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05.12.2016
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Aus dem kirchensite.de-Archiv
"Darin ist die Liebe Gottes unter uns erschienen, dass Gott seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben." - Die Herz-Jesu-Verehrung nimmt diese Liebe Gottes in den Blick.

Bibelarbeit in November 2005

"Gott ist Liebe"

Der Grundsatz der Bibel im Licht des Ersten Johannesbriefes

1. Lieber Gott

Kinder beten zum "lieben Gott". Anreden wie "allmächtiger Vater", oder "ewiger Gott", "Heiliger", "Herr", "Schöpfer Himmels und der Erden" kommen Eltern kaum über die Lippen, wenn sie ihre Kinder die ersten Worte des Glaubens lehren. Sie haben eine gutes Gespür: Der "liebe Gott" ist der, dem die Freude über den neuen Tag anvertraut werden kann, aber auch der Kummer über einen Verlust, die Enttäuschung über einen Verrat, die Scham wegen eines eigenen Fehlers.

Ist aber Gott immer nur "lieb"? Kinder und Erwachsene erfahren auch dunkle Seiten Gottes: Gott, der die Bitte nicht erhört, den Klageschrei nicht beantwortet, die Gefährdeten nicht rettet, die Kranken nicht gesund werden  lässt. In der Bibel, im Alten wie im Neuen Testament, ist auch vom heiligen Zorn Gottes die Rede, vom gerechten Gericht, von einer letzten Unbegreiflichkeit, einem tiefen Geheimnis Gottes. Wer dies ausblendet, macht die Gottesrede banal.

Ist deshalb aber die Intuition falsch, dass die ersten (und manchmal die letzten) Gebete an den "lieben Gott" gerichtet werden? Sicher gibt es die Gefahr einer dauerhaften Infantilisierung des Glaubens. Gott ist nicht nur überaus gütig, sondern auch allmächtig und allwissend; wäre er es nicht, bliebe seine Liebe hilflos, das Vertrauen, das sich im Gebet an den lieben Gott richtet, wäre grundlos.

Wie viel Grund es aber tatsächlich hat, zeigt sich, wenn man in der Bibel anschaut, wo und wie von Gottes Liebe die Rede ist. Einen Höhepunkt bildet eine der jüngsten Schriften, der Erste Johannesbrief. Gleich zweimal steht dort der Kernsatz: "Gott ist Liebe" (1Joh 4,8.16).

2. Der Text: 1Joh 4,7-16

7Ihr Lieben,
last uns einander lieben;
denn die Liebe ist aus Gott
und jeder Mensch, der liebt, ist aus Gott geboren und erkennt Gott.
8Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt;
denn Gott ist Liebe.

9Darin ist die Liebe Gottes unter uns erschienen,
dass Gott seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat,
damit wir durch ihn leben.
10Darin besteht die Liebe:
nicht dass wir Gott geliebt haben,
sondern dass er uns geliebt
und seinen Sohn gesandt hat als Sühne für unsere Sünden.

11Ihr Lieben,
wenn Gott uns so geliebt hat,
sind auch wir schuldig, einander zu lieben.

12Niemand hat Gott je geschaut;
wenn wir einander lieben,
bleibt Gott in uns,
und seine Liebe ist in uns vollendet.

13Daran erkennen wir, daß wir in ihm bleiben und er in uns,
dass er uns von seinem Geist gegeben hat.
14Und wir haben gesehen und bezeugen,
dass der Vater den Sohn gesandt hat als Retter der Welt.
15Wer nun bekennt, dass Jesus der Sohn Gottes ist,
in dem bleibt Gott und der bleibt in Gott.
16Und wir haben die Liebe erkannt und geglaubt, die Gott zu uns hat.

Gott ist Liebe,
und wer in der Liebe bleibt,
bleibt in Gott,
und Gott bleibt in ihm.

3. Beobachtungen am Text

Der Erste Johannesbrief ist eine große Meditation über die Liebe Gottes, die Gestalt gefunden hat in Jesus Christus und das Leben der Christen prägen soll. Der Brief gehört eng mit dem Johannesevangelium zusammen; er vertritt dieselbe Theologie. Nach dem Johannesevangelium sagt Jesus (3,16):

So sehr hat Gott die Welt geliebt,
dass er seinen eingeborenen Sohn gegeben hat,
damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht,
sondern das ewige Leben hat.

1Joh 4,7-16 liest sich wie ein Kommentar zu diesem Kernsatz Jesu. Die Welt, die Gott liebt, ist seine Schöpfung; aber sie auch der Ort des Widerstandes gegen ihn, des Hasses, den Menschen gegeneinander hegen, des Todes, den sie sterben. Dennoch entzieht sich Gott dieser Welt nicht – weder aus verletztem Stolz noch aus Ekel vor dem Schmutz des Bösen. Im Gegenteil: So sehr auch die Menschen  ihn verkennen, vergessen, verlassen, verraten mögen – Gott bleibt sich selbst treu, er hält seine Versprechungen, er steht zu seinen Verheißungen, er ist und bleibt der Liebende. Davon haben die Propheten Israels, davon hat auch Jesus gesprochen. Aber Jesus hat nicht nur auf Gottes Liebe hingewiesen, er hat sie gelebt, mit Leib und Seele, Haut und Haar. Er hat die Liebe Gottes verkündet, vermittelt und verkörpert.

Das Jesuswort aus dem Ausklang des Nikodemus-Gesprächs sieht den Sohn Gottes als Gabe Gottes an die Welt. Es ist die Gabe aller Gaben. Gott gibt sich selbst in Jesus Christus. Die Menschwerdung ist ebenso umgriffen wie das öffentliche Wirken Jesu zur größeren Ehre Gottes, der die einzige Hoffnung der ganzen Welt ist, und sein Tod am Kreuz, in dem seine Liebe sich vollendet.

Der Erste Johannesbrief zieht daraus die Konsequenz. Zweimal sagt er: "Gott ist Liebe" (1Joh 4,8.16). Das erste Mal (4,8) formuliert er diesen Satz, um das Liebesgebot zu unterstreichen, an dem ihm liegt (4,7-11); das zweite Mal (4,16), um die Gotteskindschaft der Christen zu unterstreichen, die sich zur Liebe ruft (4,12-16). Beide Sätze fallen nicht im luftleeren Raum, sondern sind die eine schwierige Situation hineingesprochen, die der Brief bearbeitet.

Ein tiefes Glaubensproblem

In der christlichen Gemeinde erhebliche Spannungen. Der Streit ist so groß, dass sie kurz vor der Spaltung steht; einige haben bereits die Trennung vollzogen. Im Johannesevangelium wird zwar die Einheit aller Glaubenden betont; Jesus hat um sie gebetet (Joh 17); aber die Johannesbriefe zeigen, dass sie zerbrechen kann und zerbrochen ist. Wo Liebe herrschen sollte, macht sich Hass breit. Wo Eintracht herrscht sollte, breitet sich Zwietracht aus, Deshalb mahnt der Brief noch und noch zur wechselseitigen Liebe. Er versteht sie nicht nur als allgemeines Wohlwollen und spontane Sympathie, sondern konkretisiert sie als Pflege der Gemeinschaft der Glaubenden, als Abbau von Spannungen, als Überwindung von Konflikten.

Die innergemeindlichen Spannungen haben theologische Ursachen. Der Streit dreht sich um das zentrale Geheimnis des Glaubens. Der Brief betont so nachdrücklich, Jesus sei der Messias und der Gottessohn ein Mensch aus Fleisch und Blut (1Joh 5,6), dass die Vermutung naheliegt, die Gegner des Presbyters, der den Brief schreibt, hätten zwar die Göttlichkeit Jesu bekannt, aber die Fleischwerdung des ewigen Wortes Gottes nicht so radikal sich vorstellen können, wie dies der Johannesprolog vorgibt (1,14: "Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut.").

Dies ist nicht nur ein intellektuelles, es ist ein tiefes Glaubensproblem, das man ernstnehmen muss, um es verstehen und lösen zu können. Hinter dem Vorbehalt der Gegner steht die Vermutung, Gott könne den Menschen unmöglich so unendlich nahegekommen sein, wie es Paulus sagt, wenn er verkündet: "Gott war in Christus" (2Kor 5,19), und wie es Jesus nach dem Johannesevangelium selbst ausdrückt, wenn er den Jünger zum Abschied sagt (Joh 14,20):

Bibelarbeiten
Heilige Dreifaltigkeit: Die Liebe
zwischen dem Vater und dem Sohn
im Heiligen Geist erfüllt nicht nur die
Einheit und Einzigkeit Gottes,
sondern spricht das Ja, das die
Welt ins Leben ruft und sie aus aller
Niedrigkeit zur Herrlichkeit der
Anteilhabe am Leben Gottes führt. .

Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir, und ich bin in euch.

Der Vorbehalt besteht in dem tiefsitzenden Verdacht, die Menschen, wie sie nun einmal in all ihrer Schuld sind, seien nicht wirklich liebenswert; Gott würde ihnen zwar vielleicht helfen, aber sie im Grunde verachten und jedenfalls immer die nötige Distanz wahren, um nicht selbst in der Sog menschlich-allzumenschlicher Schwachheit hinabgezogen zu werden. Dieser Verdacht hat nichts mit einer Geringschätzung Gottes zu tun. Eher besteht das Problem in einer Geringschätzung des Menschen. Das aber liegt daran, dass von Gott nicht groß genug gedacht wird – und die als falscher Demut Liebe kleingeschrieben wird.

Eine tiefere Glaubenseinsicht

Jesus hat verkündet, wie groß die Liebe geschrieben wird. In der Liebe, die ein Vater seinem missratenen Sohn gegenüber aufbringt, hat er ein menschliches Bild der Liebe Gottes gesehen – und in dem Fest des Wiedersehens ein Zeichen für die Hoffnung auf die Auferstehung der Toten (Lk 15,11-32). Die Liebe einer Frau zu ihrem viel zu früh verstorbenen Kind hat er nicht enttäuscht, sondern ihr, die bereits ihren Mann verloren hatte, ihren Sohn zurückgegeben (Lk 7,11-17).

Für diese Botschaft tritt der Erste Johannesbrief ein. Er sieht im Menschen Jesus den Gottessohn, und den ewigen Sohn Gottes sieht er als den lebenden, leidenden, gestorbenen und auferstandenen Menschen Jesus, um deutlich zumachen. Die Liebesgeschichte Gottes mit den Menschen beginnt nicht erst mit Jesus. Aber an Jesus lässt sich ablesen, wie groß, wie unendlich die Liebe ist, mit der Gott die Welt liebt. Mehr noch: An Jesus lässt sich erkennen, dass Gott nicht nur Liebe hat und Liebe tut, sondern Liebe ist. Es entspricht seinem Wesen, die Menschen und die ganze Welt zu lieben. Sonst gäbe es kein Leben, so gäbe es auch keine Vergebung. Nur weil Gott Liebe ist, dürfen die Menschen hoffen, dass Jesus ihnen nicht nur unter Vorbehalt, sondern unbedingt die Frohe Botschaft verkündet hat; nur weil Jesus nicht nur auf Gott hinweist, sondern von Gott, dem Vater, kommt und zu ihm geht, kann er das Heil Gottes nicht nur verkünden, sondern vermitteln.

Dass Gott Liebe ist, erläutert der Brief am schwierigsten, dem alles entscheidenden Punkt: dem Kreuz Jesu. Wer von außen auf das Kreuz sieht, meint, einen leidenden Menschen zu sehen, und wird als Zeitgenosse des Neuen Testaments vermuten, einen Schwerverbrecher vor sich zu haben. Wer genauer hinschaut, sieht im Gekreuzigten den Martyrer, den unschuldig verurteilten Gerechten. Wer aber mit den Augen des Glaubens schaut, so wie Jesus sie geöffnet hat, erkennt im Kreuz die äußerste Form der Lebenshingabe Jesu für die Rettung der Sünde und die schlechterdings nicht mehr zu steigernde Aufgipfelung der Liebe Gottes zur Welt, die sich dem Tod verschreibt. Diese Liebe ist nicht ohnmächtig; wo sie endgültig von der Sünde besiegt scheint, schafft sie ein für alle mal Klarheit: dass Gottes Liebe stärker als der Tod, Gottes Gnade stärker als das Verhängnis der Schuld. Das ist mit dem alttestamentlichen Stichwort "Sühne" in Vers 10 gemeint.

Der Erste Johannesbrief redet nicht einer Vergöttlichung menschlicher Liebe das Wort; der Presbyter ist kein romantischer Idealist, er ist ein spirituelles Realist. Er redet von der Menschlichkeit göttlicher Liebe. Der Satz "Gott ist Liebe" darf nicht umgekehrt werden. Das Geheimnis Gottes ist die Liebe; deshalb scheint, wo immer Menschen lieben, das Geheimnis Gottes auf, zuhöchst in der Einheit von Gottes- und Nächstenliebe.

Die Liebe in Gott

Die Liebe ist nicht eine Eigenschaft, sie ist das Wesen Gottes. Wie können sich Menschen das vorstellen? Nie so, dass sie hinter das Geheimnis Gottes kommen. Aber doch so, dass sie, wenn sie Jesus glauben, was er von Gott sagt, auf die Spur kommen, sein Verhältnis zu Gott, dem Vater, als Offenbarung des Gottseins Gottes zu deuten. Am Ende dieses Denkweges, er ein Glaubensweg ist, steht das Bekenntnis des dreieinen Gottes: Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Die wichtigste biblische Basis legen die johanneischen Schriften. Sie setzen an beim Verhältnis zwischen Jesus, dem Sohn, und Gott, seinem Vater. Sie erkennen und bezeugen, dass Jesus nicht irgendwann (weil er sich z.B., bewährt hat) Gottes Sohn wird, sondern Gottes Sohn ist, vor aller Zeit und in alle Ewigkeit. Wäre es anders, könnte Gott durch Jesus nicht vorbehaltlos sich selbst den Menschen geschenkt haben; es bliebe eine letzte Distanz: Es herrschte nicht de reine Liebe. Im johanneischen Kreis erkennt man aber auch, dass zwar der Sohn sagt: "Der Vater ist größer als ich" (Joh 14,28), dass daraus aber nicht folgt, der Sohn weise einen geringeren Grad an Göttlichkeit als der Vater auf. Vielmehr gilt, was Jesus sagt: "Ich und der Vater – wir sind eins" (Joh 10,30) – weil der Vater dem Sohn alles zeigt, alles gibt, alles gewährt: aus reiner Liebe. Thomas spricht das Spitzenbekenntnis aus, wenn er dem Auferstandenen, der noch die Wundmale trägt, anredet: "Mein Herr und mein Gott" (Joh 20,28).

Die Beziehung zwischen dem Vater und dem Sohn, ihre Liebe, ist ihnen nicht äußerlich, sondern innerlich und wesentlich. Deshalb können die beiden einander nicht genug sein. Ihre Liebe strahlt aus in die Welt, wie sie ebenso sie beide vereint. Dieses Ausstrahlen und diese Verbindung sind nicht nur ein Vorgang, sondern selbst göttlicher Natur. Dafür steht der Heilige Geist. In vielen neutestamentlichen Schriften erscheint er als Kraft, in der Jesus wirkt und die Kirche ihre Mission ausführt. In den johanneischen Schriften wird deutlich, dass der Heilige Geist nicht nur göttliche Kraft, sondern (wie es später heißen wird) göttliche Person ist. In seiner Abschiedsrede kündigt Jesus ihn als den "anderen Beistand" an, der "für immer bleiben wird" bei den Jüngern (14,16) und ihnen Jesu Wort und Werk vergegenwärtigt.

Erst in diesem trinitarischen Sinn lässt sich voll verstehen, was es heißt, dass Gott Liebe ist. Die Liebe zwischen dem Vater und dem Sohn im Heiligen Geist erfüllt nicht nur die Einheit und Einzigkeit Gottes, sondern spricht das Ja, das die Welt ins Leben ruft und sie aus aller Niedrigkeit zur Herrlichkeit der Anteilhabe am Leben Gottes führt. Wäre Gott eine Monade, wäre er einsam; es die Welt und die Menschen bleiben ihm die Menschen immer etwas letztlich Fremdes – und Rettung könnte nie Aufnahme in die Herrlichkeit Gottes selbst sein; sie wäre nicht vollendet. Die johanneische Trinitätstheologie aber zeigt, dass Gott im Innersten menschlich ist – und dass deshalb die Hoffnung der Mensch keine geringere sein darf, als die, vergöttlicht zu werden.

Die Geschichte der Liebe

Die Liebe Gottes zur Welt erfasst die Glaubenden. Ihr Leben ändert sich grundlegend, wenn und weil sie verstehen, dass Gott Liebe ist. Der Brief zeigt zuerst, dass daraus ein Anspruch wächst (4,7-11). Wer – den Bruder, die Schwester, den Feind - nicht liebt, hat nicht verstanden, wer Gott ist und was Gott will. Wer hingegen wahrhaft liebt, ist auf dem Weg, Gott zu erkennen. Die Liebe, die Menschen einander erweisen, ist Weitergabe der Liebe, die Gott ihnen erweist. Denn Gottes Liebe zu uns zeigt sich nicht zuletzt daran, dass wir lieben können.

Der Johannesbrief formuliert aber nicht nur Ansprüche; er zeigt, dass sich die Identität der Glaubenden verwandelt, wenn sie zu Liebenden werden (4,12-18). Sie sind und bleiben Menschen, von denen kein einziger je Gott geschaut hat – anders als der ewige Gottessohn, der Mensch geworden ist, um Kunde von Gott zu bringen (Joh 1,18). Aber indem Gott sie liebesfähig macht, kommen sie zu sich selbst. Sie werden menschliche Menschen. Das Leitwort dieses Abschnitts heißt "bleiben". Die Liebe ist auf Dauer angelegt. Sie hat Zeit, sie füllt Zeit. Sie ist nicht nur ein spontaner Ausbruch, sondern eine Lebenseinstellung, eine Grundhaltung, eine Kette von Handlungen, Gefühlen, Einstellungen, die den Menschen verwandeln, ergreifen, prägen. Im Leben kommen die Menschen zu sich selbst und zu einander. Aber sie sind nicht auf sich allein gestellt. Die eigentliche Botschaft lautet: dass sie bei Gott bleiben und Gott bei ihnen bleibt. Die Unverbrüchlichkeit der Liebe Gottes ist es, die den Menschen erlaubt, ihre Lebensgeschichte als Liebesgeschichte mit Gott zu leben – und in ihrem eigenen Lieben diese Liebe Gottes zu entdecken und auswirken zu lassen.

Für die Liebe steht im Johannesbrief das Wort Agape, das in der Sprache der (griechischen) Bibel in erster Linie die Liebe Gottes zu seinem Volk Israel, dann aber auch die Liebe des Volkes und der einzelnen Israeliten zu Gott meint. Von  dort strählt sie aus auf die Liebe zum Nächsten. In der lateinischen Übersetzung steht das Wort Caritas. Dieses Wort meint – wie unser Fremdwort im Deutschen – die Liebe, die sich der Schwachen annimmt und sich ihrer erbarmt, um ihnen zu helfen. Der griechische Begriff ist aber umfassender. Gottes Liebe ist nicht nur die Hilfe in der Not. Sie ist die unbedingte Bejahung jedes Menschen, der lebt – und des Lebens überhaupt. Diese Bejahung schließt die Kritik schuldhaft verfehlten Lebens ein – aber nicht, um es zu vernichten sondern um es zu retten. Deshalb kann der Brief den Schuldigen Mut machen: "Wenn unser Herz uns auch verurteilt – Gott ist größer als unser Herz, und er kennt alles" (1Joh 3,20).

4. Vorschläge zur Gestaltung einer Bibelstunde

Ankommen

Gemeinsames Lied GL 922: Wo die Güte und die Liebe …
und/oder Gebet: GL 4,4 (S. 25)

Lesen
1Joh 4,7-16

  • Jemand liest den ganzen Text laut und langsam vor. 
  • Einen Moment herrscht Stille zum Nachdenken.
  • Dann können alle den Vers lesen, der sie am stärksten anspricht.

Sprechen
über den Text:

  • Welche Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament kann man als Liebesgeschichten Gottes lesen?
  • Wo kann man im Neuen Testament sehen, dass die Begegnung mit Jesus Menschen verändert, indem sie liebesfähig werden?

über mich

  • Wo habe ich Liebe erfahren? Kann ich diese Liebe mit Gott verknüpfen? Was ändert sich dann für mich?
  • Wo bin ich ein Mensch, der liebt? Was liebe ich? Wen liebe ich? Hat meine Liebe mit Gott zu tun? Wie ändere ich mich dann?
  • Wo und wie erfahre ich Gottes Liebe? Kenne ich Menschen, die glauben, von Gott gehasst oder vergessen zu sein? Wie sind sie darauf gekommen? Wer oder was könnte ihnen helfen?

Weitergehen

Gemeinsames Lied: GL 298: "Herr, unser Herr, wie bist du zugegen ..."
und/oder Gebet GL 29,6: "Herr. Mach mich zu einem Werkzeug …"

Weiterführende Literatur
zum Ersten Johannesbrief:

  • Wilhelm Thüsing, Die Johannesbriefe (Geistliche Schriftlesung 22), Düsseldorf 1970

für exegetisch Interessierte:

  • Thomas Söding, "Gott ist Liebe". 1Joh 4,8.16 als Spitzensatz Biblischer Theologie, in: Th. Söding (Hg.), Der lebendige Gott. Beiträge zur Theologie des Neuen Testaments. FS W. Thüsing (NTA 31), Münster 1996, 306-357

Thomas Söding, November 2005
Katholisches Bibelwerk im Bistum Münster (www.bibelwerk.de)

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