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27.07.2016
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Norbert Köster.

Norbert Köster.

Serie "Mein Jahr" – Norbert Köster

Auf das Heute konzentrieren

Münster. Was wird das neue Jahr bringen? In der großen weiten Welt, in Deutschland, im eigenen Leben? Nicht alles ist vorhersehbar, und so werden Gelassenheit und Gottvertrauen die besten Voraussetzungen sein, um das anzunehmen, was kommen mag. kirchensite.de und Kirche+Leben haben unterschiedliche Menschen nach "ihrem" Jahr 2016 gefragt: Norbert Köster, der künftige Generalvikar des Bistums Münster, geht sein neues Amt mit gelassener Zuversicht an.

Ich habe mir angewöhnt, nicht mehr so viel zu planen. Als ich mehrere Jahre ein Studentenheim leitete, ließen sich meine Zeitpläne einfach nicht einhalten: Immer kam etwas dazwischen. Da habe ich es darauf ankommen lassen und mir gesagt: Wenn Gott etwas dazwischen kommen lässt, wird er mir auch irgendwann die Zeit für das geben, was meine eigentlichen Aufgaben sind. Im Rückblick kann ich sagen: Es stimmt, er tut es. Gott hat seine eigenen Zeitpläne. Was wann dran ist, ist manchmal quer zu meinen Wünschen und Vorstellungen. Aber alles hat wirklich seine Zeit.

Die gleiche Erfahrung hat offensichtlich der englische Theologe und Kardinal John Henry Newman gemacht. In vielen seiner Gebete sagt er, dass er Gottes Pläne nicht kennt und dass er sie auch gar nicht wissen will. Auf meinen Primiz-Zettel hatte ich einen Satz aus einem der Gebete Newmans gesetzt: "O Gott, du bist so wundervoll bei mir gewesen alle Tage meines Lebens. Du wirst mich auch ferner nicht verlassen." Newman erbittet von Gott lediglich die Kraft für den Tag und für das rechte Gespür, das zu tun, was an diesem Tag dran ist. Schritt für Schritt setzt er im Vertrauen auf Gott auf einem Weg, den er nicht kennt.

Sich so weit das geht auf den heutigen Tag zu beschränken und zu hören, welche Aufgaben Gott mir heute gibt, ist eine große Entlastung. Für mich ist es der Inbegriff von Freiheit geworden, mich auf das Heute konzentrieren zu dürfen, weil Gott das Größere plant.

Das hilft mir auch im Blick auf das Jahr 2016. Von dem Neuen, das auf mich zukommt, habe ich noch keine Vorstellung. Wie mein Tag aussehen wird, was ich alles zu tun haben werde, ob mich die Arbeit erdrückt oder ob sie mir Freude macht, wie ich mit den vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auskommen werde, ob ich die Sachverhalte, mit denen ich zu tun bekomme, wirklich verstehe, ob sich die Beziehungen zu Menschen verändern, all das weiß ich nicht. Es könnte mir schlaflose Nächte bereiten und hat es auch bereits getan. Langsam bin ich aber wieder soweit, dafür keine Pläne zu haben und einfach um die Kraft für den Tag zu bitten.

Auch mein Primizspruch bekommt 2016 noch einmal eine ganz konkrete Bedeutung: "Geh nur, wohin ich dich sende, verkünde, was ich dich heiße, fürchte dich nicht, ich bin ja bei dir" (Jer 1,7). Jeremia macht sich große Sorgen, was er sagen soll. Wird er als Prophet das Richtige sagen? Werden es die Menschen verstehen?

Auch ich werde zu vielen Dingen Stellung nehmen müssen, und was ich sage, wird in den Ohren der Menschen immer amtlich sein. Werde ich das Richtige sagen? Werden es die Menschen verstehen? Ich weiß es nicht. Jeremia bekommt von Gott die Zusage: "Hiermit lege ich meine Worte in deinen Mund" (Jer 1,9). Aber Jeremia war ja auch ein Prophet, ich bin es nicht. Ich nehme mir jedoch vor, stets zu prüfen, ob das, was ich sage, nach Gott schmeckt. Mehr kann ich nicht tun.

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Text: Norbert Köster | Foto: Michael Bönte in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
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