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Seite: Fragen + Glauben
26.04.2017
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Paulus.

Figur des heiligen Paulus auf dem Petersplatz in Rom.

Bibelarbeit zur Apostelgeschichte 9, 1-22

Bekehrung und Wende

1. Hinführung

Saulus wird zum Paulus. Ein Mann, der vom vehementen Verfolger der Christen zum glühenden Bekenner des christlichen Glaubens wird. In der Apostelgeschichte wird dreimal von der Wende des Saulus zum Paulus berichtet (vgl. Apg 9,3-19a; 22, 6-12; 26, 12-18). Dies macht deutlich, welche große Bedeutung der Verfasser des lukanischen Doppelwerkes diesem Ereignis beimisst. Hier wird der Grundstein für die missionarische Tätigkeit des Paulus gelegt, der sich mit großem Eifer für die Verbreitung der christlichen Botschaft einsetzt. Doch wer ist dieser Saulus / Paulus?

Ein genaues Geburtsjahr ist nicht überliefert, er dürfte jedoch in der Mitte des ersten Jahrzehnts nach Christus geboren worden sein. Er stammte aus Tarsus, besaß römisches Bürgerrecht und bestritt seinen Lebensunterhalt als Zeltmacher. Seine Familie führte sich auf den Stamm Benjamin zurück, aus dem der erste König Saul hervorgegangen war. Dies war auch ein wichtiger Aspekt für das Selbstverständnis des Apostels. Denn so, wie Benjamin der jüngste der Söhne Jakobs war, so empfing Paulus als Letzter und Kleiner unter den Aposteln eine Offenbarung Jesu (1 Kor 15,8f). Paulus war alleinstehend und setzte sich mit ganzer Kraft für die Verbreitung der christlichen Botschaft ein, so wie er vorher als leidenschaftlicher Eiferer die Christen verfolgt hatte. Auf dem Weg nach Damaskus kommt für den Pharisäer Saulus schließlich die große Wende. In einer Vision wendet sich Jesus an Saulus und stellt sein Leben auf den Kopf.

Nach seiner Damaskuserfahrung kann Paulus nicht mehr so weitermachen, wie bisher. Er lässt sich taufen, beginnt die Botschaft Jesu zu verkünden und stellt so die Weichen für die Verbreitung des Christentums.

In seinen Briefen präsentiert sich Paulus als Apostel Jesu Christi, der von Gott berufen und zu den Heiden geschickt wurde (vgl. 1 Kor 1,1; 9,1; 15,8.10). Im Unterschied zum lukanischen Verständnis, das zum Kriterium hat, dass ein Apostel den Herrn als Zeuge erlebt haben muss, nimmt Paulus den Titel des Apostels für sich in Anspruch, weil er durch Gott gnadenhaft berufen worden ist. Das Wissen um seine göttliche Berufung ist die theologische Mitte seiner Sendung und erschloss sich ihm in der Begegnung mit dem auferstandenen Christus vor Damaskus.

Ziel der Berufung ist, das Evangelium unter den Völkern zu verkündigen und die Gründung der Ekklesia (vgl. 1 Kor 10-17). So gehört Paulus in den Kreis der Apostel. Er versteht sich nicht als  Einzelkämpfer, sondern weiß, dass es noch weitere Apostel gibt. Wichtig ist jedoch, dass sich aus der Erscheinung des Auferstandenen die apostolische Existenz entwickelt, aus der sich Sendung und Auftrag zum leibhaften Zeugnis geben herleiten.

2. Der Text: Apg 9, 1-22

1 Saulus wütete immer noch mit Drohung und Mord gegen die Jünger des Herrn. Er ging zum Hohenpriester
2 und erbat sich von ihm Briefe an die Synagogen in Damaskus, um die Anhänger des (neuen) Weges, Männer und Frauen, die er dort finde, zu fesseln und nach Jerusalem zu bringen.
3 Unterwegs aber, als er sich bereits Damaskus näherte, geschah es, dass ihn plötzlich ein Licht vom Himmel umstrahlte.
4 Er stürzte zu Boden und hörte, wie eine Stimme zu ihm sagte: Saul, Saul, warum verfolgst du mich?
5 Er antwortete: Wer bist du, Herr? Dieser sagte: Ich bin Jesus, den du verfolgst.
6 Steh auf und geh in die Stadt; dort wird dir gesagt werden, was du tun sollst.
7 Seine Begleiter standen sprachlos da; sie hörten zwar die Stimme, sahen aber niemand.
8 Saulus erhob sich vom Boden. Als er aber die Augen öffnete, sah er nichts. Sie nahmen ihn bei der Hand und führten ihn nach Damaskus hinein.
9 Und er war drei Tage blind, und er aß nicht und trank nicht.
10 In Damaskus lebte ein Jünger namens Hananias. Zu ihm sagte der Herr in einer Vision: Hananias! Er antwortete: Hier bin ich, Herr.
11 Der Herr sagte zu ihm: Steh auf und geh zur so genannten Geraden Straße und frag im Haus des Judas nach einem Mann namens Saulus aus Tarsus. Er betet gerade
12 und hat in einer Vision gesehen, wie ein Mann namens Hananias hereinkommt und ihm die Hände auflegt, damit er wieder sieht.
13 Hananias antwortete: Herr, ich habe von vielen gehört, wie viel Böses dieser Mann deinen Heiligen in Jerusalem angetan hat.
14 Auch hier hat er Vollmacht von den Hohenpriestern, alle zu verhaften, die deinen Namen anrufen.
15 Der Herr aber sprach zu ihm: Geh nur! Denn dieser Mann ist mein auserwähltes Werkzeug: Er soll meinen Namen vor Völker und Könige und die Söhne Israels tragen.
16 Ich werde ihm auch zeigen, wie viel er für meinen Namen leiden muss.
17 Da ging Hananias hin und trat in das Haus ein; er legte Saulus die Hände auf und sagte: Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir auf dem Weg hierher erschienen ist; du sollst wieder sehen und mit dem Heiligen Geist erfüllt werden.
18 Sofort fiel es wie Schuppen von seinen Augen und er sah wieder; er stand auf und ließ sich taufen.
19 Und nachdem er etwas gegessen hatte, kam er wieder zu Kräften. Einige Tage blieb er bei den Jüngern in Damaskus;
20 und sogleich verkündete er Jesus in den Synagogen und sagte: Er ist der Sohn Gottes.
21 Alle, die es hörten, gerieten in Aufregung und sagten: Ist das nicht der Mann, der in Jerusalem alle vernichten wollte, die diesen Namen anrufen? Und ist er nicht auch hierher gekommen, um sie zu fesseln und vor die Hohenpriester zu führen?
22 Saulus aber trat um so kraftvoller auf und brachte die Juden in Damaskus in Verwirrung, weil er ihnen bewies, dass Jesus der Messias ist.

3. Exegetisches

Die Perikope Apg 9, 1-22 lässt sich folgendermaßen gliedern:

V1f: Einleitung.
VV3-7: Bericht der Vision.
VV8f: Auswirkung der Vision.
VV10-16: Zweiter Visionsbericht.
VV17-19a: Die Aufträge der Visionen werden ausgeführt, und ihre Wirkung tritt ein.
VV19b-22: Schilderung der Missionstätigkeit des Paulus.

V1f: Die ersten beiden einleitenden Verse stellen Saulus dem Leser als Christenverfolger vor und berichten von einer Aktion, die dieser gegen die Christen in Damaskus vorbereitet. Saulus will die Christen von Damaskus gefesselt nach Jerusalem bringen.

VV3-7: Auf dem Weg nach Damaskus passiert es dann. Vom Himmel her umstrahlt Saulus plötzlich ein helles Licht. Er stürzt zu Boden. Dem Verfolger wird seine Kraft genommen. Er ist am Boden. Eine Stimme spricht ihn an, die auch seine Begleiter hören können. Die Stimme fragt: "Saul, Saul, warum verfolgst du mich?" Als Saulus fragt, wer da zu ihm spricht, bekommt er die Antwort, dass es Jesus selbst ist. Mit den Christenverfolgungen geht Saulus gegen Christus selbst vor. Saulus erhält den Auftrag, aufzustehen und nach Damaskus zu gehen. Dort bekommt er dann weitere Anweisungen. Die Begleiter des Saulus sind sprachlos vor Staunen. Sie hören eine Stimme, sehen aber niemanden, zu dem sie gehört. Damit wird deutlich, dass die Vision nicht nur eine subjektive Wahrnehmung des Saulus gewesen ist.

VV10-16: Es folgt ein zweiter Visionsbericht. Hananias bekommt in einer Vision den Auftrag, in das Haus des Judas zu gehen und dem Saulus die Hände aufzulegen, damit dieser wieder sehen kann, wie er es in einer Vision gesehen hat. Hananias fürchtet sich, denn er hat schon viel von den Verfolgungen durch Saulus gehört. Er weiß, dass Saulus alle Gläubigen verhaften möchte. Doch der Herr spricht wieder zu Hananias und begründet, dass Saulus sein auserwähltes Werkzeug ist und er ihm zeigen möchte, wie viel er in Christi Namen leiden wird.

VV17-19a: Schließlich geht Hananias auf das Wort des Herrn ein, begibt sich in das Haus des Judas und führt den Auftrag des Herrn aus. Hananias heilt Saulus kraft der Sendung durch den Herrn. Er erkennt Saulus als seinen Bruder an. Durch die Handauflegung wird Saulus nicht nur von seiner Blindheit befreit, sondern auch vom Heiligen Geist erfüllt. Und sofort fällt es Saulus wie Schuppen von den Augen. Er steht auf, lässt sich taufen und kommt wieder zu Kräften, nachdem er etwas gegessen hat.

VV19b-22: Saulus bleibt anschließend noch einige Tage bei den Jüngern in Damaskus. In den Synagogen verkündet er, dass Jesus der Sohn Gottes ist. Als die Gemeinde das sieht und hört, gerät sie in Aufruhr: Ist das nicht der Saulus, der Verfolger? Er verkündet Jesus als den Sohn Gottes? Die Menschen können es kaum glauben. Der Verfolger bekennt sich zum Sohn Gottes! Wollte er nicht auch in Damaskus die Christen verfolgen? Doch Saulus setzt sich nun noch eifriger für die Sache Jesu ein.

4. Bibel-Teilen in sieben Schritten

Einladen: Wir werden uns bewusst, dass der Herr in unserer Mitte ist (vgl. Mt 18,20). Dies soll in einem freien Gebet zum Ausdruck gebracht werden.

Lesen: Wer möchte Apg 22, 1-22 vorlesen?

Verweilen: Wir suchen nun Verse oder Gedanken aus dem Text heraus und sprechen sie laut und betrachtend aus. Dazwischen wird jeweils eine Zeit der Stille gehalten. Danach wird der Text noch einmal im Zusammenhang gelesen.

Schweigen: Wir werden still und lassen in der Stille Gott zu uns sprechen.

Austauschen: Wir tauschen uns darüber aus, was uns angesprochen und berührt hat.

  • Was klingt nach?
  • Was kann mein eigenes Denken, meinen Glauben bestimmen?
  • Wann und wie wurde ich berufen?
  • Wo kann ich in meinem Leben eine Wende wahrnehmen?
  • Wie wirkt sich die Wende durch Christus in meinem Leben und im Miteinander mit anderen aus?

Beten: Alle sind eingeladen, eine Bitte oder einen Dank an Gott zu richten.

Lobpreisen: Wir beten gemeinsam in Stille.

Literatur

Pesch, Rudolf: Die Apostelgeschichte (EKK V/1), Neukirchen-Vluyn 1986.
Schneider, Gerhard: Die Apostelgeschichte II. Teil (HthK V/2), Freiburg in Breisgau 1982.
Schnelle, Udo: Paulus. Leben und Denken, Berlin 2003.
Vorholt, Robert: Der Dienst der Versöhnung. Studien zur Aposteltheologie bei Paulus, Neukirchen-Vluyn 2008.
Weiser, Alfons: Die Apostelgeschichte. Kapitel 1-12 (ÖTK.NT 5/1), Gütersloh, Würzburg 1981.

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  1. Leitet Herunterladen der Datei einBibelarbeit zur Apostelgeschichte 9, 1-22: Bekehrung und Wende

Mehr zum Thema im Internet:

  1. Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.kirchensite.de/bibelarbeiten

Text: Dipl. Theol. Stefanie Schwarz, Pastoralassistentin in Ahlen, Katholisches Bibelwerk im Bistum Münster (Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.bibelwerk.de) in Kooperation mit kirchensite – online mit dem Bistum Münster (Öffnet externen Link in neuem Fensterkirchensite.de) | Foto: Michael Bönte, August 2013

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