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22.07.2017
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Aus dem kirchensite.de-Archiv
Prof. Thomas Söding.

Interview mit Prof. Söding

Gottesbilderder Bibel

Die Bibelarbeiten im neuen Kirchenjahr beschäftigen sich mit den Gottesbildern der Bibel. "kirchensite" befragte den Leiter des Katholischen Bibelwerkes im Bistum Münster, Professor Thomas Söding, nach diesem Projekt.

"kirchensite": "Du sollst dir kein Gottesbildnis machen, das irgendetwas darstellt am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde", heißt es in den Zehn Geboten (Ex 20,4; Dtn 5,8). Warum konnte der Mensch dennoch nicht der Versuchung widerstehen, sich ein "Gottesbildnis" zu machen?

Thomas Söding: Die Gottesbilder, die verboten werden, sind Götzenbilder, wie das Goldene Kalb (Ex 32). Menschen stellen solche Bilder auf, um sich der Gegenwart einer Gottheit, ihrer Hilfe und ihres Schutzes, zu versichern. Das Bilderverbot ist aber auch für Menschen aktuell, die an den einen Gott glauben. Einerseits brauchen wir Menschen sinnliche Vorstellungen - auch von Gott. Deshalb hat Jesus sich nicht gescheut, vom Reich Gottes Gleichnisse, Bild-Geschichten, zu erzählen. Andererseits steht jede menschliche Vorstellung, jedes menschliche Bildnis in der Gefahr, Gott auf ein menschliches Maß festzulegen und ihn für eigene Zwecke zu benutzen. Der Grund ist ein Mangel an Vertrauen, unbedingt geliebt, gewollt, bejaht zun sein. Unsere Versuchung ist, Gott nach unserem Bild zu machen. Tatsächlich sind wir Menschen aber nach dem Bilde Gottes geschaffen. Wir sind Gottes Ebenbild. Wer dessen inne wird, macht sich kein Götzenbild mehr.

"kirchensite": Wie kann man sich davor schützen, das eigene Bild von Gott absolut zu setzen?

Söding: Ein persönliches Gottesbild zu haben, ist ein Zeichen reifen Glaubens. Wer nur verschwommene Schemen sieht, sehnt sich nach Klarheit. Aber zum reifen Glauben gehört auch, sich nicht auf ein einziges, noch so wertvolles Gottesbild festzulegen. Vor der Absolutsetzung des eigenen Bildes hilft das Gespräch mit anderen Menschen, die sich nicht scheuen, ihre Gottesbilder zu zeigen. Am wichtigsten ist das Gespräch mit den Menschen, denen wir die Bibel verdanken. Ihre Gotteserfahrungen sind von einzigartiger Intensität. Daraus wollen wir in diesem Jahr mit dem Internet-Bibelarbeiten aufmerksam machen. Diejenigen, die den klarsten Begriff von Gott haben, wissen, dass er ein Geheimnis ist: "Jetzt sehen wir in einem Spiegel nur ein dunkles Bild, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht", schreibt Paulus (1Kor 13,12). Aber wer Gottes Geheimnis ahnt, kann nicht schweigen. Derselbe Apostel schreibt auch: "Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gedrungen ist - das hat Gott denen bereitet, die ihn lieben." (1Kor 2,9).

"kirchensite": Manchmal heißt es: Das Alte Testament "predigt" den strafenden Gott, das Neue Testament den liebenden Gott. Ist es so einfach?

Söding: Im Alten und im Neuen Testament gibt es helle und dunkle Gottesbilder. Im Alten und im Neuen Testament ist vom gerechten Gericht Gottes die Rede und von einem vollkommenen Heil jenseits dieses Gerichtes. Ohne die dunklen Bilder und harten Worte wäre der Glaube banal. Aber die Grundbotschaft der ganzen Bibel lautet: "Gott ist Liebe" (1Joh 4,8.16). Die biblischen Gotteserfahrungen reichen bis in das tiefste Dunkel der Erde und bis zum höchsten Licht des Himmels.

"kirchensite": Ich führe Sie in Versuchung: Welches Bild hat die Bibel von Gott?

Gottesbilder
Söding: Die Bibel kennt viele Bilder Gottes, die so bunt sind wie das Leben. Die Bibel ist aber kein Kaleidoskop, das alle Bilder durcheinanderwirft. Manchmal vergleiche ich sie mit einem großen Bilderteppich. Aus vielen kleinen Bildern entsteht ein Ganzes, ein ganz großes Bild - so wie die eine große Geschichte Gottes mit den Menschen sich in vielen  kleinen Geschichten der Menschen mit Gott abspielt. Die Bibel erzählt diese große Geschichte in den kleinen Geschichten - und in den kleinen die große. Das eine Bild Gottes, das alle umfasst, die Ikone Gottes, ist Jesus Christus (2Kor 4,4; Kol 1,20). Aber wie Jesus ausgesehen hat, wird nirgends beschrieben. Das hat einen tiefen Sinn. Jeder Mensch ist berufen, in der Nachfolge Jesu Gott sichtbar zu machen. Jeder Mensch, der glaubt, hofft und liebt, wird in sein Bild verwandelt (Röm 8,29). Wer von Jesus Christus geprägt ist (Gal 4,19), zeigt anderen, wie der Sohn Gottes aussieht.

"kirchensite": Gottesbild - Menschenbild: Hat das etwas miteinander zu tun?

Söding: Der Schweizer Schriftsteller Max Frisch hat in seinen Tagebüchern oft darüber nachgedacht, dass das Bilderverbot nicht nur die Ehre Gottes, sondern auch die Würde des Menschen schützt. Es sind immer nur Menschen, deren Gottesbilder wir betrachten können - auch in der Bibel. Aber wir alle werden zu echten Menschen, wenn wir uns nicht selbst bespiegeln, sondern unsere Augen für Gott öffnen. Dann sehen wir auch die Welt und die anderen Menschen besser.

"kirchensite": In den nächsten Wochen werden wir wieder erleben, dass es zur Weihnachtszeit viele zur Krippe zieht. Hat das vielleicht auch mit dem Bild von Gott zu tun, das uns dieses Kind von Bethlehem vermittelt?

Söding: Die Krippe verdanken wir dem heiligen Franziskus. Er hatte einen Sinn für Gott und die Menschen. Er wusste, welche Bilder uns ins Herz dringen und unsere Sinne öffnen: Mutter und Kind, Mensch und Tier, Himmel und Erde, Hirten und Engel. Die Krippe ist Theologie für die Augen. Sie ist ein Bild des zentralen Glaubensgeheimnisses: Gott wird Mensch, damit die Menschen Gott werden. Ohne Krippe ist der Weihnachtsbaum nur Zimmerschmuck. Wer die Krippe aber nicht nur unter den Weihnachtsbaum stellt, sondern sie Schritt für Schritt bevölkert (Maria und Josef sind lange unterwegs, die Schafe und Hirten sind doch nicht nur in der heiligen  Nacht auf dem Feld), kann - bis zum Besuch der Heiligen Drei Könige aus dem Morgenland - sogar eine Bild-Geschichte erzählen: die ganze große Geschichte im kleinen Zuhause. Nicht nur Kindern reißen dann die Augen auf.

Das Interview führte: Norbert Göckener/Foto: Michael Bönte, 02.12.2005

Zu den Bibelarbeiten in "kirchensite"...

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