt dieses – nach menschlichem Ermessen – widersinnige Verhalten Gottes?

Söding: Muss es einen vernünftigen Grund geben, dass wir anderen verzeihen? Dass wir einen Menschen lieben? Gott liebt die Menschen. Seine Liebe ist unergründlich. Vor allem: Gott ist in seiner Liebe treu, mögen die Menschen auch untreu werden.

"kirchensite.de": Der Bibel spricht auch vom Gegensatz zwischen Gott und dem Menschen: "Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst, des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?" – Der Mensch kann Gott nicht das Wasser reichen, oder doch?

Söding: "Du hast ihn kaum geringer als die Engel gemacht", sagt der 8. Psalm weiter und kommt aus dem Staunen, dass der kleine Mensch dem großen Gott überhaupt etwas bedeutet, gar nicht heraus. Der Mensch, wenn er nicht borniert ist, muss Gott in seiner Größe anerkennen. Aber das ist gerade sein Glück, wenn er dies erkennt. Es kann ihm nichts besseres passieren als die lebendige Begegnung mit Gott - die sich am ehesten in der Begegnung mit anderen Menschen ereignet.

"kirchensite.de": Ist die Menschwerdung Gottes der Höhepunkt der biblischen Menschenbildes?

Söding: Jesus ist wahrhaft Mensch. Gottes Sohn ist wahrhaft Mensch geworden, einer von uns. Das ist kaum zu glauben - und doch der Angelpunklt des christlichen Glaubens. Deutlicher kann gar nicht die Bedeutung des Menschen gezeigt werden als im Weihnachtsgeschehen. Allerdings gehört Ostern dazu: "Seht, der Mensch", sagt Pilatus, als er den Judenkönig mit der Dornenkrone vorführt. Jesus steht mit seinem Leben für die unveräußerliche Würde eines jeden Menschen ein.

"kirchensite.de": Der Mensch ist Individuum und Gemeinwesen. Was sagt die Bibel zum Zusammenleben der Menschen? Gibt die Heilige Schrift zur spannenden Frage, wo meine Freiheit endet und das Gemeinwohl anfängt Auskunft?

Söding: Meine Freiheit endet nicht, wenn die Gemeinschaft und das Gemeinwohl anfangen. Ohne die Gemeinschaft meines Vaters und meiner Mutter wäre ich ja gar nicht auf der Welt. Ohne die Geneinschaft der Familie, der Freunde könnten Menschen ihre Freiheit gar nicht entdecken. Die Gemeinschaft, wenn sie erdrückt, schnürt die Luft zum Atmen ab; dann ist Befreiung angesagt. Aber auf meine persönlioche Freiheit muss ich auch verzichten können, wenn andere mich brauchen. Wenn ich das akzeptieren kann, habe ich zur wahren Freiheit gefunden.

"kirchensite.de": Was bringt dem Menschen der Glaube, um zum wahren Menschsein zu gelangen?

Söding: Menschen, sagt die Bibel auf der ersten Seite, sind Gottes Ebenbild. Sie sind nicht Versuchskaninchen in einem gigantischen Menschenversuch, den Gott anstellt. Sie sind um ihrer selbst willen liebenswert. Wer das an sich selbst und am anderen entdeckt, ist auf dem Weg zum Glauben. Und wer an Gott zu glauben vermag, verleugnet das Menschsein nicht, sondern entdeckt es. Kinder haben ein Recht auf Glauben. Dieses Recht muss die Kirche heute einklagen und selbst verwirklichen.

"kirchensite.de": Die Bibel weiß von Zweiflern wie Thomas – ist der Zweifel an Gott dem Menschen erlaubt?

Söding: "Ich glaube, hilf meinem Unglauben", ruft ein Vater eines kranken Jungen, der weder ein noch aus weiß (Mk 9,24) - und Jesus hilft ihm. Der ungläubige Thomas wird von Jesus nicht bloßgestellt, Er wird nicht auf seinen Zweifel festgelegt. Jesus zeigt sich ihm als der auferstandene Gekreuzigte. Dadurch wird Thomas zum Glaubenden: "Mein Herr und mein Gott" (Joh 20,28). Die Bibel tut nicht so, als ob ehrliche Menschen, Menschen mit gutem Willen, nicht von Zweifeln geplagt werden könnten. Aber sie erzählt tausend Geschichten, dass Gott nicht am Menschen zweifelt, sondern an seiner Menschenliebe festhält.

"kirchensite.de": Jesus hatte einen Lieblingsjünger: Hat Gott Lieblinge unter den Menschen?

Söding: Gott liebt alle Menschen - jeden so, wie es für ihn am besten ist. Menschen sind unterschiedlich. Also ist auch die Art und Weise, wie sie Gottes Liebe erfahren, unterschiedlich, Gottes Liebe hat nichts gleichmacherisches, sondern wird jedem einzelnen Menschen gerecht. So hat auch Jesus zwar den einen Jünger - der es vielleicht ganz besonders nötig hatte - ganz besonders liebgewonnen, aber nicht, weil ihm die anderen Jünger weniger wert gewesen wären, sondern um ihnen zu zeigen, wie sehr er sie alle liebt.

"kirchensite.de": Das letzte Buch der Bibel spricht von einem "neuen Himmel" und einer "neuen Erde". – Gibt es am Ende der Zeiten auch einen "neuen Menschen"? (Und wie ist er?)

Söding: Paulus spricht vom neuen Menschen, von der neuen Schöpfung. Der neue Mensch hat ein Gesicht: das Gesicht Jesu Christi. Jesus Christus, wir bekennen es, ist nicht nur wahrer Gott, sondern auch wahrer Mensch. Die Vollendung besteht nach Paulus darin, dass wir in sein Bild hinein verwandelt werden. Das heißt: Wir bekommen Anteil an seiner Gotteserfahrung; wir werden hineingenommen in die Liebe zwischen dem Vater und dem Sohn; das ist das Werk des Heiligen Geistes.

Das Interview führte Norbert Göckener, Foto: Bönte, 20.12.2006

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