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09.12.2016
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Köster

Norbert Köster.

Künftiger Generalvikar hält Vorlesung an der Universität Münster

Köster: Gott wirkt auch in dieser säkularen Welt

Bistum. Die Kirche muss sich des "langen Schattens" ihrer Geschichte bewusst werden, ehe sie die säkulare Welt positiv gestalten kann. Das hat der Kirchenhistoriker und ernannte Generalvikar des Bistums Münster, Norbert Köster, am Freitag (15.01.2016) betont. Köster hielt eine Vorlesung zum Thema "Kampf gegen die Säkularisierung: Weltkriegserfahrung und Pastoral bei Bischof Michael Keller".

Köster führte aus, wie Kellers Erfahrung als Soldat im Ersten Weltkrieg sowie die lange kirchliche Gegnerschaft zur "Welt" das Denken und die Pastoral des ersten münsterschen Bischofs nach dem Zweiten Weltkrieg prägten. Er habe Akzente gesetzt, die im Bistum bis heute nachwirkten.

Gemeinden heute zu wenig "offen für alle"

Zum Beispiel habe Keller viele Pfarreien geteilt und – rund um neu erbaute Kirchen (148 in seiner Amtszeit, 25 weitere im Bau bei seinem Tod) – die kleine "Pfarrfamilie" als Teil einer "Verteidigungskette" gegen die Säkularisierung gestärkt. Der Gedanke der "Pfarrfamilie" wirke weiter: "Trägt er womöglich dazu bei, dass die Gemeinden heute Probleme haben, sich als 'offen für alle' zu verstehen?", fragte Köster. "Zur Gemeinde gehören doch alle Getauften – auch, wenn sie nur einmal im Jahr zur Messe kommen."

Auch Kellers Einsatz für die Frühkommunion von Kindern deutete Köster als Abwehraktion gegen die beginnende Säkularisierung. "Steckt uns das zu sehr in den Knochen?", fragte er. Ein positives, neues Bild der Sakramentenpastoral kann der Priester und Wissenschaftler bis heute nicht erkennen: "Gibt es keinen Weg zwischen 'Ausverkauf' der Sakramente und Rigorismus?"

Keller sah Priester als "Soldaten" im Abwehrkampf

Ein weiterer Versuch, Laien gegen säkulare Tendenzen zu stärken, sei der Ausbau katholischer Bildung gewesen. Köster erinnerte an die Gründung der Landvolkshochschulen und der Akademie Franz-Hitze-Haus durch Bischof Keller, er nannte auch die Internate Loburg und Gaesdonck. Gerade die Häuser der Erwachsenenbildung hätten "Schwierigkeiten mit diesem Gründungsimpuls" gehabt – auch bei der Suche nach einem heutigen Profil zwischen den Polen theologischer und "anderer" Themen.

Geprägt durch Kriegserfahrungen habe Keller die Laien, vor allem aber die Priester als "Soldaten" gesehen in einem "finalen Kampf zwischen Gut und Böse", den der Bischof nach Kösters Worten in der Säkularisierung toben sah. Von Geistlichen habe Keller Aufopferung erwartet.

"Kirche hat nicht zur Welt gefunden"

Unter Kösters Zuhörern war auch Bischof Felix Genn (vorn, 2.v.l.).

Diesen Einsatz zu bringen, sei für heutige Seelsorger durchaus schwer, sagte Köster. Während viele Nachkriegs-Priester in der Tradition Kellers "gekämpft" hätten und die folgenden Jahrgänge die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils hätten umsetzen können, fühlten sich viele Priester heutiger Zeit – Köster gebrauchte in Anlehnung an Keller ein militärisches Bild – "alleingelassen in verlorener Stellung". Köster diagnostizierte "Lähmung" und "Verausgabung", weil vielen Seelsorgern eine positive Beschreibung des eigenen Einsatzes fehle.

Trotz der Pastoralkonstitution "Gaudium et spes" hätten Kirche und Welt auch seit dem Konzil "noch nicht zueinander gefunden", bedauerte der künftige Generalvikar. "Die Kirche tut sich bis heute schwer, ihren Platz in der säkularen Gesellschaft zu beschreiben." Das habe mit ihrer Gegnerschaft zur "Welt" seit dem 19. Jahrhundert zu tun.

Zugang zu geschichtlichen Wurzeln verloren

Köster rief dazu auf, aus dieser Erkenntnis zu lernen: "Haben wir verinnerlicht, dass Gott auch in dieser säkularen Welt wirkt?", fragte er – und äußerte Zweifel: Viele Seelsorger empfänden einen "Erfolgsdruck" in der Pastoral, was oft an Zahlen festgemacht werde.

Ein Dilemma der Kirche sei, dass der Zugang zu vielen Wurzeln verloren sei: "Wer nicht in der Kirchengeschichte verwurzelt ist, kann nicht in die Zukunft gehen." Da die Kirchengeschichte oft als "peinlich" empfunden werde, existiere "praktisch nichts" vor dem Zweiten Vaticanum.

Wechsel ins Generalvikariat

Es sei jedoch im besten Sinn "not-wendig", sich mit Kirchengeschichte zu befassen, betonte Köster mit Verweis auf das Beispiel Bischof Kellers. Es müsse gelingen, aus der Kirchengeschichte und ihren Prägungen Schlüsse zu ziehen: "Nur so können wir gestalten – und wenn nicht wir, dann die Generation nach uns."

Köster, der sich 2015 habilitiert hatte, hielt am Freitag (15.01.2016) seine Antrittsvorlesung als Privatdozent an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster. Zugleich sei es eine Art "Abschiedsvorlesung", da er Ende Februar ins Bischöfliche Generalvikariat wechsle. "Als Praktikant", sagte er mit einem Augenzwinkern. Am 1. Juli übernimmt Köster das Amt des Generalvikars.

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Text: Jens Joest | Fotos: Michael Bönte
15.01.2016

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