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23.06.2017
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Dokumentiert:

Bischof Lettmann zu Niels Stensen

In seinem Buch "Zeugen des Glaubens in der Kirche von Münster" porträtiert Bischof Reinhard Lettmann den seligen Niels Stensen. "kirchensite.de" dokumentiert dieses Porträt.

Niels Stensen wurde am 11. Januar 1638 in Kopenhagen von evangelisch-lutherischen Eltern geboren. Nach erfolgreichem Abschluss der Schulzeit wurde er 1656 zum Studium der Medizin an der Universität in Kopenhagen zugelassen. Ein Tagebuch aus den Universitätsjahren zeugt von seiner persönlichen Frömmigkeit und seinem Bemühen um ein christliches Leben.

Ende 1659 oder Anfang 1660 ging Niels Stensen nach Holland, um seine medizinischen Studien zu vervollkommnen. Am 6. April 1660 machte er seine erste wissenschaftliche Entdeckung. Er entdeckte den nach ihm benannten Ductus Stenonianus, einen Gang, der von der Drüse Speichel zum Munde führt.

In seiner holländischen Zeit von 1660 bis 1663 machte er weitere Entdeckungen im Bereich der Drüsen, der Muskeln und des Herzens, die er in zwei Bänden veröffentlichte.

In dieser Zeit hatte Niels Stensen freundschaftliche Kontakte mit großen Gelehrten und Wissenschaftlern, u. a. auch mit dem Philosophen Baruch Spinoza.

Nach einem kurzen Aufenthalt in Kopenhagen – er hatte die Hoffnung, an der dortigen Universität einen Lehrstuhl zu bekommen, aufgegeben – ging er nach Paris. Seine Forschungsarbeiten, die in dieser Zeit vor allem der Embryologie und der Anatomie galten, erwarben ihm einen Platz in der ersten Reihe der Wissenschaftler seiner Zeit.

In Paris begegnete Niels Stensen katholischen Persönlichkeiten, die ein bewusst geistliches Leben führten und ihn tief beeindruckten.

Anfang 1666 war Niels Stensen in Italien am Hof des Großherzogs der Toscana. Sein Ruf war ihm vorausgeeilt, so dass ihn in Florenz ein herzlicher Empfang erwartete. Später betrachtete Niels Stensen Florenz als seine zweite Heimat.

Ein mehrmonatiger Aufenthalt in Rom brachte ihn in Verbindung mit hervorragenden Persönlichkeiten des wissenschaftlichen, kulturellen und kirchlichen Lebens. In Florenz wurde er Mitglied der berühmten Academia del Cimento, an deren wissenschaftlichen Arbeiten er sich beteiligte.

Am 9. Juni 1667 sah Niels Stensen in Livorno die Fronleichnamsprozession. Dieses Erlebnis wurde entscheidend für seinen weiteren religiösen Weg. Er widmete sich dem Studium der Theologie und entschloss sich noch im gleichen Jahr, katholisch zu werden. Frau Arnolfini, die er in Lucca kennen gelernt hatte, spielte dabei eine entscheidende Rolle. Zwei Schriften über seine Konversion, die er veröffentlichte, um seinen Freunden seine Motive darzulegen, geben Aufschluss über seinen geistlichen Weg.

In den Jahren 1668 bis 1671 widmete sich Niels Stensen vor allem geologischen Forschungen, die ihn durch weite Teile Europas führten. 1672 rief König Christian V. ihn nach Kopenhagen zurück, wo er bis 1674 als königlicher Anatom arbeitete. 1674 übertrug Großherzog Cosimo III. ihm in Florenz die Ausbildung seines Sohnes Ferdinand. Zwei Jahre widmete sich Niels Stensen dieser Aufgabe. In dieser Zeit wuchs in ihm der Wunsch, Priester zu werden. Am 14. April 1675 konnte er die erste heilige Messe feiern.

1677 wurde Niels Stensen, nach längeren Verhandlungen des katholischen Herzogs von Hannover mit dem Papst, zum Apostolischen Vikar in den Territorien des Herzogs ernannt. Am 19. September empfing er durch Kardinal Gregorio Barbarigo im Rom die Bischofsweihe.

Mit großer Klugheit begann Niels Stensen seine apostolische Tätigkeit in Hannover. Die Situation der verstreuten Katholiken war nicht leicht. Aus dieser Zeit stammen einige Schriften über Fragen des Glaubens in der Auseinandersetzung mit protestantischen Autoren. Der plötzliche Tod des Herzogs am 28. Dezember 1679 machte einen weiteren Aufenthalt von Niels Stensen in Hannover unmöglich.

Auf Bitten Ferdinands von Fürstenberg, des Fürstbischofs von Münster und Paderborn, wurde Niels Stensen zum Weihbischof für Münster ernannt. Von August 1680 bis August 1683 wirkte er selbstlos und mit großem Eifer als Seelsorger und Bischof in der Stadt und im Bistum Münster. Er sah, wie notwendig ein neuer geistlicher Aufbruch war. Deshalb widmete er seine Aufmerksamkeit in besonderer Weise der Verkündigung, der religiösen Unterweisung sowie der Spendung der Sakramente. Er predigte in vielen Gemeinden, besonders auch in St. Ludgeri, Münster, wo er für längere Zeit Dechant und Pfarrer war. Unermüdlich war er im großen Bistum unterwegs, um das Sakrament der Firmung zu spenden. Sein frommes, asketisches Leben brachte ihn in den Ruf, ein Heiliger zu sein.

Nach dem Tod des Fürstbischofs Ferdinand bekam Niels Stensen Schwierigkeiten mit dem Domkapitel in Münster, die sein pastorales Wirken unmöglich machten. Stensen missbilligte die finanziellen Manipulationen bei der Wahl des neuen Bischofs und verließ am Tag der Bischofswahl, am 1. September 1683, Münster. Er ging nach Hamburg, von wo er der Propagandakongregation in Rom einen ausführlichen Bericht über die Vorgänge in Münster schickte.

1684 wurde Niels Stensen von den Aufgaben eines Weihbischofs in Münster befreit und in seinen Aufgaben als Apostolischer Vikar bestätigt. Sein Bereich wurde um die Vikariate erweitert, die Fürstbischof Ferdinand bisher betreut hatte. Seine letzten drei Jahre verbrachte Niels Stensen als Apostolischer Vikar in Hamburg und später in Schwerin, wo er am 5. Dezember 1686 starb. Sein Freund Cosimo III. ließ seine Gebeine nach Florenz überführen. Sein Grab ist in der Basilika San Lorenzo.

Niels Stensen fand die hohe und uneingeschränkte Anerkennung und Wertschätzung der Wissenschaftler und Gelehrten seiner Zeit. Er war, auch schon in den Tagen, da er sich zur lutherischen Konfession bekannte, ein überzeugter Christ, der sich bemühte, seinem christlichen Glauben entsprechend zu leben. Als Priester und Bischof war er erfüllt von apostolischem Eifer. Er setzte sich mit ganzem Herzen und unter vielen persönlichen Entbehrungen für die Verkündigung des Evangeliums ein.

Das Leben Niels Stensens ist ein Beispiel für das Miteinander von Glauben und Wissenschaft. Seine Aufrichtigkeit, seine Feinfühligkeit und sein edles Verhalten im Umgang mit Menschen anderer Überzeugungen können auch uns heute Vorbild sein.

Quelle: Reinhard Lettmann: Zeugen des
Glaubens in der Kirche von Münster,
Verlag Regensberg, 1991

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Niels Stensen: Wissenschaftler, Arzt und Missionar

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