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28.09.2016
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Papst-Appell an die Welt

Das erste Osterfest von Benedikt XVI.

Von KNA-Redakteur Johannes Schidelko
Vatikanstadt. Mit einer tiefgründigen theologischen Botschaft und einem ungewöhnlich politischen Appell hat sich Papst Benedikt XVI. bei seinem ersten Osterfest an Kirche und Welt gewandt. Am christlichen Hochfest rief er zu Frieden an den Krisenherden der Welt auf, forderte Solidarität und gerechte soziale Strukturen, und mahnte Völker, Kulturen und Religionen zum gemeinsamen Einsatz gegen Terrorismus.

Der Pontifex verwies aber auch auf die Krise um die Nuklear-Problematik. Ohne den Iran direkt zu nennen, appellierte er an die Staatengemeinschaft, zu einer für alle Seiten ehrenvollen Schlichtung zu kommen. Mit Spannung hatte die Öffentlichkeit das erste Osterfest des neuen Pontifex erwartet, das fast genau auf den ersten Jahrestag seiner Papstwahl fiel.

Kern des christlichen Hochfestes

Im Petersdom, in der Lateran-Basilika und am Kolosseum leitete Benedikt XVI. persönlich alle liturgischen Feiern zum Fest des Leidens, des Todes und der Auferstehung Christi. Er richtete vor 100.000 Menschen auf dem Petersplatz und mehreren hundert Millionen TV-Zuschauern Osterwünsche in 62 Sprachen an alle Welt. Und vor allem versuchte der Papst, der schon vor seiner Wahl ein Theologe von Weltruf war, den Sinn und den Kern des christlichen Hochfestes zu erläutern.

Ostern sei ein "Durchbruch in der Geschichte der Evolution und des Lebens überhaupt", betonte er in der Osterpredigt. Die Auferstehung Christi sei nicht nur das vergangene "Mirakel einer wiederbelebten Leiche", das unwichtig sei und niemanden kümmere. Sie sei vielmehr "die größte Mutation", der absolut entscheidende Sprung in eine ganz neue Ordnung hinein, die alle angehe und die ganze Geschichte betreffe.

Krisenregion Darfur

Auffallend war, dass Benedikt XVI. die sudanesische Krisenregion Darfur und ihre "nicht mehr erträgliche dramatische humanitäre Situation" an den Anfang seines Appells für Frieden und Gerechtigkeit stellte. Und dass er von dort aus den Blick auf die Region der Großen Seen und überhaupt zuerst auf Afrika richtete, dessen Völker sich nach "Versöhnung, Gerechtigkeit und Entwicklung" sehnten.

Konkret wie nie zuvor bei einer Osterbotschaft ging der Papst dann auf das leidgeprüfte Heilige Land ein, um dessen christliche Bevölkerung sich die Kirche ernste Sorgen macht. Benedikt XVI. forderte nicht nur allgemein die Fortsetzung des Friedensprozesses, sondern sprach sich auch für die Bildung eines eigenen Palästinenserstaates aus. Er unterstrich das Recht Israels auf eine Existenz in Sicherheit.

Frieden im Heimatland Jesu

Er verwies aber auch auf alte und neue Hindernisse, die im beharrlichen Dialog überwunden werden sollten. Ein Hinweis auf die veränderte Lage nach den Wahlen bei den Palästinensern, deren neue Führung international weitgehend isoliert ist. Dass ein dauerhafter und gerechter Frieden im Heimatland Jesu auf der Prioritätenliste der vatikanischen Diplomatie ganz oben steht, hat Benedikt XVI. in seiner ersten Osterbotschaft erneut deutlich gemacht.

Aber auch Lateinamerika war ein Kernthema des Papst-Appells: die unwürdigen Lebensbedingungen von Millionen Menschen, die "verabscheuungswürdige Plage der Entführungen" und der Mangel an demokratischen Institutionen müsse in Eintracht und tätiger Solidarität überwunden werden.

79. Geburtstag

Das erste Osterfest des neuen Papstes fiel genau mit seinem 79. Geburtstag zusammen. In den Fürbitten der Osternacht wurde an diesen Gedenktag erinnert. Spontaner waren freilich die Teilnehmer des Festgottesdienstes: Als Benedikt XVI. die Basilika am Ende der Messe durch den Mittelgang verließ, wurde die brausende Orgel durch ein kräftiges "Happy birthday to you" übertönt.

Text: KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH, 18.04.2006 / Foto: Archiv

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