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01.07.2016
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Aus dem kirchensite.de-Archiv
Seit 1994 arbeitet Maria Schülpen im Pfarrbüro der St.-Antonius-Gemeinde in Kevelaer.

Als Pfarrsekretärin ist Maria Schülpen mehr als nur eine Verwaltungskraft

Erste Anlaufstation in der Seelsorge

Kevelaer. Die Arbeit im Pfarrbüro ist nicht mit der Arbeit in einer Behörde zu vergleichen. Die Pfarrsekretärin oder der Pfarrsekretär sind oft Anlaufstelle für Menschen, die Rat und Hilfe suchen: eine Erste-Hilfe-Station in der Seelsorge. Diese Erfahrung, die Maria Schülpen aus Kevelaer beschreibt, machen viele ihrer Berufskollegen, die sich am 19. September zu einem "Tag der Begegnung" treffen.

"Wir haben gestern telefoniert. Kommen Sie herein." Maria Schülpen, Pfarrsekretärin in der Kevelaerer Pfarrgemeinde St. Antonius, reicht die Hand und lacht. Sie lacht aus ganzem Herzen, so dass es durch das Pfarrhaus schallt. Ein offenes Lachen, das ihr Markenzeichen ist. Es nimmt einen unmittelbar für sie ein, weil es Schranken abbaut und Fröhlichkeit vermittelt. Eine Fröhlichkeit, die einen förmlich mitreißt. "Bei uns im Pfarrbüro wird viel gelacht", sagt die 58-Jährige, zwinkert mit einem Auge und lacht schon wieder. "Ob Pastor, Kaplan, Zivi oder die Kindergartenleiterin – alle bei uns haben viel Humor."

Ihr Lachen schließt Herzen auf

Diese Gabe öffnet die Türen zu den Herzen der Menschen, die sich an sie wenden, und das wiederum ist eine Eigenschaft, die in dem Beruf der Pfarrsekretärin kaum mit Gold aufzuwiegen ist. "Das Pfarrbüro ist nicht mit dem Verwaltungsbüro in einer Behörde zu vergleichen", beschreibt sie ihr Tätigkeitsfeld. "Es ist vielmehr eine erste Anlaufstelle in der Seelsorge. Viele Menschen kommen und bringen neben den Anliegen, die sie im Pfarrbüro besprechen wollen, existenzielle Sorgen mit." Zum Beispiel ältere Menschen, die nur auf einen kurzen Sprung ins Büro kommen, um einen Augenblick Gesellschaft zu haben. Oder Nichtsesshafte, denen sie etwas zu essen und zu trinken anbietet sowie sozial Schwache, die ihre Wohnung verlassen müssen und eine neue Bleibe suchen. Sie vermittelt Maria Schülpen an die Caritas weiter. Oder die Frauengemeinschaft möchte einen Rat. Auch in diesem Fall hilft die Pfarrsekretärin gern.

Dieses Engagement, das in ihrer Arbeitsplatzbeschreibung nicht aufgeführt ist, möchte man am liebsten mit dem Begriff "Erste Hilfe in der Seelsorge" umschreiben. Sie hört den Menschen zu, beurteilt, ob sie ihnen weiterhelfen kann und vermittelt, falls notwendig, einen kompetenten Ansprechpartner wie den Pastor oder den Fachberater der Sozialstation. "Mir hilft bei diesen Gesprächen sicher, dass ich eine Ur-Kevelaererin bin", sagt sie. Viele Menschen, viele Familien kennen sie, und das nimmt den meisten, die ins Pfarrbüro kommen, die Angst. "Durch meine freundliche und offene Art fühlen sie sich gut aufgehoben", beschreibt sie sich durchaus selbstbewusst. Sich den Menschen öffnen zu können, ist nach ihrer Erfahrung für eine Pfarrsekretärin mindestens ebenso wichtig, wie den Computer zu beherrschen. Und dann fügt sie noch eine Eigenschaft hinzu: "Die Menschen wissen, dass Verschwiegenheit bei mir an erster Stelle steht. Alle Sorgen und Nöte sind gut bei mir aufgehoben."

Seit Januar 1994 arbeitet Maria Schülpen im Pfarrbüro der St.-Antonius-Gemeinde. In der Kirche wurde damals am Ende des Gottesdienstes verlesen, dass eine Schwangerschaftsvertretung für die bisherige Pfarr­sekretärin gesucht wurde. Maria Schülpen hatte als gelernte Floristin zu dieser Zeit keine Arbeit. Sie fasste sich ein Herz und sprach bei Pastor Alois van Doornick vor, der sie bereits kannte. Ihre Bewerbung wurde im Kirchenvorstand besprochen, und sie bekam den Zuschlag. Aus der Schwangerschaftsvertretung wurde eine feste Anstellung.

Ein mutiger Entschluss

"Es war ein Sprung ins kalte Wasser", erinnert sie sich. Denn es war eine ganz andere Arbeit, als die, die sie bisher ausgeübt hatte. "Zu Beginn wusste ich kaum, wo der Computer an- und auszuschalten war. Aber man wächst mit seinen Aufgaben. Außerdem bin ich nicht bang zu fragen." Maria Schülpen hat viele Lehrgänge besucht und beherrschte schnell die Tätigkeiten, die im Management des Pfarrbüros gefordert werden. Und die Verwaltungsarbeit in der Gemeinde ist nicht minder umfangreich wie ihr pastorales Engagement.

Sie nimmt die Anmeldungen für die Taufen und Hochzeiten entgegen und trägt die Sterbefälle ein. Sie schreibt die Pfarrnachrichten für Kirche+Leben und erstellt die Liturgiepläne für das Publikandum. Sie macht die monatlichen Abrechnungen für die Rendantur und druckt die Geburtstagsbriefe an die Gemeindemitglieder aus, die 75 Jahre und älter sind, sowie die Rundbriefe für Kolping oder die Frauengemeinschaft.

Jeder Tag ist ausgefüllt

Und diese Arbeit hat sie nicht nur für die St.-Antonius-Gemeinde, sondern auch für die St.-Quirinus-Gemeinde in Kevelaer-Twisteden übernommen, wo sie zwei Mal die Woche arbeitet. Da die Marienbasilika oder Kerzenkapelle oft besetzt sind, möchten viele Pilgergruppen aus dem In- und Ausland in der St.-Antonius-Kirche Gottesdienst feiern. Auch diesen Anrufern hilft Maria Schülpen mit der gleichen Freundlichkeit.

"Ich habe nicht gedacht, dass die Arbeit so vielseitig ist. Jeder Tag ist anders, und jeder Tag ist von morgens bis abends ausgefüllt", sagt sie. Grund genug, Tag für Tag gern arbeiten zu kommen. 

Text und Foto: Jürgen Kappel in "Kirche+Leben", 18.09.2006

"Tag der Begegnung" - Spiritualität und Information
250 Pfarrsekretärinnen und Pfarrsekretäre treffen sich nach Angaben des Veranstalters am 19. September zu einem "Tag der Begegnung" in Münster. Eröffnet wird dieser Tag mit einer Eucharistiefeier um 9 Uhr im St.-Paulus-Dom. Anschließend können die Teilnehmer das Bistumsarchiv, die neue Diözesanbibliothek und den Dom besichtigen oder die Innenstadt erkunden. Parallel dazu gibt es die Möglichkeit, im Liudgerhaus an Arbeitsgruppen zu den Themen Bibliodrama oder meditativet Tanz teilzunehmen. Vor dem Hintergrund der Neustrukturierungen in den Gemeinden besteht Gelegenheit, sich über das Kirchenrecht zu informieren und sich in Gesprächskreisen auszutauschen. Der Tag endet mit der Vesper um 17.15 Uhr im Dom. Veranstalter des "Tags der Begegnung" ist der Berufsverband der Pfarrsekretärinnen und Pfarrsekretäre im Bistum Münster.

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