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22.07.2017
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Aus dem kirchensite.de-Archiv

Bibelarbeit im November 2006

Alpha und Omega

Der November gehört aufgrund seines Wetters in den meisten nord- und mitteleuropäischen Ländern zu den eher tristen Monaten des Jahres. Aber gerade die düsteren Tage dieser Zeit laden auch ein, sich (evtl. mit einer Tasse Tee) zurückzulehnen und seinen Gedanken nachzugehen. So möchten auch folgende Überlegungen einladen, alleine oder als Gruppe über einen der bekanntesten Bibelverse zu meditieren:

"Ich bin das Alpha und das Omega!"
(Offb 1,8)

1. Exegetischer und historischer Hintergrund

Der Satz "Ich bin das Alpha und das Omega!"  gehört zweifelsohne zu den bekanntesten des Neuen Testamentes. Nicht nur der Bibeltext, sondern auch die vielfache Verwendung der griechischen Buchstaben Alpha (A) und Omega (Ω) auf Oster- und Taufkerzen, Bucheinbänden, auf Mosaiken innerhalb der Kirche oder auf vielen Bildern mit christlichem Inhalt lassen uns den Vers stetig präsent werden.

Der biblische Kontext ist dagegen weniger bekannt. Der Satz "Ich bin das Alpha und das Omega!" stammt aus dem letzten Buch des Neuen Testamentes, der sog. Johannes-Apokalypse bzw. -Offenbarung. Diese Schrift ist in der Bibelarbeit nicht ganz einfach zu handhaben, da ihre Sprache, ihre Bilderwelt und ihre Denkformen dem heutigen Menschen fremd geworden sind – fremder noch, als dies bei vielen biblischen Texten ohnehin bereits der Fall ist. Gleichwohl macht dies die Faszination dieser Schrift bei vielen Lesern aus.

Eine kurze Vergewisserung des literaturgeschichtlichen Hintergrundes hilft, diese Schrift besser zu verstehen. Die Offenbarung des Johannes gehört - wie ihr Name schon sagt - zur literarischen Gattung der sog. Apokalypsen (griechisch apokalypsis = Offenbarung).  Dieses Schrifttum umfasst eine größere Anzahl von Texten, die vor allem in der Zeit vom 1. Jh. v. Chr. bis zum 2. Jh. n.Chr. geschrieben wurden. Es gibt jüdische und christliche Apokalypsen. Typisch für diese Schriften ist die Annahme, dass man am Ende der Weltzeit lebe, und bald eine neue Zeit anbreche, die durch die bislang verborgene universale Kraft Gottes bestimmt ist. Der Übergang zwischen diesen beiden Zeiten kann nach Ansicht dieser Schriften nur durch eine Katastrophe erfolgen. Diese Katastrophe ist unumgänglich, da die gegenwärtige Welt grundsätzlich böse ist.

Die Entstehung und das spezifische Denken dieser Literaturgattung lassen sich zu einem großen Teil mit den historischen Erfahrungen des jüdischen Volkes bzw. der frühen Christen begründen. So ist etwa die Offenbarung des Johannes stark beeinflusst von der Erfahrung der frühen Christenverfolgungen, in deren Kontext der Autor dieses Textes auf die Insel Patmos verbannt wurde. Konkret schreibt Johannes nach mehrheitlicher Meinung der Exegese sein Buch am Ende der Regierungszeit des römischen Kaisers Domitian (81-96 n.Chr.). Es ist dies die Zeit, in der der sog. Kaiserkult einen großen Aufschwung nahm. Zwar ist es historisch mehr als zweifelhaft, ob Domitian von allen Untertanen die Anrede als "Herr und Gott" gefordert hat, jedoch ist es als Faktum anzusehen, dass viele Römer diese Anrede benutzen und die göttliche Verehrung des Kaisers vor allem in Kleinasien üblich war. So wurden dort u.a. Standbilder aufgestellt und verehrt (vgl. dazu Offb 13,14-16; 14,9.11; 15,2; 19,20; 20,4). Da eine solche Verehrung für einen gläubigen Christen undenkbar war, ergaben sich vielfach gesellschaftliche Probleme, die schließlich in lokalen wie überregionalen Christenverfolgungen gipfelten, und zu deren Opfer auch die Adressaten dieser Schrift zählen. In dieser Situation will die Johannes-Apokalypse die bedrängten Christen trösten und ermuntern, ihrem Christusglauben treu zu bleiben. Daher offenbart sie den Bedrängten in dieser scheinbar heillosen Welt das kommende Heil, welches in Kreuzestod und Auferstehung Jesu Christi bereits angebrochen ist. Wenngleich die Vollendung des Heils noch aussteht, sind die Christen durch ihre Taufe bereits erlöst.

2. Exegetische Betrachtung

Die Offenbarung selbst lässt sich grob in die sieben Sendschreiben (Offb 2-3) und einem apokalyptischen Hauptteil gliedern. Diesen beiden Hauptabschnitten geht mit Kapitel 1 eine Einleitung voraus, in der auch das Wort vom Alpha und Omega enthalten ist.

In diesem ersten Kapitel folgt dem Vorwort (1,1-3) eine briefliche Einleitung (1,4-8), der schließlich in 1,9 eine Beauftragungsvision folgt. Das Wort vom Alpha und Omega (V. 1,8) schließt somit die briefliche Einleitung ab. Eine Bibelarbeit zu 1,8 muss daher die Exegese des gesamten Abschnittes 1,4-8 berücksichtigen.

Text (EÜ):
1,4 Johannes an die sieben Gemeinden in der Provinz Asien: Gnade sei mit euch und Friede von Ihm, der ist und der war und der kommt, und von den sieben Geistern vor seinem Thron 5 und von Jesus Christus; er ist der treue Zeuge, der Erstgeborene der Toten, der Herrscher über die Könige der Erde. Er liebt uns und hat uns von unseren Sünden erlöst durch sein Blut; 6 er hat uns zu Königen gemacht und zu Priestern vor Gott, seinem Vater. Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht in alle Ewigkeit. Amen.

7 Siehe, er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird ihn sehen, auch alle, die ihn durchbohrt haben; und alle Völker der Erde werden seinetwegen jammern und klagen. Ja, Amen.

8 Ich bin das Alpha und das Omega, spricht Gott, der Herr, der ist und der war und der kommt, der Herrscher über die ganze Schöpfung.

Die Verse orientieren sich mit der Nennung des Absenders (4), der Empfänger (4) und der Segenswünsche (4-5a) am frühchristlichen Briefformular, wie es beispielsweise auch in den Paulusbriefen zu beobachten ist. Dort folgt zumeist eine Danksagung (vgl. etwa 1 Kor 1,4-8), hier, in der Offenbarung, wird der Text durch eine christologische Doxologie fortgeführt, dem sich eine Ansage des Kommens Christi anschließt. Vers 1,8 schließt die Einleitung mit einer Selbstvorstellung Gottes.

In den Versen 4-5a nennt der Autor seinen Namen und scheint dabei voraussetzen zu können, dass man ihn damit in den kleinasiatischen Zielgemeinden des Schreibens - Ephesus, Smyrna, Pergamon, Thyatira, Sardes, Philadelphia und Laodicäa - identifizieren kann. Offensichtlich muss er seine Autorität nicht eigens begründen. Dies tut freilich auch nicht Not, da die eigentliche Autorität des Schreibens im göttlichen Ursprung des Buches liegt, wie sich in der Beauftragungsvision (Vv. 1,9-20) mit Nachdruck festgestellt findet. Die Zahl Sieben und die Auswahl dieser Gemeinden sollen aber darüber hinaus andeuten, dass sich dieses Schreiben an ganz Kleinasien bzw. an die gesamte Kirche wenden soll, da die Zahl Sieben die Ganzheit bzw. Vollständigkeit symbolisiert.

Bereits in Vers vier findet sich die sog. Unveränderlichkeitsformel: die Gemeinden werden gegrüßt im Namen dessen, "der ist und der war und der kommt". Sieht man vom Grußcharakter ab, so findet sich bereits hier deutlich die Ewigkeit und Identität Gottes mit sich selbst in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft hervorgehoben. Die verwendete Formel entspricht der damaligen jüdischen Auslegung von Ex. 3,14 und betont keineswegs ein bewegungsloses, in sich selbst beharrendes Sein Gottes, sondern sein die Zeiten ordnendes und die Geschichte umgreifendes Handeln. Dies wird u.a. darin deutlich, dass die atl. Formulierung "der sein wird" durch ein "der kommt" ersetzt wird.

Die sieben Geister vor dem Throne Gottes könnte man in Anlehnung an Jes 11,2 als den siebenfältigen Gottgeist deuten, wobei dann durch die Siebenzahl die Fülle des Geistes Gottes betont würde. Ebenso wahrscheinlich ist es aber, die sieben Geister mit den sieben Thronengeln zu identifizieren, welche in der Vorstellung der jüdischen Apokalyptik Gott direkt dienen (vgl. Tob 12,15; äth. Hen. 20,1ff.).

Vers 5 wendet sich Jesus Christus zu und charakterisiert ihn durch drei Prädikate. "Der treue Zeuge" betont das Wirken Jesu auf Erden. Dabei darf als interessante Nuance betont werden, dass das Attribut treu in den Spätschriften des NT gerne im Kontext der im Tode besiegelten Treue Jesu Christi erscheint (Hebr 2,17; 3,2; 2Tim 2,13). "Erstgeborene der Toten" bezieht sich auf die Auferstehung und hebt die Bedeutung dieses Heilsgeschehen hervor. Denn weil Jesus auferstanden ist, ist in ihm die neue Schöpfung Gottes bereits Wirklichkeit geworden (Röm 8,29; Kol 1,15) Auch die Phrase "Herrscher über die Könige der Erde" betont die umfassende heilsgeschichtliche Bedeutung Christi, stellt aber zugleich ein Leitmotiv des gesamten Buches dar. Wer das Buch liest, merkt, dass nicht nur die politischen Herrscher, sondern auch die dämonischen Mächte gemeint sind. Sie alle sind Christus untergeordnet.

Die Sprache der in den Versen 5b bis 6 folgenden Doxologie ist stark liturgisch geprägt, zeigt aber hauptsächlich die theologische Konzeption des Johannes auf. Seine Hoffnung ist offenkundig nicht rein futurisch-eschatologisch, sondern greift auch die Erfahrung des bereits im Christusgeschehen verwirklichten Heils auf. Mit dem Satz "Er liebt uns und hat uns von unseren Sünden erlöst durch sein Blut" wird die liebevolle Beziehung des Herrn zu uns betont. Diese Liebe zeigt sich besonders stark in Jesu Tod am Kreuz, der aber nicht nur ein historisches Ereignis darstellt, sondern als Erlösungstat bis in die je gegenwärtige christliche Existenz hineinwirkt. (Die Phrase "von unseren Sünden erlöst durch sein Blut" bezieht sich übrigens - wie überall im NT (vgl. z.B. Röm 3,25;5,9; 1Kor 10,16; Hebr 9,12) - nicht auf die dingliche Substanz des Blutes, sondern auf die Lebenshingabe Jesu.) Die Bildhaftigkeit dieser Aussage in Verbindung mit der vorausgehenden, derzufolge Jesus Herrscher über die gesamte Schöpfung ist, hebt eindrucksvoll hervor, dass uns Christus durch seinen Tod aus der feindlichen Macht der Sünde freigekauft und seiner Herrschaft des Lebens unterstellt hat. Vers 6 beschreibt dann den Status des Christen nach diesem Freikauf. Im Gegensatz zu Ex 19,6, wo Gott dem aus der ägyptischen Unterdrückung befreiten Israel sagt "ihr sollt mir ein königliches Volk von Priestern sein", findet sich hier eine Aussage, die zurück auf das zuvor thematisierte Heilsgeschehen des Kreuzes und damit in die Vergangenheit weist, gleichwohl andauernde Bedeutung beansprucht: "er hat uns zu Königen gemacht und zu Priestern vor Gott, seinem Vater." Daher versteht die Offb die Christen als Teil der Königsherrschaft Gottes, als bereits existierender Teil der endzeitlichen Neuschöpfung Gottes (vgl. Offb 20,6; 22,2-5).

Das Vers 6 abschließende "Amen" (hebr. "es gilt"/ "es steht fest") entstammt dem liturgischen Gebrauch und war im jüdischen Synagogengottesdienst wie später im christlichen Gottesdienst die Antwort auf dem Lobpreis des Vorbeters. So schließt auch hier das Amen den Lobpreis unmittelbar ab.

Vers 7 besteht formal aus der Kombination zweier alttestamentlicher Zitate (Dan 7,13 und Sach 12,19). Inhaltlich will der Vers prophetisch auf das endgültige Kommen des Menschensohnes hinweisen. Der Autor der Apokalypse verwendet dabei eine Tradition, die sich sowohl in vielen anderen neutestamentlichen Texten (vgl. etwa Mk 13,26 par. Lk 21,27; Joh 19,37; als Kombination wie hier: Mt 24,30) als auch in der weiteren frühchristlichen Schriften (vgl. etwa Justin, Dialogus cum Tryphone 14,8) nachweisen lässt. Ihre Pointe ist die endzeitliche Begegnung der Ungläubigen mit dem wiederkommenden Christus: Sie werden ihn am Ende der Zeit erkennen, und dieses Erkennen wird einen Trauersturm auslösen, in dem sich ihr Eingeständnis der Mitschuld am Tode Jesu und ihr Verstehen ausdrückt, dass sie zu ihrem eigenem Unheil gehandelt haben. Egal ob Christ oder Ungläubiger: alle werden Christus am Ende der Zeiten als universalen Herrscher anerkennen müssen. Das Abschließende "ja, amen" hebt diese Aussage nochmals bestätigend hervor, leitet aber auch auf den folgenden Vers über.

Ausgangspunkt unserer exegetischen Betrachtung, zugleich aber auch Zielpunkt der bislang besprochenen Verse ist Vers 8: "Ich bin das Alpha und das Omega, spricht Gott, der Herr, der ist und der war und der kommt, der Herrscher über die ganze Schöpfung."

Dieser Vers ist von den vorausgehenden nicht zu lösen. Gott selbst ist es, der mit seiner  Selbstvorstellung in Vers 8 die vorangegangenen christologischen Aussagen ausdrücklich bestätigt. Christusgeschehen und das Handeln und Sein Gottes sind identisch: Christus - in dem Gott sich bereits einmal unter die Menschen begeben hat - wird wiederkehren und vor aller Welt als Herrscher anerkannt werden, weil und insofern Gott sich in ihm als der Kommende zu erkennen gab. Die endzeitliche Realisierung des Herrscheranspruchs Christi ist nichts anderes als der Herrschaftsanspruch Gottes, den er als der Allherrscher seiner Schöpfung gegenüber beanspruchen darf.

(Diese Identität von Christus und Gott findet sich übrigens im griechischen Urtext auf interessante Weise dargestellt: nicht nur der Gottesname "der ist und der war und der kommt" steht im Nominativ, was grammatikalisch im griechischen Ausgangstext eigentlich nicht möglich ist, sondern auch der christologische Hoheitstitel "von Jesus Christus; er ist der treue Zeuge" ist (grammatikalisch unzulässigerweise) nicht dekliniert. Dies wird kein Versehen des Johannes sein, denn auch an anderen Stellen der Offb konnte seitens der Forschung nahegelegt werden, dass der Autor der Offb solche Abweichungen von der Grammatik als Stilmittel einsetzt. Offenbar will er auch hier eine Lesehilfe geben.)

Die Selbstprädikation Gottes hebt an mit der aussagekräftigen Metapher: "Ich bin das Alpha und das Omega." Alpha und Omega sind der erste und der letzte Buchstabe des griechischen Alphabetes. Und wie sie Anfang und Ende der Buchstabenreihe sind, so ist Gott Anfang und Ende. Gott ist der, durch den alles (Geschaffene) umfasst wird.

Die Hintergründe dieser Metapher sind nicht ganz eindeutig zu bestimmen. Sie zeigt einen ähnlichen Sinngehalt wie Jes 44,6 ("Ich bin der Erste und der Letzte, und außer mir ist kein Gott"; vgl. auch Jes 41,1; 48,12). Möglich ist aber auch, die Entstehung dieser Metapher in der jüdischen Buchstabenspekulation zu suchen. So beinhaltet die konsonantische Wortwurzel des hebräischen Wortes ämät ("Wahrheit"), welches auch als Gottesbezeichnung benutzt wird, mit einem Aleph, einen Mem und einem Taw den ersten, den mittleren und den letzten Buchstaben des hebr. Alphabetes.

Die Wiederaufnahme der Unveränderlichkeitsformel aus Vers 4 in der Selbstprädikation "der Herr, der ist und der war und der kommt" verdeutlich unabhängig von der Herkunft der vorausgehenden Metapher, dass Johannes mit Vers 8 auf das geschichtliche Heilshandeln Gottes abheben will und daher vor dem Hintergrund seiner Geschichtstheologie zu interpretieren ist. Wie sich Johannes diesen geschichtsmächtigen Gott denkt, verdeutlicht er in der Phrase "der Herrscher über die ganze Schöpfung" Im griechischen Text steht hier nur ein Wort mit zugehörigem Artikel: "Pantokrator" ("Allherrscher"). Diese Bezeichnung ist innerhalb des Neuen Testaments eher ungebräuchlich. Sieht man von 2Kor 6,18 ab, so findet man es ausschließlich in der Offb (4,8; 11,17; 15,3; 16,7.14; 19,6.15; 21,22). Die Schriften der sog. Apostolischen Väter verwenden es jedoch häufig, und die Rezeption dieses Bildes in der späteren abendländischen Kunst ist unübersehbar. Hier findet sich teilweise auch wieder die Rückbindung an den alttestamentlichen Hintergrund der Bezeichnung, denn das gr. Wort Pantokrator wurde in der Septuaginta als Übersetzung für die hebr. Gottesbezeichnung Zebaoth ("Herr der Heerscharen") verwendet (vgl. u.a. Amos 3,13; 4,13; 5,14-16.27; 9,5). Die Darstellungen zeigen daher Christus als thronende Gestalt.

Fassen wir unsere exegetische Betrachtung zusammen, so sind folgende Punkte zu betonen und bei einer Reflektion bzw. Bibelarbeit zu Offb 1,8 zu bedenken:

  • der Autor der Offb wendet sich nicht an einzelne Gemeinden in Kleinasien, sondern an die gesamte Gemeinschaft der Gläubigen. Daher gelten die Aussagen auch uns;
  • durchgängig hervorgehoben findet sich in den betrachteten Versen der Aspekt des geschichtsmächtigen Handeln Gottes;
  • durchgängig hervorgehoben findet sich der allumfassende Charakter Gottes, der war, und ist, und sein wird;
  • durchgängig hervorgehoben findet sich die Allmacht Gottes;
  • betont findet sich die Heilstat Christi und seine Wiederkunft am Ende der Zeit;
  • betont findet sich die Identität von Gott und Christus.

So betrachtet, handelt es sich um einen theologisch außerordentlich dichten Text, der in seiner ganzen Fülle innerhalb einer normalen Bibelarbeit kaum zu erschließen ist. Jedoch finden sich die verschiedenen Momente, welche die exegetische Betrachtung herausgearbeitet hat, in der zugleich schlichten wie auch tiefgründigen Metapher vom "Alpha und Omega" enthalten. Daher bietet sich hier eine ausgezeichnete Möglichkeit für eigene Gedanken oder für eine Bibelarbeit mit einer Gruppe.

3. Bibelarbeit

Die Apokalypse arbeitet stark mit sprachlichen Bildern. Diese in abstrakte Worte fassen zu wollen, wäre sicherlich verfehlt. Der Text lädt durch Sie vielmehr zur Meditation über diese Sprachbilder ein.

Ankommen und Ruhe finden

Die für eine Bibelarbeit erforderliche Zeit und Ruhe ist in der hektischen Welt von heute nicht immer ganz leicht zu erreichen. Um dem Rechnung zu tragen, könnte der erste Abschnitt der Bibelarbeit zweigeteilt sein. In einer ersten projektiven Phase kann der Teilnehmer seinen Aktivismus, den der Alltag oft fordert, und der nicht immer mit Tagesende leicht abzuschütteln ist, einbringen. Im zweiten Teil kann er sich geistig einstimmen.

1. projektive Phase:
Die Phrase "A und O" ist jedem geläufig. Nicht weniger bekannt ist die Redewendung "von A bis Z". Beide Redewendungen sollen auf einem Plakat oder einer Tafel als Überschrift verzeichnet werden. Sodann sollen die Teilnehmer spontan darunter schreiben, was ihnen dazu einfällt. Dabei ist unerheblich, was im Detail geschrieben wird. Es dürfte aber offenkundig werden, wie viele Nuancen diese Redewendungen haben können. Diese Phase sollte vom Leiter nicht "abgewürgt", aber auch nicht durch eine Diskussion der Beiträge künstlich verlängert werden.

2. Einstimmung
Eine gute Möglichkeit der Einstimmung und der inhaltlichen Überleitung bietet das Singen des Liedes GL 560, 2-4.

Den Text Lesen und reflektieren

Der Leiter der Bibelarbeit liest Offb 1,4-8 laut vor. Dabei betont er Vers 8 besonders, um nochmals diesen Vers als Zielpunkt der Überlegung herauszuheben. Sinnvoll kann es sein, den Text zu visualisieren (OHP; Powerpoint etc).

  1. Der Leiter der Runde sollte eine kurze (!) Einführung in die Johannes-Offenbarung und in ihren "Sitz im Leben" geben (s.o.).
  2. Zunächst sollte geklärt werden, wofür Alpha und Omega im biblischen Kontext stehen könnte. Es bietet sich an, biblische Vergleichstexte heranzuziehen, wie etwa Offb 1,17; 2,8; 21,6; 22,13; Jes 41,4; 44,6; 48,12. Was bedeutet die Metapher an diesen (oder anderen) Stellen? Was wird ausgesagt? Die Ergebnisse sollten schriftlich auf Plakat oder Tafel festgehalten werden. Sodann kann man diese mit den schriftlich niedergelegten Gedanken der Eröffnungsphase verglichen werden. Weicht die Verwendung der biblischen Redewendung vom Alpha und Omega von unserem Sprachgebrauch ab. Wo liegen die Gemeinsamkeiten, wo die Unterschiede? Ggf. können auch diese Ergebnisse schriftlich fixiert werden.
  3. Hiernach wendet sich die Gruppe zum Abschluss des Verses 8: "Herrscher über die ganze Schöpfung" bzw. wörtlich "Pantokrator". Je nach Vorbildung und Neigung der Gruppe kann dieser Aspekt anhand einer kunstgeschichtlichen Darstellung des Pantokrator oder aber anhand weiterer Bibelstellen (etwa Offb 4,8; 11,17; 15,3; 16,7.14; 19,6; 21,22) reflektiert werden. Die Reflexion sollte nach Möglichkeit sowohl die Bedeutung dieses Titels für einen Menschen vergangener Epochen beachten als auch nach der Bedeutung dieses Titels für einen heutigen Menschen beinhalten. Auch hier sind die Ergebnisse nach Möglichkeit festzuhalten und mit dem Ergebnis der vorangegangenen Frage nach Alpha und Omega zu vergleichen.

Durch spontane Reflexion über die Redewendung und durch die Betrachtung des Bibeltextes entsteht eine (vielleicht nicht vollständige, aber doch) umfangreiche Vorstellung vom allumfassende Charakter des Schöpfergottes, der machtvoll in die Geschichte eingegriffen hat, eingreift und eingreifen wird.

Von hier ausgehend bieten sich zwei Optionen an. Der Leiter kann - sofern er in seiner Einleitung die historischen Hintergründe ausreichend dargestellt hat - fragen, inwieweit diese Selbstdarstellung Gottes den Christen in der Verfolgung zu trösten vermag. In einer Eigenreflexion sollen die Teilnehmer sodann ca. 5 min. in sich gehen und am besten auf einer großen Karteikarte o.ä. festhalten, ob auch sie in ihrer eigenen Situation Trost aus dieser Selbstdarstellung zu ziehen vermögen. Die Meinungen der verschiedenen Teilnehmer können dann im Plenum diskutiert werden. Es folgt der Abschluss der Bibelarbeit

Die zweite Option ist stärker auf den biblischen Text und weniger auf Eigenreflexion ausgerichtet. Nacheinander sollen verschiedene Textabschnitte analysiert werden. Dies geschieht am besten durch Kleingruppen, welche die Ergebnisse später im Plenum vorstellen.

Mögliche zu behandelnde Textabschnitte:

  • der ist und der war und der kommt (V. 4 und 8b): der Leiter sollte ggf. als Impuls auf die grammatikalische Eigentümlichkeit aufmerksam machen. Die Teilnehmer sollen diese Belege mit Ex 3,14 (aber vielleicht auch mit Ex 33,19) vergleichen. Was hat der Verfasser der Apokalypse mit dieser Phrase beabsichtigt, was wollte er seinen Adressaten verdeutlichen?
  • von Jesus Christus; er ist der treue Zeuge, der Erstgeborene der Toten, der Herrscher über die Könige der Erde (V. 5): wer ist mit Königen der Erde gemeint? Warum hat der Verfasser diese christologischen Hoheitstitel gewählt? Vgl. hierzu Offb 3,14; 1 Kor 15,20; Röm 8,29, Kol 1,18; Ps 89,28; Jes 55,4; Ps 2,2. 
  • Siehe, er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird ihn sehen, auch alle, die ihn durchbohrt haben; und alle Völker der Erde werden seinetwegen jammern und klagen (V. 7). Was soll mit dieser prophetischen Aussage bezweckt werden? Was sagt sie genau aus? Vgl. hierzu Dan 7,13; Sach 12,10-14; Mk 13,26 par. Lk 21,27; Mt 24,30.

Da im Text Offb 1,4-8 die Selbstprädikation Gottes als Alpha und Omega diese vorausgegangenen Verse sowohl bestätigt als auch als Attribute für sich aufgreift, könnten die Ergebnisse, welche nach Abschluss der Gruppenarbeit im Plenum kurz vorzustellen sind, vom Leiter der Bibelarbeit graphisch an einer Tafel o.ä. dargestellt werden. Ziel ist die Verdeutlichung, dass die Allumfassenheit des Pantokrators, welche durch die Metapher Alpha und Omega ausgedrückt wird, (u.a.) diese heilsgeschichtlichen Details integriert. Die graphische Darstellung  könnte etwa so aussehen:

Α und Ω
der ist und der war und der kommt

Α und Ω
der treue Zeuge, der Erstgeborene der Toten, der Herrscher über die Könige der Erde

Α und Ω
er kommt mit den Wolken... und alle Völker werden jammern

4. Abschluss der Bibelarbeit

Die Bibelarbeit hat Gottes Allmacht und Allumfassenheit verdeutlicht und ebenso aufgezeigt, dass Christus und dessen Heilstat integraler Bestand dieser Universalität sind. Die Intention des Autors der Apokalypse ist es, seine Leser in ihrer Situation zu trösten und in ihrem Glauben zu festigen, indem er genau diese Eigenschaften Gottes betont und auf das universell siegreiche Wiederkommen Christi am Ende der Zeit verweist.

Als guter Abschluss der Bibelarbeit erweist sich daher - auch wenn der Text einige für manche vielleicht unverständliche lateinische Worte enthält - das Lied GL 142. Dieses greift nicht nur die Metapher des Alpha und des Omega auf, sondern drückt auch die christliche Freude über das Heilsgeschehen, welches in der vorausgegangenen Bibelarbeit vielfach angesprochen wurde, aus.

5. Literaturhinweise

  • Heinz Giesen, Studien zur Johannes-Apokalypse, Stuttgart: Kath. Bibelwerk, 2000.
  • Heinz Giesen (Hrsg.), Ermutigung zum Christsein: Offenbarung, Stuttgart: Kath. Bibelwerk, 1992.
  • Ulrich B. Müller, Die Offenbarung des Johannes, Würzburg: Echter, 1984.
  • Jürgen Roloff, Die Offenbarung des Johannes, Zürich: Theologischer Verlag, 1984.

Dr. Marcus Sigismund. Uni Wuppertal, November 2006
Katholisches Bibelwerk im Bistum Münster
www.bibelwerk.de

in Kooperation mit
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