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Seite: Fragen + Glauben
25.03.2017
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Vertrauen ist wichtig.

Vertrauen ist wichtig.

Bibelarbeit zum Lukasevangelium 1, 26-38

Vertrauen ist der Anfang von allem

1. Einführung

"Vertrauen ist der Anfang von allem." - Dass es ausgerechnet eine Bank war, die diesen Satz vor einiger Zeit als Werbeslogan auf ihre Fahnen schrieb, mag unter dem Eindruck der internationalen Finanzkrise gemischte Gefühle auslösen. Dennoch: Vertrauen ist wichtig – gerade dort, wo etwas beginnt.

Das Lukasevangelium lenkt den Blick zurück auf die Anfänge des Glaubens. Sie lassen aber auch nach der Zukunft fragen. Beides, der Blick zurück und der Blick nach vorn, nimmt Gott und die Menschen in den Blick: Den Bund, den Gott eingegangen ist, die Geschichte, die er mit seinem Volk macht. Am Anfang der Geschichte steht die liebende Initiative Gottes. Aber Gottes Liebe sehnt sich, wie jede Liebe, nach Antwort. Darum gehört der Glaube derer, die sich von Gott haben anrühren lassen, zu diesem Beginnen dazu.

Das Lukasevangelium erzählt von solch einem großen Anfang: "Der Engel Gabriel", heißt es, "wurde von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, die Nazareth heißt, zu einer Jungfrau. Ihr Name war Maria" (vgl. Lk 1,26f.).

2. Der Text: Lukas 1: 26-38

26 Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazareth 27 zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria. 28 Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. 29 Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. 30 Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. 31 Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. 32 Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. 33 Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft wird kein Ende haben. 34 Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? 35 Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. 36 Auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat.  37 Denn für Gott ist nichts unmöglich. 38 Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.

Lukas wählt seine Worte mit Bedacht, nichts überlässt er dem Zufall. Es soll deutlich sein: Hier ist niemand anderer als Gott selbst am Werk, aus eigenem Anstoß, aus liebevoller Zuwendung (vgl. Jes 7,14). Der zentrale Satz der Engels-Botschaft an Maria lautet darum: "Der Herr ist mit dir!" (Lk 1,28). Ein Zuspruch, der alttestamentliche Vorbilder hat (vgl. Ri 6,12; Ruth 2,4; 2 Chr 15,2). Immer geht es um den Heiligen Israels, der den Menschen nicht fern steht, sondern nahe, weil er geschichtsmächtig ist. Jetzt kommt dieser unermesslich liebende Gott auf Maria zu, der er eine einzigartige Rolle in seiner Geschichte mit den Menschen zugedacht hat (vgl. Lk 1,30ff.).

Maria reagiert zunächst überrascht. Anders als Zacharias, den in ähnlicher Situation Angst und Schrecken befielen (Lk 1,12), ist sie perplex – nicht so sehr angesichts der kaum alltäglichen Erscheinung eines Engels, sondern wegen dieses Auftrags, der von Gott her an ihr Ohr drang. Maria fragt nach Sinn. Doch schon in der Sinnsuche zeigt sich, wie ihr Vertrauen wächst.

Nachdem der Bote Gottes Willen konkretisiert, sagt sie "Ja". Der Satz, mit dem sie ihr Einverständnis erklärt, beginnt mit ihrer Selbstbezeichnung als "Magd des Herrn" (im griechischen Original sogar noch etwas drastischer als seine "Sklavin"; Lk 1,38). Im Hintergrund dieser Bezeichnung steht vielleicht Hanna, die Mutter Samuels, des Wegbereiters Israels (1 Sam 1,11). Maria steht damit in einer großen Reihe Gott vertrauender Menschen. Sie ist verfügbar und sagt Ja. Ihr Glaube ist Ausdruck großen Vertrauens.

Der Religionsphilosoph Martin Buber beschreibt in seiner 1950 erschienenen Schrift "Zwei Glaubensweisen" unterschiedliche Arten zu glauben. Er unterscheidet einen "Du-Glauben" vom "Dass-Glauben". Der "Du-Glaube" erkennt in Gott eine dem Menschen zugewandte Person, die Vertrauen ermöglicht. Der "Dass-Glaube" charakterisiere hingegen ein bloßes Fürwahrhalten von Glaubenssätzen. Bubers Unterscheidung wirft sicher auch Fragen auf. Dennoch zeigt die berühmte Begegnungsszene am Beginn des Lukasevangeliums, wie sehr der Glaube vom Vertrauen lebt, wie umgekehrt das Vertrauen im Glauben mündet.

Damit stellt Lukas allen nachfolgenden Glaubensgeschichten ein großes Praeludium voran. In seinem Evangelium begegnen uns immer wieder Berichte, die den Glauben der Menschen zum Thema machen. Jede dieser Erzählungen hebt auf ihre Weise unterschiedliche Aspekte eines intensiven Vertrauensglaubens hervor: Dass er Menschen wieder heil und gesund werden lässt (vgl. Lk 5,12-26; 7,1-10; 8,40-48; 18,35-43), dass er tiefe Freude eröffnet, Vergebung ermöglicht und Neuanfänge schafft (vgl. Lk 5,1-10; 7,36-50; 19,1-10), dass er den Mut schenkt, die Wahrheit zu sehen und Jesus zu folgen (Lk 5,27 ff.; 10,1 ff.; 12,8), ja, dass er schließlich hineinführt in die Weite jener neuen Wirklichkeit, die Gott eröffnet, und die wir Menschen mitunter etwas hilflos "Himmel" nennen (vgl. Lk 23,39-43).

Der Glaube zielt auf Vertrauen – und zwar Gott gegenüber, der sicher, fest und unerschütterlich ist, indem er sich selbst und seinen Verheißungen treu bleibt (Dtn 7,9; Jes 49,7; Ps 31,6; 146,6). So bleibt also wahr: "Vertrauen ist der Anfang von allem."

3. Exegetisches

V26: Die Erzählung beginnt mit einer zeitlichen Klammer. An die fünfmonatige Abgeschiedenheit Elisabeths (Lk 1,24) schließt im sechsten Monat die Ankündigung der Geburt Jesu an Maria an. Wiederum betritt der Engel Gabriel die Szenerie (vgl. Lk 1,19). Wie schon in Lk 1,13 geht es um die Ankündigung der Geburt eines Kindes. Schauplatz ist nun aber nicht der Tempel, sondern ein winziges, bis ins vierte nachchristliche Jahrhundert hinein nur aus dem Neuen Testament bekanntes Dorf namens Nazareth, was übersetzt soviel bedeutet wie "es beschützt". Dass Nazareth hier als "Stadt" beschrieben wird, lässt aufhorchen. Vielleicht liegt Lukas an einem Gegensatz zwischen Tempel (Lk 1,9ff) und Polis als Ort der Verheißung. Der Akzent läge dann auf dem Aspekt der Öffentlichkeit.

V27: Der Engel erscheint keiner "jungen Frau", auch keinem "Mädchen", sondern einer Jungfrau. Lk 1,34 zeigt, dass der Vers - und damit das theologische Potenzial der ganzen Erzählung - nicht durch weiche Übersetzungsstrategie entschärft werden darf. Im Hintergrund steht Jes 7,14LXX. Lukas hält fest, dass sie mit Josef aus dem Haus David verlobt ist. Ein Verlöbnis bedeutete das rechtlich bindende Versprechen einer in absehbarer Zukunft zu schließenden Ehe. Maria geht also auf die Hochzeit zu und gehört rechtlich bereits zum Haus Davids.

V28: Die Begegnung zwischen dem Engel und Maria trägt menschliche Züge. Kein Donner, kein Erdbeben, stattdessen Zimmertemperatur und ein freundliches, aber alltägliches Wort der Begrüßung. Erst an dem liturgisch anmutenden Gruß des Engels, der in performativer Rede eine Verheißung impliziert, wird deutlich, dass Gabriel kein gewöhnlicher Gesprächspartner ist.

V29: Maria ist verwundert. Das griechische Wort, das Lukas hier platziert (diatarássein – verwirren), zeigt die innere Ergriffenheit an, die sich aus der Situation ergibt. Gottes Gegenwart, sein Ruf und seine Erwählung eignet sich Maria im Wort zu.

V30: Mit dem Zuspruch "Fürchte Dich nicht!" setzt ein längeres Engelwort ein. Im Grunde geht es um Ausführung und Konkretion des anfänglichen Grußes (V28). Alle Initiative liegt hier bei Gott.

V31: Maria erhält die Verheißung, schwanger zu werden und einen Sohn zur Welt zu bringen. Der Name Jesus ("Gott rettet") wird hier nicht eigens gedeutet. Im zeitgenössischen Judentum, aber auch in der griechisch-hellenistischen Welt war die Namensgebung aus dem Bereich der göttlichen Welt ein Zeichen der Bedeutung des Künftigen. Die Formulierung lehnt an Gen 16,11; Ri 13,3 und Jes 7,14 an.

V32: Jetzt werden die Preise genannt. Es geht nicht um die kostbare Geburt eines gewöhnlichen Kindes, es geht um die noch kostbarere Geburt des Sohnes Gottes. Dieser Jesus ist der Messias. Als solchem steht ihm der Thron Davids zu.

V33: In Jesus erfüllt sich die Verheißung einer ewigen Friedensherrschaft im Licht von Jes 9,6 (vgl. auch Dan 7,14).

V34: Maria wendet ein, dass sie keinen geschlechtlichen Umgang mit ihrem Verlobten hatte. "Erkennen" meint hier, wie oft im Alten Testament, die sexuelle Beziehung von Mann und Frau. Marias Frage dient der Vorbereitung des Folgenden, in dem der eigentliche Clou zur Sprache kommt.

V35: Der Engel hält keine dogmatische Vorlesung. Seine Sätze sind von alttestamentlicher Sprache geprägt. Ziel des Geschehens ist die Gottessohnschaft Jesu. An die Stelle eines menschlichen Erzeugers tritt die Wirkmacht Gottes im Geist. Als Parallelwort zu "Geist" ist von "der Kraft des Höchsten" die Rede. Es ist die Kraft jenes Gottes, der die Menschen gegen alle Widerstände liebt. Gott macht in der Schöpfung einen neuen Anfang.

V36f: Als Zeichen erhält Maria den Hinweis auf Elisabet. Für Gott ist nichts unmöglich. Das ist das Grundwort des Glaubens.

V38: Am Ende steht die Antwort Marias. Sie ist großartig, darum kann sie sich vor Gott klein machen. Sie öffnet sich dem Anruf Gottes und schenkt ihm ihre Bereitschaft. Der Engel verlässt sie. Aber Gottes Geist erfüllt sie.

4. Anregungen für eine Bibelarbeit

1. Gebet zur Eröffnung:
Du lebendiger Gott,
mit deinem Wort kommst du uns entgegen.
Öffne unsere Ohren und unser Herz,
dass wir unter den vielen Worten, die erklingen,
heute das eine hören, das uns stärkt, das uns tröstet, das uns fordert
und das uns voranbringt auf dem Weg zu dir.
Dir sei Lob in Ewigkeit.
(Egbert Ballhorn)

2. Lesen: Wer möchte die Verse vorlesen? Sie vielleicht ein wenig erläutern und erhellen, dann noch einmal ruhig vorlesen.

3. Verweilen: Wir suchen nun Verse oder Gedanken aus dem Text heraus und sprechen sie laut und betrachtend aus. Dazwischen wird jeweils eine Zeit der Stille gehalten. Danach wird der Text noch einmal im Zusammenhang gelesen.

4. Schweigen: Wir werden still und lassen in der Stille Gott zu uns sprechen.

5. Austauschen: Wir tauschen uns darüber aus, was uns angesprochen und berührt hat. Was klingt nach? Was kann mein Denken und Handeln bestimmen? Was haben Glaube und Vertrauen miteinander zu tun?

6. Antworten: Alle sind eingeladen eine Bitte oder einen Dank an Gott zu richten.

7. Lobpreisen: Wir beten gemeinsam, in großer Ruhe, vielleicht das Magnificat oder das "Ave-Maria" und das "Vater-unser".

Literatur

H. Klein, Das Lukasevangelium, Göttingen 2006
W. Eckey, Das Lukasevangelium unter Berücksichtigung seiner Parallelen, Teilband 2, Neukirchen-Vluyn 2006

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Mehr zum Thema im Internet:

  1. Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.kirchensite.de/bibelarbeiten

Text: Professor Dr. Robert Vorholt, Universität Luzern, Katholisches Bibelwerk im Bistum Münster (Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.bibelwerk.de) in Kooperation mit kirchensite – online mit dem Bistum Münster (Öffnet externen Link in neuem Fensterkirchensite.de) | Foto: Michael Bönte, Februar 2013

 

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