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26.06.2016
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Aus dem kirchensite.de-Archiv

Bibelarbeit im Juni 2006

Der Herrist mein Hirte

Psalm 23

1 (Ein Psalm Davids.)

Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
2 Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.
3 Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
4 Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

5 Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
6 Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde  bleiben im Hause des HERRN immerdar.

(Übersetzung nach der revidierten
Fassung der Lutherbibel von 1984)

Der Hirt
Die Vorstellung, dass Gott wie ein Hirte für das Wohlergehen seiner Schützlinge sorgt und sie auch in Gefahren sicher beschützt, erscheint uns so vertraut und beinahe selbstverständlich wie kaum eine andere. Sie findet sich zwar im Alten Testament an einigen Stellen (vgl. Ps 79,13; 80,2; 95,7; 100,3; Jes 40,11), doch ihre weite Verbreitung innerhalb des Christentums verdankt sich in erster Linie dem Johannesevangelium. Im zehnten Kapitel dieses Evangeliums wird erzählt, wie sich Jesus gegenüber der pharisäischen Führerschaft abgrenzt, indem er sich selbst als "den guten Hirten" (Joh 10,11) vorstellt. Seine unendliche Güte zeigt sich darin, er bereit ist, sein Leben für die Schafe hinzugeben.

Das Bild des guten Hirten hat sich in das christliche Bewusstsein tief eingeprägt, wie sich an zahlreichen künstlerischen Darstellungen ablesen lässt (eines der frühesten Zeugnisse stellt eine Wandmalerei in der römischen Kallixtus-Katakombe dar).

Die Hirtenmetapher entstammt der Lebenswelt der israelitischen Kleinviehnomaden, die mit ihren Herden die karge Landschaft Israels auf der Suche nach Weideflächen durchstreiften. "Hirte" ist einer der ältesten Königstitel des Alten Orients und wird schon in den frühesten mesopotamischen Königslisten gebraucht. Obwohl keiner der Könige Israels den Titel "Hirte" trägt, so haben sie die damit verbundene Funktion inne, wie sich an dem Auftrag Gottes an König David, sein Volk zu "weiden" (2 Sam 5,2), ablesen lässt. Mit dieser Formulierung wird zweierlei zum Ausdruck gebracht: Der König ist nicht nur Besitzer seiner Herde, sondern auch ihr Beschützer. Er trägt Verantwortung für sein Volk.

Diese Bedeutung des Hirtenamtes geht auch aus dem 34. Kapitel des Ezechielbuches hervor. Der Prophet Ezechiel lebte zur Zeit Nebukadnezars, des Königs von Babylon, und sah wie Tausende von Juden, darunter auch König Jojachin, nach Babylon verschleppt wurden (598 v. Chr.). Das Babylonische Exil wurde zu einer der größten Krisen des jüdischen Volkes. Ezechiel sucht in dieser Situation nach Erklärungen. Mit harten Worten geiselt er das Versagen der politischen Führer Israels und deren selbstsüchtige Motive (vgl. Ez 34,2-4). Wenn er im gleichen Atemzug verkündet, dass Jahwe selbst sich seines Volkes wieder annehmen wird, tut er dies, indem er zum Bild des Hirten greift: "Wie ein Hirte seine Schafe sucht, wenn sie von seiner Herde verirrt sind, so will ich meine Schafe suchen und will sie erretten von allen Orten, wohin sie zerstreut waren zur Zeit, als es trüb und finster war" (Ez 34,12).

Anders als es den meisten Juden zur Zeit des Babylonischen Exils möglich gewesen sein wird, gibt der Verfasser des 23. Psalms ein Bekenntnis der Fürsorglichkeit Jahwes. Er findet dabei zu Worten, die zu den schönsten der Bibel zählen.

Vertrauen
Das Bild vom Hirten bezieht sich ursprünglich auf das Volk, das als Herde geführt und geschützt wird. Im Verband der Herde und im Wissen, dass Jahwe der Hirte ist, darf sich jedes einzelne Glied der Herde geborgen wissen. Die alltäglichen Sorgen sind ihm fremd, da er sich gewiss ist, dass Jahwe sich um sein Wohlergehen kümmern wird.

Grüne Auen und frisches Wasser
Die "grünen Auen" und das "frische Wasser" (V. 2) sind bildhafte Ausdrücke für all das, was der Mensch zu einem glücklichen und erfüllten Leben braucht. Natürlich ist damit das gemeint, was der Mensch tagtäglich zum Leben braucht. Doch die Art wie der Psalmdichter es im hebräischen Original formuliert, lässt auch an den Auszug aus Ägypten denken. Die grünen Auen sind die Auen, die das Ziel des Exodus waren (vgl. Ex 15,13) und das Wasser, an das Jahwe seine Herdentiere führt, sind nicht bloß die stillen Wasserstellen, sondern Orte an denen sie zur Ruhe kommen und ihre ganze Lebenskraft wiedergewinnen können.

Auf der Wanderschaft, auf der sich die Herde befindet, sucht der Hirte die rechten Wege. Im weiteren Sinne sind das die Wege, die nicht ins Unglück, sondern zum Heil führen. Wenn Gott das "um seines Namens willen" tut, heißt das, dass er sich selbst treu bleibt. Am Sinai hat er sich offenbart als Jahwe, was gemeinhin übersetzt wird mit "ICH BIN DA" (vgl. Ex 3,14), und sich damit als ein Gott vorgestellt, der sein Volk niemals im Stich lässt, sondern mit ihm mitgeht – auch wenn es beschwerlich wird.

Das finstere Tal
Beim "finsteren Tal" ist an die Schluchten der Bergregionen in der Wüste Juda zu denken. Für Herden stellt das Durchwandern solcher Täler immer eine Gefahr dar, weil einzelne Tiere durch herabfallende Felsbrocken oder jagende Raubtiere getötet werden können. Gott als Hirte aber wird auch in gefahrvollen Situationen seine Herde schützen. Um das auszudrücken bedient sich der Psalmdichter wieder der Hirtenmetaphorik. Die Hirten des Orients führten auf ihren Wanderungen immer einen langen Stab und eine eisenbeschlagene Keule mit sich. Mit dem Stab leiteten sie die Herde, er konnte aber auch dazu verwendet werden einen Dornstrauch beiseite zu drücken oder einem schwachen Tier beim Klettern Halt zu geben. Die Keule diente zur Verteidigung.

Der Gastgeber
Ab Vers 5 greift der Psalmdichter zu einem neuen Bild, um Jahwe in seiner Fürsorglichkeit zu charakterisieren. Er wird nun als großzügiger Gastgeber vorgestellt. Die Salbung des Hauptes mit wohlriechendem Öl war eine Ehre, die den Königen Israels als Zeichen ihrer göttlichen Erwählung zuteil wurde (vgl. 1 Sam 10,1; 2 Kön 9,3 vgl. Ps 45,8). Der volle Becher macht deutlich, dass am Wein nicht gespart werden muss. In der jüdischen Tradition ist Wein im Überfluss ein Bild endzeitlichen Heils (vgl. Jes 55,1; Jo 2,24).

Die Feinde
Wenn es in Vers 5 heißt, dass Gott den Tisch "im Angesicht meiner Feinde" bereitet, so wird daraus zweierlei erkennbar: Der Dichter dieses Psalms weiß, dass es Menschen gibt, die ihm Übles wollen. Vor diesen Menschen aber muss er sich als Jahwes Gast nicht fürchten. Es ist ihm eine besondere Genugtuung, wenn seine Feinde mit ansehen müssen, wie er von Jahwe wie ein König behandelt wird.

Das Haus des Herrn
Das Haus des Herrn meint im israelitisch-jüdischen Sprachgebrauch den Tempel (vgl. 1 Sam 1,7; 1 Kön 3,1; 6,1). Der Tempel ist der Ort auf der Erde, an dem Gott seinen Sitz genommen hat. Wer Gott nahe sein will, muss daher den Tempel aufsuchen. Da hat der Psalmdichter aber offenbar nicht einen kurzzeitigen Tempelbesuch, sondern die immerwährenden Gemeinschaft mit Jahwe im Blick. Das "Haus des Herrn" steht hier also metaphorisch für ein inniges Band, das mit Gott ein Leben lang verbindet und so für Lebensglück und Wohlergehen sorgt.

Bibelarbeit

  • Der Text wird zuerst leise gelesen. Im Anschluss daran sollte er noch einmal laut vorgelesen werden.
  • Lockerer Austausch über den Text.
    • Was ist mir aufgefallen?
    • Was spricht mich besonders an?
  • Erneuter Durchgang durch den Text mit dem Ziel den Psalm tiefer zu verstehen.
    Leitfragen für die Verse 1 bis 4:
    - Welches Bild von Jahwe zeichnet der Psalmdichter?
    - Wie wird das Leben unter der Führung Gottes vorgestellt?
    Leitfragen für die Verse 5 und 6:
    - Was verändert sich hier im Vergleich zu den vorangegangenen Versen?
    - In welcher Rolle erscheint Jahwe an dieser Stelle?
  • Diskussion
    Impulsfragen:
    • Finde ich mich in diesem Psalm wieder? Warum bzw. warum nicht?
    • Welche Bedeutung hat dieser Psalm für mich / in meinem Leben?
  • Abschluss
    Sofern gewünscht, kann die Bibelarbeit durch das Singen von Psalm 23 (Gotteslob Nr. 718) abgeschlossen werden.

Weiterführende Literatur

- Frank-Lothar Hossfeld, Erich Zenger, Die Psalmen. Bd. 1: Psalm 1 - 50 (Die neue Echter-Bibel), Würzburg 1993
- Manfred Oeming, Das Buch der Psalmen, Bd. 1: Psalm 1 - 41 (Neuer Stuttgarter Kommentar: Altes Testament; 13), Stuttgart 2000
- Klaus Seybold, Die Psalmen. Eine Einführung (Urban Taschenbücher; 382), Stuttgart 21991 
- Klaus Seybold, Die Psalmen (Handbuch zum Alten Testament: Reihe 1; 15), Tübingen 1996

Christian Nanz, Juni 2006
Katholisches Bibelwerk im Bistum Münster
www.bibelwerk.de

in Kooperation mit
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