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Seite: Fragen + Glauben
28.04.2017
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Athen

Vor Athener Bürgern - hier ein Blick auf einen Tempel der Akropolis - hielt Paulus eine berühmte Rede.

Bibelarbeit zur Apostelgeschichte 17, 16-34

Einige aber wurden gläubig…
- Dionysius, Damaris und die Kraft der Vernunft

1. Einleitung

Nach der Versammlung in Jerusalem (Apg 15) unternimmt Paulus mit Silas (vgl. Apg 15,40) die zweite Missionsreise durch Kleinasien, Makedonien und Achaia. Bei jedem Aufenthaltsort präzisiert Lukas, dass mindestens ein oder zwei Menschen durch Paulus gläubig geworden sind: Lydia (Apg 16,14f. 40) und der Gefängniswärter (Apg 16,23-36) in Philippi, Jason (Apg 17,5-9) in Tessalonich, "viele" in Beröa (Apg 17,12), Dionysius, der Areopagit und Damaris in Athen (Apg 17,34), Aquila und Priszilla (Apg 18,1-3.18) sowie Krispus, der Synagogenvorsteher, in Korinth (Apg 18.8).

Ein Höhepunkt dieser Missionsreise ist ohne Zweifel die Rede des Paulus auf dem Areopag in Athen. Zwar ist die Stadt Athen im ersten Jahrhundert eine kleine Provinzstadt mit etwa 5.000 Einwohnern, aber sie bleibt Dank ihrer glanzvollen kulturellen Vergangenheit symbolisch wichtig. Es ist also nicht unbedeutend, dass Lukas eine der längsten Reden an die Heiden ausgerechnet an diesen Ort verlegte: Sie ist von grundsätzlicher Bedeutung für die Verbreitung des Evangeliums in seinem Dialog mit der Welt der Kultur. Man merkt außerdem, dass die Art und Weise, wie Paulus dargestellt wird, der traditionellen Überlieferung von Sokrates ähnelt. Dies fällt zum Beispiel auf, als die Epikureer und Stoiker Paulus vorwerfen, dass er fremde Gottheiten (Jesus und Anastasia bzw. Auferstehung) in die Stadt einführen möchte: Derselbe Vorwurf hatte den Tod des Sokrates (vgl. Platon Apol. 24 b-c) verursacht! Da sie eine Erklärung verlangen, hat Paulus so die Möglichkeit, den christlichen Glauben vor den Philosophen, den Ratsmitgliedern (Areopagiten) und den Bürgern von Athen zu erklären. Seine Rede wird oft als Vorbild der Inkulturation betrachtet, sofern er sich an seine Zuhörer anpasst, indem er Anknüpfungspunkte zu ihrer Kultur sucht, ohne deshalb die Wahrheit der christlichen Verkündigung aufs Spiel zu setzen.

Am Ende seiner berühmten Rede weist Lukas darauf hin, dass Dionysius und Damaris sich bekehrt haben. Die Tatsache, dass Dionysius, der Areopagit, ein Mitglied des renommierten Rates ist, bedeutet, dass diese Bekehrung eine (zwar geringe aber reale) Antwort der griechischen Welt auf die Rede von Paulus ist.

2. Der Text

16 Während Paulus in Athen auf sie wartete, erfasste ihn heftiger Zorn; denn er sah die Stadt voll von Götzenbildern. 17 Er redete in der Synagoge mit den Juden und Gottesfürchtigen, und auf dem Markt sprach er täglich mit denen, die er gerade antraf. 18 Einige von den epikureischen und stoischen Philosophen diskutierten mit ihm, und manche sagten: Was will denn dieser Schwätzer? Andere aber: Es scheint ein Verkünder fremder Gottheiten zu sein. Er verkündete nämlich das Evangelium von Jesus und von der Auferstehung. 19 Sie nahmen ihn mit, führten ihn zum Areopag und fragten: Können wir erfahren, was das für eine neue Lehre ist, die du vorträgst? 20 Du bringst uns recht befremdliche Dinge zu Gehör. Wir wüssten gern, worum es sich handelt. 21 Alle Athener und die Fremden dort taten nichts lieber, als die letzten Neuigkeiten zu erzählen oder zu hören.

22 Da stellte sich Paulus in die Mitte des Areopags und sagte: Athener, nach allem, was ich sehe, seid ihr besonders fromme Menschen. 23 Denn als ich umherging und mir eure Heiligtümer ansah, fand ich auch einen Altar mit der Aufschrift: Einem unbekannten Gott. Was ihr verehrt, ohne es zu kennen, das verkünde ich euch. 24 Gott, der die Welt erschaffen hat und alles in ihr, er, der Herr über Himmel und Erde, wohnt nicht in Tempeln, die von Menschenhand gemacht sind. 25 Er lässt sich auch nicht von Menschen bedienen, als brauche er etwas: er, der allen das Leben, den Atem und alles gibt. 26 Er hat aus einem einzigen Menschen das ganze Menschengeschlecht erschaffen, damit es die ganze Erde bewohne. Er hat für sie bestimmte Zeiten und die Grenzen ihrer Wohnsitze festgesetzt. 27 Sie sollten Gott suchen, ob sie ihn ertasten und finden könnten; denn keinem von uns ist er fern. 28 Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir, wie auch einige von euren Dichtern gesagt haben: Wir sind von seiner Art. 29 Da wir also von Gottes Art sind, dürfen wir nicht meinen, das Göttliche sei wie ein goldenes oder silbernes oder steinernes Gebilde menschlicher Kunst und Erfindung. 30 Gott, der über die Zeiten der Unwissenheit hinweggesehen hat, lässt jetzt den Menschen verkünden, dass überall alle umkehren sollen. 31 Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er den Erdkreis in Gerechtigkeit richten wird, durch einen Mann, den er dazu bestimmt und vor allen Menschen dadurch ausgewiesen hat, dass er ihn von den Toten auferweckte. 32 Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, spotteten die einen, andere aber sagten: Darüber wollen wir dich ein andermal hören. 33 So ging Paulus aus ihrer Mitte weg. 34 Einige Männer aber schlossen sich ihm an und wurden gläubig, unter ihnen auch Dionysius, der Areopagit, außerdem eine Frau namens Damaris und noch andere mit ihnen.

3. Der Hintergrund

Von Vers 16 an betrifft der Akzent dieser Textstelle den offensichtlichen Polytheismus der Athener. Als Jude ist Paulus tatsächlich erschüttert, festzustellen, wie die Stadt voller Götzenbilder ist. Er stützt sich aber auf diese Realität, um das Wort zu ergreifen. Er beginnt seine Rede mit einer so genannten "captatio benevolentiae", indem er die Religiosität der Athener anerkennt: "Athener, nach allem, was ich sehe, seid ihr besonders fromme Menschen (δεισιδαιμονεστέρους)" (Apg 17,22). Dennoch ist dieses Kompliment auf Griechisch zweideutig:  Das Wort "δεισιδαιμονεστέρος" kann sowohl "sehr religiös" als auch "sehr abergläubisch" bedeuten. Da der Leser die Reaktion des Paulus vor den vielen Heiligtümern kennt, versteht er unmittelbar, dass diese Religiosität falsch ausgerichtet ist.

Obwohl seine Rede zahlreiche Andeutungen über die Philosophie und die griechische Kultur (siehe zum Beispiel das Zitat des Dichters in Vers 28) enthält, ist sie aber noch lange nicht philosophisch, sondern vor allem biblisch, da der Inhalt auf den Glauben an den Gott der Offenbarung verweist, der die Welt und die Menschen nach seinem Abbild erschaffen hat. Auf dieser Grundlage führt die Rede des Paulus zur eigentlichen christlichen Botschaft, nämlich das Gericht Gottes durch Jesus (obwohl sein Name hier nicht explizit genannt wird), der von den Toten auferweckt wurde. Paulus benutzt also nicht die Argumente der hellenistischen Philosophie, um die christliche Wahrheit aufzuzeigen, sondern er greift, als hervorragender Redner, in seiner Rede zu dem geläufigen Verfahren der "Anknüpfung": Er stützt sich auf ein Motiv, mit dem seine Zuhörer umgehen können, wie den dem unbekannten Gott gewidmeten Altar in Vers 23. Diese Gottheit ist dennoch nicht mit dem Gott Israels zu identifizieren (Lk schreibt genau "was Ihr verehrt" und nicht "derjenige, den Ihr verehrt"), denn der echte Gott ist nicht eine der zahlreichen Gottheiten, sondern der einzige Gott, Schöpfer des Himmels und der Erde. Paulus schafft also die Meisterleistung, Elemente zu finden, die zwischen der griechischen Kultur und dem christlichen Glauben scheinbar gemeinsam sind, aber ohne in Synkretismus abzugleiten.

Paulus benutzt diese Elemente, indem er sie ihres pantheistischen Sinnes entleert, um an dessen Stelle eine andere Bedeutung im Licht der biblischen Offenbarung zu setzen und damit seinen Zuhörern eine neue Weltanschauung vorzuschlagen. Da die Athener einen unbekannten Gott verehren, stützt sich Paulus auf ihre Unkenntnis, um den einzigen und wahren Gott (Verse 24f.) anzukündigen. Paulus verteidigt sich so, eine fremde Gottheit in die Stadt einzuführen (vgl. Vers 18) und kann sich darüber hinaus erlauben, den heidnischen Kult zu kritisieren: In der Tat wohnt Gott nach der biblischen Tradition "nicht in handgemachten Tempelhäusern" und lässt sich "nicht von Menschenhänden bedienen, als ob er etwas brauchte" (vgl. Pesch, S. 137).

Der einzige und wahre Gott, den Paulus ankündigt, ist eben derjenige, der das ganze Menschengeschlecht aus einem einzigen Menschen (Adam) erschaffen hat, damit es die ganze Erde bewohnt (Vers 26) und Gott sucht (Vers 27). Man findet hier wieder eine Anknüpfung an die griechische Philosophie, die ebenfalls eine Gottesforschung (vgl. Platon, Nomoi VII, 821a; Apol 19b) kennt. Paulus verwendet also Ausdrücke und Begriffe, die seinen Zuhörern bekannt sind, indem er in einer biblischen Perspektive bleibt. Wenn die Suche nach Gott im Menschen angelegt ist, scheint der Erfolg dennoch unsicher: Der Mensch ähnelt eher einem Blinden, der Ihn ertastet. Jedoch ist diese Suche nicht unmöglich, "denn keinem von uns ist er fern" (Vers 27). Aber die Zahl der Heiligtümer und der Gottheiten zeigt, dass die gebildeten Athener sich verirrt haben: "Für Lukas ist eine richtige Kenntnis Gottes nicht durch Spekulation oder Diskussion zu erhalten, die dazu tendieren, die intellektuelle Neugier zu befriedigen, sondern sie verlangt laut der Bibel von den Menschen, auf Gott zu hören (…), der durch die Geschöpfe und die Geschichte spricht" (Rossé, S. 646).

Paulus drückt die Nähe des Schöpfers zu den Geschöpfen mit Hilfe von Begriffen aus ("in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir" vgl. Vers 28), die bei der philosophischen Terminologie Anklang finden. Er setzt aber diese Dreiformel (Leben, Bewegen, Sein) in einen schöpfungstheologischen Zusammenhang und legt sie in einem biblischen Sinn aus.

Das Zitat des Dichters Arat (270 v. Chr.) wurde ebenso geschickt ausgesucht: "Wir sind von seiner Art." Paulus versteht diesen Vers nicht wie Arat in einer pantheistischen Perspektive (in der Zeus fast mit der Natur identifiziert wird, und die Verwandtschaft der Menschen mit dieser Gottheit, also ontologisch ist), sondern legt ihn in einer biblischen Logik aus: "Von Gottes Geschlecht sind die Menschen, da er den "einzigen", aus dem er das ganze Menschengeschlecht schuf (Vers 26a), als "Abbild Gottes" geschaffen hat" (Pesch, S. 139).  Die Athener brauchen nicht länger zu meinen, das Göttliche gleiche einem Gebilde menschlicher Kunst. Da alle Menschen (Heiden wie Juden) Gottes Geschlecht sind, kommt Paulus in Vers 29 zu dem Schluss der Notwendigkeit einer Umkehr.

Nachdem er den schuldhaften Irrtum der Menschen, die Gottheiten verehrt haben, gezeigt hat, kann Paulus nun ihre Unkenntnis aufheben (Vers 30), indem er die Athener dazu einlädt, sich zum wahren Gott zu bekehren und indem er die Auferstehung Jesu ankündigt. Nach der Zeit der Unkenntnis kommt jetzt der Moment der Verkündigung des Evangeliums: Die Heilgeschichte trifft nun die heidnische Welt.

Die Notwendigkeit der Umkehr steht im Verhältnis zum Warten auf das universelle göttliche Gericht durch einen Menschen, der uns durch die Auferweckung von den Toten zum Glauben ruft. Dennoch löst die Erwähnung der Auferstehung für die dualistisch denkenden Griechen Unverständnis aus (Vers 32). Damit wird deutlich, dass "der Glauben nicht durch philosophische Aufklärung bekannt wird, sondern sich durch sein heilsgeschichtliches Handeln (…) bekannt machen lässt" (Pesch, S. 140), nämlich in das Leben, das Gott aus dem Tode schafft (Röm 4,17).

Wenn zahlreiche Zuhörer von Paulus nicht überzeugt worden sind, liegt der Misserfolg nicht am Redner, sondern an der Weigerung des Heidentums, den Gott Jesu Christi anzunehmen.

Die Rede des Paulus war allerdings doch nicht ohne Erfolg. Ein Mann und eine Frau, nach einer typischen lukanischen Darstellung, haben sich bekehrt: Während Damaris die weibliche Präsenz der Frauen in der frühen Kirche zum Ausdruck bringt, zeigt die Umkehr von Dionysios dem Areopagiten, dass das Wort, das gesät wurde, langsam aber sicher Früchte in der Welt der griechischen Kultur zu tragen beginnt.

4. Bibel-Teilen in sieben Schritten

Einladen: Wir werden uns bewusst, dass der Herr in unserer Mitte ist (vgl. Mt 18,20). Dies soll in einem freien Gebet zum Ausdruck gebracht werden.

Lesen: Wer möchte Apg 12, 1-17 vorlesen?

Verweilen: Wir suchen nun Verse oder Gedanken aus dem Text heraus und sprechen sie laut und betrachtend aus. Dazwischen wird jeweils eine Zeit der Stille gehalten. Danach wird der Text noch einmal im Zusammenhang gelesen.

Schweigen: Wir werden still und lassen in der Stille Gott zu uns sprechen.

Austauschen: Wir tauschen uns darüber aus, was uns angesprochen und berührt hat. Was klingt nach? Was kann mein eigenes Denken, meinen Glauben bestimmen?

  • Paulus hat seine Fähigkeit gezeigt, einen Dialog mit der Kultur seiner Zeit zu führen. Inwiefern bin ich ein Mensch des Dialogs? 
  • Die Verkündigung des Evangeliums lässt sich nicht nach dem scheinbaren Erfolg messen. Das Wesentliche ist, dass das Korn gesät wird und wachsen kann. Inwiefern nehme ich an der neuen Evangelisierung teil, zu der die Kirche jeden Christen einlädt?
  • Gott lenkt die Geschichte der Kirche und beschützt sie. Was bedeutet das für mein Christsein? Was bedeutet das für mein Erleben von Kirche?

Beten: Alle sind eingeladen, eine Bitte oder einen Dank an Gott zu richten.

Lobpreisen: Wir singen ein gemeinsames Lied (z.B. GL 505 "Du hast uns, Herr, gerufen"; GL 644 "Sonne der Gerechtigkeit").

Literatur

Lestang, François, Annonce et accueil de l'évangile. Les figures individuelles de croyants dans le deuxième voyage missionnaire de Paul (Ac 16,6-18,18) (EtB.NS 63), Pendé 2012.
Rossé, Gérard, Atti degli Apostoli, commento esegetico e teologico, Roma 1998.
Pesch, Rudolf, Die Apostelgeschichte II, Apg 13 – 28, Neukirchen-Zürich 1986.

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Mehr zum Thema im Internet:

  1. Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.kirchensite.de/bibelarbeiten

Text: Philippe van den Heede, Ruhr-Uni Bochum, Katholisches Bibelwerk im Bistum Münster (Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.bibelwerk.de) in Kooperation mit kirchensite – online mit dem Bistum Münster (Öffnet externen Link in neuem Fensterkirchensite.de) | Foto: Bildpixel, Öffnet externen Link in neuem Fensterpixelio.de, Oktober 2012

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