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Seite: Fragen + Glauben
18.11.2017
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Maria Magdalena.

Maria Magdalena aus dem Museum Abtei Liesborn.

Bibelarbeit zum Johannesevangelium 20, 11-18

Maria Magdalena und der Gärtner

1. Einleitung

Frauen waren schon seit Anbeginn des Christentums besondere Glaubensbotinnen und Glaubenszeuginnen. Maria Magdalena ist eine von ihnen. In den letzten Jahren ist die Aufmerksamkeit wieder sehr stark auf sie gelenkt worden. Leider nicht aufgrund ihres Glaubens, sondern aufgrund von Spekulationen um eine Liebesbeziehung zu Jesus, die durch den Weltbestseller "Der Sakrileg" von Dan Brown wieder aufgekommen sind. Im Zuge dieser Buchveröffentlichung wurde versucht, diese fiktive These mit wissenschaftlichen Argumenten stützen. Dies ist jedoch nicht gelungen, da das Buch von Dan Brown zwar ein unterhaltsamer Roman ist, aber mit der Realität wenig zu tun hat. Man sollte sich lieber an das halten, was in den biblischen Berichten über Maria Magdalena geschrieben steht. Eine Erzählung ist dabei die Begegnung zwischen ihr und Jesus an Ostern. Maria erkennt dabei nicht, dass es der Herr selbst ist, der vor ihr steht, und verwechselt ihn mit dem Gärtner. Ihre emotionale Nähe zu Jesus macht sie gleichsam blind für ein Erkennen ihres Herrn. Trotzdem ist sie die erste Glaubensbotin im Johannes-Evangelium. Sie ist diejenige, die aus Zweifeln und Angst zum Glauben kommt. Und damit ist sie auch für unsere Zeit eine Identifikationsfigur.

2. Das Osterevangelium nach Johannes

Die Erzählung über Maria Magdalena am Grab Jesu ist Teil des johanneischen Oster-Evangeliums. Dieses Oster-Evangelium ist in den Kapiteln 20 und 21 des Johannes-Evangeliums zu finden und verknüpft verschiedene Erzählungen mit verschiedenen Personenkonstellationen.

Die beiden Erzählungen in Joh 20,11-18 bilden den Auftakt des johanneischen Oster-Evangeliums, welches sich direkt an die Grablegung Jesu anschließt.

Nach der Erzählung über die Erscheinung vor Maria Magdalena folgen in Joh 20,19-29 noch weitere Erscheinungen des Auferstandenen vor den Jüngern und – besonders bekannt – vor Thomas. In Joh 21, 1-14 wird von einer weiteren Erscheinung am See von Tiberias berichtet, während in Joh 21,15-23 der Fokus auf den Dialog zwischen Petrus und Jesus gelegt wird.

Die Osterberichte im Johannes-Evangelium erzählen von verschiedenen Begegnungen der Jüngerinnen und Jünger mit Jesus und stellen dem Leser somit verschiedene Wege vor, die zum Glauben an Jesus und seine Auferstehung führen.

Maria Magdalena ist die Erste, die das leere Grab entdeckt und erschrocken zu Petrus und dem Lieblingsjünger läuft. Sie ist nach Johannes auch die Erste, der der Auferstandene erscheint. Sie berichtet den Jüngern von ihrer Erscheinung und wird somit auch zur ersten Glaubensbotin.

Es gibt aber auch andere Glaubenswege zu Jesus, die bei Johannes exemplarisch beschrieben werden:

Der Lieblingsjünger ist dabei der Idealtypus des Glaubenden. Er erkennt Jesus als Auferstandenen und versteht ihn in kurzer Zeit. Thomas ist derjenige, der einen Beweis benötigt, bevor er glauben kann.  Simon Petrus ist hingegen eine Figur, die länger braucht, um zu verstehen und den Auferstandenen zu erkennen.

Alle diese Wege zum Auferstandenen finden sich im Evangelium und sind mögliche Wege zum Glauben an den Auferstandenen.

3. Der Text

Maria aber stand draußen am Grab und weinte. Wie sie nun weinte, beugte sie sich in das Grab hinein und sie sah zwei Engel in Weiß (da)sitzen, einer beim Kopf, einer an den Füßen, wo der Leib Jesu gelegen hatte. Und jene sagten ihr: Frau, was weinst du? Sie sagt zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben.

Dies sagte sie und wandte sich nach hinten um, und sie sah Jesus dastehen, aber sie wusste nicht, dass es Jesus ist. Jesus sagt ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du? Jene meinte, dass es der Gärtner ist, und sagt ihm: Herr, wenn du ihn weggetragen hast, sag mir, wo du ihn hingelegt hast, und ich werde ihn holen.

Jesus sagt ihr: Maria! Da wandte sie sich um und sagte ihm auf Hebräisch: "Rabbuni" (das heißt: Lehrer). Jesus sagt ihr: Fass mich nicht an! Denn noch bin ich nicht hinaufgestiegen zum Vater. Geh aber zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich steige hinauf zu meinem Vater und eurem Vater und zu meinem Gott und zu eurem Gott.

Maria von Magdalena kommt und meldet den Jüngern: Ich habe den Herrn gesehen, und dieses sprach er zu mir.

4. Hintergrund

In Joh 20,11-18 finden sich zwei verschiedene Erzählungen, die jedoch eng miteinander verbunden sind: zum einen die Begegnung Marias mit den beiden Engeln im Grab (V.11-13) und die Begegnung Marias mit dem Auferstandenen (V.14-18).

V11: Hier knüpft der Erzähler an Joh 20,1 an. Maria war ja schon vorher am ersten Tag der Woche in der Frühe zum Grab gekommen. Dort hat sie gesehen, dass der Stein vom Grab weggewälzt war. Dies hat sie dazu veranlasst, zu Petrus und dem Lieblingsjünger zurückzulaufen und ihnen davon zu erzählen. In Joh 20,2 geht Maria Magdalena zunächst noch davon aus, dass der Leichnam Jesu gestohlen und woanders hingebracht wurde.

Die Rückkehr Marias zum Grab wird vom Erzähler vorausgesetzt und nicht eigens beschrieben. Maria steht draußen vor dem Grab und weint. Das Weinen zeigt noch einmal deutlich ihre enge emotionale Bindung zu Jesus. Ihr Herr ist gestorben und nun hat sie nicht einmal mehr einen Ort, wo sie um ihn trauern kann, da der Leichnam nicht mehr da ist.

Die Situation ist für sie schwer fassbar und doch traut sie sich, sich in das Grab hineinzubeugen und einen Blick auf die Stelle zu werfen, an der Jesus gelegen hatte.

V12: Doch das Grab ist nicht "leer". Maria sieht zwei Engel in leuchtenden Gewändern im Grab, die eine auffallende Positionierung haben: einer am Kopfende und einer am Fußende, wo Jesus gelegen hat. Die leuchtend weißen Gewänder zeigen, dass es sich hier um Boten aus der himmlischen Welt handelt. Engelserscheinungen finden sich auch in den anderen Evangelien bei den Osterberichten (Mt 28,2ff. Mk 16,5ff.; Lk 24,4ff.).

V13: Anders als in den synoptischen Evangelien verkünden die Engel jedoch im Johannes-Evangelium nicht die Auferstehung Jesu. Sie markieren einen heiligen Ort und weisen damit auf die Auferstehung hin. Sie stellen eine Frage an Maria, warum sie weine, beginnend mit der Anrede "Frau", die jedoch nicht abwertend gemeint ist.

Maria wiederholt als Antwort ihre Vermutung aus Joh 20,2. Dabei spricht Maria aber von "meinem Herrn", und dass man ihn weggenommen hat und sie nicht weiß wo man ihn hingelegt hat.  Es zeigt sich hier, dass die Kommunikation zwischen ihr und den Jüngern eine andere ist als zwischen ihr und den beiden Engeln, da sie von "meinem Herrn" spricht und nicht von "unserem Herrn", wie sie es zu den Jüngern in Joh 20,2 sagt. Es ist eine gewisse Distanz zwischen ihr und den Engeln zu spüren, die sicherlich auch auf ihre Furcht vor der Situation zurückzuführen ist. Es geht jetzt um sie und um ihren Glauben.

V14: Maria wendet sich zum ersten Mal um. Der Leser hat nun einen Informationsvorsprung vor Maria, die noch nicht weiß, dass es Jesus ist, vor dem sie nun steht. Ihr Missverständnis ist den Lesern jedoch klar vor Augen.
Das Nicht-Erkennen des Auferstandenen ist ein wiederkehrendes Motiv bei Erscheinungserzählungen. Ob jedoch eine Parallele zu anderen Erscheinungserzählungen (z.B. zur  Emmauserzählung) gezogen werden kann, bleibt fraglich.

V15: Jesus fragt Maria nach ihrer Situation, nach ihrem persönlichen Befinden: "Frau, warum weinst du?" Damit wiederholt er die Frage der Engel. Und er fragt, wen sie sucht. Maria antwortet jedoch nicht in üblicher Weise, sondern wendet sich direkt an Jesus, der sie anspricht. Doch hier wird vom Erzähler angezeigt, dass Maria Jesus mit dem Gärtner verwechselt. Sie findet nun endlich jemand, an den sie sich wegen ihrer Sorge wenden kann. Maria vermutet, dass der "Gärtner" ohne schlechte Absicht Jesus an einen anderen Ort verlegt hat. Sie bietet sogar an, den Leichnam zu holen, obwohl dies für eine einzelne Frau kaum zu schaffen wäre.

V16: Jesus nennt Maria nun beim Namen, und damit öffnet er ihr die Augen. Er gibt sich zu erkennen, indem er Maria beim Namen ruft. Er sagt nicht mehr "Frau", eine Anrede, die eher eine Distanz ausdrückt, sondern spricht den Namen Marias aus.
Maria sind die Augen geöffnet, sie erkennt ihn und spricht Jesus in Hebräisch mit dem Titel "Rabbuni" an. Die beiderseitige Anrede zeigt die enge Verbindung zueinander.

Auffällig ist, dass Maria sich bei der Anrede Jesu zum zweiten Mal umwendet.  Hier hat der Erzähler eine Leerstelle eingebaut, die wohl anzeigt, dass Jesus an Maria vorbeigeht. Anders müsste Maria Jesus den Rücken zuwenden, was ein fatales kommunikatives Signal wäre und nicht in die Erzählung passt. Hier ist auch an die Epiphanie Gottes in Ex 33 zu denken (vgl. Vorholt, Osterevangelium, 284).

V17: Die freudige Begegnung mit Jesus löst in Maria sicherlich den Reflex aus, Jesus zu berühren. Doch Jesus hält sie davon ab. Die Beziehung zu Jesus ist nun eine andere. Der Kontakt zu dem Auferstandenen ist nun nur im Glauben möglich.
Jesus ist zwar nicht mehr berührbar, aber das heißt nicht, dass er unverfügbar wäre. Maria braucht keine Angst zu haben, dass Jesus für immer fortgeht. Er geht zum Vater, und beim Vater angekommen, wird es dann eine neue Beziehung zu Jesus geben. In der Gemeinschaft mit dem Vater ist uns Jesus auf neue Weise zugänglich und nahe (vgl. Ratzinger, Jesus von Nazareth, Bd.2, 311). Diese Botschaft der kommenden Gegenwart Jesu soll Maria den Jüngern überbringen. Damit wird sie zur ersten Botin der Auferstehungsbotschaft im Johannes-Evangelium.

V18: Maria überbringt die Botschaft Jesu und verkündet die Auferstehung Jesu in einem einfachen Satz: "Ich habe den Herrn gesehen!" Sie verkündet zunächst die Botschaft der Auferstehung, ehe sie Jesu Auftrag erfüllt und seine Worte überbringt. Eine Frau ist diejenige, die die Verbindung zwischen Jesus und seinen Jüngern herstellt. Ihr Glaube und ihre Verkündigung können somit als exemplarisch gelten.

Insgesamt zeigt sich eine auf den Höhepunkt der Auferstehungsbotschaft zulaufende Ostererzählung. Es ist eine Erzählung, die von der Umwandlung von Trauer und Verzweiflung in Freude berichtet. Ganz so, wie es in den Abschiedsreden Jesu angekündigt wurde: "Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet bekümmert sein, aber euer Kummer wird sich in Freude verwandeln" (Joh 16,20).

5. Bibel-Teilen in 7 Schritten

Einladen: Wir werden uns bewusst, dass Gott in unserer Mitte ist. Wer möchte dies in einem Gebet zum Ausdruck bringen?


Lesen: Wir lesen den Text. Eventuell reihum jeder einen Vers oder abschnittsweise!
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Verweilen: Jeder kann Worte oder einen Satz aus dem Bibeltext laut aussprechen, von denen er sich betroffen fühlt. Es geht dabei nicht darum, über den Text zu diskutieren oder Beiträge anderer zu kommentieren. Wir lesen den Text noch einmal laut im Zusammenhang. 


Schweigen: Für eine fest umrissene Zeit (!) lassen wir Gott in der Stille zu uns sprechen.



Teilen: Nun kann jeder etwas zu den Worten sagen, bei denen er hängen geblieben ist. Jetzt besteht die Möglichkeit, sich über die bestimmten Stellen auszutauschen. Es geht dabei nicht um ein Streitgespräch, sondern um einen geistlichen Austausch!

  • Was spricht mich an der Figur Maria Magdalena besonders an?
  • Erkenne ich Jesu Ruf manchmal auch nicht auf Anhieb?
  • Wodurch habe ich Jesus in meinem Leben erkannt?
  • Wie spricht er mich an?
  • Wie äußern sich Zweifel und Angst in meinem Leben?
  • Kann ich immer gleich fest an Gott glauben?

Handeln: Was will Gott, das wir tun sollen? Welches Wort nehmen wir mit in unseren Alltag? Was ergibt sich für mich aus dem Bibeltext? 

Dieser Schritt ist besonders wichtig und darf nicht weggelassen werden!

Beten: Wir tragen nun abschließend eine Bitte oder einen Dank vor Gott!

Literatur

Schnackenburg, Rudolf: Das Johannesevangelium 13-21 (HThKNT V/3), Freiburg i.Br. 1975.
Gnilka, Joachim: Johannesevangelium (NEB), Würzburg 1983.
Blank, Josef: Das Evangelium nach Johannes (Geistliche Schriftlesung 4/3), Düsseldorf 1977.
Vorholt, Robert: Das Osterevangelium. Erinnerung und Erzählung (HBS 73), Freiburg i.Br. 2013.
Ratzinger, Josef: Jesus von Nazareth. Zweiter Teil: Vom Einzug in Jerusalem bis zur Auferstehung, Freiburg i. Br. 2011.

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Mehr zum Thema im Internet:

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Text: Diakon Christoph Werecki, Bistum Essen, Katholisches Bibelwerk im Bistum Münster (Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.bibelwerk.de) in Kooperation mit kirchensite – online mit dem Bistum Münster (Öffnet externen Link in neuem Fensterkirchensite.de) | Foto: Michael Bönte, Juni 2013

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