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Seite: Fragen + Glauben
11.12.2016
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Gemeinsames Karstenspiel: Gunnie Woschek aus der angrenzenden Wohnanlage ist zu Besuch gekommen.

Gemeinsames Karstenspiel: Gunnie Woschek aus der angrenzenden Wohnanlage ist zu Besuch gekommen.

Clemensschwestern in Kevelaer

Die Kirche ist "Abkürzung und Mittelpunkt"

Kevelaer. Schwester Marlies und Schwester Hildegard dürften mit den kleinsten Konvent im Bistum Münster bilden: Vor wenigen Jahren, 2011, sind sie als einzige Clemensschwestern nach dem Umbau in das frühere Kloster im niederrheinischen Kevelaer zurückgekehrt. "Wir leben in einem Hotel", schmunzelt Schwester Marlies. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn ihre Wohnungen liegen in der Wohnanlage Klostergarten, das die Caritas saniert, modernisiert und renoviert hat. Und zu der eben auch ein Hotel gehört.

Für Schwester Hildegard war es die Rückkehr zu wesentlichen Wurzeln ihres Lebens und der bisher 39-jährigen Zugehörigkeit zum Clemens-Orden. Hier hatte sie schon viele Jahre gelebt, ehe der Konvent aufgelöst und sie gemeinsam mit den anderen Schwestern auf andere Orte verteilt wurde. Die ausgebildete Wirtschafterin war mit 23 Jahren der Gemeinschaft beigetreten, nach einer dreijährigen Phase der Entscheidungsfindung. "Für mich ging es um die Frage, wie ich Berufs- und Ordensleben miteinander verbinden kann."

Da traf es sich gut, dass sie nach dem Noviziat im münsterschen Mutterhaus in der Küche und im Gästebetrieb arbeiten konnte. 1989 wechselte sie vom Münsterland nach Kevelaer und in den Konvent des Exerzitien- und Tagungshauses. Die Clemensschwestern betreuten dort Gruppen und Mitschwestern, die dort ihre jährlichen Exerzitien hatten, sowie Pilgergruppen. "Das Kevelaerer Exerzitien- und Tagungshaus an der Sonnenstraße war ein Begriff", sagt Schwester Hildegard.

Schwester Marlies bei der Arbeit am Schreibtisch.

Schwester Marlies bei der Arbeit am Schreibtisch.

Multifunktionale 30.000 Quadratmeter

Zum Jahresanfang 2005 übernahm die Caritas das Haus. Anfangs sollte es zu einer reinen Senioreneinrichtung umgebaut werden – die Stadt benötigte dringend barrierefreie Wohnungen. Doch dann entschied man sich für eine Kernsanierung und ein Modell, dass eine Mischung aus Hotelangebot, Tagungsräumen sowie Miet- und Eigentumswohnungen für ein Mehrgenerationen-Leben umfasste. "Insbesondere für reisende Menschen mit Behinderung gab es so gut wie keine Übernachtungs- und Tagungsmöglichkeiten", erinnert sich der damalige Leiter Frank Schwaighofer. Darum sollte der Klostergarten auf jeden Fall einen Hotelbetrieb erhalten. So wollte die Caritas die Tradition der Clemensschwestern in Kevelaer fortsetzen. Insgesamt ein Mammutprojekt, das es in dieser Größe bis dahin innerhalb des Caritas-Verbandes nicht gegeben hatte. Es entstand eine knapp 30.000 Quadratmeter große Anlage samt Kindertagesstätte, Nachbarschaftscafé und Großküche.

Heute leben rund 260 Menschen in den schmucken Flachbauten und der komplett barrierefreien Anlage nahe der Innenstadt. "Für mich war es eine Freude zu hören, dass die Kirche stehengeblieben und der spirituelle Teil weiter ganz wichtig geblieben ist", erinnert sich Schwester Hildegard zurück. In das moderne Gebäude kommen nach wie vor viele Menschen – auch Außenstehende. Dann ergeben sich zahlreiche Gespräche und Begegnungen, nicht zuletzt weil die Kirche als Abkürzung zwischen Wohnungen und dem Nachbarschafts- und Mehrgenerationshaus genutzt wird. "Sie ist der Mittelpunkt im Klostergarten. Dann ergibt sich immer wieder auch ein Schnack."

Tägliche Konfrontation

Von ihrer 46 Quadratmeter großen Wohnung hat es Schwester Marlies nicht weit bis zu ihrer Wirkungsstätte. Die 65-Jährige aus dem Emsland ist mit einer vollen Stelle täglich im nahen Marienhospital tätig. Seit 1972 im Orden der Clemensschwestern, arbeitete sie zunächst 20 Jahre lang als Krankenschwester in verschiedenen Häusern, ehe sie mit der Ausbildung zur Pastoralreferentin in der Krankenhaus-Seelsorge begann. Auch sie wohnte von 1994 - 2005 im Exerzitien- und Tagungshaus, von wo aus sie täglich für die Seelsorge nach Geldern ins Clemens-Hospital fuhr. 2015 folgte sie dem Ruf des Mutterhauses, die Seelsorge in Kevelaer im Marienhospital zu übernehmen.

In der Krankenhausseelsorge wird die Emsländerin tagtäglich mit Leid, Krankheit und seelischer Not konfrontiert. Zu ihren Aufgaben gehören nicht nur Gespräche mit den Patienten, sondern sie will auch für die Mitarbeiter des Hauses da sein. "Sie brauchen ebenfalls die Möglichkeit, über ihre Situation zu sprechen und mal Luft abzulassen. Ganz wichtig ist es, den Menschen das Gefühl zu geben, dass sie ihre Not in das Erbarmen Gottes hineinlegen und um seine Kraft und Zuwendung beten können. Man darf seine Situation auch mal hinausschreien." Hinterher seien die Menschen immer wieder überrascht, dass sie viel ruhiger geworden seien.

Schwester Hildegard wiederum kümmert sich um die Menschen in der Wohnanlage und um die Kirche, betreut die sechs Wohngruppen und schaut auch bei den anderen "Klostergärtnern", wie sich die Bewohner selbst nennen, vorbei. Dabei versucht sie, einen Rhythmus einzuhalten, denn wenn sie mal einen Besuch ausfallen lassen muss, wird sie schon schmerzlich vermisst.

Schwester Hildegard kümmert sich um den Blumenschmuck in der Kirche.

Schwester Hildegard kümmert sich um den Blumenschmuck in der Kirche.

Kartenspiel mit "Klostergärtnerin"

Es klingelt an der Wohnungstür. Gunnie Woschek, eine langjährige „Klostergärtnerin“, ist gekommen. Wenn es die Zeit erlaubt, spielen die drei Frauen einmal die Woche Karten. So ist die Zeit der beiden Clemensschwestern bis in den Abend hinein gefüllt mit Aufgaben und Gesprächen. Freie Tage gibt es kaum, dafür ist zu viel zu tun in der Wohnanlage und im Krankenhaus. An jedem Tag finden spirituelle Angebote statt – Gebete, Bibellesungen und Bewegungsangebote mit meditativen Gedanken. Die Kirche muss mit Blumenschmuck versorgt und für Gottesdienste vorbereitet werden. "Langeweile kommt nicht auf", weiß Schwester Hildegard. Gemeinsam mit ihrer Mitschwester startet sie jeden Morgen um 6.40 Uhr in der Kirche mit einem Gebet, der Laudes, das Morgenlob der Kirche. "Anfangs haben wir uns noch in unserem Wohnzimmer getroffen. Aber dann haben wir uns gesagt: Die Bewohner sollen sehen, dass wir uns nicht abschotten, sondern uns auch beim Gebet wahrnehmen", erläutert Schwester Marlies.

Die Clemensschwestern leben in eigenen Wohnungen, doch diese sind so aufeinander abgestimmt, dass daraus eine Großwohnung entstanden ist. Der Teil von Schwester Marlies ist mit dem Schreibtisch und dem hohen Bücherregal mehr der Arbeitsbereich, hier fehlt es an einer gemütlichen Sitzgruppe. Die von Schwester Hildegard hingegen dient als Wohn- und Essbereich, über dem Sideboard hängen drei Bilder: Clemens August Droste zu Vischering gründete zu Napoleons Zeiten die Genossenschaft der Barmherzigen Schwestern, aus dem später die Clemensschwestern hervorgingen, mit der Aufgabe, Kranke zu pflegen. Das zweite Bild zeigt die erste Oberin war Maria Alberti, die 1812 an den Folgen einer Infektion starb. Auf dem dritten Bild ist die 2001 selig gesprochene Schwester M. Euthymia zu sehen.

"Nach dem Abendessen und den Nachrichten gehen wir wieder auseinander", sagt Schwester Marlies. Sie setzt sich oft noch ans Notebook, um Mails zu beantworten und aktuell für ein Fotobuch Fotos vom früheren Klosterleben und dem regelmäßigen Treffen der letzten zehn Jahre am Bildschirm zu bearbeiten. Oder sie greift zu Papier und Stift und schreibt handschriftlich Briefe. Schwester Hildegard wiederum nimmt sich in der wenigen Freizeit ein gutes Buch. Leichte Lektüre, aber keine Krimis, betont sie. "Früher konnte ich mir nicht vorstellen, in einer solchen Kleingruppe zu leben", gesteht Schwester Marlies. "Aber jetzt ist es so gekommen. Und es ist schön so."

Kontakt:

Clemensschwestern
Klostergarten 1
47623 Kevelaer
Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.clemensschwestern.de

Text: Peter Kummer | Fotos: Peter Kummer
01.02.2016

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