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18.12.2017
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"Nickis"

Die Überlebende "Nickis" berichtete von ihren Erlebnissen.

Einblicke in den Höllenschlund

Fachtagung "Rituelle Gewalt in satanischen Sekten"

Bistum. Die Polizei möchte gerne mehr tun, kann es aber nicht, und die Opfer würden gerne mehr zur Aufklärung der Verbrechen beitragen, aber ihnen wird oft nicht geglaubt. Das waren einige der Erkenntnisse der Tagung "Rituelle Gewalt in satanistischen Sekten", die am Mittwoch (20.03.2013) in Münster stattfand.

Bereits zum vierten Mal hatten die Fachstelle "Sekten- und Weltanschauungsfragen" im Bischöflichen Generalvikariat in Münster und der Arbeitskreis "Rituelle Gewalt" der Bistümer Münster, Essen und Osnabrück zu der Fachtagung eingeladen. Mit 250 Teilnehmern aus Deutschland und der Schweiz war das Interesse am Thema ungebrochen. Erstmals fand die Zusammenkunft im Franz-Hitze-Haus statt.

Zu Beginn machte Brigitte Hahn von der Fachstelle "Sekten- und Weltanschauungsfragen" im Bischöflichen Generalvikariat Münster deutlich, was die satanische Ideologie so gefährlich mache: "Diese Sekten schaffen es, uns extrem zu täuschen. Sie leben in zwei Welten. Uns kommen sie als solide Mitbürger entgegen, aber es gibt diese dunkle Seite, in der eine Diktatur der Gewalt herrscht."

Eine Überlebende berichtet

Eine Frau, die die das über mehr als ein Jahrzehnt am eigenen Leib zu spüren bekommen hat, war bereit, darüber zu sprechen. Unter ihrem Pseudonym "Nickis" berichtete sie von Ritualen, die in Burgen, auf Friedhöfen und in Wäldern stattfanden. Auch gab es Treffen in Privatwohnungen, in denen die Kinder für den Kult abgerichtet wurden. Meist waren bis zu 15 Personen beteiligt, die ihre wehrlosen Opfer quälten und vergewaltigten. "Nickis" konnte dies nach eigener Aussage nur aushalten, weil sie sich in mehrere "Innenpersonen" aufspaltete; der Fachbegriff dafür lautet "Multiple Persönlichkeit".

Bis zu 40 solcher Innenpersonen, darunter viele Kinder, übernahmen für "Nickis" die Schmerzen und den Ekel: "Wir haben den Missbrauch vom Stiefvater und der Mutter nur so überleben können", schilderte die 51-Jährige mit ruhiger Stimme. Ihr Stiefvater wurde zu 18 Monaten wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt.

Kein Einzelfall

"Nickis" ist kein Einzelfall, machte die Diplom-Psychologin und Psychologische Psychotherapeutin Michaela Huber aus Göttingen deutlich. Etwa zehn bis 13 Prozent aller niedergelassenen Kassen-Psychotherapeuten in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg hätten einer Befragung zufolge mit dem Thema zu tun gehabt.

Huber kritisierte vor allem die Verfügbarkeit von Gewaltpornos im Internet: "Es wird ein Bedarf geweckt, den ultimativen Kick zu erleben. Ich frage mich, warum es diese Seiten so geben darf." Die Produktion von Pornofilmen mit Kindern sei eine Einkommensquelle für satanische Kulte: "Da gibt es einen Markt, einen großen Markt, auf dem viel Geld verdient wird", sagte die Trauma-Expertin, die seit vielen Jahren in ihrer Praxis mit Opfern von ritueller Gewalt arbeitet.

Schwierige Situation für die Polizei

Die Schwierigkeiten in der polizeilichen Ermittlungsarbeit im Zusammenhang mit ritueller Gewalt schilderte Professor Dr. Adolf Gallwitz, Prodekan an der Hochschule für Polizei in Villingen-Schwenningen. Zum einen fehlten belastbare Zahlen zu Verbrechen mit satanischem Hintergrund, zum anderen sei die Zeugenglaubwürdigkeit bei Personen mit einer dissoziativen Störung fraglich. Hier müsste an einer besseren Beweislage durch Indizien gearbeitet werden.

Kriminalkommissar a.D. Manfred Paulus aus Ulm plädierte dafür, noch eher anzusetzen: "Es ist eine unwürdige Situation, dass in unserem Rechtsstaat keine Anzeigenpflicht bei sexuellem Missbrauch von Kindern besteht." Andere Länder wie Frankreich oder Italien seien da weiter.

Eine Betroffene wandte sich zum Schluss an das Plenum: "Ihr könnt nicht viel, aber das was ihr könnt, ist riesig für uns. Ihr seid oft das einzige was wir haben. Lasst euch nicht erschrecken."

Text: pbm | Foto: pbm
21.03.2013

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