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Seite: Fragen + Glauben
18.10.2017
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Der Konvent des Kapuzinerklosters bei der Vesper.

Der Konvent des Kapuzinerklosters bei der Vesper.

Die Kapuziner in Münster

"Unsere Volksnähe ist ganz entscheidend"

Münster. Es liegt eher abseits in einer Seitenstraße, und doch ist Münsters Kapuzinerkloster seit Jahren Anziehungspunkt für Gläubige und weniger Gläubige aus der Universitätsstadt und der Region. "Das ist ein Ort, von dem aus seelsorglich gewirkt wirkt, und natürlich ein Ort für alle, die zu uns kommen", betont der Hausobere, Pater Richard. "Unser Kennzeichen sind die vielen Aktivitäten und Aufgaben." Dabei werden Arbeit und Gebet, Engagement und Kontemplation, Praxis und Wissenschaft verbunden.

Kapuziner gibt es in Münster seit fast vier Jahrhunderten; 2015 steht deshalb ein Jubiläum an. 1806 musste der Orden sein damaliges Kloster, von dem heute nur noch die Aegidiikirche (genauer: deren Kanzel) zeugt, in Folge der Säkularisation verlassen. 1851 kamen die Brüder zunächst nach Werne zurück, 1858 nach Münster, wo sie ein Kloster "vor dem Neutor", vor den Toren der Stadt, bezogen. Zwei Jahre später wurde die rheinisch-westfälische Kapuzinerprovinz begründet, die 2010 mit der bayerischen zu einer deutschen Kapuzinerprovinz vereinigt wurde.

35-köpfiger Konvent

Derzeit leben und arbeiten 35 Patres und Brüder in Münsters Kloster, von denen der älteste – Pater Johannes Maria Goth – 90 Jahre und der jüngste – Bruder Christian Albert – 25 Jahre alt ist. 16 der Kapuziner sind Priester (Patres), 19 Nicht-Priester (Brüder), aber alle werden gleichermaßen "Brüder" genannt.

Nach dem typisch Franziskanischen oder Kapuzinischen gefragt, antwortet Pater Richard sofort: "Das ist für mich unsere Volksnähe und Volksverbundenheit. Die ist ganz entscheidend, die versuchen wir auch in unserer Liturgie und unseren Predigten zu vermitteln." Da wundert es nicht, dass die Gottesdienste, Beichtgelegenheiten, Exerzitien und Predigtreihen sowie die Lesungen und Konzerte mit bekannten Schauspielern und Sängern auf große Resonanz stoßen.

Guardian Pater Richard zelebriert eine Adventsmesse des Konvents.

Ausbildungshaus der Ordensprovinz

Darüber hinaus sind einzelne Brüder – teilweise in Zusammenarbeit mit weltlichen Mitarbeitern – in ganz praktischen Bereichen tätig: als Gärtner, Hausmeister oder in der Wäscherei. Um die Studienbibliothek mit über 100.000 Bänden kümmert sich eine Fachfrau. Ihre Zimmer halten zumindest die jüngeren Kapuziner selbst sauber; für sechs pflegebedürftige Brüder stehen Zimmer mit Fachkräften zur Verfügung. Auch in der Krankenhausseelsorge sind Brüder im Einsatz. Dem Kloster angegliedert ist die in einem eigenen Gebäude untergebrachte Missionsprokur, die Kontakte zu Missionaren nach Indonesien und Mexiko pflegt und Projekte organisiert.

Das Kapuzinerkloster dient auch als Ausbildungshaus für die Ordensprovinz. Junge Mitbrüder, derzeit sind es sechs, kommen nach dem Noviziat nach Münster, um hier das Juniorat, das Studium der Theologie oder Philosophie oder eine Fachausbildung zu absolvieren.

Eigene Hochschule

Seit 1911 ist es möglich, das ganze Theologiestudium in Münster zu absolvieren. So unterhält die deutsche Kapuzinerprovinz in Münster eine Philosophisch-Theologische Hochschule, an die ein Institut für Spiritualität für die Fortbildung von Laien, Priestern und Ordensleuten, ein Pastoralseminar sowie das "Institut für Kirche, Management und Spiritualität" angegliedert sind. Zwei Brüder sind als Hochschulprofessoren tätig.

Inwieweit werden Münsters Kapuziner den Idealen des heiligen Franziskus gerecht? "Wir pflegen einen einfachen Lebensstil ohne große Ansprüche, aber vom Ideal des Franziskus haben wir uns ein Stück entfernt", räumt Pater Richard ein. "Wir können das nur annähernd einlösen, aber wir leben auch in einer anderen Zeit."

Brüderliche Atmosphäre

Um die Armen kümmern die Kapuziner sich, indem sie den Leuten "von der Straße" dreimal am Tag Essen reichen und ihnen als Anlaufstelle dienen. Darüber hinaus bemühen die Brüder sich, vieles in brüderlicher Atmosphäre gemeinsam zu tun, die Mitbrüder und Mitmenschen ständig im Blick zu haben und dadurch dem franziskanischen Ideal zu folgen. "Anders ausgedrückt: Ich kann als Einzelner nicht das tun, was ich gerade tun möchte, sondern muss mich im Gehorsam verantwortlich in die Gemeinschaft einbringen", hebt der Guardian hervor. Für dieses Leben sei die Ehelosigkeit die ideale Voraussetzung.

Das Bewusstsein für die Umwelt und die Schöpfung stecke im Kloster "noch in den Kinderschuhen", räumt Pater Richard ein, es solle aber gestärkt werden. "Allerdings war Franziskus nicht der große Tierliebhaber, als der er so oft dargestellt wird", fügt der Guardian hinzu. "Stattdessen hat er alles, auch die Tiere und die ganze Schöpfung, in den Lobpreis Gottes einbezogen – um des Schöpfers willen."

Gemeinsame Gebetszeiten

Auch das hausinterne Leben ist für den Orden wichtig. So gibt es drei gemeinsame Gebetszeiten: Die Laudes am Morgen, das Mittagsgebet und die Vesper. Jeden Tag wird Eucharistie gefeiert. Einmal in der Woche gibt es einen Konventtag, an dem die ganze Gemeinschaft zusammenkommt und sich über ein ausgewähltes Thema, die Bibel, das Klosterleben oder Entwicklungen im Konvent austauscht.

Und wie sieht die Zukunft des Klosters aus? Pater Richard, der sich selbst vor allem als Ansprechpartner, Koordinator und Animator versteht, ist optimistisch: "Wir werden weniger werden, aber in seelsorglichen Fragen und mit unseren Gottesdiensten immer gefragt sein", urteilt der Guardian. Die Zahl der Menschen, die sich mit Glaubens- und Lebensfragen an die Brüder wenden, habe eher zugenommen. "Ob wir dadurch, wie manche annehmen, noch mehr zum geistlichen Zentrum werden, ist für mich offen."

Kontakt:

Kapuzinerkloster
Kapuzinerstraße 27-29
48149 Münster
Tel. 0251 / 92760
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Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.muenster.kapuziner.de

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Text: Gerd Felder | Fotos: Gerd Felder
06.12.2012

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