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30.09.2016
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Pegida-Demonstration in Leipzig Anfang Januar.

Pegida-Demonstration in Leipzig Anfang Januar.

Käßmann fordert Integration für Rassisten und Neonazis

Studie: Pegida-Anhänger misstrauen auch den Kirchen

Göttingen / Berlin. Eine Mehrheit der Pegida-Anhänger bringt den Kirchen offenbar kaum Vertrauen entgegen. Das geht aus einer am Sonntag (31.01.2016) vorgestellten Studie des Göttinger Instituts für Demokratieforschung hervor. Knapp zwei Drittel der Befragten (65,2 Prozent) gaben demnach an, wenig oder gar kein Vertrauen in die Kirchen zu haben; nur 6,6 Prozent sprachen von vollstem oder viel Vertrauen.

Die Forscher hatten den Angaben zufolge im November Print-Fragebögen mit frankierten Rückumschlägen auf einer Demonstration verteilt. Von 1.800 Bögen erhielten sie 610 zurück. Die Studie sei also nicht im strengen Sinne repräsentativ, sondern Baustein eines Forschungsprojektes, schreibt das Team in einem Blogeintrag auf der Homepage des Instituts.

Befragte fordern "eine klare Differenzierung" bei Flüchtlingen

Von den sozial ausgegrenzten Schichten finde sich, so die Forscher, "kaum eine Spur": 45 Prozent der Befragten schätzen ihre individuelle Lage als gut bis sehr gut ein, nur etwa 12 Prozent als schlecht bis sehr schlecht. Rund 65 Prozent bezeichneten dagegen die allgemeine Situation Deutschlands als düster. Dabei steht "der Islam" offenbar "nicht mehr nur als Chiffre für einen amorphen kulturellen und gesellschaftlichen Verfall und die Bedrohung durch ein vermeintlich 'Fremdes'", schreiben die Forscher. Es gehe den Demonstranten um die tatsächliche Religionsgemeinschaft, "die praktizierenden Moslems beziehungsweise deren 'nordafrikanisch-arabischen Kulturkreis'". Dies bezeugten handschriftliche Anmerkungen auf den zurückgesandten Fragebögen.

Auch werde die Haltung gegenüber dem Islam an der Positionierung zur Flüchtlingsdebatte deutlich: "Grundsätzlich äußern viele Befragte eine gewisse Hilfsbereitschaft gegenüber Flüchtlingen – ausgenommen denjenigen aus islamischen Regionen." 45 Prozent forderten hier "eine klare Differenzierung". Zugleich überwiege die Zahl der Konfessionslosen unter den Teilnehmern "deutlich", wie das Forscherteam auf Spiegel Online erläutert.

"Dafür eintreten, dass Menschenwürde und Recht für alle gelten"

Unterdessen hat sich die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann, für mehr Dialog ausgesprochen. "Die Mitte der Gesellschaft muss sich an einen Tisch setzen und fragen, wie wir gemeinsam unser Land gestalten in dieser so angespannten Situation", schreibt sie in ihrer Kolumne in der "Bild am Sonntag".

Wenn Flüchtlinge ihre Integrationswilligkeit unterschreiben müssten, sollten dies auch "Pegida-Anhänger, Rassisten und Neonazis" tun, fordert die Theologin. "Wer in unserem Land leben will, muss glasklar dafür eintreten, dass Menschenwürde und Recht für alle gelten." Angriffe auf Flüchtlingsheime und Journalisten passten nicht dazu. Diese Gewalttäter seien ihr "fremder als diejenigen, die sie als 'Fremde' bezeichnen", so Käßmann.

Auch an der öffentliche Debatte übte die Theologin Kritik. "Fast entsteht der Eindruck, alle Flüchtlinge seien kriminell." Kriminalität und Werte seien jedoch Themen "für alle, die hier geboren sind oder schon lange hier leben; und diejenigen, die in Deutschland Zuflucht suchen."

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Text: KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH, ms | Foto: Reuters
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