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11.12.2016
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Wolf

Hubert Wolf.

Wolf in Kirche+Leben: Weltkrieg war Zerreißprobe für Kirchen

Bischöfe: Kirchen-Mitschuld an Kriegsbegeisterung 1914

Münster / Bonn. Der Erste Weltkrieg stellte die katholische Kirche nach Ansicht des münsterschen Kirchenhistorikers Hubert Wolf vor eine Zerreißprobe. Einerseits habe sie sich als internationale Einheit mit dem Papst an der Spitze verstanden, sagte er der münsterschen Wochenzeitung "Kirche+Leben". Anderseits habe es eine Vielzahl nationaler Katholizismen gegeben; die Nation habe im Zweifelsfall Vorrang vor der Religion gehabt.

Die Nation habe in den Jahren um 1914 pseudoreligiöse Züge angenommen, sagte Wolf. Deutsche Katholiken seien von französischen Glaubensgenossen massiv unter Druck gesetzt worden: "Wie könnt ihr deutschen Katholiken auf Befehl eines evangelischen Kaisers auf uns durch und durch katholische Franzosen schießen?"

Benedikt XV. ergriff 1917 Friedensinitiative

Wolf lobte die Haltung von Papst Benedikt XV., der schon den Kriegsausbruch in äußerst scharfer Form und 1915 eine "grauenhafte Schlächterei" angeprangert habe. Sein Friedensappell 1917 sei einzigartig gewesen. Seither trete die katholische Kirche konsequent als Friedensaktivistin auf, die Päpste hielten sich mit der Legitimation von Gewalt "äußerst" zurück. In dieser Linie stünden auch die Verurteilung des Irak-Kriegs durch Johannes Paul II. sowie der heutige Papst Franziskus.

Auch wenn die Friedensinitiative 1917 scheiterte, sei sie "ein starkes Signal mit Folgewirkung bis heute". Benedikt XV. habe den Versailler Friedensvertrag als "rachsüchtiges Diktat" verurteilt und für einen Frieden geworben, der nicht auf Vernichtung der Besiegten gesetzt habe, sondern auf Versöhnung.

Bischöfe: Nationaler Verblendung gefolgt

Die Deutsche Bischofskonferenz bekannte sich am Freitag (25.07.2014) zu einer Mitverantwortung der Kirchen für die Kriegsbegeisterung von 1914. Bischöfe, Priester und Gläubige hätten in großer Zahl an der Seite jener gestanden, "die den Krieg als moralische und geistige Erneuerung begrüßten", heißt es in einer Erklärung zum Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren. Viele Kirchenverantwortliche hätten das Leid der Kriegsopfer nicht hinreichend wahrgenommen, seien "nationaler Verblendung gefolgt".

In der Kirche habe es aber auch viele Gläubige gegeben, die sich für Frieden eingesetzt hätten, schreiben die Bischöfe. Sie verweisen etwa auf Benedikt XV., damals Papst. Die Dimension des Weltkriegs sei "auch heute noch schockierend". Nicht zuletzt der Einsatz von Giftgas habe zur Brutalisierung der Kämpfe beigetragen.

Gegen "Rückfall in Nationalstaatlichkeit"

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg habe Europa eine Antwort auf die Fragen gefunden, die der Erste Weltkrieg aufgeworfen habe, heißt es in dem Text. Die Bischöfe erinnern an die Aussöhnung zwischen Deutschen und Franzosen, zwischen Deutschen und Polen sowie an die europäische Integration. Der Rückblick auf den Krieg müsse Ansporn sein, "jeden Rückfall in eine einseitig verstandene Nationalstaatlichkeit zu vermeiden".

Wolf und die deutschen Bischöfe äußerten sich aus Anlass des 100-Jahr-Gedenkens des Ersten Weltkriegs. Am 28. Juli 1914 erklärte Österreich-Ungarn Serbien den Krieg; dieser Schritt löste weitere Kriegseintritte aus. Der Erste Weltkrieg kostete rund 17 Millionen Menschen das Leben, er endete im November 1918 mit der deutsch-österreichischen Kapitulation.

Gedenken im Gottesdienst

Auf ihrer Internetseite Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.dbk.de bietet die Bischofskonferenz einen Gestaltungsvorschlag für einen Gottesdienst an, in dem der Opfer des Weltkriegs gedacht werden kann.

Das Interview im Wortlaut

Das vollständige Interview mit Hubert Wolf zum Ersten Weltkrieg lesen Sie exklusiv in der Wochenzeitung "Kirche+Leben" (Ausgabe vom 27.07.2014).

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  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht: Kirchenhistoriker Hubert Wolf
  2. Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche von A bis Z: Deutsche Bischofskonferenz
  3. Öffnet internen Link im aktuellen FensterBistumshandbuch: Bistumszeitung Kirche+Leben

Text: Jens Joest | Foto: Johannes Bernard
25.07.2014

    1. Bistumshandbuch: Kirche+Leben

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