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30.08.2016
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Der Kölner Hauptbahnhof.

Der Kölner Hauptbahnhof.

Woelki: Gründlich aufklären, ehrlich benennen

UNHCR: Lehre aus Köln ist frühe Integration

Frankfurt / Köln. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) hat als Konsequenz aus den Kölner Übergriffen eine frühzeitige Integration neu ankommender Flüchtlinge angemahnt. Die Berichte über die Silvesternacht seien erschreckend, sagte die neue Vertreterin des UNHCR in Deutschland, Katharina Lumpp, der "Frankfurter Rundschau". Zunächst komme es auf eine schnelle Antwort des Rechtsstaates und umfassende Aufklärung an. "Das schuldet man den Opfern, aber es liegt auch im Interesse der vielen unbescholtenen Schutzsuchenden, die es nicht verdient haben, unter Generalverdacht gestellt zu werden", so Lumpp.

Die Ereignisse verdeutlichten aber auch, dass ohne ausreichende Integration sozial abgehängte Gruppen und Parallelgesellschaften entstehen. "Der Schlüssel für gute wirtschaftliche und soziale Integration ist dabei, dass die Flüchtlinge sich schnell selbst versorgen und vor allem die Kindern und Jugendlichen Zugang zu Bildung haben", sagte die Botschafterin des UNHCR, das als zwischenstaatliche Organisation auch Regierungen bei der Suche nach dauerhaften Lösungen in Flüchtlingsfragen berät.

Lumpp: Integration im Aufnahmeland befördert Rückkehr in Heimat

Es sei lobenswert, dass die Bundesregierung für die neu Angekommenen frühe Integration ermöglichen wolle, insbesondere durch Spracherwerb und schnellen Zugang zum Arbeitsmarkt und zu Schulbildung für die Kinder. Dabei schließe gute Integration in einem Aufnahmeland spätere Rückkehr nicht aus, betonte Lumpp. "Sie befördert sie sogar, weil sie auch in der Heimat einen Neustart erleichtert."

Zur Bewältigung der Flüchtlingskrise könne nur eine europäische Lösung beitragen. "Europa muss das Thema endlich als gemeinschaftliche Aufgabe sehen", sagte Lumpp. "Zurzeit zeigt sich ja, dass die Rückkehr zu Grenzkontrollen in einigen Ländern nur bewirkt, dass Schutzsuchende in anderen benachbarten Ländern ankommen." Der UNHCR plädiere für ein gesamteuropäisches Verteilsystem nach Kriterien wie Bevölkerungszahl und Wirtschaftskraft.

Woelki plädiert für verantwortlichen Umgang mit der Wahrheit

Bereits am Freitag (08.01.2016) hatte sich der Kölner Erzbischof Reiner Maria Woelki zu den Vorfällen in der Silvesternacht geäußert. Er sei besorgt, "weil jetzt sofort viele ihr politisches Süppchen aus diesem dunklen Neujahrsbeginn kochen", sagte er gegenüber "domradio.de". "Obergrenzenschützer und Populisten nutzen offenbar die Gunst der Stunde."

"Mir als Erzbischof von Köln macht es große Sorge, dass so etwas hier bei uns geschehen konnte", sagte Woelki. Sein Mitgefühl gelte allen betroffenen Frauen und Opfern. "Nirgendwo darf es bei uns Platz für sexuelle Gewalt und Sexismus geben."

Die Gewalttäter müssten selbstverständlich zur vollen Verantwortung gezogen werden, gleich, welcher Herkunft sie seien oder ob die Gewalttaten von Hintermännern organisiert wurden. "All das muss gründlich aufgeklärt und ehrlich benannt werden. Aber es muss auch einen verantwortlichen Umgang mit der Wahrheit geben", appellierte der Kardinal im "Wort des Bischofs", das das domradio am Sonntag sendet.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. undefinedÜbergriffe an Silvester: Kirchenvertreter nach Ereignissen erschüttert (08.01.2016)
  2. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht: Flüchtlinge

Text: KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Reuters
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