
- In der Requisitenkammer der Gemein-de St. Franziskus in Marl schauen sich Barbara Kilian (l.), Wilhelm Heek (m.)und Pfarrer Ulrich Müller um.
Beispiel für gelungene Katechese
Spielerisch begeistern
Marl. In Marl in der Gemeinde St. Franziskus findet Katechese in vielerlei Hinsicht statt. "Bei uns gibt es nicht mehr das katholische Milieu, wie es noch im Münsterland selbstverständlich ist. Aber das ist für uns auch eine Chance, beispielsweise die farbigen Elemente des christlichen Brauchtums wie Wallfahrten oder Feldmessen zu nutzen", erklärt Pfarrer Ulrich Müller.
Pastoralreferent Wilhelm Heek fügt hinzu: "In der Katechese müssen wir häufig im wahrsten Sinne des Wortes bei Adam und Eva anfangen." Doch die Aktiven der Gemeinde haben aus der Not eine Tugend gemacht. Dabei werden sie von der Erkenntnis geleitet: "Wenn wir die Katechese neu beleben wollen, müssen wir die Eltern einbeziehen. Ohne sie brauchen wir nicht zu starten", erklärt Müller.
Beispiel Erstkommunion-Vorbereitung. "Vor dem ersten Advent bieten wir den Eltern und Kindern eine Kirchenführung an. Wir wollen ihnen eine Hilfestellung und Sicherheit geben, denn sie dürfen nicht das Gefühl bekommen, sie würden nicht ernst genommen", erzählt der Pfarrer. Weiterhin gibt es jeden Sonntag eine Sonntagskatechese. "Die Kinder treffen sich während der Predigt in einem eigenen Raum, um über das Evangelium zu sprechen. So entsteht im Lauf der Zeit für jeden eine eigene Bibel", erläutert Heek.
Während dieser Zeit predigt Müller in der Kirche. "Ein Großteil der Eltern, die ihre Kinder begleiten, gehen sonst nicht in die Kirche. Dementsprechend predige ich anders, einfacher. Das ist aber auch für die restliche Gemeinde interessant", ist er überzeugt. Auf diesem Weg erlebten die Eltern nicht nur speziell gestaltete Familiengottesdienste, sondern eben die "normale" Sonntagsmesse.
"Wir arbeiten in unserer Gemeinde mit festen Katecheten. Die Mütter können uns dabei gern unterstützen", erklärt Barbara Kilian, die sich bereits seit vielen Jahren als Katechetin in der Gemeinde engagiert. "Denn die Inhalte werden nicht nur über Methoden, sondern durch Menschen und deren Glaubenszeugnis vermittelt", erklärt sie.
Darum bilden sich Katecheten und zahlreiche Erzieherinnen der drei Kindergärten gemeinsam fort. "Wir haben eine katechetische Hochschule für Interessierte ins Leben gerufen. Bei unseren Treffen sprechen wir über verschiedene Themen. Es geht uns darum, unseren Katecheten einen Fundus mitzugeben, aber es geht auch um die Auseinandersetzung mit der Kirche und dem Glauben", erklärt Müller.
Ein wichtiges Element in der Katechese der Gemeinde sind heilige Spiele. "Wir haben sie für uns wieder entdeckt. Inzwischen gibt es bei uns das Mysterienspiel, das Krippenspiel, das Passionsspiel, das Osterspiel, das Adventsspiel und das Dreikönigsspiel", zählt der Pfarrer, der gleichzeitig Autor der verschiedenen Spiele ist, auf.
Unterm Dach des Pfarrhauses in Sickingmühle befindet sich die prall gefüllte Requisitenkammer. "Es werden jedes Jahr die selben Spiele geprobt und in der Kirche aufgeführt, aber immer von anderen Kindern", erklärt Heek. Zwischen 30 bis 40 Kinder sind jedesmal mit von der Partie. "Das ist für uns eine Chance, den Kindern spielerisch den Glauben und das Evangelium zu vermitteln", sagt Heek.
Text und Foto: Michaela Kiepe in "Kirche+Leben", 09.02.2006
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